Bernt Spiegel - Milchbrüder, beide

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Milchbrüder, beide: краткое содержание, описание и аннотация

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Mehr als jeder dritte Bundesbürger, so eine Studie im Jahr 2019, sieht «Parallelen zwischen aktuellen politischen Ent-wicklungen in Deutschland und der NS-Zeit». Wie kommt man dem mit Mitteln der Literatur näher? Der Autor Bernt Spiegel, Jahrgang 1926, zeigt es. Er erzählt davon, wie ein verbrecherisches System in einer Gesellschaft und einem Staat zur Normalität wird. Spiegel erzählt aus der Sicht der Opfer – und aus der Sicht der Täter. Sein Roman erzählt die Geschichte zweier Jungs mit der gleichen Amme, einer arm, einer reich, einer geht zur SS, der andere nicht.

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Nachdem es in der Bayreuther Straße allerdings zu einem Brand gekommen war, bei dem die Feuerwehr hatte eingreifen müssen, wurde noch am späten Vormittag von der Gauleitung jede Art der ‚Feuermarkierung‘, wie sie das nannten und auf die angeblich der Gauleiter Streicher persönlich gekommen war, gestoppt. –

Wieder zu Hause warf sich Violet aufgelöst auf ihr Bett. Nach einer Weile hörte sie mit Unbehagen, dass Herkommer in der Wohnung war. Sie wollte jetzt allein sein. Doch es ging nicht lange, da glaubte sie, ein Geräusch an der Tür wahrzunehmen. Sie hob den Kopf und tatsächlich, da war ein ganz leises Anklopfen zu hören. Es war ein vorsichtiges Anklopfen nur, aber es war trotzdem, gerade jetzt, eine lästige Störung. Für einen Augenblick war Violet überrascht, dass das Anklopfen dennoch so zärtlich klang, und rief fragend: „Ja?“

Die Türklinke senkte sich zögernd, und dann erschien mit einem sanften Lächeln Herkommers Gesicht im Türspalt. Violet schloss tief atmend die Augen und flüsterte:

„Schrecklich das alles –“

„Die sind vom Affen gebissen!“, antwortete Herkommer laut.

Violet spürte, wie sich Herkommer behutsam auf den Bettrand setzte.

„Warst du da auch dabei?“, fragte sie schließlich.

„Das waren die SA-Stürme, ich bin im Stab bei der Partei, in der Kreisleitung.“

Danach herrschte wieder Stille, kein Wort über Minuten.

„Hab keine Angst! Du stehst unter meinem Schutz!“

Darauf Violet: „Wir werden von nun an noch viel mehr im Verborgenen leben müssen! Ich ertrage das nicht länger –“

Mein Leben war so schön wieder ins Gleichgewicht gekommen die letzten Jahre, dachte Violet, ach, hätte ich ihn doch nie gesehen! Doch das war ungerecht, wie sie schnell wieder einsah. Ihr Leben war mit Ludwig, bei allem Kummer, ungleich vielfältiger geworden. Eintönig geradezu war es gewesen, bevor er kam. Wie viel Spannung und Bewegung war mit ihm eingezogen! Diese Jugendlichkeit, dieses Unverbrauchte! Es reizte sie, dass bei ihm alles noch so offen war, kein fertig ausgeprägter Mann mit seinen Abnutzungen und speziellen Eigenarten, sondern ein Mann wie fabrikneu gewissermaßen, ein Mann im Ursprungszustand, könnte man sagen. Ihre Gedanken waren wirr. Sie musste für einen Augenblick sogar eingeschlafen gewesen sein und hätte so gerne weitergeschlafen, um ihren Gedanken zu entgehen.

Warum nur litt sie so sehr darunter, dass sie ihre Verbindung verborgen halten mussten? Es kam ihr vor, als müssten sie ständig im Dunkeln leben. Sie hätte so gerne immer wieder einmal mit ihm zusammen hinaus gewollt – mit ihm zusammen ins Café gehen, in ein Restaurant, ins Theater, ins Kino. Mit ihm durch die Straßen schlendern, in die Läden schauen, Hand in Hand über die großen Plätze bummeln.

Ging es ihr womöglich darum, so prüfte sie sich selbst, ihn, ihren Ludwig als ihren Fang, den anderen Leuten vorzuzeigen? Oder darum, schicke Kleider mit ihm auszuführen? Nein, das war es gewiss nicht. Lebte sie doch wie in einem großen Bienenkorb mit vielen anderen zusammen, kannte unendlich viele und war mit dem einen näher, mit den anderen weniger vertraut; Nürnberger aber sind es alle, und man war doch offen und aufgeschlossen einander gegenüber. Und da wird ihr dann plötzlich abverlangt, etwas Schönes zu verbergen, es vor den anderen zu verstecken, zu vertuschen, so zu tun, als ob man sich nicht kenne. –

Wahrscheinlich war die strenge Geheimhaltung und das strikte Verbergen für Herkommer noch viel wichtiger als für sie, dachte Violet. Schützen wird er mich natürlich nicht können, wie er meint, da ist er naiv. Aber das Naive in so vielen Dingen, das Unbefangene, das ist ja immer wieder auch das Schöne an ihm. Ist er auf die Braunen hereingefallen oder ist er vielleicht doch fanatisch, wie Tante Constanze gefragt hat? Ich werde nicht klug aus ihm.

