Katja Kauer - Queer lesen

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Queer Reading ist eine Methode, die die Konstruktionen des Geschlechts und des Begehrens lesbar macht. Eine queere Lektüre öffnet etwa den Blick dafür, wie Heterosexualität als postulierte soziale Norm in Texten stetig untergraben wird, und ermöglicht die Entdeckung homoerotischer oder homosexueller Subtexte. Ziel ist allerdings nicht, im Gegenzug andere Identitäten zur Norm zu erklären oder Autor*innen und Figuren Prädikate wie homosexuell oder transsexuell zuzuschreiben. Vielmehr legt Queer Reading ein anderes Begehren offen, das nicht den Äußerungen der Figuren und unseren Erwartungen entspricht. Es erweitert so unseren Horizont und bedeutet damit eine Bereicherung jeder literaturwissenschaftlichen Arbeit. Das Studienbuch verdeutlicht anhand von Lektüren ganz unterschiedlicher Prosa, wie ein Text queer gelesen werden kann, und will seine Leser*innen ermutigen, sich Leitlinien zu erarbeiten, mit denen sie Texte selbst queer lesen können. Das Buch leistet neben der Methodendiskussion auch einen Beitrag zur Erforschung kanonisierter Autor*innen und Werke aus neuer Perspektive.

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Die Metalepsis produziert als rhetorischen Effekt eine vorausliegende Ursache, als deren Wirkung sie sich darstellt. Metaleptisch produziert gender das Geschlecht ( sex ), als dessen Konsequenz es auftritt. Die Metalepsis funktioniert, um einen verwandten Effekt zu zitieren, wie Roland Barthes’ „effect de réel“; dessen „Realismus“ ist nichts der Abbildung Vorhergehendes, sondern ebenfalls erst Effekt der Darstellung, Effekt einer bestimmten Rhetorik.19

Die Bezugnahme auf den Semiotiker Barthes zeigt, dass wir uns in einem genuin literaturwissenschaftlich zu erforschenden Bereich bewegen. Texte sind angereichert mit Vorstellungen von Geschlecht, die keine universelle Gültigkeit haben, die oft widersprüchlich sind sowie unbeständig und dennoch vermögen sie, das Geschlecht real werden zu lassen. Nur über die Wahrnehmung der sozialen Rolle, sei es in der sozialen Realität oder im literarischen Text, sprechen wir den Personen ein Geschlecht zu, welches wir jedoch als biologische Tatsache verstehen. Die Queerforschung in Deutschland entstand durch die Rezeption von Butlers Thesen und in dem Versuch, diese Thesen an geeigneten Gegenständen nachzuvollziehen.

3. Queer Studies in der Literaturwissenschaft

Queerforschung besteht für Literaturwissenschaftler*innen unter anderem darin, die Performanz der Figuren zu prüfen und herauszufinden, inwieweit die Figuren auch eine andere als die rein heteronormative Auslegung zulassen. Sie rekurriert dabei nicht auf die Natur und auch nicht auf eine übergeordnete Wahrheit. Wir interessieren uns als Philolog*innen selbstverständlich nicht für die Biologie der literarischen Figuren, denn wie sähe ein Chromosom einer fiktionalen Gestalt auch aus? Wenn wir über Geschlecht reden, reden wir allemal über die geschlechtlichen Rollen. Wie bereits eingangs erwähnt, hat das breite Theoriegeflecht, das Queer Studies eröffnen, auch den Ruf obskur und unseriös zu sein. Daher haben wir in den Literaturwissenschaften keine Publikationsflut und es gibt in mancher Hinsicht eine gewisse Scheu vor queerem Denken.

