Bernt Spiegel - Milchbrüder, beide

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Mehr als jeder dritte Bundesbürger, so eine Studie im Jahr 2019, sieht «Parallelen zwischen aktuellen politischen Ent-wicklungen in Deutschland und der NS-Zeit». Wie kommt man dem mit Mitteln der Literatur näher? Der Autor Bernt Spiegel, Jahrgang 1926, zeigt es. Er erzählt davon, wie ein verbrecherisches System in einer Gesellschaft und einem Staat zur Normalität wird. Spiegel erzählt aus der Sicht der Opfer – und aus der Sicht der Täter. Sein Roman erzählt die Geschichte zweier Jungs mit der gleichen Amme, einer arm, einer reich, einer geht zur SS, der andere nicht.

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Dem Referendar Mack, immerhin ein praktizierender Katholik, waren schon während dieses Redeflusses, wie ihn der Professor gewiss schon des Öfteren abgelassen hatte, gewisse Einwände in den Sinn gekommen; aber er war sich nicht genügend sicher gewesen und hätte sich ohnehin nicht zugetraut, gegen das polternde Gerede des Professors anzukommen. –

Alle paar Wochen gab es neue judenfeindliche Aktionen, die in der Kanzlei stets ausführlich erörtert wurden, auch in ihren juristischen Implikationen. Jedes Mal glaubte Strauss dabei zu spüren, wie fest die ganze Sozietät hinter ihm stand. Manchmal beschlich ihn dann aber das Gefühl, dass sie all diese öffentlichen Kränkungen, Schikanen und Verbote nur deshalb so ausführlich besprachen, weil man ihm zu verstehen geben wollte, dass er eben doch eine Last, wenn nicht gar eine Gefahr für die Sozietät darstelle. Dann dachte er wieder mehr an die Gutwilligen unter den Kollegen, die vielleicht nur deshalb die Schikanen so ausführlich erörterten, damit ihm deutlich würde, wie treu doch alle – oder nur die meisten? – auf seiner Seite stünden. Meistens verwarf er solche selbstquälerischen Erwägungen nach einer Weile wieder und tröstete sich mit dem Gedanken, dass das Thema Judenverfolgung wohl nur deshalb so ausdauernd ventiliert wurde, weil er, der Jude, nun einmal für alle unverrückbar mit zum Kollegium gehörte und daher das Thema für alle eine besondere Aktualität besaß.

So gab es an den Samstagen stets genug zu erörtern. Noch im April wurden aus den Lehrervereinen die jüdischen Lehrer ausgeschlossen, und die jüdischen Ärzte mussten die Kassenärztliche Vereinigung verlassen, womit sie ihre Kassenzulassung verloren. An den Universitäten und Hochschulen wurde für jüdische Studenten ein strikter Numerus clausus eingeführt, der sich streng nach dem prozentualen Anteil der Juden in der Gesamtbevölkerung bemaß. Im Mai folgte dann in vielen Städten die blamable Bücherverbrennung 2. Im Sommer wurden nach und nach die öffentlichen Bäder und viele Badestrände für Juden gesperrt, und im Herbst wurde das Reichserbhofgesetz erlassen, wonach auf diesen Höfen nur noch Bauern geduldet wurden, die die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen und ihre arische Abstammung, wie das hieß, nachweisen konnten.

Und schließlich mussten die sogenannten Kulturschaffenden, die Schriftsteller, Musiker, Maler, Schauspieler, den entsprechenden Sektionen in der Reichskulturkammer 3beitreten, die Juden jedoch verwehrt waren, was freilich manchem ehrgeizigen Nachrücker der zweiten Garnitur nicht ungelegen kam. –

4_Viktors Rückkehr aus dem Internat_Sabine Strauss, eine vielversprechende Geigerin

Viktor hatte sich im Dorf ein paar feste Waschmittelkartons besorgt, die letzten, wie er hörte. Da herrsche jedes Jahr nach dem Abitur, wenn die Oberprimaner endgültig ihre Zelte abbrachen, großer Mangel. Wenn er an sein bescheidenes Bündel dachte, mit dem er vor Jahren hier eingerückt war – nun, ein bescheidenes Bündel, das schien ihm vielleicht etwas übertrieben, ein ordentlicher Koffer war es schon –, dann sollte man nicht für möglich halten, was da inzwischen an kleinen Besitztümern alles zusammengekommen war, vor allem Bücher.

Viktor fühlte sich verlassen, wie er so zusammenpackte, und als er schließlich seine Bilder abgehängt und zum Schluss auch noch das Bett abgezogen hatte, sah das Zimmer wieder ebenso trostlos aus, wie es bei seinem Einzug gewesen war. Später kam dann Dieter Pilgrim in das Durcheinander, er wolle sich unbedingt noch von ihm verabschieden. Darüber freute sich Viktor besonders, er wusste ja (und war sich eben doch nie sicher), dass Pilgrim ihn mochte.

