Baker verließ hastig den Raum. Matt und James verließen ihn ebenfalls. Als die beiden außerhalb der Hörweite der Soldaten vor dem Eingang waren, fing James mit einer Vermutung an: „Die scheinen diesen Cabot hier ziemlich in den
Himmel zu loben. Was, wenn er diesen Schutz ausnutzt und geheime Daten verkauft?“
„Das glaube ich eher weniger. Auch wenn ich nichts für das Militär übrig habe, kenne ich Cabot. Als Baker erwähnte, dass der Mann ein Kriegsheld ist, erinnerte ich mich“, sagte Matt.
„Und, wer ist er?“
„Schon einmal vom dunklen Sturm gehört?“
„Ja, er hat doch die SF-1 aus einem Hinterhalt gerettet.“
„Genau der ist Cabot. Durch diese Aktion und der Evakuierung einer ganzen Stadt wurde er quasi zur Legende. Auch wenn ich gehört habe, dass man ihn besser nicht so nennt.“
„Oh. Das heißt, wir arbeiten mit einer Legende zusammen?“
„Ich würde ihn nicht Legende nennen, aber ja.“
„Cool!“ James schien Jacob zu bewundern. Matt hat nichts für ihn übrig.
Die beiden gingen zu ihrem Wagen und verließen die Basis. Die Fahrt durch die Stadt über schwiegen sie. Matt brütete darüber, weshalb Baker sich geweigert hatte, ihnen die Liste zu geben. Bei denen ist doch gewaltig was faul.
Am Raumhafen gaben sie den Wagen zurück und bestiegen das Shuttle. Matt war immer noch in Gedanken und verpasste die Landung in Washington komplett. Erst als James in antippte, schreckte er hoch und merkte, wo sie waren. „Sorry, war in Gedanken“, sagte Matt.
„Worüber hast du nachgedacht?“
„Wieso das UNSC uns nicht die Liste geben will.“
„Ist doch klar. Sie wollen die Identitäten der Personen geheim halten. Ich bezweifle sogar, dass wir überhaupt erfahren werden, wer die undichte Stelle war.“
„Da kannst du sogar recht haben.“
Sie verließen das Gebäude und gingen zum Parkplatz. Plötzlich klingelte Matts Handy. Er holte es raus und nahm den Anruf an. Ein Hologramm von Ivory erschien vor ihm. James stellte sich sofort neben ihn.
„Wir haben den Attentäter ausfindig gemacht. Er war auf mehreren Überwachungsvideos zu sehen.“
„Okay, wo wohnt er?“
„2025 Martin Luther King Jr Ave, ein Einsatzkommando ist schon unterwegs.“
„Sind schon unterwegs.“
Matt sprang in das Auto. James stieg auch ein. Sofort raste Matt los und schaltete sein Blaulicht und Sirene ein.
„Wo hast du eigentlich fahren gelernt?“, fragte James, als Matt um eine Kurve ballerte.
„Auf einem leeren Parkplatz“, meinte Matt schulterzuckend.
„Sehr witzig.“ James hielt sich krampfhaft fest.
Martin Luther King Jr Ave, Washington D.C. 16:43 EZ
Nach zehn Minuten Raserei und etwa hundert Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens kamen sie am Haus an. Es lag direkt neben dem Sozialamt. Matt parkte den Wagen und stieg aus. James stieg ebenfalls aus und ging zu dem Kofferraum. Matt öffneten ihn von vorne aus.
James pfiff anerkennend, als er sah, was drin war.
„Du hast ja ein ganzes Waffenlager“, rief er.
„Ist ja auch mein Dienstwagen.“
Matt ging ebenfalls zum Kofferraum. Dort lagen mehrere Splitterschutzwesten und zwei halbautomatische MP vom Typ Siccaro. Schnell zogen sich die beiden eine Weste über. Matt schnappte sich die MP und lehnte sich an den
Wagen. Die beiden warteten auf das Einsatzkommando.
Nach kurzer Zeit hörten sie einen Polizeigleiter näherkommen. Er war größer als die normalen Skycars und fasste ein ganzes Einsatzkommando. Er war vergleichbar mit den alten Helikoptern. Der Gleiter landete neben dem Wagen. Sechs voll bewaffnete SWAT-Mitglieder verließen das Gefährt. Der Kommandant kam sofort auf Matt zu.
„Sie haben hier das Sagen?“, fragte er.
„Ja, ihre Jungs werden das Gebäude umstellen. Mein Partner und ich werden freundlich anklopfen und ihn festnehmen. Wenn er sich nach einer Minute nicht meldet, stürmt ihr. Verstanden?“, erklärte Matt seinen provisorischen Plan.
