Andreas Jurca - Die Liga der Loser
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Ich nutzte die Straßenbahnfahrt um mir die Arbeiten genau anzusehen. Richards Arbeit war nicht nur schlecht, sondern im Grunde gar nicht existent. Außer dem Namen, hatte er nichts ausgefüllt. Den hatte ich also wirklich vor einer Sechs bewahrt. Aber momentan war ich einfach nur von meinem Mut begeistert. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so Eier bewiesen hatte wie jetzt. Und vermutlich hätte ich es mich gar nicht getraut, wenn ich nicht so verrückt nach Lea gewesen wäre. Ich überflog die Arbeiten und überlegte mir meinen nächsten Schritt. Richard musste nun erfahren, wer ihn gerettet hatte. Er würde zunächst überrascht, vielleicht auch ein bisschen ungläubig reagieren, doch schließlich würde er sich freuen, wenn er die Arbeit in der Hand hielt. Er wird sich fragen warum ich es getan habe. Was ich dann sage und wie ich dabei wirke ist sehr wichtig. Es musste alles so aussehen, als ob ich es aus selbstlosen Motiven getan hätte. An den Lehrer würde er mich ganz bestimmt nicht verraten. Bei dem Punkt machte ich mir keine Sorgen. Ein störendes Piepsen unterbrach meine Gedanken. Der Alarmton, wenn sich die Türen der Straßenbahn wieder schlossen. Als das Piepsen verklang, widmete ich mich wieder den Blättern zu. Sie waren ziemlich gemischt, mit der Tendenz zu eher schlechten Noten, nach dem ersten Blick zu urteilen. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich mich, dass mich jemand beobachtete. Instinktiv drehte ich mich nach hinten. Mein Herz blieb in diesem Moment stehen. Johannes, einer aus meinem Mathekurs schaute mich an. Und sein zweiter Blick, auf die Arbeiten, bestätigte mir, dass er wusste, was ich in den Händen hielt. Er war immer sehr still. Ich konnte mich nicht erinnern, dass er jemals ein Wort mit mir gewechselt hatte, dass er ein Wort mit irgendjemanden gewechselt hatte. Er war einer der Menschen, bei denen man nicht wusste was in ihnen vorging. Was sie dachten, was sie überhaupt für Interessen hatten. Ich wusste nicht was ich sagen sollte und blickte ihm einfach nur entgegen. Der verschlossene Junge erwiderte meinen Blick eine Zeit lang und ging dann ohne ein Wort ins nächste Abteil und setzte sich hin. Dieser Vorfall hatte mir den Wind aus den Segeln genommen. Ich wusste nicht, wie ich ihn einschätzen sollte; ob er Frau Schmidt sagen würde, dass ich die Arbeiten gestohlen hatte oder ob er Stillschweigen bewahren würde. Einerseits drang es mich dazu mit ihm zu reden, sicherzustellen, dass er kein Wort darüber verliert. Andererseits, war ich verunsichert, weil ich nicht wusste, ob ich es dadurch nicht nur schlimmer machen würde. Mir kam der Einfall, mir seine Arbeit anzuschauen, in der Hoffnung, sie sei schlecht. Dann könnte ich es ihm zeigen und ihn davon überzeugen den Mund zu halten. Ich blätterte durch und fand sie. Er hatte jede Aufgabe gelöst. Nicht eine Zahl war durchgestrichen. Es sah aus, wie eine Musterlösung; perfekter Zeilenabstand, keine Zahl, kein Buchstabe, kein Wort zu viel oder zu wenig, alles sah perfekt aus. Es dauerte eine Weile bis ich mich mit den Aufgaben und seiner Lösung nochmals vertraut machte, aber wie oft ich es mir auch ansah, es sah aus, als ob er eine Eins gehabt hätte. Ich lehnte mich verwundert in meinen Sitzplatz zurück und blickte zu ihm herüber. Gemeinhin galt Richard als der Beste im Mathekurs. Doch als ich versuchte mich daran zu erinnern was Johannes so für Noten hatte, fiel mir keine Situation ein, in der ich jemals seine Note erfahren hätte. Er war schlichtweg unauffällig. Einer dieser Leute, deren Namen man vergisst und woher man sie kennt, wenn man sie nach Jahren wiedersieht. Ich entschied mich mit ihm zu reden. Es stand viel zu viel auf dem Spiel, als dass ich es einfach dem Zufall überlassen konnte. Johannes blickte mich mit diesem undeutbaren Ausdruck im Gesicht an. Was ging nur im Kopf dieses Jungen vor? Ich setzte mich in die Sitzreihe vor ihm und drehte mich ihm zu. "Wenn du es verrätst, bin ich dran." Er schaute mich lange an. In seinen Augen war nur Gleichgültigkeit abzulesen. Ich musste ihn überzeugen. "Hey, die schmeißen mich von der Schule wenn das rauskommt! Bitte, sag niemandem was." Meine Stimme wurde dünner als ich sah, dass meine Worte nicht eine Emotion bei ihm hervorriefen. Hatte er denn gar kein Mitleid? Ich wusste nicht was ich noch sagen oder machen konnte und betrachtete mit Unglauben, wie er einfach nur seinen Kopf wegdrehte und sich die vorbeiziehenden Häuser, Straßen und Autos ansah, ohne mich auch nur eines Wortes zu würdigen. Resigniert kehrte ich zu meinem Platz zurück. Seine Arbeit war gut. Er wird mich verraten.