Violet wusste nicht so recht, ob sie sich über Ludwig oder sich selbst ärgern sollte. Es gab Augenblicke, da hasste sie ihn geradezu, aber zugleich wusste sie, dass sie nicht wieder von ihm loskommen würde. Aber loskommen, das wollte sie doch gar nicht, wie sie sich gleich wieder selbst versicherte.

Sie hielt die Augen immer noch geschlossen und spürte, dass Herkommer noch immer auf dem Bettrand saß.

„Ich weiß, Ludwig“, rief sie plötzlich laut und setzte sich mit einem Ruck auf, sodass Herkommer fast erschrak, „ich werde eine Porträtreihe von dir machen!“

„Machst du denn auch Porträts? Ich habe bei dir immer nur an wilde Landschaften gedacht.“

„Oh doch, schau nur in den zwei Bildbänden, die ich dir geschenkt habe, die Menschen einer Landschaft sind mir genauso wichtig. Sie gehören zur Landschaft und die Landschaft zu ihnen, und manchmal erklären sie einander sogar. Wenn ich von einem Menschen ein Porträt gemacht habe – das sind ja meistens gleich mehrere –, verstehe ich das Gesicht danach besser als vorher; und wenn ich ein Gesicht erst einmal wirklich verstanden habe, dann verstehe ich die ganze Person.“

„Aha, deshalb willst du mich porträtieren“, lachte Herkommer.

„Ja, tatsächlich! Eben das ist der Grund! Wir kennen uns ja schon seit einiger Zeit, aber ich kenne dich noch immer nicht genug. Ich werde einfach nicht klug aus dir.“

Und dann zärtlich: „Ich will dich doch ganz genau kennenlernen, Ludwig.“

Die Aufnahmen dauerten Stunden. Violet war mit einer bemerkenswerten Konzentration bei der Sache, wie er das an ihr gar nicht kannte. Sie sprach kaum ein Wort und huschte lautlos zwischen Kamera, Scheinwerfern und Reflexionsflächen hin und her, um immer wieder, kaum erkennbar, eine Stellung oder eine Einstellung um eine Nuance zu verändern. Herkommer hätte nie gedacht, dass das eines solchen Aufwandes bedarf.

„Da ginge ja malen schneller“, spottete er.

„Soll ich dich knipsen“, hielt Violet für einen Augenblick mit ihren Vorbereitungen inne, „oder dich porträtieren?“

Ludwig ließ alles mit sich geschehen, und zum Schluss wollte sie dann noch ein Bild von ihm machen in einer kühn wirkenden Position. Das war ihr alles irgendwie zu lahm bis dahin, zu unbeteiligt, obwohl sich Herkommer alle Mühe gab.

„Setz deinen rechten Fuß hier auf den Stuhl! Und jetzt beugst du dich etwas vor und stützt dich mit dem rechten Unterarm auf dem Knie ab – den Unterarm abwinkeln! Ja, so.“

„Kopf etwas höher“, rief sie und kam unter ihrem schwarzen Tuch hervor, „schau etwas mehr über die rechte Schulter, ja, ein Stück an mir vorbei! Den Blick noch ein wenig höher! Sehr gut! Du musst entschlossen hinausblicken ins Land! Du musst spähen! – Spähe!“

Mein Gott, jetzt sieht er aus, als ob er von Thorak geschaffen sei, dachte Violet, als sie wieder hinter ihrem Apparat hervortrat und Herkommer so dastehen sah.

„Mal gespannt. Das letzte Bild kannst du deinen Parteibonzen vorlegen, wenn sie mal ein Bild von dir brauchen.“

„Ach, das sind keine Bonzen, das sind ganz natürliche Menschen. Pfundsleute, zum Teil!“

Später, noch in der Dunkelkammer, schaute sie sich dann die Bilder in immer wieder anderer Reihenfolge nachdenklich an und schließlich befand sie mit großer Gewissheit: Er ist nicht fanatisch. Er kann gar nicht fanatisch sein. Dazu brauchte es ein ganz bestimmtes böses Feuer, das er nicht hat. Er ist nicht böse. Aber er ist eiskalt. Oder richtiger: nicht einmal im Affekt zu erhitzen und aus der Balance zu bringen. –

Ein paar Wochen später hörte Violet beim Friseur, dass der Konditor Rothenburger auswandert. Die Friseuse sprach unablässig, machte aber, auch mitten im Satz, immer wieder einmal eine kleine Pause, um, etwas zurückgebeugt, ihre letzten Schnitte zu überprüfen. Es war schon recht, man merkte genau, dass ihr der Fassonschnitt wichtiger war als das Schwätzen.

„Wissen Sie, das ist nämlich ein Jud – nur fort damit! Aber sein Café bleibt! Da bin ich froh, ich bin all die Jahre immer gern hingegangen –

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