Wie sieht die Forschungsdiskussion in der deutschen Philologie aus? Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive gehört die queere Textarbeit in den Theorierahmen des Poststrukturalismus, aus dem sich die entnaturalisierte Geschlechtertheorie der Rhetorikprofessorin Butler speist.1 Poststrukturalistische Textarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass es ihr nicht darum geht, etwas wie die ‚Wahrheit‘ und die ‚Wesentlichkeit‘ der Dinge zu artikulieren, sondern gerade die Annahme, dass es etwas Letztgültiges überhaupt geben könne, zu kritisieren. Begriffe haben keine festen Bedeutungen, scheinbar feste Semantiken werden im Gebrauch ständig unterlaufen. Der französische Philosoph Jacques Derrida (1930–2004), der Begründer der wissenschaftlichen Methode ‚Dekonstruktion‘, hat dieses Scheitern eindeutiger Signifikation u.a. in seiner einflussreichen Schrift „Grammatologie“2 thematisiert, die 1983 erstmals auf Deutsch aufgelegt wurde. Neben ihm gilt der Diskurstheoretiker (bzw. der Begründer dieser wissenschaftlichen Methode) Michel Foucault (1926–1984), dessen Augenmerk darauf gerichtet ist, wie Wissen, das oft nur mangelhaft generiert ist, dennoch als ‚wahr‘ zu gelten vermag und Macht über die Subjekte ausübt, als ein wegweisender poststrukturalistischer Denker, auf dessen Prämissen Queertheorie aufbaut. Michel Foucault versteht auch ‚Sexualität‘ als ein kulturelles Konstrukt, das durch Diskurse hervorgebracht wird. Diskurse prägen das menschliche Verständnis von Realität über Gegenstände alle Art. Sie sind sprachlich, indem sie Definitionen liefern, operieren aber auch auf nicht sprachlicher Ebene. Foucaults Texte, so zum Beispiel Der Wille zum Wissen 3, sind seit den 1980er Jahren im deutschen Sprachraum breit rezipiert und in vielen Auflagen publiziert worden. Sie haben in der Literaturwissenschaft einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Während in den 1990er Jahren poststrukturalistische Literaturwissenschaft als mondän galt, wird der Begriff heute nicht mehr als gängiges Schlagwort gebraucht. Es mag sogar rückständig klingen, sich als ‚Poststrukturalistin‘ zu bezeichnen. Der Poststrukturalismus lebt jedoch in vielen geisteswissenschaftlichen Methoden, so auch der Gender- und Queertheorie, weiter. Sein kritischer Anspruch ist nicht passé . Der Verzicht auf einen letztgültigen Wahrheitsanspruch und die Hinterfragung der Machtstrukturen sind für die queere Lektüre kennzeichnend. Die Wiener Literaturwissenschaftlerin Anna Babka, die auch Leiterin der Forschungsstelle „ Queer-reading in den Philologien“ an der Wiener Universität ist, zeigt in ihrem Band Gender und Dekonstruktion. Begriffe und kommentierte Grundlagentexte der Gender- und Queer-Theorie (mit Gerald Posselt) die Genese der Queertheorie im literaturwissenschaftlichen Bereich.4 In einer älteren Publikation Queer Reading in den Philologien , herausgegeben mit Susanne Hochreiter, wird das Theoriekonzept durch einzelne Aufsätze erklärt. Dort werden aber auch Beispiele für eine Umsetzung der Theorie geliefert.5 In meiner Einführung verzichte ich darauf, die Genese der Queertheorie aus den poststrukturalistischen Theorien zu explizieren. Stattdessen werde ich versuchen, konkret an Texten zu arbeiten, was aber durchaus als ‚Dekonstruktion‘ und ‚ Queer Reading ‘ der Texte firmieren kann. Wo können wir eine theoretische Vorstellung von einem ‚ Queer Reading ‘ gewinnen, um zur Praxis vorzustoßen?

