Bernt Spiegel - Milchbrüder, beide
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Irgendwann am späten Nachmittag schlich sich Viktor hinaus, weil er den Dr. Fellgiebel, der ihm die Geschichte mit der Adoption in Aussicht gestellt hatte, nicht verpassen wollte. Als er zu Hause eintraf, war Fellgiebel schon oben bei seinem Vater. Er wartete in einem Sessel unten in der Halle, die eigentlich nichts anderes als ein geräumiges Treppenhaus war mit einer umlaufenden Galerie auf der ersten Etage.
„Ah, Viktor, das ist gut, dass ich Sie treffe“, rief ihm Dr. Fellgiebel von oben zu, während er die Treppe herunterkam, „ich muss Ihnen doch die Geschichte von der Adoption Jans noch erzählen!“
Und unten bei Viktor angekommen, fuhr er etwas irritiert fort: „Können wir uns nicht irgendwo reinsetzen?“
Offenbar war ihm die Unterhaltung in der Halle allzu öffentlich, und leise sprechen war seine Sache nicht. Sie verschwanden in einem kleineren Raum mit verglaster Tür, der merkwürdigerweise Schreibzimmer genannt wurde, und Fellgiebel begann zu erzählen, noch ehe sie recht saßen.
„Ja, diese Adoption! – Also: Letztes Jahr im Spätsommer kündigte mein alter Freund Dr. Hossenlopp aus Colmar seinen Besuch an. Wir haben zusammen in Würzburg und München studiert und sind dicke Freunde geworden; durch ihn übrigens habe ich meine Frau Marianna kennengelernt. Er war ja inzwischen zu einem richtigen Franzosen geworden“, lachte Fellgiebel, „und wollte in seinem neuen Auto eine Deutschlandreise mit seiner Frau machen, als erster Anlaufpunkt waren wir hier in Mannheim vorgesehen. Es war alles so schön geplant. Weil herrliches Sommerwetter war und weil das Wochenende bevorstand, haben wir ausgemacht, uns im Michelstädter Stadion zu treffen. Du kennst dieses herrlich gelegene Freibad dort, direkt am Wald? Das schönste Schwimmbad im ganzen Odenwald!“
Fellgiebel kam mit ‚Sie‘ und ‚du‘ durcheinander, aber darüber freute sich Viktor.
„Dort wollten wir dann den Tag an der frischen Luft und in der Sonne verbringen, und erst gegen Abend zusammen nach Mannheim zurückfahren. Ich fuhr mit dem Auto schon am zeitigen Vormittag mit den Kindern und einer Tante und deren Mann voraus, meine Frau blieb zu Hause zurück, um Hossenlopps in Empfang zu nehmen und sie nach Michelstadt zu geleiten. Wir verbrachten im Stadion einen vergnügten Vormittag, Hossenlopps schienen sich Zeit zu lassen. Gegen Mittag wurde ich ans Telefon gerufen. – ‚Hallo?‘, ich hörte nur jemanden schwer atmen und spürte im gleichen Augenblick, dass das meine Frau sein musste, ‚Hallo! Marianna!‘, und dann hörte ich sie nach ein paar Sekunden sagen – langsam, ausdruckslos und nicht einmal verzweifelt – ‚er ist tot, sie schwerverletzt.‘“
Fellgiebel fiel es auch jetzt noch schwer, darüber zu sprechen.
„Sie waren in Oggersheim, wenige Kilometer vor ihrem Ziel, in einer Kurve gegen eine steinerne Haustreppe geprallt. In der Handtasche von Frau Hossenlopp fand sich ein Zettel mit der Adresse und der Telefonnummer von uns, sodass man die wartende Marianna benachrichtigen konnte. Sie ist mit einem Taxi sofort ins Krankenhaus nach Ludwigshafen gefahren, gerade noch rechtzeitig wohl, um der Sterbenden ihr Wort zu geben, sich um die beiden zu Hause gebliebenen Kinder Jean und Germaine zu kümmern – ‚als ob es meine eigenen wären‘, hat ihr meine Frau versprochen.“
„Ah – und das ist der Jan?“
Fellgiebel nickte und fuhr fort: „Nach einigen Verwicklungen mit den französischen und deutschen Behörden und endlosen Laufereien meiner Frau – du machst dir da keinen Begriff! – landeten die beiden in dem jüdischen Kinderheim von Claire Weimersheimer in Herrlingen. Herrlingen liegt am Rand der Schwäbischen Alb, in der Nähe von Ulm. Zu diesem Kinderheim hatten wir eine enge Verbindung, weil wir dort schon Jahre vorher unseren behinderten Sohn Siegfried untergebracht haben und sich ein fast freundschaftliches Verhältnis, vor allem durch meine Frau, zu Claire Weimersheimer entwickelt hatte. Ein Glück war, dass dieses Geschwisterpaar, bei dem es sich übrigens nicht um die leiblichen Kinder von Hossenlopps handelt, sondern das von ihnen adoptiert worden war, zweisprachig aufgewachsen ist. Die beiden waren noch keine zwei Monate in Herrlingen, da wurde plötzlich die schon lange erwogene Auswanderung des ganzen Kinderheimes nach Palästina aktuell …“
Viktor hörte mit sichtlichem Interesse zu und freute sich, dass ihn dieser wichtige Herr in seinem Erzähldrang so ernst nahm, und Fellgiebel tat es wohl, einen so aufmerksamen Zuhörer gefunden zu haben, und so holte er weit aus.
