Horst S. Daemmrich - Sinnsuche und Krise

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Die AutorInnen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur erlebten zahlreiche politische und gesellschaftliche Umbrüche: die Nachkriegszeit, die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands, das Ende des Kalten Kriegs, zuletzt die Neuen Medien und die Digitalisierung. Der Verlust sinnstiftender Ideale und festgefügter Weltbilder prägen ihre Werke, die das Unbestimmte, Unübersichtliche literarisch zu erfassen suchen. Brüche und Orientierungslosigkeit bestimmen häufig auch Stil und Struktur der labyrinthischen Erzählschichten, die mit Zitaten, künstlerischer Selbstreflexion oder theoretischen Überlegungen angereichert sind. Anhand zentraler Themen wie Selbstverwirklichung, Liebesfähigkeit und Erkenntnis verhandeln die Texte das Bemühen ihrer Figuren, sich selbst in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verorten, und eröffnen dem Lesepublikum Perspektiven für die eigene Sinnsuche in wechselvollen Zeiten.

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Die Darstellung der AnpassungAnpassung an die Umstände und zugleich Kritik der unhaltbaren Zustände in HeinHein, Christophs Willenbrock vermittelt den Gesamteindruck einer überzeugenden Kritik der Gesellschaft und des Orientierungsverlusts der Personen, die sich mit den Umständen abgefunden haben. Die Beschreibung der Beerdigung von Bernds Schwiegermutter ist sowohl für sein Verhalten als auch für das anderer in der Gesellschaft aufschlussreich. Der Schwager lobt seine Frau für die Pflege der alten Mutter und ist zugleich froh, dass nun die Dachwohnung für die Tochter frei geworden ist. Sie „war bereits ausgeräumt und sollte in den nächsten Tagen tapeziert werden“.1 Die Skizze des Essens nach der Beerdigung vertieft die Charakterisierung Willenbrocks als Experte eines Lebensstils ohne ethische Verpflichtung. Als die Kellnerin Bier an den Tisch bringt, fragt Bernd seinen Schwager sofort, ob er „ein Verhältnis“ mit dem Mädchen habe. Die peinliche, unpassende und dem Augenblick völlig unangemessene Frage entspricht Willenbrocks Erfahrungs- und Erwartungshorizont: Kontaktlosigkeit wird durch Augenblickserfahrungen überwunden. Die Lösung der Misere entzieht sich dem Einblick der Figuren. Deshalb stellt der Erzähler nur nüchtern fest: In Berlin beginnt „Sibirien neuerdings vor unserer Haustür“. (211)

Willenbrock gehört in die lange Reihe von Figuren, deren Handeln und Unterlassungen allumfassende menschliche und gesellschaftliche Defizite beleuchten. Die Figuren stellen Fragen, die jeden Leser berühren, aber finden keine Antwort. Die Texte verdeutlichen: Das Schweigen ist kein Verschweigen. Es ist der Tatbestand eines Leidens an einer verspürten Öde des Daseins. Jurek Becker Becker, Jurekschildert in Aller Welt Freund (1982), wie dieses Befinden schließlich in einem Selbstmordversuch mündet. Kilian, dessen Beobachtungen und Erfahrungen einen Überblick des Zeitgeschehens vermitteln, ist Journalist, der Tagesnachrichten berichtet und kommentiert. Alle Nachrichten sind bedrückend und Kilian „leidet“ besonders an den „Zuständen, die dahintersteckten“.2 Die Zustände bleiben stets dieselben: Borniertheit der Politiker, kriminelle Übeltaten, Hunger, Demonstrationen, staatliche Auseinandersetzungen, die die Furcht vor Kriegen schüren, Epidemien, nie endende Leiden der Menschen und ein AlltagAlltag, der von „lächerlichen Kleinigkeiten“ (Einkaufen, Trinken, Kino, Wochenende, Verdruss im Beruf) bestimmt ist. Das Resultat ist ein Symptom der frühen Vergreisung nicht nur in Kilian, sondern auch in zahlreichen Personen in seiner Umgebung. Ein Angestellter der Behörde, der Bruder Manfred, Kilians Freundin Sarah, der Arzt, der Pfarrer, die Mutter und Zimmervermieterin haben ein „Abwehrsystem“ eingebaut, um sich anpassen zu können. Die eingehenden Vorbereitungen auf den SelbstmordSelbstmord, der durch die zufällige Rückkehr der Vermieterin verhindert wird, enden schließlich in dem Entschluss, sich wie alle anderen an die bestehenden Gegebenheiten anzupassen. Kilian wird in Zukunft ohne die quälende Ermittlung einer möglichen sinnvollen Selbstentwicklung leben.

