Katja Kauer - Queer lesen

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Queer Reading ist eine Methode, die die Konstruktionen des Geschlechts und des Begehrens lesbar macht. Eine queere Lektüre öffnet etwa den Blick dafür, wie Heterosexualität als postulierte soziale Norm in Texten stetig untergraben wird, und ermöglicht die Entdeckung homoerotischer oder homosexueller Subtexte. Ziel ist allerdings nicht, im Gegenzug andere Identitäten zur Norm zu erklären oder Autor*innen und Figuren Prädikate wie homosexuell oder transsexuell zuzuschreiben. Vielmehr legt Queer Reading ein anderes Begehren offen, das nicht den Äußerungen der Figuren und unseren Erwartungen entspricht. Es erweitert so unseren Horizont und bedeutet damit eine Bereicherung jeder literaturwissenschaftlichen Arbeit. Das Studienbuch verdeutlicht anhand von Lektüren ganz unterschiedlicher Prosa, wie ein Text queer gelesen werden kann, und will seine Leser*innen ermutigen, sich Leitlinien zu erarbeiten, mit denen sie Texte selbst queer lesen können. Das Buch leistet neben der Methodendiskussion auch einen Beitrag zur Erforschung kanonisierter Autor*innen und Werke aus neuer Perspektive.

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Eine etwas populärwissenschaftlichere Untersuchung Karin Lützens (*1952) aus dem skandinavischen Bereich, die in der Originalsprache fünf Jahre nach Fadermans Untersuchung (1986) entstand und zwei Jahre nach Fadermans Text, im Jahr 1992, unter dem Titel Frauen lieben Frauen auf Deutsch erschien, zeigt dieselbe Karriere der Frauenliebe mit etwas anderen Quellen.22 Lützen spricht in diesem Buch von Zwangsheterosexualität, durch die die affektive Energie unter Frauen gehemmt wird, ohne sich in ihren Thesen allerdings explizit auf Adrienne Rich zu beziehen.

Die moderne Gesellschaft wurde heterosexualisiert – um nicht zu sagen, zwangs -heterosexualisiert. Das zuerkannte Begehren mußte sich auf Männer richten, sonst galt es als Abweichung, und nachdem das abweichende Begehren das Licht der Welt erblickt hatte, wurde das Zusammensein von Frauen nicht nur als „Mangel an Besserem“ betrachtet […], sondern als Brutstätte schwüler Homosexualität.23

Die zwangsheterosexualisierte Frau des 20. Jahrhunderts, der sowohl der Zwang zur Sexualität als auch der Zwang, das Begehren auf Männer zu richten, postfreudianisch aufgegeben wurde, konnte ihre Zuneigung zu Frauen gar nicht mehr als romantische Freundschaft leben. Sie musste sich entweder als ‚homosexuell‘ und damit als deviant begreifen, was ihrer Liebe einen pathologischen Zug verlieh, oder durfte andernfalls ihr Begehren zum eigenen Geschlecht nur als Spielart, singuläre Verfehlung bzw. Verirrung bewerten, die keine Identitätsspuren zu hinterlassen habe. Die Definition der weiblichen Homosexualität zerstörte den romantischen Freundschaftsdiskurs. Gleichgeschlechtliches Interesse wurde im 20. Jahrhundert suspekt und ließ Rückschlüsse auf die Person zu, die als fehlgeleitet, frigide oder männerfeindlich angesehen werden konnte.24 Sowohl Faderman als auch Lützen sehen den lesbischen Feminismus als ein Konzept, das mit der patriarchalen Definition des lesbischen Begehrens bricht, indem es diese Liebe historisch an den Diskurs um die romantische Frauenfreundschaft bindet. Damit wird diese Liebe entpathologisiert und erhält eine positiv konnotierte Begriffsgeschichte, zumindest aus der Perspektive der Frauen liebenden Frau. Die Perspektive der Gesellschaft auf Lesben und lesbische Feministinnen blieb natürlich erst mal die, die das 20. Jahrhundert beherrschte. Die kritischen Wissenschaftlerinnen argumentieren durch ihre historischen Analysen überzeugend dafür, dass Frauen immer auch stark für das eigene Geschlecht empfunden hätten, dass allerdings der Blick des Mannes bzw. der patriarchalischen Gesellschaft diese Empfindung in bestimmten historischen Phasen als asexuell und wünschenswert, in der jüngeren Geschichte dagegen als übersexualisiert und verachtenswert definiert hat.

Es war für eine Frau nicht ungewöhnlich […] ihre romantische Freundschaft als Mittelpunkt ihres Lebens zu sehen. Erst als sich die gesellschaftliche Rolle der Frau zu verändern begann und das, was sie tat, ernster genommen werden mußte […] änderte sich die Meinung über die romantische Freundschaft. Liebe zwischen Frauen – Beziehungen also, die sich gefühlsmäßig in nichts von der romantischen Freundschaft unterschieden – wurden zu etwas Bösen und Krankhaften. […] Im verbildeten 20. Jahrhundert war es für eine Frau, die eine Frau liebte, schlichtweg unmöglich, diese Liebe als romantische Freundschaft zu sehen – außer es gelang ihr, sich der modernen Psychologie, der Literatur, den Zoten völlig zu verschließen. […] Das änderte sich mit dem Aufschwung der Neuen Frauenbewegung. Nachdem Feministinnen die patriarchalische Kultur kritisch hinterfragt hatten, begannen sie in den siebziger Jahren auch mit den Tabus bezüglich der Liebe zwischen Frauen aufzuräumen.25

Der lesbische Feminismus knüpft ideologisch an die Tradition der romantischen Freundschaft an, indem er die Frauenliebe als selbstverständliche Konsequenz einer weiblichen Situation und der paternalistischen Machtverhältnisse begreift. Beide Texte zeigen sich natürlich selbst in einer historisch-politischen Dimension verankert. ‚Lesbischer Feminismus‘ gilt im neuen Jahrtausend als fast ebenso anachronistisch wie das Konzept der romantischen Freundschaft. Fadermans Text allerdings gipfelt in einem Plädoyer, das wir durchaus als queeres Denken charakterisieren können. Durch dieses Plädoyer offenbart sie, dass ihrem Text bereits ein queerer literaturwissenschaftlicher Blick innewohnt, der in dem kommenden Kapitel privilegiert wird.

