Unverkennbar verfolgten die Stiftungen neben ihrem religiösen Charakter die profane, innerweltliche Absicht, das Gedächtnis an die Person über den Tod hinaus zu bewahren. In vielen Kirchen bestand die gesamte Ausstattung vom Abendmahlkelch bis zum Altar aus gestifteten Objekten, die mit dem Hinweis auf den Namen des großzügigen Spenders versehen waren. Selbst Türen und Fenster waren oftmals fromme Gaben. Sie dienten der Bewahrung vor dem sozialen Tod und legten die Grundlage für ein fortdauerndes Gedenken. Diese Entwicklung ist seit dem Ausgang des Mittelalters zu beobachten und schlug sich auch in der Gestaltung und Beschriftung von Grabsteinen nieder. Zu einem üblichen Motiv der Vorsorge für die Zeit nach dem Tod wurden die Stiftungen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts, nachdem durch die Reformation die Hoffnung zunichte gemacht worden war, man könne durch Geld und Testament sein Seelenheil sichern. An die Stelle einer religiös motivierten Vorsorge war der Wunsch nach einer innerweltlichen memoria getreten. Der Wunsch, nicht umsonst gelebt zu haben, hatte alle erfasst, die zu Lebzeiten eine gewisse soziale Stellung in der Gesellschaft eingenommen hatten. 17Es ist die Zeit der Renaissance, in der sich der Mensch als Individuum begreift und beginnt, die Spanne seines Lebens für einmalig und erinnerungswürdig zu halten. Die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod genügte nicht mehr, und man wollte festhalten, was eigentlich vergänglich ist. Ein Lebenswerk geschaffen und vollendet zu haben besaß einen tröstlichen Aspekt.
Die Epoche hat begonnen, in der die Sorge um einen guten Tod sich nicht mehr auf das Seelenheil allein fokussierte, sondern auch das Leben in den Blick nahm. Es konnte doch nicht sein, dass alles vergebens war, denn die irdische Existenz hatte einen eigenen Wert angenommen. Es sollte doch etwas bleiben von der Spur des Lebens. Seit dieser Zeit wächst allein die Zahl der Namen, die erinnert werden, verbunden mit Grabsteinen, Stiftungen und schließlich Straßennamen und Nachschlagewerken. Nur der ist wirklich tot, der vergessen ist. Oder er lebt zumindest im Herzen seiner Lieben fort. Sang- und klanglos von der Welt zu verschwinden stand als neue Sorge vor dem Tod im Raum.
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