Darum nahm sie alles hin und litt stumm.
Sie verschloß sich und fühlte sich nur als halber Mensch.
Der Chef nutzte sie aus. Sie mußte für ihn Besorgungen machen, die er gut selbst hätte erledigen können – Zigaretten kaufen, Kaffee kochen, einen Imbiß zubereiten, zum Warenhaus laufen und ihm alles besorgen, was er brauchte.
Sie hatte doch ihre eigentliche Arbeit zu machen. Aber da sie dauernd mit anderen Dingen in Atem gehalten wurde, fiel es ihr schwer, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Immer wieder wurde sie unterbrochen und aus dem Gleis geworfen. Einige ältere Damen in ihrer Abteilung sahen sie mit scheelen Blicken an. Von ihnen wurde sie bei der geringsten Kleinigkeit geschurigelt.
Sie sei faul, hieß es. Sie sehe ungepflegt aus. Sie wolle sich beim Chef einschmeicheln.
Sie lachten Cecilia wegen ihrer Kleidung aus.
Bei jeder Gelegenheit wurde sie persönlich angegriffen.
Es artete in seelische Quälerei aus.
Wenn sie niedergeschlagen aussah, wurden ihr Trübsinn und Beleidigtsein vorgeworfen.
Es brauchte ihr nur ein Bleistift aus der Hand zu fallen, und schon verspottete man sie wegen ihrer Ungeschicklichkeit. Niemand mochte sie.
Dabei gab sie sich alle Mühe, dem Chef zu Diensten zu sein, und strampelte sich für ihn ab. Sie war im Büro eine Sklavin, eine Aufwartefrau.
Sie litt an Beschwerden, die rein seelischer Ursache waren und vom Streß herrührten: an Kopfweh, Magenschmerzen und Weinkrämpfen.
Mitunter erfaßte sie ein solches Gefühl der Hoffnungslosigkeit, daß sie sich den Mut wünschte, den ganzen Kram hinzuschmeißen. Merkwürdigerweise hatte sie nie Selbstmordgedanken.
Vielleicht waren es die Bücher, die ihr doch einen Lebensinhalt gaben.
Cecilia las leidenschaftlich gern. Sie las alles und jederzeit, wenn sie nur eine Minute erübrigen konnte. Es kam vor, daß sie bis in die späte Nacht hinein las, so daß sie morgens beinahe verschlief und in aller Eile aufstehen mußte, um noch beizeiten ins Büro zu kommen, wo dann der trostlose Alltag sie von neuem bedrängte.
Aus den Büchern erfuhr Cecilia, daß es trotz allem Menschen gab, die sich in einer noch schwierigeren Lage befanden als sie selbst.
Der Sommer verging, und es kam der Tag, an dem Cecilias Urlaub zu Ende war.
Plötzlich saß auf der Bank im Park keine rothaarige, häßliche Frau mehr.
Dennoch trafen sie sich immer noch ab und zu.
Eines Abends faßte Kerstin den Entschluß, zu Cecilia hinüberzulaufen, während Inger schlief.
„Wohin willst du?“ fragte Martin.
„Nur schnell zu einer Bekannten“, antwortete Kerstin.
„Zu wem denn?“
„Ach, zu einer Freundin, die nebenan wohnt.“
Mehr bekam Martin vorerst nicht zu wissen.
Im Spätsommer und Herbst war Cecilia Hard für Martin lediglich „die Freundin nebenan“.
Aber im folgenden Frühjahr rückte Cecilia auf eine Art und Weise in den Blickpunkt, die sich diese menschenscheue Frau niemals hätte vorstellen können.
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