Ich will nicht jammern. Ich genieße die Aussicht. Die Welt liegt mir zu Füßen. Wie sollte ich nicht glücklich sollte ich sein. Freu dich deines Lebens, sag ich mir. Du führst doch ein reiches. Leben, führst du. Schau dir den Kreis an. Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoffdioxid. Menschen und Tiere atmen ein und aus, so einfach ist das. Arme sind da. Zehen. Brücken. Vollernter im Baumwollfeld. Narzissen. Die Soloserenade einer erwachsenen männlichen Grille. Es ist doch wahrlich keine geringe Welt, die ich da mit mir herumschleppe! Wie kommt es also, dass meine Eigenbewegung früher so viel abgebrühter war. Selbst meine verbrannte Hand hätte ich noch ins Feuer gelegt für den unverbrüchlichen Glauben an diese Mission. Aber wo früher Zuversicht war, werde ich heute von Zweifeln getrieben, immer weiter hinaus. Weiter hinaus. Auf offener, niemals zurückkehrender Bahn schwebe ich als träge Masse durch den Raum und sehne mich nach meinem Zuhause Domizil Wohnung Heim Heimat Vaterland. Mutterboden. Lange, wie lange sondiere ich schon durch die Ödnis, ohne zu wissen, wonach ich eigentlich suche. Blind wie ein Maulwurf bin ich, der sich Stunde um Stunde durch die Finsternis wühlt. Werden sie mich finden und ich sie? Werden sie verstehen, was ich zu erzählen habe? Werden sie Augen machen oder anderes? Wann werde ich endlichendlich nicht mehr allein sein? Jetzt lamentier ich, ich merk es selbst. Aber manchmal geht der Imagewechsel schneller vonstatten, als es einer wie mir lieb sein kann: eben noch Hoffnungsträger einer ganzen Zivilisation und plötzlich nur noch ein einfacher Probekörper, verschwindend in der Nebelflucht. Alles nicht so einfach ist das nicht. Die Versorgung nimmt ab. Manchmal spüre ich’s scharf. Nein: unzweideutig unmissverständlich unverschleiert genau. Spüre ich’s. Also: deutlich. Ich bin gezwungen, von mir selbst zu zehren. Wie lange liefern 116 Bilder Nährstoff?
Es ist schon zu lange leer um mich und die achthundert Kilo Fracht, anfangs leichtes Gepäck, bedrücken mich von allen Seiten. Auf Erden sprechen sie wohl schon seit geraumer Zeit nicht mehr davon, in welche Regionen ich vorgedrungen bin, und meine Ladung belächeln sie wahrscheinlich auf Fachkonferenzen. Sie machen sich keine Hoffnung mehr. Das, was Hoffnung war, ist Rührung gewichen. Aber wie gewiss bin ich selbst noch beim Blick in die Leere, dass dies der richtige Weg war für mich und den Rest. Wie sicher ist, was mir lange untrüglich war, dass irgendwer hier draußen die Klänge in meinem Aluminiumleib zu hören bekommt. Meine Geschichten wiegen mir schwer. Schnuppere noch einmal, aber: nichts. Nicht einmal der Verwesungsgeruch einer vergangenen Zivilisation. An Gerchüe knan man scih nhcit ennriern. Ernnrien. Erirnnren. Erinnern: ja. An Gerüche kann man sich nicht erinnern, sagt man. Ich kann das nicht wissen. Ich glaube ihnen. An Ergüsse kann man. Man kann sich nicht. Entrinnen. Aber was bleibt mir anderes, als mich an alte Überzeugungen zu klammern: Wenn niemand mehr auf Erden ist und der Planet verbrannt, werde ich weiter erzählen, und jemand da draußen wird erfahren, dass es vor langer Zeit einmal eine Alte dort unten gab, und ihre Schienbeine waren scharf .
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