Bernt Spiegel - Milchbrüder, beide

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Mehr als jeder dritte Bundesbürger, so eine Studie im Jahr 2019, sieht «Parallelen zwischen aktuellen politischen Ent-wicklungen in Deutschland und der NS-Zeit». Wie kommt man dem mit Mitteln der Literatur näher? Der Autor Bernt Spiegel, Jahrgang 1926, zeigt es. Er erzählt davon, wie ein verbrecherisches System in einer Gesellschaft und einem Staat zur Normalität wird. Spiegel erzählt aus der Sicht der Opfer – und aus der Sicht der Täter. Sein Roman erzählt die Geschichte zweier Jungs mit der gleichen Amme, einer arm, einer reich, einer geht zur SS, der andere nicht.

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Entgegen den Erwartungen der Partei verhielten sich die Passanten meistens schweigend und eher reserviert, vor größeren Objekten bildeten sich Ansammlungen, aber selten nur stimmten die Zuschauer in die Feindseligkeiten mit ein, gelegentlich solidarisierten sie sich sogar mit den Bedrängten.

Hatten bis dahin die Festnahmen eher im Verborgenen und die Diskriminierungen nur im Hintergrund stattgefunden, so brachen nun Diskriminierung und auch Verfolgung auf breiter Bahn in aller Öffentlichkeit los. Nicht das geringste Bemühen um Vertuschung mehr, im Gegenteil, ostentative Zurschaustellung der Verfolgung und unverhohlene Ausgrenzung der Verfolgten.

Diese Aggression gegen die Juden hatte die größte Öffentlichkeit, vielleicht abgesehen von der Reichkristallnacht viel später. Jeder bekam es mit.

Bis dahin hatte die Propaganda vor allem die Aufgabe, bekanntgewordene Fälle von Diskriminierung und Verfolgung ‚verständlich‘ zu machen, sie zu verharmlosen, zu vertuschen oder einfach abzustreiten. Nun kehrte sich das geradezu um. Von jetzt an hatte sie dafür zu sorgen, dass die unerbittliche Härte des Regimes gegenüber den Juden wie überhaupt den Gegnern des Regimes möglichst publik und allmählich zur anzustrebenden und schließlich selbstverständlichen Einstellung für alle wurde. Das war von unmittelbarem Einfluss auf Straussens Situation in der Kanzlei, denn diese Verschiebung der Werte wirkte, wenn auch vielleicht abgeschwächt, natürlich auch in die Kanzlei hinein, und so gehörte er, auch für die ihm nach wie vor freundschaftlich Verbundenen, immer deutlicher zu eben diesen Ausgegrenzten.

„Ja, gewiss, Strauss selber ist schon in Ordnung“, hörte Strauss zwei Herren sich unterhalten, die gerade in die Bibliothek kamen und offenbar nicht bemerkt hatten, dass er blätternd hinter einem der freistehenden Doppelregale stand. „Aber allmählich stellt er eben doch eine gewisse Belastung für die Sozietät dar.“

„Die werden wir ja noch stemmen können!“

„Jaja, wir tun ja alles. Aber unterschätzen Sie nicht die Wirkung der Propaganda. Die Öffentlichkeit, alles andere als gefeit gegen den Antisemitismus, hat immer größere Vorbehalte gegenüber den Juden. Der Judenboykott richtete sich ja nicht nur gegen jüdische Geschäfte, sondern ausdrücklich auch gegen jüdische Anwälte und Ärzte. Wir gelten draußen allmählich als jüdische Kanzlei!“

Es waren wohl von Marwitz und der Referendar Mack, an sich zwei angenehme Kollegen und ein gut eingespieltes Gespann, die da miteinander sprachen. Marwitz war langjähriger Associé und hatte sich Mack, der als der hoffnungsvollste der drei Referendare bereits einen Vorvertrag als künftiger Associé in der Tasche hatte, als seinen besonderen Assistenten herangezogen, den er englisch ‚Mac‘ zu rufen pflegte und dem er als internes Kürzel und Diktatzeichen ‚Mc‘ zugewiesen hatte.

Strauss war äußerst unbehaglich zu Mute. Wenn sie ihn sehen würden! Das wäre ihm unendlich peinlich – als ob er sie hätte belauschen wollen! Aber wieso denn ihm peinlich, fragte er sich ärgerlich, was hatte er denn getan? Es war ihm doch nur deshalb so peinlich, weil er wusste, wie peinlich es den beiden sein müsste, wenn sie ihn sähen. Und es ärgerte ihn, dass er sich in seiner eigenen Kanzlei verborgen halten musste. Zum Glück gingen sie bald wieder. –

