DAS BEVÖLKERUNGSWACHSTUM VERHINDERT DIE ENTWICKLUNG VON WOHLSTAND
DEMOGRAFIE UND ÖKONOMIE
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Wachstum und Entwicklung
VORDENKER
Thomas Malthus(1766–1834)
FRÜHER
17. Jh.Im Merkantilismus gilt eine zahlreiche Bevölkerung als gut für die Wirtschaft.
1785Der französische Philosoph Marquis de Condorcet plädiert für soziale Reformen.
1793Der englische Philosoph William Godwin setzt sich für eine Umverteilung der nationalen Ressourcen ein.
SPÄTER
1870er-JahreKarl Marx greift Malthus an und bezeichnet ihn als einen reaktionären Verteidiger des Status quo.
1968Der US-Ökologe Garrett Hardin warnt in seinem Aufsatz Die Tragik der Allmende vor den Gefahren der Überbevölkerung.
Im 18. Jahrhundert dachten aufgeklärte Denker über soziale und wirtschaftliche Reformen nach, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern. In dieser optimistischen Umgebung erhob der britische Ökonom Thomas Malthus seine pessimistische Stimme. Er glaubte, das Bevölkerungswachstum verurteile die Gesellschaft zur Armut. Seine Theorie lautete: Der Sexualtrieb ist die Ursache für ein immer schnelleres Anwachsen der Bevölkerung. Die Nahrungsmittelproduktion kann wegen des Gesetzes der abnehmenden Erträge nicht mithalten, weil immer mehr Menschen auf derselben Fläche immer weniger zuätzliche Erträge erwirtschaften können. Das Ungleichgewicht zwischen der Zahl der Menschen und dem Nahrungsmittelangebot wächst also laufend.
Die Überlebenden eines Erdbebensin Pakistan erhalten Nahrungsmittel. Malthus war gegen solche Hilfen – die Armen bekämen dann nur mehr Kinder.
Doch es gibt eine Gegenkraft. Hunger und Krankheiten, verursacht durch schlechte Ernährung, führen zu höherer Sterblichkeit und halten das Ungleichgewicht in Grenzen. So sinkt die Geburtenrate wieder, das Land wird weniger ausgebeutet und der Lebensstandard steigt.
Veränderungen in der Geburten- und Sterberate lassen die Bevölkerung jedoch nicht lange von einem höheren Lebensstandard profitieren. Wird durch einen Glücksfall neues Land entdeckt, erhält die Nahrungsmittelproduktion einen einmaligen Schub und es gibt mehr zu essen. Die Menschen sind gesünder, die Sterberate sinkt und es werden mehr Kinder geboren. Das führt zu erneutem Bevölkerungswachstum. Die Nahrungsmittelproduktion kann nicht Schritt halten und die Wirtschaft fällt wieder auf einen niedrigen Lebensstandard zurück. Das ist die Bevölkerungsfalle: Ein höherer Lebensstandard wird langfristig immer wieder durch das Bevölkerungswachstum verhindert.
Malthus’ Vision war die wirtschaftliche Stagnation: Die Bevölkerung schlägt sich mühsam durch und ihr Wachstum ist durch Hunger und Krankheiten begrenzt. Doch dieses Modell einer Wirtschaft von Bauern, die mit einfachen Werkzeugen eine begrenzte Landfläche bearbeiten, war bereits Anfang des 18. Jahrhunderts veraltet. Neue Methoden erlaubten es, mit der gleichen Menge Land und Arbeit mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Neue Maschinen und Fabriken ermöglichten die Produktion von mehr Gütern pro Arbeiter. Der technologische Fortschritt brachte wachsenden Bevölkerungsgruppen einen immer höheren Lebensstandard. Im Jahr 2000 lebten in Großbritannien dreimal so viele Menschen wie zu Malthus’ Zeit und ihr Einkommen war zehnmal so hoch.
Mit der Zeit hat der technische Fortschritt die Beschränkungen von Land und Demografie überwunden. Malthus sah das nicht vorher. Allerdings klingen heute seine Sorgen wieder an, wenn wir fürchten, die Erdbevölkerung könne die Belastbarkeit der Erde überschreiten – ohne dass neue Technologien dem entgegenstehen. 
Thomas Malthus
Thomas Robert Malthus wurde 1766 in Surrey (England) geboren und von seinem Vater freisinnig erzogen. Die Philosophen David Hume und Jean-Jacques Rousseau waren seine Paten. An der Universität Cambridge wurde Malthus von einem Dissenter betreut, einem religiösen Abweichler, ehe er 1788 zum Priester der Church of England geweiht wurde. Genau wie sein Lehrer ging er Konflikten nicht aus dem Weg. 1798 veröffentlichte er seinen Aufsatz Essay on the Principle of Population ( zu Deutsch: Das Bevölkerungsgesetz) , der ihn berühmt machen sollte. 1805 ernannte das neue East India College ihn zum Professor für politische Ökonomie. Damit war er vermutlich der erste Ökonom, dem akademische Ehren zuteil wurden. 1834 starb Malthus im Alter von 68 Jahren an einer Herzerkrankung.
Hauptwerke
1798 Das Bevölkerungsgesetz
1815 The Nature of Rent
1820 Principles of Political Economy
UNTERNEHMER ALS BÜNDNIS-PARTNER
KARTELLE UND ABSPRACHEN
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Märkte und Firmen
VORDENKER
Adam Smith(1723–1790)
FRÜHER
1290er-JahreWenzel II., Herzog von Böhmen, erlässt Gesetze gegen Preisabsprachen unter den Erzhändlern.
1590er-JahreHändler aus den Niederlanden bilden ein Kartell und sichern sich so das Monopol für den Gewürzhandel mit Südostasien.
SPÄTER
1838Der französische Ökonom Augustin Cournot beschreibt den Wettbewerb in Oligopolen.
1864Der US-Ökonom George Stigler veröffentlicht A Theory of Oligopoly : Er untersucht, wie man erfolgreich Kartelle aufrechterhält.
1890In den USA wird ein Antitrustgesetz verabschiedet.
Wettbewerb ist entscheidend für das Funktionieren der Märkte. Wenn mehrere Hersteller auf einem Markt vertreten sind, treibt das die Produktion an und hält die Preise niedrig. Gibt es dagegen nur einen einzigen Anbieter – einen Monopolisten – kann er seinen Ausstoß beschränken und höhere Preise verlangen.
Zwischen diesen beiden Extremen bewegt sich das Oligopol, bei dem wenige Anbieter – manchmal nur zwei oder drei – den Markt für ein bestimmtes Produkt dominieren. Für die Verbraucher wäre es gut, wenn sie untereinander konkurrieren würden. Für den Profit der Hersteller ist es aber günstiger, wenn sie kooperieren: Sobald sie sich darauf einigen, einander nicht zu unterbieten, können sie wie ein Monopol handeln und die Marktbedingungen diktieren.
Читать дальше