Stefanie kam zurück. Erst jetzt fiel ihm die tief dekolletierte Bluse auf – oder hatte sie die im Bad erst angezogen? Egal, sie sah wirklich heiß aus. „Was machen wir beiden Hübschen denn jetzt?“, fragte sie ihn und kam auf Armeslänge an ihn heran.
„Ich hätte da eine Idee“, erwiderte Winter, streckte den Arm aus und zog sie an sich heran. Er hörte sie überrascht und erregt Luft holen. „Wir müssen reden.“
Stefanie blickte ihn frivol an. „So nennst du das also! Sehr interessant …“
18. März, 21:33, Frankfurt Flughafen
Stefan hatte sich gegen zwanzig Uhr dreißig telefonisch gemeldet. Er war noch nicht zu Hause und würde weitere zwei bis drei Stunden brauchen. „Aber ich weiß, wo deine Stewardess sich aufhält“, verriet er mir.
„Sie ist nicht meine …“
„Ja, ja, ist schon gut. Nicht so dünnhäutig, Herr Martini. Ich erzähl Jay bestimmt nichts.“ Ich wollte erneut protestieren, aber er unterbrach mich. „Ein Scherz!“ Dann kam er zur Sache. Stefanie Maurer war im Steigenberger Hotel am Flughafen einquartiert. „Morgen früh muss sie weiter, ein Flug nach Dubai.“
„Wo ist sie hergekommen? Weißt du das?“
„Nein, warum?“
„Neugier. Danke.“
„Schon gut. Ich melde mich, wenn ich zu Hause bin.“
Wir beendeten die Verbindung.
Nach dem Abendessen fuhr ich zum Flughafen. Jay war nicht begeistert, aber so war nun mal der Job. Dass ich für einen BND-Mann arbeitete, hatte ich ihr verheimlicht. Sie machte sich schon genug Sorgen, wenn ich nachts unterwegs war.
Ich lenkte den Ascona auf den Parkplatz vor dem Hotel. Mein alter Wagen stach heraus unter all den Nobelkarossen: Jaguar, Mercedes, Ferrari und so weiter. Als ich den Pagen passierte, der vor der gläsernen Drehtür stand, nickte er mir freundlich zu. Es war ehrlich und kam von Herzen. Als sei ich eine willkommene Abwechslung zwischen all den besseren Herrschaften.
In der Eingangshalle steuerte ich direkt den Concierge an. Ich zeigte ihm meinen Ausweis. „Guten Abend, ich bin Privatdetektiv und möchte zu Frau Stefanie Maurer. Können Sie mir sagen, welche Zimmernummer sie hat?“
Er musterte die kleine Karte. „Werden Sie erwartet?“
Einer Eingebung folgend antwortete ich: „Ja, wir sind verabredet.“
Die rechte Augenbraue des jungen Mannes zuckte unmerklich nach oben, aber ging sofort wieder in ihre Ausgangsstellung zurück. Er wirkte überrascht. „Zimmer 1105, im elften Stockwerk.“
Fast hätte ich nachgefragt, was seine Überraschung ausgelöst hatte, ließ es aber. Vielleicht ein Fehler.
Mit einem der Aufzüge fuhr ich ganz hinauf. Das Elfte war das höchstgelegene Geschoss des Hotels. Ich blickte kurz nach unten zum Parkplatz und dem Flughafen. Beeindruckend. Aber ich war nicht auf Sightseeing-Tour. 1105 lag nahe des Aufzugs. Der dicke Teppich fungierte als Trittschalldämpfung, damit schlafende Gäste nicht geweckt wurden. Vor dem Zimmer angekommen hob ich die Hand, zögerte einen Augenblick. Warum war der Concierge überrascht gewesen? Oder hatte ich mir das nur eingebildet?
Ich klopfte.
