Jürgen Goldstein - Hans Blumenberg

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Das Werk Hans Blumenbergs steht wie ein Monolith in der philosophischen Landschaft. Während er immer mehr als einer der wichtigsten deutsch­sprachigen Philosophen des 20. Jahrhunderts entdeckt wird, erscheinen seine Bücher als ungemein faszinierend und schwer zu lesen, äußerst anregend
und zumeist umständlich sowie überaus stilbewusst und oftmals sehr um­ fangreich. Jürgen Goldstein, der selbst bei Blumenberg studierte, zeichnet ein philosophisches Portrait dieses Autors, indem er dessen geistige Physiogno­mie hervortreten lässt: Meisterhaft und anschaulich folgt er als ausgewiesener Kenner den Gedankenlinien des reichhaltigen Werkes, von den frühesten akademischen Schriften über die klassischen Bücher bis zu den essayistischen Miniaturen der späten Jahre und den bereits aus dem Nachlass gehobenen Schriften. Dabei wird nicht nur beleuchtet, was Blumenberg dachte, sondern auch, wie er es tat. So eröffnet seine Denkbiografie nicht nur Eingeweihten des Werks neue Perspektiven, sondern dient auch als Handreichung für jene, die bei einem seiner Bücher ins Stocken geraten sind. Auf diese Weise wird dem Gelehrten, der zeit seines Lebens den Zugriff auf seine Person scheute, Genüge getan: denn Blumenberg wollte nicht durchschaut, er wollte gelesen werden.

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Kafka misslang alles, was seinem Vater gelungen zu sein schien. Für diese Diskrepanz der Leistungskraft und der Erfolge findet er im Brief ein Bild, das in seiner ausweglosen Härte einem seiner Romane hätte entsprungen sein können: »Es ist so wie wenn einer fünf niedrige Treppenstufen hinaufzusteigen hat und ein zweiter nur eine Treppenstufe, die aber so hoch ist wie jene fünf zusammen; der Erste wird nicht nur die fünf bewältigen, sondern noch hunderte und tausende weitere, er wird ein grosses und sehr anstrengendes Leben geführt haben, aber keine der Stufen, die er erstiegen hat, wird für ihn eine solche Bedeutung gehabt haben, wie für den Zweiten jene eine, erste, hohe, für alle seine Kräfte unmöglich zu ersteigende Stufe, zu der er nicht hinauf und über die er natürlich auch nicht hinauskommt.« 278

Nicht einmal der eigene Leib bleibt Kafka als Besitz. Als in jedem Sinne enterbter Sohn »wurde mir natürlich auch das Nächste, der eigene Körper unsicher«, 279das Blut, das der Tuberkulosekranke nun ausspuckt, zeigt den Zusammenbruch auch der letzten physischen Bastion an. Eine Aussicht bietet der Brief an den Vater nicht. Mehr zu erlangen ist nicht, als dass er »uns beide ein wenig beruhigen und Leben und Sterben leichter machen kann«. 280Kafka hat den Brief seinem Vater nie ausgehändigt. Er sei doch nichts als das »Rütteln der Fliege an der Leimrute«. 281

Wie ist dieses Dokument eines Lebenskonflikts, dieses Drama zwischen Vater und Sohn zu lesen? Schon Max Brod, der Freund und Nachlassverwalter Kafkas, hat eine naheliegende psychoanalytische Deutung dieses Briefes in ihre Schranken gewiesen, »nicht zuletzt deshalb, weil Kafka selbst diese Theorien gut kannte und sie immer nur als eine sehr ungefähre, rohe, nicht dem Detail oder vielmehr dem wahren Herzschlag des Konflikts gerechtwerdende Beschreibung angesehen hat«. 282Auch Blumenberg weist unmittelbar eine Deutung gemäß der »psychoanalytischen Modewelle« 283zurück. Er meldet Zweifel an, ob es sich um ein getreues Abbild des tatsächlichen Vaters handelt, und er fragt, ob nicht vielmehr eine »Steigerung des Vaters ins Übergroße, ins Mythische« 284vorliege. Auch das deckt sich mit Max Brods Hinweis, Kafka habe »aus dem Erlebnis Gottes … die Vorstellung ›Vater‹ bereichern, erweitern, den Horizont füllen lassen«. 285Finde nicht, so fragt Blumenberg, im beschriebenen Vater »ein Bewußtsein des Absoluten und des ihm Unterworfenseins« seinen Ausdruck, sodass das »Vatererlebnis nur auf dem Grund eines tief verwurzelten Transzendenzbewußtseins möglich und verstehbar« 286wird? »Aus innerer Notwendigkeit heraus, aus dem Leiden an solcher Namenlosigkeit hat Kafka die Leere dieser gottlosen Religiosität ›besetzt‹, zuerst und immer wieder mit dem Vater – der sich dazu freilich sehr gut geeignet haben mag –, später aber auch mit den Bildern und Symbolen seiner Dichtungen.« 287

Damit ist der »Brief an den Vater« der Sphäre des rein privaten Konflikts enthoben und seine Bedeutung weit über den Radius des Biographischen hinausgetrieben. »Der Vater vertritt und verstellt mit seiner gewaltigen Erscheinung das Zentrum eines Welt- und Lebensgefühls, in dem einst die furchtbare Majestät des alttestamentarischen Gottes gestanden hatte und das nun verwaist war.« 288Für Blumenberg ist Kafka daher auch ein Repräsentant jenes Nihilismus, den er als Zeichen seiner Zeit ausmacht. »Das Schicksal einer Epoche, deren Bezug zum Absoluten sich an den überlieferten Gehalten nicht mehr erfüllen zu können scheint, hat hier einen exemplarischen menschlichen Ausdruck gefunden.« 289