„Alles klar. Bewegt euch!“, rief der Kommandant. Sofort rannten die Polizisten los und umstellten das Gebäude. Matt und James gingen zu der Haustür und klopften an.
„IBI, kommen Sie mit erhobenen Händen raus!“, rief Matt.
Man hörte rumpeln im Haus, aber niemand machte die Tür auf. Matt schaute auf seine Armbanduhr. Die Minute war gleich vorbei.
„LETZTE CHANCE!“, schrie er. Immer noch nichts passierte.
Die Minute war vorbei.
„Zugriff!“, befahl der Kommandant. Sofort rannten die Polizisten los und stürmten durch die Fenster. Das Geräusch splitternden Glases war zu hören. Dann gab er mehrere kleine Explosionen, Gewehrfeuer war zu hören. Matt wollte gerade die Tür eintreten, als sie ihn traf. Rückwärts stürzte er zu Boden, und riss James mit. Bevor er aufspringen konnte, rannte der Attentäter mit einem Bogen in der Hand raus. Er hatte eine vollständige Körperpanzerung an. Schnell rappelte Matt sich auf und eröffnete das Feuer auf den Flüchtigen. Doch die Kugeln prallten nutzlos ab. Im Rennen drehte sich der Attentäter um und zogen den Compound aus. Er ließ den Pfeil fliegen. Ein schrilles Pfeifen erfüllte die Straße, Sekunden später durchzuckte ein stechender Schmerz Matt. Der Pfeil war durch seine rechte Brust gegangen. Blut lief aus Wunde. Matt sank zu Boden, vor Schmerz konnte er kaum noch klar denken.
Jetzt ist es aus!, dachte er nur noch.
„Wir brauchen sofort einen Krankenwagen!“, schrie einer der Polizisten. Matt hörte es, als wäre
Watte in seinen Ohren. Langsam verschwamm seine Sicht. James stürzte zu ihm.
„Boss, du wirst das schaffen! Stirb mir jetzt nicht weg!“, sagte er verzweifelt. Tränen liefen über seine Wange.
„Lasst mich durch, ich kann ihn retten!“, hörte er plötzlich eine weibliche Stimme. Er versuchte herauszufinden, woher sie kam. Er sah eine junge, rothaarige Frau, die von einem der Polizisten aufgehalten wurde. Entschlossen stieß sie den Mann weg und stürzte zu Matt.
„Eine Kompresse und einen Verband! Wir müssen die Blutung stoppen! Schnell!“
Sie gestikulierte wild.
„Das wird jetzt wehtun“, sagte sie einfühlsam.
Mit einer gekonnten Bewegung brach sie den Pfeil ab. Eine Schmerzwelle schoss durch seinen Körper.
„Sie haben Glück, der Pfeil ist von einer Rippe gestoppt worden.“
Glück? Wie kann das Glück sein?
„Ich brauche welche, die vorne mit einer Kompresse draufhalten. Ich werde den Pfeil jetzt ziehen.“
„Ist das denn klug?“, fragte James.
„Nein, aber ihn drin lassen auch nicht.“
„Okay.“
James nahm eine Kompresse und hielt sie neben den Pfeil. Dann packte die mysteriöse Frau den Pfeil.
„Das wird jetzt richtig wehtun. Ich zähle bis drei. Eins-Drei!“
Sofort zog sie den Pfeil. Ein ungeheurer Schmerz durchzuckte Matt. Er schrie auf. Du wolltest bis drei zählen!
Sofort drückte James die Kompresse drauf. Endlich glitt Matt in die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit ab. Augenblicklich ließ der Schmerz nach.
Dantiustower, Boston 19:34 EZ
Jacob Cabot
Der Falcon schwebte dicht über dem Dantiustower, einem Wolkenkratzer der gerade gebaut wurde. Ich entsicherte meine Impact und machte mich bereit. In dreißig Sekunden wären die Scharfschützen auf Position und die Operation würde beginnen. Wir hatten einen Tipp bekommen, dass Murdock sich in dem Rohbau verstecken würde. Eine kleine Drohne hatte es vor zehn Minuten bestätigt. Sofort waren wir in das Zentrum von Boston geflogen und hatten die Scharfschützen auf den umliegenden Häusern abgesetzt. Unter uns lief das normale Leben der Einwohner ab. Keiner hatte auch nur eine Ahnung, was sich in fünfhundert Metern Höhe abspielte.
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