Beispiel Stadtquartier: Am besten eignet sich ein Plan mit einem grossen Massstab (zum Beispiel 1: 2000). Darauf müssen alle Strassen, Plätze und sogar die einzelnen Häuser klar erkennbar sein, damit Sie die erhobenen Daten zum Beispiel einer einzelnen Hausnummer zuordnen können. Achten Sie darauf, dass der Plan möglichst aktuell ist.
Beispiel Gletschervorfeld: Hier ist eine topografische Karte (zum Beispiel 1: 25 000) am besten geeignet, da das Untersuchungsgebiet weitläufiger ist.
In beiden Fällen müssen Sie unter Umständen die Karten- und Planausschnitte für die Arbeit vor Ort noch digital vergrössern, wenn Sie eine kleinräumige und differenzierte Kartierung machen wollen.
• Abgrenzung des Untersuchungsraums: Das Gebiet, in dem Sie Daten erheben wollen, müssen Sie genau abgrenzen. Selbstverständlich können Sie die Abgrenzung aufgrund Ihres Untersuchungskonzepts und Ihrer Fragestellung begründen.
Beispiel Stadtquartier: Welche Häuser, Strassen und Plätze gehören in Ihr Untersuchungsgebiet? Wo verläuft die Grenze zu den umgebenden Quartieren, die Sie nicht untersuchen? Warum verlaufen die Grenzen Ihres Untersuchungsgebiets genau dort?
Beispiel Gletschervorfeld: In welchem Perimeter (von einer Grenze eingefasstes Gebiet) führen Sie Ihre Untersuchungen und Beobachtungen durch? Gehört die Moräne von 1850 noch dazu, oder verläuft die Abgrenzung näher bei der Gletscherzunge?
Abbildung 3.3:Lorraine-Quartier in Bern, Abbildung 3.4:Vorfeld des Steingletschers
• Vorbereiten eines Protokollblatts: Um die Daten systematisch erfassen zu können, brauchen Sie ein zweckmässiges Formular. Darauf halten Sie Beobachtungsstandort, Beobachtungszeitpunkt sowie alle erfassten Daten fest. Das Erfassen der Daten erfolgt gemäss den ausgewählten Merkmalen (Variablen) und deren Ausprägungen. So können Sie auch später jede Beobachtung oder Messung punktgenau im Gelände verorten.
Abbildung 3.5:Protokollblatt für eine Vegetationsaufnahme in einem Gletschervorfeld
Abbildung 3.6:Protokollblatt für eine Nutzungskartierung im Quartier
• Beschaffen und Bereitstellen von Material und Messapparaturen: Eventuell brauchen Sie Geräte oder weiteres Material, um die Untersuchungen vor Ort durchzuführen.
Beispiel Stadtquartier: Für Interviews mit den Bewohnerinnen und Bewohnern leistet ein Aufnahmegerät (zum Beispiel ein Smartphone) gute Dienste. Sie können sich während des Interviews aufs Gespräch konzentrieren und das aufgenommene Interview später in aller Ruhe auswerten.
Beispiel Gletschervorfeld: Um einen genau definierten Standort aufzusuchen, müssen Sie Ihre Position präzise bestimmen können. Sie nehmen also ein GPS-Gerät mit (oder laden sich eine entsprechende App auf Ihr Smartphone). Wertvolle Dienste kann auch eine Kamera leisten, welche die einzelnen Fotos georeferenziert, das heisst jedem Bild den genauen Aufnahmestandort zuordnet. Sie können später jeden Aufnahmestandort – und folglich jedes Bildmotiv – exakt auf einer Karte oder zum Beispiel in «Google Earth» eintragen. Falls Sie an Ihren Untersuchungsstandorten Bodenproben nehmen wollen, brauchen Sie mehrere Behälter für den Transport. Zudem brauchen Sie einen wasserfesten Stift oder vorbereitete Klebeetiketten, um die Behälter mit den Bodenproben sofort zu beschriften. Vielleicht haben Sie vor, einfache Untersuchungen direkt vor Ort vorzunehmen: Vergessen Sie die notwendigen Chemikalien nicht.
Aufgabe 3 Verkehrszählung vorbereiten
Sie planen eine Verkehrszählung an einer stark befahrenen Strasse in Köniz, einer Vorortsgemeinde von Bern. Sie wollen herausfinden, wie gross das Verkehrsaufkommen ist und mit welchen Verkehrsmitteln die Leute unterwegs sind. Als Vorbereitung Ihrer Messkampagne überlegen Sie sich folgende Fragen:
(1) Welche Kartengrundlagen brauche ich dazu?
(2) Wie grenze ich mein Untersuchungsgebiet ab?
(3) Welche Merkmale mit welchen Ausprägungen sind zu protokollieren?
(4) Brauche ich zusätzliches Material?
a) Versuchen Sie, obige Fragen stichwortartig zu beantworten.
b) Welche weiteren Aspekte müssen Sie beachten, um die Zählungen möglichst ohne Zwischenfälle durchführen zu können und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen?
3.3 Ortsbezogene Informationen sammeln – aber wo genau?
Sie sind in der Zwischenzeit gut auf Ihre Datenerhebung «im Feld» vorbereitet: Die Fragestellungen und die Hypothesen sind schriftlich festgehalten, der Untersuchungsraum ist definiert und auf einer Karte oder einem Plan eingetragen, die (noch leeren) Protokollblätter sind kopiert oder auf dem Laptop oder dem Tablet abgespeichert, und das zusätzlich notwendige Arbeitsmaterial steht bereit. Aber wo genau machen Sie jetzt Ihre Messungen, Zählungen, Beobachtungen oder Befragungen? Welche Standorte innerhalb Ihres Untersuchungsraums eignen sich am besten? Wählen Sie diese Standorte bewusst aus, oder überlassen Sie die Wahl der Mess- oder Beobachtungsstellen dem Zufall?
Für die Bestimmung der Standorte beziehungsweise der zu untersuchenden Objekte stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich gibt es zwei Arten, die Standorte festzulegen: eine gezielte und eine zufällige. Einige häufig angewandte Methoden zur Festlegung Ihres Standortes beziehungsweise Ihrer Standorte werden in der Folge kurz dargestellt.
3.3.1 Gezielte Auswahl der Standorte
Bei einigen Fragestellungen müssen die Beobachtungs-, Zähl- oder Messstandorte an «strategisch» wichtigen Stellen liegen, das heisst an Gewässern, Kreuzungen, bei Zugängen oder auf Strassenabschnitten, Plätzen, Bahnhöfen, Geländeprofilen und so weiter. Diese Standorte müssen gestützt auf die Fragestellung gezielt und sinnvoll gewählt werden.
a) Punktstandorte(zum Beispiel Verkehrszählung an einer Kreuzung): Wenn die Kreuzung «kompliziert» ist, das heisst, wenn aus vielen verschiedenen Richtungen Strassen auf diese Kreuzung zuführen oder das Verkehrsaufkommen sehr hoch ist, müssen unter Umständen mehrere Personen von verschiedenen Standorten aus gleichzeitig Zählungen durchführen.
Abbildung 3.7:Wie viele Fahrzeuge passieren den Verkehrsknotenpunkt Burgernziel in Bern in welcher Richtung? Die Erhebung erfolgt gleichzeitig von drei Standorten aus.
b) Transekt(linear oder streifenförmig; zum Beispiel Veränderung der Pflanzengesellschaften vom Waldrand ins Waldesinnere)
Abbildung 3.8:Vegetationsaufnahme entlang eines Transekts im Heimehuswald bei Bern
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