Die Zahl der Todesfälle, die ausschließlich durch Alkoholkonsum bedingt sind, ist in den letzten 20 Jahren gesunken, bei Männern wesentlich deutlicher als bei Frauen. 2012 starben in Deutschland rund 21.000 Menschen im Alter von 15–64 Jahren (ca. 16.000 Männer und 5.000 Frauen) an Erkrankungen, die entweder ausschließlich auf Alkohol zurückzuführen sind oder für die der Alkoholkonsum ein Risikofaktor darstellt (DKFZ 2017, S. 58–59).
2.3 Volkswirtschaftliche Belastung durch die Alkoholkrankheit
Erhöhter Alkoholkonsum ist ein vorrangiges sozialmedizinisches Problem, denn erhebliche volkswirtschaftliche Kosten, entstehen in Deutschland vor allem durch:
Produktionsausfälle durch alkoholbedingte Erkrankungen und Fehlen am Arbeitsplatz (»Blaumachen«) (
Kap. 6.3
).
Ausgaben im Gesundheitswesen für alkoholbedingte Erkrankungen und Unfälle (
Kap. 5
und
Kap. 6.4
).
Erhöhte Mortalität durch alkoholbedingte Erkrankungen und Unfälle (
Kap. 6.5
).
Soziale Folgekosten (Sozialhilfe) für durch Alkoholmissbrauch zerrüttete Familien (
Kap. 6.2
).
Frühzeitige Berentung, auch Unfallrente (
Kap. 6.4
).
Folgekosten bei fetalem Alkohol-Embryopathie-Syndrom (
Kap. 5.3.11
).
Dabei ist zu beachten, dass die gesundheitlichen und sozialen Probleme nicht nur eine Folge einer Alkoholabhängigkeit sind, sondern auch schon bei erhöhtem Konsum auftreten können, insbesondere bei Alkoholintoxikationen (Rauschtrinken). Die alkoholbedingten gesundheitlichen Folgen können sehr unterschiedlich sein (Wetterling et al. 1999b). Erhöhter Alkoholkonsum wird als ein wesentlicher Faktor für eine Multimorbidität angesehen (Wetterling 2019). Es liegen nur Schätzungen zu den volkswirtschaftlichen Kosten durch Alkohol vor (
Tab. 2.1 Tab. 2.1: Volkswirtschaftliche Kosten durch erhöhten Alkoholkonsum (Quelle: DKFZ Alkoholatlas 2017, S. 71; Kraus et al. 2019). Kosten fürGeschätzte Kosten Milliarden €
). Die direkten Kosten werden mit insgesamt 9,15 Milliarden € angegeben. Den Hauptanteil machen die Krankheitskosten aus (
Tab. 2.1 Tab. 2.1: Volkswirtschaftliche Kosten durch erhöhten Alkoholkonsum (Quelle: DKFZ Alkoholatlas 2017, S. 71; Kraus et al. 2019). Kosten fürGeschätzte Kosten Milliarden €
). Die indirekten Kosten werden auf insgesamt 30,15 Milliarden € geschätzt.
Tab. 2.1: Volkswirtschaftliche Kosten durch erhöhten Alkoholkonsum (Quelle: DKFZ Alkoholatlas 2017, S. 71; Kraus et al. 2019).
Kosten fürGeschätzte Kosten Milliarden €
3
Alkohol-pharmakologische Eigenschaften
Definition:
Der Begriff Alkohol geht auf das arabische Wort »alkuhl« zurück, bedeutet das »Feinste, feines Pulver« und bezeichnete ursprünglich die feinen, nichtflüchtigen Bestandteile des Weines. Über die Mauren in Spanien gelangte der Begriff wie auch andere chemische Bezeichnungen in die europäischen Sprachen. In der Chemie wird mit Alkohol eine große Gruppe von Substanzen bezeichnet, die mindestens eine Hydroxyl-(-OH)gruppe haben. Die chemischen Eigenschaften, z. B. ihre Eignung als Lösungsmittel etc., hängen von der Länge der Kohlenstoffkette ab.
Ethylalkohol oder Ethanol (C 2H 5OH) ist eine farblose, brennbare Flüssigkeit. Ethanol entsteht bei der natürlichen Gärung von Zuckern und besitzt bemerkenswerte physikalisch-chemische Eigenschaften: Er ist sowohl sehr gut wasserlöslich (hydrophil) als auch fettlöslich (lipophil) und kann sich daher nach Aufnahme in den Körper schnell in nahezu alle Körperorgane verteilen.
Ethylalkohol ist als berauschender Bestandteil von Wein, Bier oder Schnaps eine klassische, schon seit dem Altertum bekannte psychotrope Substanz, die u. a. durch die Gärung von Früchten gewonnen wurde. Dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend wird in diesem Buch – chemisch nicht korrekt – die Bezeichnung Alkohol ausschließlich für Ethylalkohol benutzt.
Tab. 3.1: Alkoholgehalt verschiedener Getränke (Durchschnittswerte)

GetränkAlkohol %g Alkohol/lkJ/l*
*
1 g Alkohol enthält eine Energiemenge von 29,6 kJ (etwa 7 kcal). Teilweise sind die Energiemengen aufgrund des Gehalts an Zucker, Stärke etc. höher als es der Alkoholmenge entspricht.
Ein wenig beachteter Aspekt ist der hohe Energiegehalt (»Kalorien«) von Alkohol. Dieser ist mit 7,1 kcal pro Gramm höher als der von Zucker (4,1 kcal) und niedriger als der von Fett (9,3 kcal). Dies führt häufig dazu, dass Alkoholabhängige einen großen Teil ihres Energiebedarfs durch Alkoholtrinken decken. Hierbei handelt es sich um »leere Kalorien«, denn Vitamine und Mineralien wie in anderen Lebensmitteln fehlen. Dies ist ein wesentlicher Grund für eine Reihe von Organschädigungen bei chronischem Alkoholkonsum (Barve et al. 2017).
Meist enthalten alkoholische Getränke je nach Ausgangssubstanz (Frucht, Getreideart) und Gewinnungsprozess weitere pharmakologisch relevante Substanzen: Zucker, Fruchtester, Methanol und höhere Alkohole, Acetaldehyd und andere. Diese werden u. a. für unangenehme Wirkungen wie den »Kater« am nächsten Morgen oder Kopfschmerzen verantwortlich gemacht.
Da Alkohol durch die natürliche Gärung von Zuckern entsteht, enthalten auch einige Lebensmittel geringe Mengen an Alkohol (in Volumenprozent):
Читать дальше