Hinzuweisen ist an dieser Stelle auf den 2003 erschienenen, bereits zitierten Einführungsband Queer denken von Andreas Kraß.6 Der Autor zählt zu den prominenten Kritiker*innen der Heteronormativität im germanistischen Bereich.7 In diesem Band sind viele grundlegende Texte für die literaturwissenschaftliche Arbeit zusammengestellt. Diese Publikation ermöglichte es den Germanistikstudierenden des neuen Jahrtausends, Queer Studies in ihrem Fach umzusetzen. Es empfiehlt sich jedoch, auch sein jüngeres Buch Ein Herz und eine Seele in die Hand zu nehmen, um die Heteronormativitätskritik durch eine Geschichte der Männerfreundschaft expliziert zu sehen. Kraß zeigt dort, dass sich das Verbot gleichgeschlechtlicher Sexualität zwischen Männern im Laufe der Zeit nicht als homogen erweist.8 Der Gegenstand der Untersuchung ist ein heterosexueller, nämlich die (homosoziale) Freundschaft unter heterosexuellen Männern, aber Kraß’ queerer Blick auf diese hochgelobte seelische Bindung unter Männern verdeutlicht, dass sie bestimmter diskursiver Strategien bedarf, die sexuelle Dimension zu leugnen oder fernzuhalten.

Keine literaturwissenschaftliche Einführung in ein Queer Reading bietet eine simple Anleitung, deren Vorgaben eins zu eins nachgeahmt werden können, um zum gewünschten Erfolg zu führen. Dieser Umstand trifft natürlich auch auf andere Methoden zu, erweist sich für Queer Studies allerdings als sehr prägnant. Bei der Etablierung eines eigenen queeren Blickes, also der Anwendung der Theorie in der Praxis, erscheint er Studierenden meiner Erfahrung nach als besonders hohe Hürde. Ich gehe davon aus, dass die meisten Studierenden, die sich der Theorie öffnen, diese auch zu überblicken vermögen, sich jedoch nicht sofort zutrauen, selbst einen Text queer zu lesen. Um diese Fähigkeit auszubilden, müssen wir uns bewusst machen, dass in den Queer Studies zwar einerseits die Entnaturalisierung von Genderidentitäten als grundsätzliche Prämisse gilt, dass aber andererseits die theoretischen Texte, die sich damit beschäftigen, nicht unsere einzige Quelle und Inspiration darstellen. Bereits vor Butler (oder etwa zeitgleich) arbeiteten sich Philosoph*innen, Dichter*innen und Denker*innen an der Kategorie ‚Geschlecht‘ kritisch ab. Auch diese Forschung denaturalisiert die Heteronormativität, jedoch meist nicht auf sprachanalytischer Ebene, sondern durch historische Analysen. Die Arbeit einer queer denkenden, lesenden Literaturwissenschaftlerin besteht darin, eine Kontrastierung zur Norm in den Texten zu zeigen. Diese Arbeit beruht meines Erachtens auf zwei Wurzeln der Queer Studies . Zum einen verfügen wir über die theoretische Basis, die nicht nur, aber doch hauptsächlich, mit dem Namen Judith Butler verbunden ist und für die der 1991 eingeführte Begriff ‚ queer ‘ generaliter verwendet wird. Sie würde ich als die sprachkritische, sprachphilosophische (oder auch poststrukturalistische) Basis des Queeren bezeichnen, die im akademischen Rahmen zum „Sammelbegriff für einen neuen kritisch theoretischen Zugang“9 systematisiert wurde. Daneben gibt es aber auch eine phänomenologische Wurzel der Queer Studies , die von all jenen Wissenschaftler*innen gepflanzt wurde, die sich am Gegenstand der Literatur mit den vielschichtigen, nicht heteronormativen Erscheinungsformen von Geschlecht und Begehren befasst haben. Diese prä-butlerschen (und in gewisser Weise prä- queeren ) Studien, die vor den 1990er Jahren entstanden, werden meist der akademischen Disziplin der Gay and Lesbian Studies zugerechnet, weil sie zu einem Zeitpunkt publiziert wurden, als es den „Sammelbegriff“ ‚ queer ‘ als akademisches Konzept noch nicht gab. Einige Texte dieser Couleur gelten dessen ungeachtet als Klassiker der Queer Studies. Ich werde dafür einige Beispiele liefern. Diese methodische Quellensituation wurde in der deutschen Philologie nie systematisch reflektiert. Einige Klassiker des queeren Denkens sind noch nicht oder nur teilweise ins Deutsche übersetzt.

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