„Vielleicht hätte Frau Weimersheimer diesen Entschluss schon viel früher fassen sollen, aber sie schaffte das einfach nicht, hat sie sich doch tatsächlich immer wieder die Frage gestellt, auch in langen Nachtgesprächen mit uns, ob sie Deutschland denn aufgeben soll. Deutschland aufgeben , hat sie gesagt; du musst das verstehen, Viktor, im Sinne von ‚Deutschland preisgeben‘ , es seinem Schicksal überlassen, sich zurückziehen, das hat sie monatelang umgetrieben. Frau Weimersheimer war nicht die einzige, die so dachte. Das waren deutsche Juden . Die verließen nicht Feindesland, obwohl sie allen Grund gehabt hätten, das so zu sehen, sondern sie verließen ihre Heimat.“
Viktor dachte an Bienchen und ihren Vater, ob es nicht überhaupt besser sei, wenn auch Straussens … Aber Dr. Fellgiebel erzählte schon weiter.
„Man hatte Frau Weimersheimer vertraulich bedeutet, dass die beantragte Ausreisegenehmigung wohl in Kürze erteilt werde. Die entstandene Unruhe und Aufregung im Kinderheim war unbeschreiblich, fast täglich reisten ratlose Eltern an, um sich mit Frau Weimersheimer zu besprechen. Auch für sie selbst war das eine äußerst schwierige Geschichte. Bedenken Sie nur, Viktor, diese Ausreisegenehmigung galt nur für eine begrenzte Anzahl von Kindern und reichte nicht für alle aus. Wichtig war für sie, möglichst bei allen jüdischen Kindern, die ja die eigentlich gefährdeten waren, die Zustimmung der Eltern zu erlangen, was offenbar in den meisten Fällen gelungen ist. Bei den anderen Kindern waren dann alle möglichen sonstigen Gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen, und die beiden kleinen Hossenlopps standen als elternlose Kinder ohnehin an bevorzugter Stelle. Aber du glaubst nicht, was wir für ein Theater hatten mit den Vormundschaftsgerichten und dem Tribunal des tutelles , mit Deutschland und Frankreich und Hin und Her.
Am einfachsten wäre es wahrscheinlich gewesen, wir hätten die beiden adoptiert, aber wir sahen gleich, dass das in der kurzen Zeit, die vermutlich noch blieb, wohl nicht mehr zu schaffen war. Außerdem belastete uns ein anderes Problem noch viel mehr: Frau Weimersheimer hätte unseren Sohn Siegfried gern nach Palästina mitgenommen, denn sowohl sie als auch wir sahen immer wieder, dass er am besten noch in ihrem Kinderheim gedieh. Marianna, also meine Frau, geriet in einen fürchterlichen Konflikt. Sie hing an ihrem Sohn, gerade weil er so benachteiligt war. Schon dass sie ihn seinerzeit in das Kinderheim weggeben musste, war ihr manchmal wie ein Abschieben vorgekommen. Ihn jetzt aber nach Palästina mitzuschicken, das schien ihr der komplette Verrat. Aber dann nahm die Geschichte eine plötzliche Wendung, indem sich ziemlich gleichzeitig zweierlei ereignete. Das eine war: Wir hatten Siegfried, weil das in Herrlingen zurückbleibende Rest-Kinderheim eine ungewisse Zukunft hatte, wieder zu uns nach Hause genommen und versuchten nun, ihn hier regulär einzuschulen. Bei der Untersuchung durch den Amtsarzt –“, und an dieser Stelle unterbrach er sich und rief in plötzlichem Zorn:
„Oh, ich kenne diesen Herrn Kollegen sehr wohl!“, und fuhr dann mühsam beherrscht mit immer noch bebender Stimme fort, „da erklärte doch dieser Kerl Marianna abschätzig, die eine Hand dabei in der Hosentasche, ihr Siegfried sei ‚rassenhygienisch und somit für den deutschen Volkskörper eine bloße Ballastexistenz und nichts weiter‘. Man sollte es nicht glauben, Viktor, eine ‚Ballastexistenz‘ hat er Siegfried genannt, das ist ein Lieblingswort dieser Herrschaften! Ihn interessiere nicht der Einzelne. Der einzelne Patient – das sei früher gewesen. Den modernen Mediziner, und allen voran den nationalsozialistischen Amtsarzt interessiere in erster Linie die Gesundheit des Volkskörpers, und dieser habe sich alles andere unterzuordnen – und lauter solches Geschwätz. In der gesamten Geschichte der Medizin habe es noch keine so radikale Veränderung der Sichtweise gegeben, jetzt erst beginne das Zeitalter der modernen Medizin, sicherlich noch nicht von allen heutigen Ärzte richtig begriffen, die den Eid des Hippokrates schülerhaft viel zu vordergründig verstünden – das war der kleine Hieb gegen mich. Und als dann Marianna in ihrer Empörung und Verzweiflung mit Freunden darüber sprach, da erfuhr sie, das Gerücht gehe, dass solchen Kindern, wenn erst einmal der Amtsarzt darum wisse, die Sterilisierung und eines Tages möglicherweise sogar der Tod drohe.“
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