An der Südostseite der Île Grande Sanguinairesgibt es eine kleine Mole, an der man für einen Besuch der Insel festmachen kann. Hier legen auch die Ausflugsboote aus Ajaccio an. Für die Herkunft des Namens Îles Sanguinaires (blutige Inseln) gibt es zwei unterschiedliche Legenden. Die romantische: Blickt man von Ajaccio bei Sonnenuntergang auf die rötlichen Felsen, so taucht die untergehende Sonne sie in ein dunkles Blutrot. Ist es das, was den Inseln den Namen gab? Oder ist es eher die realistische Version: Bevor auf der Île Grande Sanguinaires der Leuchtturm errichtet wurde, sind des Nachts viele Schiffe auf diese Felsen aufgelaufen. Sollte es das Blut der ertrunkenen Seeleute gewesen sein, das zu der Namensgebung führte?
Am Nordufer des Golfe d’Ajaccio verlockt bis Ajaccio kein Ankerplatz zum Verweilen. Hinzu kommen Klippen und Untiefen vor dem Ufer.
Ajaccio(41°55′N 008°45′E). Eine der am besten gegen starke Nord- und Westwinde geschützten Hafenstädte und strategisch gut, nämlich fast in der Mitte der Westküste gelegen. Ajaccio ist die geschäftige Inselhauptstadt Korsikas mit einem großen Flug- und Fährhafen. Sie besitzt gleich zwei Yachthäfen, die jedoch im Sommer immer zu wenig Platz bieten (Pläne S. 46).
Schon die Römer schätzten den Golfe d’Ajaccio. In der Nähe der heutigen Stadt gab es eine römische Niederlassung. Auch für die Entstehung dieses Namens gibt es zwei Legenden: Ajax, strahlender Held der griechischen Mythologie, soll bei seiner Heimkehr aus Troja die Stadt gegründet haben, die dann nach ihm benannt wurde. Die wahrscheinlichere Version ist die, dass sich der Name vom lateinischen adjacium (Ruheplatz) ableitet, denn die Hirten machten hier Rast, bevor sie weiter ins Gebirge zogen. Die alte römische Siedlung wurde im 10. Jahrhundert von Sarazenen zerstört und das eigentliche Ajaccio 1492 von den Genuesern an der Stelle der heutigen Altstadt begründet. Bis zum Jahre 1553, als Sampiero Corso, der große Freiheitskämpfer, die Genuesen verjagte, durften innerhalb der Stadt keine Korsen wohnen.
Ajaccio liegt geschützt am Ende des tiefen Golfes, der in weitem Bogen von Gebirgszügen umgeben ist. Die abschirmenden Berge ringsum bewirken selbst im Winter ein ausgesprochen mildes Klima. Besonders reizvoll ist der Golf im Frühjahr, wenn die verschneiten Berggipfel im Kontrast zu der meeresnahen Blütenpracht stehen.
Die am Hafen neben der Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert gelegene Altstadt mit ihren vielen engen Gassen und Treppen ist verwinkelt und malerisch. Hier wimmelt es nur so von Leben. Die neuen Stadtviertel mit ihren monotonen Wohnblöcken und einförmigen Hochhäusern wuchern an den Hängen um die Altstadt.
Im Juli und August, wenn Tausende von Franzosen hier ihren Urlaub verbringen, geht es in den Straßen oft chaotisch zu. Auf den beiden Hauptverkehrsstraßen, Cours Napoléon und Cours Grandval, staut sich der Verkehr. Mitten in diesem Trubel liegt wie eine Insel der Ruhe der Place du Maréchal Foch mit einem großen Springbrunnen, der von einer Marmorstatue Napoleons gekrönt wird. Große Palmen spenden Schatten. Hier trifft man sich zu einem Schwätzchen. Am oberen Ende des Platzes steht in einer weißen Marmornische die Madonuccia , die Madonna der Barmherzigkeit, die als Schutzpatronin der Stadt verehrt wird. Napoleon und seine Familie begegnen dem Besucher auf Schritt und Tritt: Denkmäler, Museen, Geburtshaus, Nippes in Andenkenläden und Straßennamen in allen Variationen – Cours Napoléon, Rue Napoléon, Avenue du 1er Consul. Dabei hat Napoleon für Korsika nur sehr wenig übriggehabt und noch weniger getan. Zwar hat er im Jahre 1811 das bis dahin ziemlich bedeutungslose Ajaccio zur Hauptstadt Korsikas erklärt, wofür ihm die Stadtväter noch heute dankbar sind, und den Korsen die nach wie vor bestehende Steuerfreiheit eingeräumt. Ansonsten aber dominierten stets die Interessen Frankreichs.