Kafkas »Brief an den Vater« hilft dabei, zwei wichtige Aspekte im Werk Blumenbergs genauer zu illustrieren. Auf seine beiden akademischen Qualifikationsschriften zurückblickend, verfügt Kafka für Blumenberg über etwas, was Aristoteles gefehlt hat: die Verwunderungsfähigkeit darüber, dass überhaupt etwas ist und nicht nichts: »Kafkas Blick, dieser große, staunende, immer weit hinter dem Sichtbaren sich konzentrierende Blick, hängt nicht mehr daran, was und wie die Dinge sind, sondern daran, daß sie überhaupt sind.« 290Blumenberg wird diese Verwunderung in seinem Werk leitmotivisch immer wieder aufrufen. Kafka zeichnet sich mit dieser Empfänglichkeit für die Unselbstverständlichkeit des Seins als ein Autor jener Ursprünglichkeit aus, die Blumenberg in seinem Frühwerk zu beschwören unternommen hat.

Doch auch in die andere Blickrichtung ist Kafkas Brief von großer Bedeutung, kommen doch Blumenbergs akzentuierende Deutungen einem Wetterleuchten eigener zentraler Philosopheme gleich, die im späteren Werk ihre Entfaltung finden sollten. Schon Kafka hatte in seinem Brief zumindest indirekt die gänzliche Gleichsetzung des von ihm beschriebenen despotischen Herrschers mit seinem leiblichen Vater fragwürdig werden lassen, sei doch die Ohnmacht des Sohnes nicht nur die Folge der Erziehung, wie er eingesteht. 291Ausdrücklich schreibt er seinem Vater, »dass ich niemals im entferntesten an eine Schuld Deinerseits glaube«. 292Der Brief bietet vielmehr einen »Einblick in unser beider Hilflosigkeit«. 293Hermann Kafka ist somit die Verkörperung einer Macht, deren er selbst nicht Herr ist. Er hat vielmehr teil an einem Absolutismus der Macht, der größer ist als er selbst. Doch in kleinerem Maßstab zeigt sich schon im Brief, was auch Gott möglich sein soll: Willkür. Noch hat Blumenberg Wilhelm von Ockham nicht im Blick – dessen Ächtung in der Zeit des Neuthomismus hat verzögert, dass Blumenberg bereits während seiner Mittelalterstudien in Sankt Georgen dessen Rang hätte erkannt haben können –, aber Kafkas Vater bietet bereits eine Illustration dafür, was später in der Legitimität der Neuzeit ›theologischer Absolutismus‹ heißen wird.

Damit kommt die Not der Selbsterhaltung ins Spiel. Schon in Kafkas Brief an seinen Vater konnte Blumenberg lesen: »Ich hatte, seitdem ich denken kann, solche tiefste Sorgen der geistigen Existenzbehauptung, dass mir alles andere gleichgültig war.« 294Kafka ist nicht der Stichwortgeber für das, was bei Blumenberg ›Selbsterhaltung‹ und ›Selbstbehauptung‹ heißen wird. Schon in der Habilitationsschrift ist von der Selbstbehauptung der Vernunft vor der Gewissheitsfrage die Rede. Doch wie unvergleichlich plastisch ist die Schilderung der Ohnmachten und Selbsterhaltungsnöte bei diesem Autor. »Denn da er Macht in jeder Form fürchtet«, schreibt Canetti, »da das eigentliche Anliegen seines Lebens darin besteht, sich ihr in jeder Form zu entziehen, spürt, erkennt, nennt oder gestaltet er sie überall dort, wo andere sie als selbstverständlich hinnehmen möchten.« 295Später, im Kontext der Legitimität der Neuzeit , wird Blumenberg von der Infragestellung rationaler Konstanten durch den ungeheuren Druck der Zumutungen eines allmächtigen Gottes sprechen, der die nicht mehr tangierbaren Kerne des Humanen hervorgetrieben habe; aber schon im »Brief an den Vater« zeigt sich im Konkreten ursprünglicher Situationen, was es bedeutet, sich auf nichts verlassen zu können. Unter der Macht des absoluten Vaters »fühlt man alle sonst verläßlichen Realitäten förmlich ›verdampfen‹; das Bewußtsein einer bodenlosen Nichtigkeit bleibt zurück«. 296Schon Kafka ist daher ein Beispiel für die Frage nach einem unzugänglichen Kern der Existenz, aber nicht – wie bei Descartes – im Sinne eines methodisch souverän durchgeführten Gedankenexperiments, sondern als erlebte und erlittene Infragestellung: »In einer Welt, die der namenlosen Freiheit, der verspieltesten Allmacht ohne Gesetz und Regel, ohne Pfand und Gnade ausgeliefert ist, durchdringt die Sorge der Selbstbehauptung das Dasein bis in seine Wurzeln und in seinen Grundbestand.« 297

Was später, in Arbeit am Mythos , Absolutismus der Wirklichkeit heißen wird, gibt schon jetzt die Daseinsbewegung als Flucht vor. Das deckt sich mit der Tendenz der ontologischen Distanz, sich etwa in die Logoi zu flüchten, wie es bei Platon über Sokrates heißt, oder eben überhaupt in die absolute Gewissheit, wie es die moderne Wissenschaft methodisch abgesichert anstrebte. Nun ist auch Kafka eine Existenz der Flucht. Doch sie misslingt ihm so sehr, dass er seinem Freund Max Brod vor seinem Tod die Weisung gab, den Großteil seiner Schriften, die die Fluchtursache und -bewegung so eindringlich abbilden, zu vernichten.

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