»Kennen Sie diese Briefe, Herr Frankenburg?«
»Nein. Man wird doch nicht glauben –«
»Was wird man nicht glauben?«
»Dass ich sie geschrieben habe!«
»Warum sollten denn Sie sie nun nicht geschrieben haben können? Es könnte ja ihr Inhalt zufällig auch ein hochanständiger sein!«
Er merkte, dass er sich verfangen hatte, und erbleichte, immer war er aber noch ganz der Heldenvater. Er sei hier zu Hause und werde sein Hausrecht wahren. Er sei nicht gesonnen, sich in seiner Wohnung wegen einer ebenso schmählichen als unbegründeten Verdächtigung förmlich verhören zu lassen.
»Ich war der Meinung«, entgegnete ich, »dass Sie ein Verhör hier dem im Gerichtssaale vorziehen würden.«
»Im Gerichtssaale, Herr, werden Sie sich zu verantworten haben!«
»Ich fürchte nur, dass Sie mir keine Gelegenheit dazu bieten werden. Also Sie leugnen. Das ist Ihr Recht. Sie wissen aber leider nicht, dass ich Sie mit meinen Beweisen wie in einem eisernen Schraubstock halte. Sie können zappeln, so viel Sie wollen, Sie kommen nicht mehr los.«
»Die Beweise möchte ich kennen!«
»Sofort. Ich hatte mir die Ehre gegeben, gestern bei Ihnen vorzusprechen. Sie haben meine Karte doch vorgefunden?«
»Ja.«
»Haben Sie sie noch?«
»Jawohl, hier ist sie.«
»Schade. Sie hätten sie vernichten sollen. Denn sie bildet nun ein starkes, vielleicht das stärkste Beweisstück gegen Sie.«
»Was soll die Karte gegen mich beweisen? Sie schreiben mir auf ihr, ob ich nicht in der nächsten Zeit im Klub der Industriellen etwas vortragen wollte. Ich habe bis jetzt weder zugesagt, noch abgelehnt. Wie soll ich da nun etwas verbrochen haben?!«
»Sie wollen noch immer nichts zugeben. Gehen wir also methodisch vor. Zunächst wäre ich also in der Lage, Ihnen nachzuweisen, dass sich dasselbe Briefpapier, das zu diesen anonymen Sudeleien verwendet worden ist, in Ihrem Schreibtische vorfindet.«
»Wer kann das behaupten?«
»Ich. Ich bin nicht umsonst fünf Minuten an diesem Schreibtisch gesessen, wenn auch unter den sorglichen Augen Ihrer Wirtschafterin, die mir die Honneurs machte. Hier, Herr Kriminalkommissär, was für Parfüm haben diese beiden Briefe?«
»Ich glaube, es ist ein leichtes Veilchenparfüm«, erwiderte Dr. Weinlich, nachdem er die Briefe zur Nase geführt hatte.
»Einerlei, was es ist«, erklärte ich, »jedenfalls billige Sorte. Für Parfüms bin ich Kenner. Die Hauptsache ist, wollen Sie einmal, Herr Kriminalkommissär zur oberen Schreibtischlade rechts riechen.«
»Es ist in der Tat genau dasselbe Parfüm.«
»Das ist die Hauptsache. Sie wollen uns die Lade nicht aufschließen, Herr Frankenburg. Ich nötige Sie nicht, obschon ich glaube, dass wir dort einen Beweis finden könnten. Allerdings keinen genügenden. Das gebe ich Ihnen zu. Sie können auch sonst beruhigt sein. Wir haben keinen Hausdurchsuchungsbefehl mit, können Sie also auch nicht zwingen. Wir könnten uns ja schließlich einen solchen Befehl verschaffen, aber wir brauchen ihn nicht. Ich habe etwas Besseres. Als ich an diesem Tische zu sitzen die Ehre hatte, habe ich die Gelegenheit benutzt, um aus diesem Vexierring, den Sie an meinem Finger sehen, drei Tropfen in Wasser aufgelöster Bronzefarbe in Ihr Tintenfass zu träufeln. Sie konnten den kleinen Scherz nicht bemerken, Herr Frankenburg, er hat Sie aber festgemacht. Die Karte, die ich schrieb, war das letzte Dokument, das an diesem Schreibtisch mit glanzloser Tinte geschrieben wurde. Was später geschrieben wurde, musste, wenn die Tinte einmal eingetrocknet war, den verräterischen und unwiderleglichen Metallglanz aufweisen. Vergleichen Sie gütigst diese beiden Briefe, Herr Kriminalkommissär. Der eine ist vor, der andere nach meinem Besuche geschrieben worden, wie die Poststempel ausweisen.«
»Auch das ist unverkennbar«, bestätigte Dr. Weinlich.
»Tatsache ist nun, dass Sie alle Schreibtische Wiens gerichtlich durchsuchen lassen können, auf keinem wird diese absonderliche Tinte wiederzufinden sein. Glauben Sie nun, Herr Walter Frankenburg, dass ich Sie festhalte?«
»Nun, hat er gestanden?« fragte Frau Violet in höchster Spannung.
»Er war gebrochen, gab jeden Widerstand auf und alles zu. Und nun, Frau Violet, rüsten Sie sich zur großen Gerichtsverhandlung!«
»Was fällt Ihnen ein, Dagobert?! Soll ich mich vielleicht als Zeugin hinausstellen und dann in den Sensationsberichten durch alle Zeitungen schleifen lassen!!«
»Ja, was soll ich sonst mit dem Manne anfangen?«
»Schaffen Sie ihn ab aus Wien, legen Sie ihm sonst eine Buße auf, was Sie wollen, aber mich lassen Sie aus dem Spiele!«
»Merkwürdig, wie man sich täuschen kann! Ich dachte, weil Ihnen diese Art der Strafe bei der Gräfin viel zu mild schien –«
»O, das war etwas ganz anderes!«
»Ich weiß nicht, ob es etwas ganz anderes war, aber für alle Fälle habe ich auch ihn vom Fleck weg verbannt. Er wird nie mehr eine Wiener Bühne betreten, außerdem schickt er diesen Betrag für Ihren Wohltätigkeitsverein, meine Gnädigste. Den Ausweis wird er in den Zeitungen finden. Das Schlagwort wird lauten: ›Von einem überwiesenen Schurken‹, und er wird sich erkennen.«
1 Gepäck oder (fallweise) Kutsche <<<
2 beutelartige Damenhandtasche mit Zugbändern <<<
3 (frz.) hier etwa: komme, was wolle <<<
4 Frühstück <<<
5 (franz.) Heldenvater. <<<
Zweiter Band
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