Ansteuerung:Die Ansteuerung ist bei Tag und Nacht einfach. Die Untiefen und Klippen vor dem Nordufer des Golfe d’Ajaccio sind durch Tonnen und Baken bezeichnet, die man einlaufend alle an Backbord lässt. Die Stadt Ajaccio mit ihrer dichten Bebauung und den Hochhäusern am Hang ist schon von Weitem auszumachen. Beim Näherkommen sind die Zitadelle und die Jetée de la Citadelle, hinter der der Hafen liegt, zu erkennen. Bei Nacht weisen zahlreiche Feuer den Weg in den Hafen .
Liegeplatz:Ajaccio hat zwei bestens ausgestattete Yachthäfen (Pläne S. 46):
Port Tino Rossi,260 Plätze, die meisten an Schwimmstegen mit Fingerstegen, davon 80 für Gäste, Länge bis 60 m, Tiefgang 3 bis 10 m. Wasser/Strom an den Liegeplätzen, Du/WC im Gebäude der Capitainerie und des Yachtclubs. Diesel neben der Capitainerie, Reparaturwerkstatt, Schiffszubehör, Café. WLAN kostenlos. Neue Sanitärgebäude mit barrierefreiem Zugang rund um die Uhr .
Tel. 0033–(0)495–51 22 72, UKW-Kanal 09, E-Mail: capitanerie.ajaccio@sudcorse.cci.fr. Reservierungen möglich, über www.resaportcorses.com .
Öffnungszeiten Marina-Büro: Juli/August täglich 08.00 bis 21.00 Uhr; Juni, September und Oktober: täglich 08.00 bis 19.00 Uhr; April bis Mai: täglich 08.00 bis 12.00 und 14.00 bis 18.00 Uhr; November bis Ende März: Montag bis Samstag 08.00 bis 12.00 und 14.00 bis 17.00 Uhr .
Port Charles Ornano,830 Plätze an Muringleinen, zum Teil mit Muringbojen, davon 160 für Gäste, Länge bis 35 m, Tiefgang 2 bis 15 m, WLAN kostenlos, Strom/Wasser an den Liegeplätzen, Du/WC bei der Capitainerie, im Sommer täglich geöffnet von 07.00 bis 21.00 Uhr, sonst Montag bis Freitag von 08.30 bis 18.00 Uhr .
50-t-Travellift, Werkstatt. Bootstankstelle s. Plan, Sommer: rund um die Uhr mit Kartenzahlung .
Tel. 0033–(0)495–22 31 98, UKW-Kanal 09, Anmeldung über die Webseite: port.ajaccio. fr. Preis: 12 bis 12,99 m: 1.6. bis 30.9.: 71 Euro plus 20 % MwSt., ansonsten 47 bzw. 43 Euro. Alle Preise auf der Webseite .
Versorgung:Entsprechend der Bedeutung Ajaccios als Hauptstadt des Départements Corse Sud gibt es unzählige Lebensmittelgeschäfte, Supermärkte, Restaurants, Cafés, die für jeden Geschmack etwas bieten, wobei die Restaurants in der Altstadt und am Hafen fast ausschließlich auf Touristen eingestellt sind. Charterunternehmen, gut ausgerüstete Schiffszubehörgeschäfte und zahlreiche kleinere und größere Werftbetriebe in der Nähe der beiden Yachthäfen .
Veranstaltungen:18.3.: Fest der Schutzpatronin der Stadt, Notre-Dame-de-la-Misericorde. Karfreitag: große Prozession durch die Stadt. Am 2.6. führt eine Prozession der Fischer und Seeleute zu Ehren ihres Schutzpatrons St. Erasme durch die Stadt. 24.6.: Johannisfest. Im Juli finden die Tage des Kunsthandwerkes mit Ausstellungen und Verkauf kunstgewerblicher Produkte auf dem Markt statt. In der zweiten Juli- und der ersten Augusthälfte wird auf dem ehemaligen Landsitz der Bonapartes das »Milleli-Festival« mit Jazzkonzerten sowie Konzerten mit klassischer und moderner Musik veranstaltet. Am 15.8. wird mit großen Feiern der Geburtstag Napoleons begangen .
Bademöglichkeiten:Gleich westlich der Zitadelle liegt ein kleiner Strand. Weitere Sandstrände finden sich auf dem Weg zu den Îles Sanguinaires sowie südöstlich der Pointe d’Aspretto unterhalb des Flughafens (Tahiti-Plage und Plage du Ricanto) .
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