Die Erfahrung, dass man es ohne gesellschaftskritische Auseinandersetzungen schaffen kann, berufliche Erfolge hat und mit dem AlltagAlltag zufrieden ist, wird in Erzählungen aufgegriffen, die sich nicht auf die thematisierte EinkreisungEinkreisung konzentrieren. Die erstaunliche Sensibilität für Alltagssorgen ist nicht auf deutsche Autoren und Autorinnen begrenzt, sondern gehört zum Gesamtbild der deutschsprachigen Literatur. Trotz markanter Unterschiede im Lokalkolorit Österreichs und der Schweiz bestehen deutliche Übereinstimmungen in der Gestaltung der geschilderten Lebensläufe. Da die Einkreisung, Orientierungssuche und Überwindung der Krise in den folgenden Kapiteln eingehend untersucht wird, verweise ich hier nur auf einige kennzeichnende Texte. BeckerBecker, Jurek beschreibt in Irreführung der Behörden (1973) die Konjunktur des Romanciers Gregor, dessen Romane verfilmt werden und der sein ursprüngliches Unbehagen am Alltag als vorübergehende Erscheinung ablehnt. In Robert MenassesMenasse, Robert Erzählungen entsteht aus einer kaum merkbaren Verknüpfung von EntwicklungsthematikEntwicklungsthematik und Kulturkritik mit wechselnden Erzählperspektiven ein Gesamtbild unserer Tage. Menasse schildert die Lebensfahrt Roman Gilanians als Rückschau, kritische Sichtung der VergangenheitVergangenheit und Bejahung widersprüchlicher Tendenzen in der GegenwartGegenwart. Die Trilogie setzt ein mit Sinnliche Gewißheit (1988), einem Roman, in dem die Reflexion, das grüblerisch Nachdenkende überwiegt. In Selige Zeiten, brüchige Welt (1991) gelingt der Kunstgriff, die traditionelle Erzählperspektive des 19. Jahrhunderts zu beleben. Die Erzählperspektive wird dadurch ein wesentliches Element der Ortung der Vergangenheit. Sie fängt sowohl die Freude am Plaudern als auch die Vorstellung einer heilen Welt ein und verbindet sie mit der Sehnsucht nach einer Zeit, der permanente Identitätskrisen fremd waren. Schubumkehr (1995) verdeutlicht bereits in der diskontinuierlichen Formgeste, dass das Anlehnungsbedürfnis an die Vergangenheit verständlich ist, aber keine Lösung für die Ansprüche der Gegenwart bietet. Schubumkehr ist eine Zeitenwende in der Geschichte, im Tageslauf einer Dorfgemeinschaft und im Leben der Figur Roman Gilanian. Aber Roman, von der Mutter „Romy“ genannt, der das Leben der Einwohner der kleinen Gemeinde Komprechts im Schicksalsjahr 1989 und damit gewissermaßen im Kleinen den Aufbruch zur neuen Zeit auf einer Videokassette festhält, stellt zu seiner Enttäuschung fest, dass sie leer ist.

