Malte Thomas fiel es sichtbar schwer, sich zu erklären. Er verlagerte sein Gewicht mehrfach nervös von einem Bein auf das andere und hoffte, dass diese unangenehme Situation schnell endete. So hatte er sich diese Aussage bei den Beamten nicht gewünscht, selbst wenn er darüber ein wenig erleichtert schien.
„Es liegt uns zwar keine Vermisstenmeldung vor, aber ich denke, Sie führen uns doch nochmals zu dem Ort, wo Sie Ihre Beobachtungen gemacht haben.“
Es war jetzt schon spät, und wieder regnete es leicht. Es war deutlich kühler geworden. Der Beamte, der ihm beigesprungen war und einer seiner Kollegen saßen vorn, Malte saß rechts auf der Rücksitzbank.
Während der Fahrt im Polizeiauto redete niemand. Malte starrte nach vorn durch die Frontscheibe oder sah gelegentlich in den Rückspiegel, wo er mitbekam, dass ihn der Beamte am Lenker immer wieder mal prüfend anblickte. Aber dessen Miene verriet nichts, was irgendeine Emotion erraten ließ.
Malte fand dieses Schweigen belastend, rätselte, was diese beiden Beamten jetzt über ihn dachten. Möglicherweise fragten die sich, wen sie da im Fond sitzen hatten. Er war froh, als sie endlich die Stelle erreichten, wo dieser Autofahrer eine Person aus seinem Auto gezerrt hatte. Die Beamten und er schauten sich um. Da war niemand. Einer der Polizisten und Thomas liefen ein Stück in Richtung des nächsten Ortes. Fast schon nahe dem Ortsschild erkannten sie endlich eine Person, zunächst unklar, ob es ein Mann oder eine Frau war, die sie dort am Straßenrand hocken sahen.
„Da ist tatsächlich jemand“, stieß der Polizist aus, und gleich darauf sprach er mit der Person. Es war eine junge Frau, eher ein Mädchen, sicher kaum älter als sechzehn Jahre, und die verstand den Beamten nicht.
Ihre Kleidung schien Malte selbst für diesen Sommer, aber sicher für diesen jetzt recht kühlen und späten Abend dürftig. Mehr als ein dünnes Kleid, Leinensportschuhe und ein Kopftuch trug sie nicht.
Der Beamte mühte sich eine Weile vergeblich mit Fragen, die das Mädchen aber nicht zu verstehen schien, und erklärte endlich: „Möglicherweise stammt sie aus einer der Unterkünfte für Asylbewerber in Hamburg oder dort in der Nähe. Kann nur vermuten, wie die hier hergekommen ist oder was ihr passiert ist. Sollte mich nicht wundern, wenn sie als Anhalterin mitgenommen worden ist und der Fahrer sie dann nach einer Weile hatte loswerden wollen. Trotzdem unmöglich, dass der sie hier ausgesetzt hat.“
Nur kurz suchten die beiden Beamten die junge Frau zu befragen, was sie aber aufgaben, da die nur immer den Kopf schüttelte.
Auf der Rückfahrt zum Revier saß das Mädchen neben Malte. Es schien zu frieren, weil sein Kleid sicher vom Regen durchnässt sein musste. Er erinnerte sich an den heftigen Guss vom späten Nachmittag, dem es so hilflos, wie es erschien, ungeschützt ausgesetzt gewesen sein musste. Die mangelnden Orts- und Sprachkenntnisse der jungen Frau erklärten wohl, dass sie nicht zur nächsten Ortschaft gelaufen war. Da er selbst nur sommerlich gekleidet war, kein Jackett trug, fiel ihm nichts ein, was er ihr jetzt gegen das Frieren geben könnte. Bevor er die Beamten fragen konnte, ob sie eine Decke mitführten, da fing einer der beiden zu reden an.
„Es war also richtig, dass Sie sich entschlossen haben, sich bei der Polizei zu melden“, erklärte der Beamte und suchte im Rückspiegel seinen Blick.
„Und sage doch keiner etwas gegen Hörspiele, nicht wahr?“, ergänzte sein Kollege.
Die beiden Polizisten lachten laut auf. Nur Malte schloss sich dem Lachen nicht an.
Aber dann sah er, wie ihn das Mädchen spontan anlächelte und nach seiner Hand griff, um die etwas zu drücken. Was s in Worte nicht auszudrücken vermochte, aber durch seinen Blick und das Drücken seiner Hand zeigen wollte, konnte nur ein Dankeschön sein.
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