Walther von Hollander - Kleine Dämonen

Здесь есть возможность читать онлайн «Walther von Hollander - Kleine Dämonen» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Kleine Dämonen: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Kleine Dämonen»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

"Aber ich greife etwas vor, weil ich mich, ehrlich gesagt, ein wenig fürchte, Tessys Geschichte, die jetzt erzählt werden muß, hinzuschreiben. Ich sprach gestern mit ihr darüber, was ich hinschreiben dürfe und solle und was ich verschweigen müsse. Sie sagte mit ihrer hintergründigen Listigkeit: ›Schreib nur alles, was du weißt.‹" Hollanders flott und unterhaltsam, doch stets auch mit einem leisen melancholischen Unterton geschriebener Roman um Manuela und Hesseling, Vittorio und Tessy, um Mann und Frau, Liebe und Trennung, die menschliche Seele und den ganzen Rest, gehört zu den Meisterwerken Walther von Hollanders. Der unvergleichbare, ungewöhnliche Stil, die vollendete Erzählgabe und Hollanders Meisterschaft im Ausspinnen schwebender Stimmungen machen die Lektüre zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. «›Noch eine Frage, Tessy: Warst du damals glücklich?‹ Sie nickte, und nach einer Pause setzte sie hinzu: ›Gott bewahre mich davor, daß ich jemals wieder glücklich werde.‹»-

Kleine Dämonen — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Kleine Dämonen», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

3

Ich bin die letzten zwanzig Jahre Redakteur gewesen, teils aus Neigung, weil es mir Spaß macht, die verschiedensten Meinungen unter den Jochbogen einer einheitlichen Meinung zu biegen, teils aus einer angeborenen Trägheit. Denn bei aller Leidenschaft für das Wort und für den Gedanken der Vernunft scheint es mir weitaus bequemer, andere schreiben zu lassen, anderen die undankbare Aufgabe zu überlassen, ihre Gedanken zu schleifen. Es fördert das Selbstbewußtsein, wenn man dann hinterdrein nur mit dem Finger auf die ungeschliffenen Worte zu weisen braucht und ein Nachschleifen verlangen darf. Eine schmerzhafte Empfänglichkeit für reine, ungebrochene Sprachtöne, ein starkes kritisches Vermögen haben mich zu einem guten Redakteur gemacht. Aber während ich dies schreibe, stelle ich mit Bedauern fest, daß das Schreiben mir sehr schwer fällt. Die zwanzig Jahre lang geübte Kritik ist natürlich auch dem eigenen Wort gegenüber wach. Wenn ich aber das schreiben will, was ich mir vorgenommen habe, so darf ich nicht allzu wählerisch im Ausdruck sein. In einer gehobenen, prächtigen Prosa können die Meinungen und Taten der Menschen meiner Geschichte einfach nicht geschildert werden. Ich hasse es jedenfalls, einen leichtfertigen Swing als Sinfonie herauszuputzen.