In einer idealen Welt gäbe es keinen lesbischen Feminismus, der Beziehungen zu Männern militant ausschließt. Selbstverständlich gäbe es auch keine romantischen Freundschaften – wie sie Frauen früher haben durften – Beziehungen, in denen die Frauen sich fast alles sein konnten, für ihren Lebensunterhalt aber einen Beschützer brauchten. […] Es gäbe auch keine Bemühungen, weiblichen Wesen die Idee aufzudrängen, daß sie, um normal zu sein, die frühe Liebe, die sie für ihre Mutter fühlten, zuerst auf den Vater und dann auf einen Vaterersatz übertragen müssen – auf einen Mann, der in allen Dingen mehr als sie ist: älter, besser ausgebildet, klüger und stärker. Frauen wie Männer würden ihre Liebesobjekte nicht auf der Basis sexueller Politik auswählen, sie würden nicht vor einer willkürlichen, heterosexuellen Ideologie kapitulieren oder sich ihr verweigern. Vielmehr würden sie die Wahl aufgrund der individuellen Bedürfnisse ihrer eigenen Persönlichkeit treffen, die sich im Idealzustand ungehindert und frei von den Stereotypen der Geschlechterrollen entwickeln konnte. Potentielle oder tatsächliche Bisexualität, die heute von lesbischen Feministinnen als Verrat und von den Heterosexuellen als Labilität gewertet wird, wäre sowohl emotional als auch statistisch gesehen normal.26

Führen wir uns vor Augen, was in diesem vor 40 Jahren verfassten Text steht, so kann der Sinn einer queertheoretischen Analyse, die produktiv gegen die Allmacht der Heteronormativität arbeitet, wohl nicht sein, ein homosexuelles Begehren irgendwie aus der heterosexuellen Perspektive rechtfertigen zu wollen, sondern nur darin zu zeigen, dass sich gleichgeschlechtliche Attraktion in Texten ebenso laut und natürlich offenbart wie die heterosexuelle. Dieses Studienbuch versucht nicht, Queer Studies abstrakt als einen lohnenswerten Forschungsansatz darzustellen. Ich stelle in der Folge literarische Texte vor, die, mit einem queeren Blick betrachtet, anders zu uns sprechen und ohne ihn vielleicht manchmal gar nicht verständlich wären. Ich berücksichtige dabei sowohl die theoretischen Grundlagen des queeren Denkens als auch die hier genannten, im Kontext der Gay and Lesbian Studies entstandenen Arbeiten, die eine Inspirationsquelle für meine queeren Analysen darstellen.

I ‚Abweichendes‘ Begehren in ‚konservativen‘ Texten / queer desire – straight text

Eduard von Keyserling: Wellen (1911)

Eduard von Keyserling (1855–1918) ist ein prominenter Vertreter der Literatur des Fin de Siècle . Er galt zu seiner Zeit als Erfolgsautor, gehört jedoch heutzutage nicht so selbstverständlich zum Schulkanon wie sein um eine Generation älterer Kollege Theodor Fontane (1819–1898), mit dem er häufig verglichen wird. Keyserlings Werk „erfährt in regelmäßigen Abständen eine beachtliche Renaissance“1, und zwar meist unter Zuhilfenahme derselben Stichwörter: Untergang des baltischen Adels, Ironie und Antiutopie. Den Forschungsstand zu dem Autor beschreibt Armin von Ungern-Sternberg als ein erhärtetes Bild von einem „feinsinnige[n], wenngleich etwas konservative[n]“2 Autor, das einer Revidierung harrt. Keyserling malt Stimmungsbilder dekadenten Lebens und unerfüllter Liebe. Die Texte erzählen von der sich im Niedergang befindenden Welt des baltischen Landadels, dessen Konventionen bereits um 1900 der Moderne nicht mehr standhalten können. Sie laden eine (post-)strukturalistisch geschulte Germanistin geradezu ein, sie genauer zu untersuchen. Sie zeigen eine starke Typisierung der Figuren und eine Gestaltung in binären Oppositionen,3 die auf der Textebene immer wieder Brüche produzieren. Das betrifft, wie in der folgenden Lektüre zu zeigen sein wird, vor allem die Sexualität der Figuren, ohne dass diese Brüche vom Autor beabsichtigt zu sein scheinen. Keyserling steht eigentlich nicht im Verdacht, in seinen Texten die Heteronormativität bewusst zu unterwandern. Trotzdem bieten Keyserlings Texte sowohl für eine Genderanalyse als auch eine Queeranalyse einen dankbaren Gegenstand, auch wenn dieser Umstand in der bisherigen Forschung zu Keyserling keine dezidierte Beachtung fand. Sein Prosawerk ist bevölkert von zarten Femme-Fragile -Gestalten, mit Femme-Fatale -Figuren oder ‚weißen‘ (reinen) und ‚roten‘ (erotischen) Frauen, die in ihrer Typisierung wie ‚aus der Zeit gefallen‘ wirken, sowie mit Männern, die bemüht sind, ihre Männlichkeit gegen die Einbrüche des Weiblichen zu behaupten.

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