„Wir sehen uns bestimmt wieder, Viktor! Spätestens bei einem Klassentreffen“, versicherte Pilgrim. Als sein Blick, im Hinausgehen schon, auf einen der offenen Bücherkartons fiel, deutete er beiläufig auf eines der Bücher.

„Das würde ich hier nicht offen so herumliegen lassen“, es war das Puppenbuch von Kasimir Edschmid, „das war bei der Bücherverbrennung auch mit dabei.“

„Menschenskind, und ich hätte es gestern beinahe mit aussortiert! Aber jetzt, wo du mir das sagst, Dieter, bleibt es drin“, sagte Viktor und schob es weiter nach unten. „Aber eigentlich ist es doch harmlos, nicht?“

„Aber der Edschmid nicht!“

„Vorhin war der dicke Fitwin da, um auf Wiedersehen zu sagen. Ich glaube, das ist einer von diesen HJ-Schülern? Ob er das Buch gesehen hat?“, lächelte Viktor unsicher.

„Gesehen hat er es vielleicht schon, aber geschaltet hat er nicht, da ist er nicht hell genug im Koppe, keine Angst, und was unternehmen könnte er erst recht nicht. – Mach’s gut, altes Haus!“

Viktor hätte sich, wie die anderen alle, freuen sollen, aber jetzt, da alles Persönliche ausgeräumt war, fürchtete er sich fast ein wenig vor den kommenden Wochen draußen, das ist alles so furchtbar turbulent und unübersichtlich geworden, auch was da in der Politik geschieht. Zu Hause, ohne seine Mutter dort, hatte er schon lange kein rechtes Refugium mehr, das war ihm in den letzten Jahren mit jedem Ferienbeginn deutlicher geworden, und nur zu gern war er am Ferienende wieder ins Internat zurückgefahren. Pilgrim und noch ein paar andere, die sprachen wie die Bergsteiger immer von ihrem ‚Basislager‘, wenn von ihrem Zimmer daheim und ihrem Elternhaus die Rede war, doch sein Basislager war hier, aber das hatte er soeben aufgelöst, und dahin würde es nun keine Rückkehr mehr geben. –

Viktor fuhr mit dem Zug nach Hause, die vielen Gepäckstücke hatte er aufgegeben. Er wollte seinen Vater überraschen; hätte er seine Ankunft mitgeteilt, so hätte sein Vater gewiss darauf bestanden, ihn wegen seines ganzen Hausstandes, wie er das einmal spöttisch genannt hatte, vom alten Herkommer mit dem Auto in Stefansfeld abholen zu lassen oder ihn womöglich selbst abzuholen. Solche Besuche, egal ob von Herkommer auf einer seiner gelegentlichen Kurierfahrten nach Zürich, wenn er ihm von zu Hause etwas hatte vorbeibringen sollen, oder gar Besuche von seinem Vater selbst waren Viktor immer peinlich gewesen. Einmal hatte er das seinem Vater sogar zu erklären versucht, was nicht einfach war; da fiele man nur auf, bei den Schulkameraden, bei den Lehrern und den Mentoren. Viktor wollte stets möglichst ‚fugenfrei‘, wie er es nannte, eingegliedert bleiben, und das hieß bei ihm zwar nicht gerade, unsichtbar zu sein, aber doch auf keinen Fall in irgendeiner Weise an irgendeiner Stelle als etwas Besonderes aufzufallen.

Zu Hause angekommen lief ihm als Erster der Chauffeur Herkommer über den Weg. Der gratulierte ihm zum bestandenen Abitur herzlich und fast begeistert und ohne die geringsten Vorbehalte gegenüber höherer Bildung, wie er sie bei seinem Sohn Ludwig stets geäußert hatte, und Viktor sagte ein paar mitfühlende Worte zum frühen Tod von Herkommers Frau im vergangenen Jahr – so lange hatte er Herkommer nicht mehr gesehen. Viktor war wirklich traurig, Frau Herkommer, gewiss nur eine einfache Frau, hatte dem ganzen großen Haus nach dem plötzlichen Verschwinden seiner Mutter einen gewissen Halt gegeben, und sie hatte ihm, den sie besonders ins Herz geschlossen hatte, immer wieder einmal per Post, mit unbeholfener Schrift, eine ihrer selbstgemachten Köstlichkeiten ins Internat geschickt, was ihn manchmal fast zu Tränen gerührt hatte; und schließlich, nicht zu vergessen, musste sie doch wohl, obgleich man nicht darüber sprach, anstelle seiner Mutter seine Amme gewesen sein, denn sonst wäre ja Ludwig nicht sein Milchbruder.

Herkommer brachte ihn, als ob er ein Fremder sei, nach oben zu seinem Vater, der momentan etwas erkrankt sei, und erklärte ihm auf dem Weg dahin, anstatt ihm Näheres über den Zustand seines Vaters zu sagen, dass es in Deutschland unglaublich aufwärts gehe – in Deutschland, sagte er, als ob Viktor all die Jahre im Ausland zugebracht hätte.

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