Aber das sind so Sorgen, die eigentlich jene Leser, die ich mir beim Schreiben vorstelle, gar nichts angehn. Ich kam auch nur darauf, weil es ja doch wohl notwendig ist, mich vorzustellen und zu erzählen, wieso wir alle in Wallberg zusammenkamen. Ich war also als Redakteur in einem der großen Verlagshäuser in Berlin während des Krieges u. k. gestellt, obwohl ich mit dem Propagandaministerium einen tückischen Kleinkrieg führte, auf den ich damals sehr stolz war und der mir jetzt recht läppisch erscheint. Denn wenn es mir auch gelang, hier und da zwischen die Zeilen meiner Zeitung ganz nette Tellerminen gegen die Regierung zu placieren, so hat das zwar meinen immer kritischer werdenden Lesern viel Spaß gemacht, aber der Regierung hat es nichts geschadet. Man ließ mich ruhig meine Minen weiter legen, obwohl es ein leichtes gewesen wäre, mich einzuziehn, da ich im letzten Jahr des ersten Weltkrieges Offizier geworden war und man Offiziere dringend brauchte. So blieb ich in Berlin und mußte miterleben, wie diese von mir so geliebte Stadt — eine der häßlichsten, aber originellsten Städte der Welt — langsam und stetig in Schutt und Asche sank. Zweimal bin ich ausgebombt worden. Das erstemal ging meine hübsche Wohnung im Künstlerblock Wilmersdorf in Flammen auf, und alles, was ich mir in zwanzig Jahren zusammengekauft hatte, meine Möbel, meine Teppiche, meine Anzüge und Mäntel, mein schöner, warmer Biberpelz, meine Bilder, meine Bücher, meine Briefe und Photographien, alle Kostbarkeiten und aller Müll meines früheren Lebens verbrannten. Bis auf die paar Sachen, die ich in zwei Lederkoffern bei jedem Angriff in den Keller schleppte. Das zweitemal wurde ich verschüttet in einer Mietskaserne am Spandauer Berg und lag dreißig Stunden zwischen zwei Betonklötze geklemmt, ohne etwas anderes abzubekommen als eine Quetschung der linken Kniescheibe, die mich manchmal am Gehen behindert.

Ich hatte es insofern leichter als andere, als ich die letzten fünf Jahre infolge einer großen persönlichen Enttäuschung, die nicht hierher gehört, nahezu völlig einsam gelebt hatte und jedenfalls keine engeren Bindungen eingegangen war. Ich konnte deshalb auch keine Verluste erleiden, die mir hätten ans Herz, greifen können. Ein armseliges Leben, wird man sagen. Aber es ist nicht nur Eulenspiegelei, wenn ich meine, daß es in unseren Zeiten besser ist, arm zu sein. Denn die Seele des Reichen ist immer verschattet von der Angst vor dem Verlust.

Um mich selbst habe ich nie sehr gezittert. Ich lebe ganz gern, weil ich trotz allem das Schauspiel des Lebens anregend und amüsant finde. Oder besser: ich fand es amüsant. Jetzt, nachdem sich die Sensationen allzusehr gehäuft haben, und vor allem, seitdem es sich herausstellt, daß es meistens negative Sensationen sind, beginnt mich das Zuschaun zu ermüden und zu langweilen.

Aber ich schweife immer wieder ab und auf diese uninteressante Person hin, die bei 15 Grad Kälte draußen und 4 Grad Wärme drinnen im Polarforscherkostüm am Schreibtisch hockt und klappernd vor Kälte die klappernde Schreibmaschine bedient. Was ich sagen wollte, ist nur: Nach meiner Verschüttung empfand ich es als angenehm, daß Teile der Redaktion verlagert wurden. Mit einem kleinen Extrazug fuhren wir, zwei Wagen mit vielleicht hundert Menschen und fünf Wagen mit Akten, Schreibmaschinen, Büromaschinen und Büromöbeln, Ende Januar 1945 nach Süden. Wir fuhren recht bequem und ungeheuer langsam. Die Eisenbahnen waren schon weitgehend zerstört, und immer wieder lagen wir stundenlang auf freier Strecke, bedroht von Jabos, die uns auch zweimal erheblich beharkten. Dabei wurde neben mir das reizende Fräulein von Klemen erschossen, eine meiner begabtesten Volontärinnen, in die ich mich während der ersten zwei Tage der Fahrt so heftig verliebt hatte, daß ich ihr einen Heiratsantrag machte. Es war der zweite Heiratsantrag in meinem Leben. Ich glaube kaum, daß ich einen dritten machen werde. Wir begruben sie in Koburg auf einem besonders häßlichen Friedhof, dessen Marmorkreuze und Engel noch heute gut erhalten sind und durch ihre Existenz beweisen, daß vieles, was uns umgab, zerstörenswert war.