Komprechts, ein österreichischer Ort an der tschechoslowakischen Grenze, benötigt dringend wirtschaftliche Fördergelder, da die beiden wichtigsten Unternehmen, eine veraltete Glasfabrik und ein unrentabler Steinbruch, nicht mehr konkurrenzfähig sind. Der rührige Bürgermeister leitet die gesamte Umstrukturierung, die Schubumkehr, ein. Die Unternehmen, die Natur und die Menschen werden verändert, modernisiert und in die Neuzeit überführt. Der Vorgang ist begleitet von Ereignissen, Mord, Vergiftung, Ausländerhass, Unterdrückung, inzestuösen Neigungen, Magersucht, Leiden und Vernichtung sensibler Menschen. In den spannend geschriebenen Romanen entsteht ein thematischer Querschnitt durch die Zeit. Bei aller Sozialkritik sind sie letztlich lebensbejahend. Die allgemeine Umstrukturierung ist zugleich ein Aufruf, sich tätig dem Dasein zuzuwenden.

Die phantastischen Geschichten aus dem alltäglichen dörflichen Leben in Polen in Radek KnappsKnapp, Radek Franio (1994) ähneln der Schilderung in Schubumkehr . Durch die nahtlose Verbindung von konkretem Detail, Traumvisionen und schweifender Phantasie entstehen kleine Meisterwerke des magischen RealismusRealismus. Knapp, der seit 23 Jahren in Österreich lebt, gewinnt dem Leben auf dem Lande das ab, was weder die traditionellen Heimatromane noch die desillusionierende Anti-HeimatHeimat-Literatur bieten: Skurrile Bahnbeamte, weltfremde Grübler, in der Sonne träumende Kinder und selbst ein real wahrgenommener Teufel wirken belebt von einer nahezu greifbaren, plastischen WirklichkeitWirklichkeit des Seins. Die Figuren, Herr Trombka, der Bäcker Mostek, Schwager Wilhelm und Franio, sind belebt, nicht gedacht. Der Horizont ist offen, die Welt wirkt versöhnlich und der Erzähler führt seine Leser in Dörfer und „Städtchen, wo sogar die Wolken anders sind als überall sonst“.3

Der thematisierte AlltagAlltag in Schilderungen der Selbstentwicklung in den Werken von Silvio BlatterBlatter, Silvio, Urs Faes, Perikles MonioudisMonioudis, Perikles und Adolf Muschg entspricht weitgehend den Erkundungen einer Gruppe von Schweizer Autoren und Autorinnen, die sich halbjährlich seit Anfang der 90er Jahre trafen und unter dem Namen NETZ bekannt wurden. In den Texten von Urs Richle, Ruth Schweikert, Perikles Monioudis und Peter Weber stehen Figuren, die Adolf Muschg als „Projektionsfiguren“ bezeichnet, im Schnittpunkt der Handlung. Sie vermitteln den Eindruck, in ihrer HeimatHeimat heimatlos zu sein; sie fallen aus der Gesellschaft und ihre Symptome berühren sich mit den Eigenschaften der Figuren in der österreichischen und deutschen Gegenwartsliteratur. In Silvio Blatters Roman Das blaue Haus (1990) versinnbildlicht das Haus die heile Heimat, einen sicheren Hafen für flüchtende Künstler während des Zweiten Weltkriegs und den Ort der Liebe zu Kindern. Das Haus wird am Ende enteignet, da ein Staudamm gebaut wird, der das ganze Land unter Wasser setzt. Der Ausklang entspricht dem Dasein Heinrich Zinns, dessen ganzes Leben unter dem Zeichen eines aussichtslosen Kampfes gegen die Inhumanität seiner Umwelt steht. Die eingeschobenen Kommentare zum Zeitgeschehen und Vignetten von Lebensläufen in absteigender Linie beleuchten den verzweifelten Widerstand Einzelner gegen eine historische Entwicklung, die sich ihrem Einfluss entzieht.

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