Vielleicht war es doch ganz gut, dass sie in der Scheune schlafen konnten, dachte Malu.
Die Ponys wurden etwas langsamer und Bjarne lenkte das Gespann auf einen holprigen Feldweg. Obwohl sie fast im Schritttempo fuhren, wurden die Geschwister ordentlich durchgerüttelt.
»Was macht denn Hauke?«, fragte Edgar über den Kopf seiner Schwester hinweg.
»Der ist vor einem halben Jahr ausgezogen.« Bjarne schüttelte den Kopf. »Er wollte eigentlich eine Ausbildung als Pferdewirt machen, aber er hat die Lehrstelle nicht bekommen. Jetzt macht er mal dies, mal das und hilft auf den Höfen in der Umgebung aus. Meine Eltern sind darüber nicht gerade happy, kannst du dir ja vorstellen.«
»Hauke ist sein Bruder«, klärte Edgar Malu auf. »Der war zwei Klassen über uns und hatte immer den besten Blödsinn auf Lager. Unser aller großes Vorbild«, grinste er.
Malu verdrehte die Augen. Ein typischer Fall von Jungs-Gequatsche. Wenn dieses Geruckel vorbei war, musste sie als Erstes mit Lea schreiben.
Eine Ansammlung von riesigen Eichen erhob sich vor ihnen. Als sie näherkamen, erkannte Malu einen kleinen Vierkanthof, der sich unter die Bäume duckte. Auf dem Innenhof lagen Fahrräder, Roller und Bälle wie durcheinander gewürfelt.
»Willkommen auf dem Schwalbenhof.« Bjarne brachte die Ponys zum Stehen und sprang vom Kutschbock. Eine Horde Kinder rannte auf sie zu und sprang um den Wagen herum. Alle schrien durcheinander.
»Was gibt’s zu essen, Bjarne?« – »Kann ich Mister Fleck abschnallen?« – »Nein, ich will Mister Fleck nehmen!« – »Wer sind die beiden?«
Malu zählte drei Mädchen und zwei Jungs (vielleicht – so genau konnte sie das gar nicht erkennen, denn alle hatten halblange strohblonde Haare), ungefähr im Alter von vier bis zehn.
Bjarne stöhnte und befreite sich von seinen Geschwistern. Kurzerhand bestimmte er zwei, die sich um die Ponys kümmern sollten, dann drehte er sich zu Malu und Edgar. »Kommt, ich zeig euch, wo ihr schlafen könnt und dann machen wir uns was zu essen. Meine Eltern kommen erst morgen wieder, die sind auf einer Messe.«
Die Scheune war wundervoll! Einen schöneren Platz zum Schlafen hätte Malu sich gar nicht vorstellen können. Bjarne hatte nicht zu viel versprochen und anscheinend alle Decken, die er im Haus gefunden hatte, über die Strohballen geworfen. Dazu noch jede Menge Kissen. Die Nachmittagssonne schien träge durch die Dachluke und brachte die staubige Luft zum glitzern.
Malu ließ sich rückwärts auf ihr Strohbett fallen. »Das ist echt toll! Danke, Bjarne.«
Unschlüssig stand Bjarne zwischen den Strohballen und vergrub die Hände in den Hosentaschen. »Tja, gerne. Bad und Klo müsst ihr drinnen benutzen, die Tür ist aber immer offen.«
»Sag mal, warst du in letzter Zeit mal auf dem Birkenhof?«, fragte Edgar unvermittelt.
Sein Freund sah ihn verwundert an. »Nein, nicht ein einziges Mal, seit deine Pferde da weg sind, wieso?«
Edgar hatte natürlich erzählt, dass sie in Marschdorf waren, um nach Alibaba zu suchen, aber die näheren Umstände und auch, dass sie Frau Jansen in Verdacht hatten, die Stute gestohlen zu haben, das hatte er für sich behalten. Jetzt winkte er Bjarne näher und erzählte ihm im Flüsterton von den Angeboten am Telefon und ihrer Vermutung.
Bjarne ließ sich zwischen die Geschwister auf die Strohballen fallen. Er kratzte sich ausgiebig am Kopf, als müsse er das Gehörte erst einmal verarbeiten. »Ich kann mir das gar nicht vorstellen«, sagte er schließlich. »Hauke arbeitet manchmal auf dem Birkenhof und nach dem, was er erzählt, sieht es da gar nicht gut aus. Die stehen kurz vor der Pleite.« Er warf Edgar einen skeptischen Blick zu. »Woher sollen die dann hunderttausend Euro nehmen, um ein Pferd zu kaufen? Und vor allem, warum?«
Das fragten Edgar und Malu sich allerdings auch, und dieser Frage mussten sie morgen unbedingt nachgehen! Vielleicht würden sie dann auch eine Spur von Alibaba finden.
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