In Koburg lernte ich Vittorio Trenti etwas näher kennen. Er war ein recht begabter Kameramann, der Chefphotograph des Verlages (ein Titel, den er sich ausgedacht hatte). Ich hatte ihn früher schon hier und da in der Kantine des Verlagshauses getroffen, und ab und zu kam er auch auf die Redaktion, um sich zu beschweren, daß dieses oder jenes seiner Bilder nicht gut genug placiert oder gedruckt worden war. Aber ich hatte noch keine hundert persönlichen Worte in meinem Leben mit ihm gewechselt.

Trenti war einer der schönsten Männer, die ich je gesehn habe, und ich mag schöne Männer nicht. Woran diese Schönheit eigentlich lag, ist schwer zu beschreiben. Blauschwarzes, leicht gewelltes und sorgsam gescheiteltes Haar haben auch andere. Seine Augen allerdings, die er seiner norddeutschen Mutter, einer geborenen Gräfin Haake, verdankte (man konnte nicht zehn Minuten mit ihm zusammen sein, ohne zu erfahren, daß er sozusagen ein Halbgraf war), diese strahlend blauen, etwas seelenlosen Augen standen in einem anziehenden Gegensatz zu den schwarzen Haaren. Das Gesicht war schmal. Die Nase etwas zu groß, aber fein geschnitten. Die Lippen voll und nahezu himbeerrot. Das Gebiß sehr weiß, mit gleichmäßigen, etwas zu großen Zähnen. Er war etwas übermittelgroß, breitschulterig, schmalhüftig, sehr trainiert, ein berühmter Kurzstreckenläufer, Dritter auf der Olympiade 1936 im 200-Meter-Lauf, ein guter Reiter, ein vorzüglicher Florettfechter, ein brillanter Schiläufer. Wenn ich noch erzähle, daß er auf eine besonders saloppe Art elegant oder auf eine besonders elegante Art salopp gekleidet war — immer trug er ein pfiffiges Halstuch, ein schnittiges Lumberjack, seltsame Trainingshosen, die durch einen besonderen Schnitt auf geheimnisvolle Weise jede Plumpheit verloren, oder eine alte Manchesterhose, die an seinen langen, graden Beinen wie von einem ersten Atelier geschneidert wirkten —, so habe ich alles geschildert, was ihn zu einem typischen Herzensbrecher machte. Aber darüber hinaus hatte er eine in Deutschland sehr seltene Gabe: eine charmante Selbstverständlichkeit, mit Menschen umzugehn, die ihn auch befähigte, selbst zu den abweisendsten Mächtigen dieser Welt vorzudringen und ihr Bild mit seiner ewig jagdbereiten Kamera einzufangen. Obwohl er sich selber schön fand, war er nicht eigentlich eitel. Er verstand es aber, seine Schönheit auf anziehende Art in Szene zu setzen. Wo er sich aufhielt, war er der Mittelpunkt der Welt, und selbstverständlich war er auch der Mittelpunkt jener Woche in Koburg, in der wir im übrigen wenig taten, weil die Post schon nicht mehr recht funktionierte und die mahnenden Telegramme unseres Verlagshauses, das noch immer so tat, als müßten wir für einen Sieg arbeiten, der längst untergegangen war, uns immer gleichgültiger wurden.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Kleine Dämonen»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Kleine Dämonen» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Walther von Hollander - Lucia Bernhöven
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Der Granatapfelbaum
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Grenze der Erfüllung
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Akazien
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Auf der Suche
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Als wäre nichts geschehen
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Zehn Jahre, zehn Tage
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Licht im dunklen Haus
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Oktober
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Therese Larotta
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Komödie der Liebe
Walther von Hollander
Walther von Hollander - Vorbei ...
Walther von Hollander
Отзывы о книге «Kleine Dämonen»

Обсуждение, отзывы о книге «Kleine Dämonen» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x