Wie bei Esslinger heute Mittag, passierte erst einmal nichts. Stille. Sollte ich noch mal klopfen? Ich entschloss mich dazu. Der Schall, den meine Hand hinter dem Türblatt erzeugte, breitete sich in dem dahinter liegenden Raum aus. Etwa drei Minuten stand ich bereits hier. Gefühlte Stunden. Ein drittes und letztes Mal hob ich die Hand, als sich die Tür öffnete. Eine mittelgroße Blondine blickte mich aus wachen Augen an. Bevor ich Jay kennengelernt hatte, wäre sie absolut in mein Beuteschema gefallen. Seidiges Haar fiel auf ihre Schultern. Eine schlanke Hand hielt ein Sektglas. Das Gesicht wirkte offen und neugierig. „Was kann ich für Sie tun?“
Ein Frosch in meinem Hals ließ meine Stimme brüchig klingen. Ich räusperte mich. „Mein Name ist Thomas Martini. Ich bin Privatdetektiv und hätte Ihnen gerne ein paar Fragen zu Sascha Winter gestellt.“
Sie musterte mich aufmerksam. Und genauso wie bei dem Concierge kam es mir vor, als sei sie überrascht. Das muss Einbildung sein, schalt ich mich. Ich brauchte dringend Urlaub.
„Sascha Winter?“, sinnierte sie. „Wer soll das sein?“
„Der Fluggast vom Montag. Sie haben ihm ihre Handynummer zugesteckt.“ Als sie immer noch die Stirn runzelte, fügte ich hinzu: „Hier in Frankfurt. LH-666.“
Ihr Kopf ruckte leicht nach vorne und die Augen fixierten mich. „Ach so. Den meinen Sie. Über den kann ich Ihnen leider nichts sagen. Ich hab ihn seit vorgestern nicht mehr gesehen.“
„Sind Sie sich sicher?“ Enttäuschung färbte meine Stimme.
Sie hob das Sektglas an die Lippen und nippte gemächlich daran. An ihrem Ringfinger erblickte ich eine kleine blutende Wunde. „Haben Sie sich verletzt?“ Ich deutete auf das Rot, welches einen kleinen Tropfen gebildet hatte.
Sie drehte die Hand, um die bezeichnete Stelle sehen zu können. „Oh, hab ich gar nicht bemerkt.“ Dann hob sie den Finger zu ihrem Mund, streckte die Zunge langsam heraus und leckte noch langsamer über den Schnitt, wobei ihre Augen mich förmlich auszogen. „Sehen Sie“, die Stewardess streckte mir die Hand entgegen. Ihre Stimme war etwa eine Oktave tiefer gerutscht und rauchiger, lasziver geworden. Sie kam einen Schritt näher zur Türschwelle. „Ich könnte ein wenig Hilfe gebrauchen, Herr Martini. Beim Verbinden meiner Verletzung.“ Ihre freie Hand glitt über die Knopfleiste meines Hemdes.
Das ging mir zu weit. Vor ein paar Jahren wäre ich der offensichtlichen Einladung gefolgt, heute nicht mehr. „Es tut mir leid …“
„Was tut Ihnen leid?“, unterbrach mich Maurer.
Die Frau hatte es geschafft, mich aus dem Konzept und in Verlegenheit zu bringen. Es war sehr lange her, dass eine Frau diese Reaktion bei mir hervorgerufen hatte. „Dass ich … äh … dass ich Ihnen nicht helfen kann.“ Verdammt, warum stotterte ich jetzt? Verflucht!
„Schade.“ Die Blondine dehnte das Wort in einer Art, dass mir eine Gänsehaut den Rücken hinunterjagte.
„Vielen Dank für Ihre Hilfe“, stieß ich hervor und wandte mich zum Gehen.
„Einen schönen Abend noch, Herr Martini“, rief sie mir hinterher.
Oh Gott, diese Befragung war so was von gründlich in die Hose gegangen! Bravo, Herr Martini!
Die by my hand
I creep across the land
Metallica – Creeping Death
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