Diese Affinität zum Nicht-Materiellen macht die Vata-Natur zu einem Feingeist, die mühelos Grenzen überschreitet, ob gegenständlicher oder geistiger Natur. Menschen mit hellseherischen und medialen Fähigkeiten und Aura-Leser haben hohes Vata. Am Telefon zeigt sich diese Konstitution durch den typischen Begrüßungssatz: „Störe ich gerade?“
Ihre Empfindsamkeit ermöglicht der Vata-Konstitution ihre menschliche Qualität von Mitgefühl. Wenngleich ihre Flatterhaftigkeit oberflächlich erscheinen mag, so verbirgt sich darunter eine tiefsinnige Person mit einem sensiblen Gespür für andere. Selbst in Extremen zu Hause, kann sie sich in ziemlich alle Denkstrukturen einfühlen und hat ein aufmerksames und verständnisvolles Ohr für die Sorgen anderer, wie ungewöhnlich diese auch sein mögen.
Im Übertreten von Grenzen liegt ihr großartiger Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung. Immer sind es Einzelne, die Schranken niederreißen, ihren Blick über Begrenzungen hinaus schweifen lassen und so Veränderungen des Bestehenden überhaupt erst möglich machen. Die Vata-Natur ist eine solche Visionärin: Mit unverdrossenem Optimismus entwirft sie Zukunftsprojekte, ohne die vernünftige Frage nach Machbarkeit zu stellen. Jene Visionen von einer besseren Welt machen sie zur sympathischen Utopistin, die immer auf der horizontalen Ebene von Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit denkt. Ungerechtigkeit lehnt sie ebenso ab wie hierarchische Strukturen, Autoritäten und Vorgesetzte. Eine Vata-Konstitution findet sich als ehrenamtliche Helferin bei Organisationen für Umwelt und Menschenrechte, sie engagiert sich für die Integration von Ausländern oder den Schutz aussterbender Tierarten. Dabei stört es sie nicht weiter, wenn ihre Arbeit unbezahlt ist. Ohnehin legt Vata wenig Wert auf materiellen Besitz, schließlich haben auch Luft und Äther kaum Substanz. Das Anhäufen von Besitz, Versicherungen und Sparbücher oder gar ein Job auf Lebenszeit lösen bei ihr eher Unbehagen aus. Ebenso wenig braucht sie für ihr Glück Ehre und Prestige.
Falls doch einmal Geld ins Haus kommt, wird sie es mit vollen Händen wieder ausgeben. Vielleicht ersteht sie Nippes auf dem Flohmarkt oder sie feiert mit ihren vielen Freunden ein Fest, zu dem selbstverständlich auch Fremde eingeladen sind. Oder aber sie überweist eine (viel zu hohe) Summe an eine Hilfsorganisation. So ist sie oft schon zur Monatsmitte pleite, wobei ihre ewige Geldnot weniger sie selbst stört als die Menschen, mit denen sie zusammenlebt.
Der Vata-Energietyp liebt Kontakte zu vielen Menschen – je ungewöhnlicher und farbiger, umso lieber tauscht er seine Gedanken aus und schmiedet Projekte. Zugleich ist er ein kurzweiliger Unterhalter, der seine Zuhörer mit geballtem Charme, Witz und vielseitigem Allgemeinwissen fasziniert.
Vata als das leichteste Dosha gerät immer zuerst aus der Balance. Auch wenn Sie keine Vata-Natur sind, ist es gut möglich, dass Sie durch überhöhtes Vata verursachte Beschwerden haben.
Die konstitutionellen Schwachstellen der Vata-Natur entsprechen ihren flüchtigen, leichten Energien. Sprunghaft und unstet wie ihre Energie generell ist, entstehen auch ihre typischen Krankheiten scheinbar aus heiterem Himmel und klingen ebenso schnell wieder ab.
Darm und Beckenbereich: Der empfindlichste Bereich liegt im Becken, besonders im Dickdarm, wo Vata seinen Hauptsitz hat. Entsprechend hat ein Mensch mit hohem Vata viele Probleme mit unregelmäßiger und sprunghafter Verdauung. Die Folge ist ein schmerzhaft geblähter Bauch. Die schlecht verarbeitete Nahrung in Verbindung mit Trockenheit verursacht Schmerzen beim Stuhlgang, eine häufige Folge davon ist chronische Verstopfung. Die nicht entleerten Abfälle wandern durch die Schleimhaut des Darmes und lagern sich als Schlacken (Ama) in allen Körpergeweben ab, was wiederum andere Erkrankungen verursacht.