Mein Stadtteil war das typische Arbeiter- und Ausländerviertel. Und ein dementsprechendes Stadtbild bot sich: Alte, baufällige Wohnblocks, unzählige heruntergekommene Kneipen, Dönerläden, Billigsupermärkte, Autos aus denen mal türkische Musik, mal russische, dann aber auch wieder jugoslawische Musik spielte. Die meisten Deutschen erkannten den Unterschied zwischen russischer und jugoslawischer Musik und Sprache nicht. Das lag nicht daran, dass sie etwa gleich war, es lag daran, dass die meisten Deutschen absolut desinteressiert waren, wenn es um andere Kulturen ging. Außer es war gerade „In“. Wie beispielsweise Italien. Halb Deutschland verbrachte seinen Urlaub in Rimini, die andere Hälfte auf Mallorca. Das lustige an der Geschichte war, dass sie dort in deutsche Restaurants gingen, deutsches Bier tranken, deutsches Essen aßen und natürlich am liebsten umringt von anderen Deutschen waren. Ich fragte mich, wieso reist man in ein anderes Land, nur um dort dasselbe Bier zu trinken, dasselbe Essen zu essen und dieselben Menschen zu treffen, wie Zuhause? Was die Jugendlichen anging, so war es absolut out an den bayerischen Gymnasien ein Ausländer zu sein. Je mehr Schüler aus der ländlichen Region waren, desto unangesagter war man. Das schlimmste war, wenn sich Leute dafür schämten Ausländer zu sein und so taten, als ob sie Vollblutdeutsche waren und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Wurzeln verrieten. Ich war eigentlich ein Halbrusse, konnte aber nur einige Brocken Russisch, obwohl ich es sehr gern sprechen würde. Das Wenige, das ich wusste, hatte ich von meinem Großvater gelernt. Meine Mutter hatte mit mir niemals Russisch gesprochen und das warf ich ihr heute noch vor. Und immer kam diese dämliche Begründung, ich hätte mich sonst nicht angepasst und wäre auf einer Hauptschule gelandet, weil ich kein Deutsch gekonnt hätte. Absoluter Mist. Einerseits konnte ich verstehen, weshalb sich manche schämten Ausländer zu sein. Die Wahrheit war eben die, dass sich in der Unterschicht die meisten Ausländer fanden und diese auch wohl die gewaltbereitesten waren. Vor allem solche zerebral degenerierten Arschlöcher wie Murat und seine Clique, welche mir gerade entgegenlief. Seitdem wir hierhergezogen waren, hatte mich dieser Penner in seinem Visier. Er war der archetypische, kleinwüchsige, dunkelhaarige, gelbzahnige, zurückgebliebene Dreckskanake, dessen einziges Talent darin bestand, mit seinen anderen Kanakenfreunden Schwächere rauszusuchen, welche sie bestahlen, erpressten, verprügelten und erniedrigten, um ihre berechtigten Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren. Und so standen sie vor mir. Es war nicht das erste Mal, aber dennoch hatte ich dieses mulmige Gefühl im Magen. Ein Gefühl welches aufkam, wenn man wusste, dass man jemandem ausgeliefert war. Murat war klein, aber dafür ziemlich kräftig. Er begrüßte mich mit einer leichten Ohrfeige. "Kartoffel, isch habe dir schon oft gesagt, du sollst nichts auf mein Gehweg suchen!" Damit wollte er sagen, ich sollte nicht den Bürgersteig benutzen. Ich antwortete mit zittriger Stimme: "Wie soll ich denn sonst Nachhause kommen?" Es war der Weg, der zwischen den Blocks zu mir Nachhause führte. Als Antwort auf meine Frage schlug er mir mit der flachen Hand über den Kopf. Er musste sich auf die Zehenspitzen stellen um hinzukommen. "Halt's Maul Opfer! Das kost dich jetzt was!" Ich hatte keinen Cent bei mir. "Ich habe aber kein Geld." Er packte mich am Kragen und musterte mich mit dem geschulten Blick eines Ganoven, auf Halsketten, Handy oder anderem Zeug, was einen gewissen Wert hatte. Aber ich trug nichts Wertvolles bei mir. Schnell