„Bereitmachen!“, rief ich. Die restlichen fünf Soldaten entsicherten ihre Sturmgewehre und klinkten sich in ihre Seile ein. Nur ich nicht. Ich würde mit meiner Predator One, einer schweren Kampfrüstung, direkt auf das Gebäude springen. Ein Jetpack würde meinen Sturz abfangen. Da ich ein Klon war, konnte ich die Predator tragen. „Shadow One auf Position!“, funkte eines der Scharfschützenteams.
„Schadow Two ebenfalls!“
„Shadow Three auch!“
Ich atmete tief durch.
„Auf in die Hölle!“, befahl ich. Sofort sprangen die Soldaten raus und seilten sich ab. Sekunden später sprang auch ich ab. Im Fallen überholte ich die Soldaten und war innerhalb von Sekunden unten. Kurz vor dem Boden zündete ich den Jetpack und landete weich. Nur etwas später trafen die Soldaten ein. Sie klinkten sich aus und stellten sich neben dem Treppenhaus auf.
„Shadow One, wie sieht´s aus?“, fragte ich.
„Ziel ist immer noch zwei Stockwerke tiefer, bewegt sich nicht.“
„Okay, los, los, los!“
Der Trupp rannte die Treppe runter, die Waffen im Anschlag. Es waren keine Wachen auf dem Weg, keine Geschütze oder sonst irgendeine Verteidigungsmaßnahme.
„Vorsicht Storm, mehrere Wache kommen direkt auf euch zu!“
Sofort blieb der Trupp stehen. Aus einem Seitengang kamen vier Wachen mit leichter Panzerung. Bevor sie merkten, was los war, hatten sie Löcher im Kopf. Tot sanken sie zu Boden. Niemand gab auch nur ein Geräusch von sich. Sofort stürmten wir weiter und kam im besagten Stockwerk an. Murdock war nicht mehr weit. Eine Tür versperrte unseren Weg.
„Shadow, seht ihr etwas? Irgendwelche Wachen?“
„Negativ.“
Die Soldaten verteilten sich um die Tür. Ich stellte mich vor sie und zog eine Blendgranate. Dann öffnete ich leise die Tür und warf die Granate.
Nach drei Sekunden stürmten wir in den Raum. Auf dem Boden lag ein Arcarianer der sich seine Hände dort hinpresste, wo Ohren sein sollten. Sofort umstellten wir den Kerl und richteten die Gewehre auf ihn. Ich riss ihn auf die Beine und fesselte seine Hände auf dem Rücken.
„Du hast das Recht zu schweigen, alles was du sagst, kann und wird vor Gericht gegen dich verwendet werden. Du hast das Recht auf einen Anwalt. Solltest du dir keinen leisten, wird dir einer vom Gericht gestellt“, sagte ich mit Genugtuung. Seit zwei Monaten jagten wir ihn und er hatte meinen besten Aufklärer umgebracht. Am liebsten würde ich ihm eine reinhauen, doch ich konnte mich zurückhalten.
„Abzug, wir haben ihn!“, befahl ich.
Wir brachten Murdock zurück in den Falcon und sammelten danach die Scharfschützen ein. Dann ließen wir die Stadt hinter uns. Niemand würde herausfinden, was gerade passiert war. Kein Blut, keine Leichen, nicht einmal Patronenhülsen würden zurückbleiben.
Ich schaute zu Murdock, der zusammengesunken mir gegenüber saß und auf den Boden starrte. Der
Arcarianer kam mir überhaupt nicht wie ein Terrorist vor.
„Wer war dein Auftraggeber?“, fragt ich daher scharf. Ich bezweifelte stark, dass Murdock alleine arbeitete.
„Ihr werdet ihn nicht aufhalten“, sagte Murdock. „Er ist mächtig, als ihr denkt. Sein Name ist Moriarty!“
Howard University Hospital 7:42 EZ
Matteo Credo
Langsam wachte Matt auf. Eine helle Lampe blendete ihn, also kniff er die Augen zusammen. Nach einer Ewigkeit hatte er sich an die Helligkeit gewöhnt. Vorsichtig schaute er sich um. Neben ihm standen mehrere Apparate, welche seine Lebensfunktionen überwachten. Matt fiel auf, dass er an einen Tropf angeschlossen war. Er versuchte, sich aufzusetzen. Ein stechender Schmerz schoss plötzlich seine Brust herauf. Er schrie auf und ließ sich auf das Kissen zurückfallen. Das hatte ich ja ganz vergessen.
Eine junge Frau betrat sein Zimmer. Matt sah sie aus den Augenwinkeln. Sie war schlank, hübsch und hatte feuerrotes Haar. Matt überlegte, woher er sie kannte. Da fiel es ihm ein.
