„Ich denke, ich kann für das ganze Team sprechen, dass wir schweigen werden“, sagte Matt und blickte in die Runde. Alle nickten zustimmend.
„Okay. Euer Toter war Sergeant Laurence Headburns, Teil der Delta Force, A-Schwadron.“
Jetzt machte die Geheimhaltung für Matt Sinn. Die Delta Force war seit jeher die geheimste Truppe des Militärs, seit dem Dritten Weltkrieg hatte sich das nur verstärkt.
„Wir waren auf der Jagd nach einem Terroristen namens Murdock.“
Jacob holte ein Pad heraus und legte es in die Mitte des Tisches. Es zeigte einen jungen Arcarianer mit roter Bemalung. Seine Schnauze stand leicht offen und entblößte die scharfen Reißzähne. Seine Knochenauswüchse am Kopf waren spitzgepfeilt und sahen aus wie Hörner. Insgesamt hatte er etwas sehr Raubtierhaftes, wie jeder Arcarianer.
„Er steht im Verdacht, mehrere Anschläge auf der Erde zu planen und verbreitet im Internet Hetzvideos gegen die Menschheit. Wir hätten den Kerl fast auf Karandum geschnappt. Headburns hatte dabei eine große Rolle gespielt, denn er hatte seinen Aufenthaltsort herausgefunden. Leider ist uns der Dreckskerl dabei entwischt. Wahrscheinlich hat sich Murdock Headburns entledigt, da er ihm zu gefährlich wurde.“
„Das heißt, wir arbeiten gerade an einem Anti-Terror Fall?“, fragte James.
„Sehr wahrscheinlich“, sagte Jacob.
„Das gibt dem Fall eine interessante Wendung“, meinte Matt. „Wir haben noch ein paar Fragen. Wussten Sie, dass Headburns Drogen nimmt?“
Entsetzen war auf Jacobs Gesicht zu sehen.
„Das kann ich nicht glauben. Headburns war einer meiner besten Männer. Der nimmt keine Drogen.“
„Die toxikologische Untersuchung sagt aber etwas anderes. Wir haben eine hohe Dosis Spice in seinem Blut gefunden, eine Droge, die das Schmerzempfinden betäubt und die Wahrnehmung schärft.“
„Oh Scheiße, Headburns du Idiot!“, rief Jacob und stand abrupt auf. „Das würde erklären, wieso er selbst nach dem Splittertreffer weiterrannte.“
„Splittertreffer? Was für ein Splittertreffer?“, fragte Michael.
„Bei unserem Einsatz auf Karandum schlug eine Splittergranate vor ihm ein. Mehrere Splitter trafen ihm vorrangig an Kopf und Bauch. Zu
seinem Glück hatte er eine Schutzrüstung an. Jeder normale Soldat wäre vor Schmerz liegen geblieben, aber Headburns stand wieder auf und rannte weiter. Ich hatte mir keine Gedanken deswegen gemacht.“
Michael schien zu derselben Erkenntnis zu kommen, wie Matt.
„Kann es sein, dass er versucht hat, die Splitter mit der Hand abzufangen? Wir haben Abschürfungen an seinen Handknöcheln gefunden“, fragte er.
„Nein, die Abschürfungen stammen von einem Faustkampf mit einem der Terroristen.“
Matt überlegte kurz, ob es noch etwas gab, was er fragen könnte. Da fiel ihm die Akte ein. Er holte ein Pad aus seiner Jackentaschen und rief das Bild der Akte auf. Dann zeigte er sie Jacob.
„Dies wurde bei Headburns gefunden. Es war leer. Wissen Sie, was er mit einer Akte wollte?“
Jacob überlegte kurz. „Sie wollen Headburns ernsthaft Landesverrat unterstellen?“, fragte er mehr überrascht als wütend. „Auch wenn er Drogen genommen hat, die Menschheit hat er sicher nicht verraten.“
„Wir unterstellen ihm nichts. Sie unterstellen ihm gerade Verrat. Trotzdem, wissen Sie, was das für eine Akte ist und was er damit wollen könnte?“
„Keine Ahnung. Alle Akten sehen gleich aus, nur eine kleine Nummer auf der Innenseite lässt auf den Inhalt schließen. Und was er damit vorgehabt haben könnte? Ebenfalls keine Ahnung.“
Matt steckte das Pad wieder ein und stand auf.
„Danke für Ihre Zeit, Commander. Wenn wir Fragen oder eine Spur haben, melden wir uns bei Ihnen.“
„Danke, ich muss zurück zu meiner Einheit. Wenn wir Murdock haben, erfahrt ihr es als Zweite.“
Und wer als Erster?, fragte Matt sich.