checkte er auch meine Schuhe ab. Diese Penner schreckten auch nicht davor zurück, einem die Schuhe zu stehlen, wenn es Markenschuhe waren. Nachdem sie mir jedoch einmal ein neues Paar Nikes weggenommen hatten, hatte ich mir nur noch billige Schuhe besorgt, die sie nicht interessierten. "Fick dich du Opfer!" Er verpasste mir einen Schlag in den Magen und ich ging zu Boden. Nicht weil es weh tat, sondern vielmehr aus Angst. Zwei von ihnen packten mich, während Murat den Rucksack an sich nahm, ihn durchwühlte und dabei auch alle Bücher und Hefte auf dem Boden ausschüttete . Mein Glück war, dass sie eine Phobie gegenüber Schulsachen besaßen und diese auch nicht anrührten. Murat suchte lediglich nach Geld oder anderen Wertsachen. Er wurde zunehmend wütender, als er nichts von Wert fand, bis er den Umschlag mit den Arbeiten in die Hand bekam. Er schien sich unsicher zu sein, was es damit auf sich hat und blickte mich an. Und er hatte an meinem Gesichtsausdruck sofort erkannt, dass mir der Umschlag wichtig war. Ohne ihn, konnte ich Richard nichts präsentieren. Jeder könnte sich aufspielen und behaupten er hätte die Arbeiten verschwinden lassen, deshalb war es umso wichtiger, sie nicht zu verlieren, und genau diese Angst spiegelte sich in meinem Gesicht wider. Mit einem ekligen Lächeln öffnete er den Umschlag und schaute hinein. Das Lächeln verschwand, als er die Mathematikaufgaben zu sehen bekam. Mit einem enttäuschten Gesicht fuhr er mich an, die Blätter dabei wedelnd: "Was isch das für Scheiße?!" Am liebsten hätte ich ihm geantwortet: 'Das, du anatolischer Ziegenficker, ist etwas was dein haselnussgroßes Hirn niemals verstehen wird: Mathematik.' Stattdessen antwortete ich schlicht: "Mathe." Er zerknüllte die Arbeiten und schmiss sie mir samt Umschlag an den Kopf, dann beugte er sich über mich drüber. Sein Atem stank säuerlich. "Morgen, 50 Euro oder du bist dran!" Danach spuckte er mir ins Gesicht und wandte sich ab. Die anderen folgten ihm, nachdem sie mir verschiedene Ausdrücke an den Kopf warfen. Ich wischte es mir mit dem Ärmel aus dem Gesicht und blieb auf dem Boden sitzen. Ich hasste sie. Hätte ich eine Pistole gehabt, hätte ich sie alle erschossen. Aber mich selbst hasste ich mehr, weil ich so feige war. Jedes Mal nahm ich mir vor mich irgendwie zu wehren, aber wenn ich dann wieder in so einer Situation war, war ich wie gelähmt vor Angst. Auf allen Vieren machte ich mich daran mein Zeug wieder einzusammeln. Wenigstens hatte er nicht die Arbeiten mitgenommen. Sie waren zwar zerknüllt, aber ich hatte sie noch. Ich hörte Schritte auf mich zukommen. Es war ein älterer Mann. Ich erkannte ihn als meinen Nachbarn, der eine Etage unter mir wohnte. Er war auch ein Türke. Ich hatte noch nie mit ihm gesprochen. Ich schämte mich für meine Situation, es war unschwer zu erkennen, was gerade passiert war und dass mich dabei noch jemand sah, den ich kannte, machte es schlimmer. Schnell wandte ich mein Gesicht wieder zu Boden, um einem Blickkontakt zu entgehen und beeilte mich mit dem Einsammeln. Die Schritte verebbten neben mir. Dann sah ich wie er in die Knie ging und ohne etwas zu sagen mir dabei half die Schulsachen einzusammeln. Er drückte mir einen kleinen Packen Hefte in die Hände und schaute mich an. Keine Verachtung, keine Geringschätzung, nichts von dem was ich stets befürchte, lag in seinem Blick. Er gab mir klar zu verstehen, dass ich mich wieder aufrichten sollte und ich tat es. Der Mann ging weiter. Selbst jetzt hatte er kein Wort gesprochen, doch kein Wort wäre so tröstend gewesen, wie seine Geste. Ich nahm meine Sachen und ging weiter.
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