Zugleich entwickelt der Mensch körperliche Mangelerscheinungen, da sein Dickdarm Nährstoffe, Mineralien und Vitamine schwer aufnehmen kann. Der ohnehin zarte Körper zehrt dadurch noch mehr aus.
Ein spezielles Problem der weiblichen Vata-Konstitution liegt ebenfalls im Beckenbereich: das prämenstruelle Syndrom. Ein irritiertes Vata-Dosha ist die Hauptursache dafür, wenn eine Frau vor ihrer Periode unter typischen Unterleibskrämpfen und Schmerzen im unteren Rücken und Bauch leidet. In dieser Phase ist sie besonders ängstlich, nervös oder ungeduldig, ohne einen konkreten Grund dafür nennen zu können. Die ayurvedische Hausapotheke kennt ein wirksames Mittel mit Sesamsamen, das sie bei diesen Beschwerden ausprobieren kann (Rezept siehe unter „Vata-Körperpflege Seite 69). Auch für Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten ist oft überhöhtes Vata verantwortlich.
Ebenfalls im unteren Rückenbereich manifestiert sich häufig ein Hexenschuss und ein verklemmter oder entzündeter Ischiasnerv.
Empfindlich und entsprechend anfällig sind alle Gelenke, besonders im fortgeschrittenen Alter: Aufgrund der schlechten Durchblutung werden die Nährstoffe nicht bis zu den Gelenken befördert. Dazu kommt die schlechte Schmierung, weshalb die Gelenke schmerzen und versteifen: Arthritis, Arthrose, Gicht und Rheuma können sich entwickeln. Auch ihre Ängste und Sorgen lagert die Vata-Natur im gesamten Rückenbereich ab. Daher hat sie häufig Probleme mit Verspannungen in der Nackenregion, Schultern und im unteren Rücken.
Anfällig für Entzündungen sind die Nieren, sie sind überlastet, da sie ständig das Stresshormon Adrenalin produzieren.
Nervensystem: Der zweite Hauptsitz von Vata liegt im hochempfindlichen Nervensystem. Schon eine kleine Störung bringt das Nervenkostüm dieses Menschen aus dem Gleichgewicht. Als Folge fühlt er sich sofort gestresst und ausgesprochen unruhig. Ängstlichkeit und ständige Nervosität können sich auf das Herz legen: Herzflattern, Herzrasen und ein hoher Blutdruck sind gefährliche Folgen.
Ein ständiges Problem ist seine Schlaflosigkeit, besonders wenn der Stress und die Anforderungen überhandnehmen.
Störungen von Vata können sich auch zu depressiven Verstimmungen entwickeln, die zu einem Gefühl von geistiger Leere und einer extremen Erschöpfung führen. Je mehr und länger Vata irritiert ist, desto tiefer wird der Nervenbereich angegriffen.
Alle Krankheiten im neurologischen Bereich gehen auf ein irritiertes Vata zurück: gestörte Sinneswahrnehmungen, Überempfindlichkeit oder Empfindungslosigkeit einzelner Körperstellen, Hörsturz (Tinnitus) und im Extremfall die geistige Verwirrung. Aber auch das Fehlen der Lebensfreude gehören dazu sowie Störungen im Bereich der Motorik: Schwindelanfälle, unkoordinierte Bewegungen, Lähmungen, Zittern, Zuckungen und Spasmen, Multiple Sklerose und Morbus Parkinson.
Von Natur aus hat Vata mit Kälte, Rauheit und Trockenheit im ganzen Körper zu tun. Besonders auffällig erscheint die Trockenheit auf der Haut, die bei diesem Menschen ohnehin sehr empfindlich ist. Seine Haut erscheint faltig, und überall entstehen schuppige und juckende Ekzeme, die er mit verschiedenen Cremes zu regulieren versucht. Im Extremen trocknet der Körper regelrecht aus, sodass der Mensch ausgemergelt und übermäßig geschwächt wirkt.
Geistig-emotionale Herausforderungen
Erhöhen sich durch Vata die luftigen Anteile, verliert der Mensch vollends seine Stabilität. Energisch reißt der Wind die Türe auf und fegt die Lebenslust dieser ursprünglichen Frohnatur fort. Schattengeister der Fantasien dringen ungebeten ein und übernehmen die Herrschaft ihres ohnehin sensiblen Gemütes. Gerade weil sie nicht greifbar sind, zermürben solche Phantombilder sie. Unsicherheit, Nervosität und Ängste breiten sich aus. Daher fehlt es ihr am rechten Mut, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Die leidigen „Was-wärewenn“-Fragen zehren an dieser Person, bis auch der letzte Funken Courage sie verlässt und sie in unverbindliche Traumwelten entflieht.
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