Jacob verließ schnellen Schrittes den Konferenzraum. Matt schaute ihm kurz hinterher, dann wandte er sich seinem Team zu.
„James, hast du ähnliche Fälle gefunden?“, fragte er.
„Ja, aber wir sollten das oben besprechen“, sagte er.
„Wenn du meinst.“
Die vier verließen ebenfalls den Konferenzraum und gingen in ihr Büro. Dort versammelten sie sich um den großen Holoschirm.
„Also, es gab vier ähnliche Fälle, bei denen Menschen mit einem Compoundbogen ermordet wurden.“
James blendete Bilder der Opfer und Pfeile ein.
„Die Pfeile wiesen jedes Mal diese seltsamen Löcher auf, durch die ein Pfeifen erzeugt wurde. Verdächtig wurde in jedem Fall Haythem Loyd, konnte aber nie gefasst werden.“
Das Bild eines Italieners erschien. Er war etwa Ende dreißig und hatte schulterlanges, schwarzes Haar.
„Ich habe schon eine Fahndung nach ihm herausgegeben.“
„Danke. Ivory, was hast du?“
„Der Pfeil stammt aus einer kleinen Fabrik in Hartford, Connecticut. Ich habe den Verkauf von einem dutzend solcher Pfeiler bis zu diesem Mann zurückverfolgen können.“
Ein jung aussehender Afrikaner erschien neben dem Bild von Haythem.
„Aboyeye Mbeke. Er ist kein unbeschriebenes Blatt. Waffenhandel in zwanzig Fällen, Drogenschmuggel in mindestens vierundachtzig und mehrfache schwere Körperverletzung. Den Kerl suchen wir seit zehn Jahren. Das UNMIA geht davon aus, der er die Terroristen vor dem Dritten Weltkrieg mit schwerem Gerät beliefert hat, er wird also auch noch wegen Menschenrechtsverletzungen, Kriegstreiberei, Hochverrats, Terrorismus und Unterstützung von Terrorismus gesucht. “
„Der sieht aus, als wäre er zwanzig oder einundzwanzig“, warf Michael. „Dann muss er ja schon mit acht oder neun Waffen geschmuggelt haben.“
„Früh übt sich“, meinte James.
„Lasst euch nicht täuschen. Der Mann hat mehrere OPs hinter sich. Wahrscheinlich ist er zwischen fünfzig und fünfundfünfzig Jahren alt.“
„Moment. Nur wahrscheinlich?“, fragte Matt.
„Viel ist nicht über ihn bekannt. Er ist ein Phantom. Unwahrscheinlich, dass wir ihn finden werden.“
„Achso, versuch trotzdem dein Bestes. Eine Frage noch. Haben die Überwachungskameras irgendwelche verdächtigen Personen gefilmt?“
„Nein, wahrscheinlich ist der Schütze durch einen Seiteneingang rein und ist den Kameras ausgewichen“, antwortete Ivory.
„Gut. Michael du suchst nach dem Aufenthaltsort von Haythem. James, du kommst mit mir. Wir
werden mal dem UNSC und Baker in Atlas-City ein Besuch abstatten.“
„Alles klar“, sagte James erfreut. Er nahm sein Rucksack und setzte ihn sich auf. Michael und Ivory setzten sich an ihre Schreibtische und begannen mit der Recherche.
Gemeinsam verließen Matt und James das Gebäude und gingen zu Matts Wagen. James setzte sich auf den Beifahrersitz, während Matt auf dem Fahrersitz Platz nahm. Mit einem Brüllen sprang das Auto an und fuhr los.
Matt bog vom Parkplatz ab und fuhr zu einem Raumhafen in Washington. Kurz nachdem sie Langley verlassen hatten, schaltete Matt seine Musik an: Lucifer von XOV.
„So alte Lieder hörst du?“, fragte James verwundert.
„Natürlich. Du etwa nicht?“
„Nein, ich bevorzuge Hannah Dougman.“
„Bitte. Komm mir nicht mit solch modernen Quatsch. Die klingt schrecklich.“
„Du hast doch keine Ahnung“, lachte James.
Den Rest der Fahrt redeten sie über Musik und welche besser sei; modern oder alt. Sie schafften es nicht, sich zu einigen. Nach etwa einer Viertelstunde kamen sie an dem kleinen Raumhafen, oder besser Flughafen an. Matt parkte den Wagen und die beiden stiegen aus. Der Flughafen war ein kleines Gebäude mit einer Glasfront. Die beiden betraten das Gebäude. Im Innern war einiges los. Menschen und Aliens kamen und gingen zu den Gates, andere warteten. Matt ging zu einem Ticketschalter und kaufte zwei Tickets nach Atlas-City. Der Flug würde in zwanzig Minuten gehen. Matt ging zu James zurück.
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