„Bist du nicht die, die mir das Leben gerettet hat?“, krächzte er.
Erschrocken drehte die Frau sich um. „Doktor, der Agent ist wach!“, rief sie.
„Ohh, nicht so laut! Mein Schädel dröhnt!“, beschwerte Matt sich.
Ein Doktor im langen, weißen Kittel kam in das Zimmer gestürmt. Er stellte sich neben das Bett und überprüfte die Geräte und den Tropf. Dann wandte er sich Matt zu.
„Sie haben verdammt Glück gehabt“, sagte er leise. Wenigstens einer, der Rücksicht auf mich nimmt, dachte Matt mürrisch.
„Wenn Ms. Cook nicht gewesen wäre, wären sie allem Anschein nach an einer Vergiftung gestorben. Sie verdanken ihr Ihr Leben.“
Matt sah zu Ms. Cook rüber und lächelte schwach. Sie errötete.
„Der Pfeil blieb in ihrer Rippe stecken und hat sie angebrochen. Es lief viel Blut aus der Wunde, aber wäre der Pfeil nicht herausgezogen worden, hätte er sie vergiftet. Am besten ruhen Sie sich jetzt weiter aus. Sie werden die nächsten vier Tage im Bett bleiben müssen. Danach dürfen Sie für zwei Monate nur noch eingeschränkt arbeiten.“
Der Doktor verschwand wieder. Stattdessen setzte sich die Rothaarige auf das Bett.
„Hast du auch einen Vornamen?“, fragte Matt vorsichtig.
„Ja.“
„Kannst du ihn mir sagen?“
„Ich kann ihn dir schon sagen. Aber will ich das?“
Diese Frau hatte eine seltsame Art von Humor.
„Würdest du ihn mir sagen?“
„Klar. Ich heiße Ashley.“
„Danke, ich heiße Matteo Credo“, sagte Matt. Er sah ein kurzes Lächeln in Ashleys Gesicht. „Denk nicht mal dran!“, sagte er deshalb schnell.
„Woher weißt du, was ich sagen wollte?“, fragte Ashley überrascht.
„Wenn man sich seit zwanzig Jahren immer denselben Witz anhört, weiß man, wann einer den bringen will.“
Ashley blieb kurz sitzen, dann stand sie auf. „Ich muss zu meiner Vorlesung.“
„Du bist Professorin?“, fragte Matt überrascht
„Danke für das Kompliment. Nein, ich studiere noch. Medizin im zweiten Semester.“
Ashley ging zur Tür.
„Warte!“, rief Matt. Eigentlich krächzte er mehr. „Kann ich dich auf einen Kaffee einladen, wenn ich aus dem Krankenhaus raus bin?“
Was machst du da?, fragte er sich selbst.
„Klar“, sagte sie und verschwand.
Zwei Minuten später betrat sein Team den Raum. „Morgen Boss. Gut geschlafen?“, fragte James.„Absolut. Aber schrei nicht so. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er gleich explodieren.“
„Wir haben uns echt Sorgen gemacht. Die Ärzte sagen, du hast Glück gehabt. Wäre Ashley nicht gewesen, wärst du gestorben“, sagte Ivory.
„Ach, dir hat sie ihren Vornamen gesagt?“, fragte Matt beleidigt.
„Jaaa, dir etwa nicht?“, fragte sie überrascht.
„Ich musste ihr den Namen aus der Nase ziehen. Noch nie jemanden gehabt, der so penibel auf die Fragestellung achtet“, meinte Matt.
„Doch, dich“, warf Michael ein.
Matt ließ sich in sein Kissen sinken. Auch er achtete bei persönlichen Fragen auf die Fragestellung.
„War ja klar, dass das wieder auf mich zurückfällt.“
James zog einen Stuhl dicht an das Bett heran und setzte sich hin. Die anderen tat es ihm nach.
„Jetzt mal ganz unter uns“, sagte James. „Ashley ist ja wirklich heiß. Ich würde freiwillig in den nächsten Pfeil springen, um von ihr gerettet zu werden.“
„Jetzt unterstell mir hier nichts“, sagte Matt. Er boxte James in den Arm, bereute es aber sofort wieder.
„Scheiß Wunde!“, fluchte er.
„Wir haben mitbekommen, wie du sie auf einen Kaffee eingeladen hast“, sagte Michael.
„Ihr habt mich belauscht! Außerdem war das nur eine Geste der Freundlichkeit. Schließlich hat sie mir das Leben gerettet“, beschwerte Matt sich.
„Schon klar.“
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