2_Der Judenboykott in Nürnberg am 1. April 1933

Am Samstag des Judenboykotts war Violet Bohner nichtsahnend in der Früh zum Einkaufen gegangen. Der Konditor Rothenburger, den sie schon seit vielen Jahren gut kannte, war gerade damit beschäftigt, die breite Klinke und die Messingbeschläge der Eingangstür zu seinem Café auf Hochglanz zu bringen und erklärte ihr gut gelaunt, wie wichtig das sei, nicht nur, weil das jetzt in der Frühjahrssonne so wunderschön aussehe, wobei er prüfend einen Schritt zurücktrat, sondern weil das Messing nur dann, wenn es wirklich blank sei, die Bazillen, die sich unvermeidlich darauf ausbreiteten, abtöten könne. Violet hatte da ihre Zweifel, aber sie erfreute sich an seinem behaglich klingenden Fränkisch, das sie so gerne hörte, und sie überlegte, ob es vielleicht doch nicht ganz stimme, dass jede Großstadt auch die schönste Mundart im Lauf der Zeit verdirbt und zugrunde richtet, als plötzlich auf Rothenburgers Hand, die gerade noch einmal über die Rundung der Klinke fuhr, ein breiter Farbpinsel spritzend niederschlug und gleichzeitig, zusammen mit einem hässlichen Fluch, die Worte ertönten ‚Nimm dei Pfotn weg, Stinkjudd dreckiger, und mach fei Platz!‘

Es war seltsam, aber noch ehe Violet herumfuhr – in diesem winzigen Augenblick, da die samstägliche Vormittagsidylle umkippte in die Grausamkeit des organisierten Judenboykotts –, fiel ihr als Erstes schaudernd auf, wie ekelhaft ein Großstadtdialekt halt doch klingen kann, dann erst wich sie vor dem schwitzenden SA-Mann zurück, der riesengroß direkt hinter ihr stand und sich anschickte, halb über sie hinweg einen ungelenken Davidstern auf das Glas der Eingangstür zu schmieren.

Rothenburger stand sprachlos da, mit weit geöffneten Augen und offenem Mund, und wischte sich hilflos die Farbe von den Fingern, und Violet lief wie ein Kind weinend davon.

Sie hastete verstört durch die Straßen. Allenthalben das gleiche Bild: Geschäfte mit vollgeschmierten Schaufenstern; davor, Plakate klebend, Männer in braunen Uniformen; dazwischen ein paar überraschte Passanten, eher irritiert als begeistert; keiner von ihnen, der versucht hätte, in einen der Läden einzutreten. Sie lief und lief, als könne sie dem Geschehen entkommen, sie lief, als müsse sich doch endlich eine Straße finden lassen, in der noch Frieden herrschte und wo die Gewalt, die überall schon lauerte, noch nicht losgebrochen war.

Am schlimmsten wüteten die Trupps weiter im Norden der Stadt. Als Violet dort ankam, waren sie bei einem großen Automobilhändler gerade dabei, mit Hilfe einer fauchenden Lötlampe einen meterhohen Davidstern in ein Garagentor zu brennen. Das war, tiefschwarz auf dem dunkelbraunen Holz, für Violet, die Fotografin, ein ungemein bedrohlich wirkendes Bild, und die Straße roch nach Aufruhr, Brand und Krieg. Für einen Augenblick glaubte Violet, ein paar Häuser weiter in einem Rudel Uniformierter Ludwig erkannt zu haben, der sich schon seit Tagen nicht mehr zu Hause hatte sehen lassen. Als sie näher kam, sah sie, dass die Männer dort damit beschäftigt waren, mit offenbar vorher angefertigten Metallstempeln, die sie mit einem Schweißbrenner erhitzten, handtellergroße, aber durch die Art der Aufbringung recht exakte Davidsterne in das Holz dieser oder jener Haustür einzubrennen.

„Eines Tages werden wir noch die Juden selber so markieren“, unterhielten sich vergnügt zwei junge SA-Männer über ihre Arbeit.

„Ja, auf den dicken Arsch draufgebrannt. Wie die Brandzeichen bei den Pferden!“, lachten sie zusammen.

„Mensch, das würde ich gern mal machen. Auch bei den fetten Weibern!“

Ludwig war nicht mit dabei. Violet atmete auf und war zugleich enttäuscht, ihn nicht angetroffen zu haben. Sie hatte Ludwig noch nie in Uniform gesehen, die zu tragen er sorgfältig vermied, wenn er in die Wohnung kam.

Violet wehrte sich gegen den Gedanken, der ihr beim Betrachten dieses kleinen Davidsterns kam, aber sie konnte ihm nicht entkommen: Durch seine Akkuratesse nämlich erhielt dieser Davidstern, dem gegenüber die mit dem Pinsel oder auch mit der Lötlampe aufgebrachten Sterne nur pöbelhafte Schmierereien waren, den Anschein einer gewissen Legitimation, sodass er den Charakter einer offiziösen Kennzeichnung gewann. So spricht die Staatsgewalt! Die hingeschmierten Sterne dagegen, die stammten von denen aus der Gosse, die auch mittun wollten. Wie hier, so hätte man die Davidsterne überall machen müssen, ging es Violet durch den Kopf, und gleichzeitig ärgerte sie sich, dass es mit ihr schon so weit gekommen war, dass sie sich Gedanken darüber machte, wie es der Feind besser machen könnte.

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