Die Julirevolution von 1830fiel zusammen mit Comtes Veröffentlichung über den Positivismus und schien den Weg zu dem sozialen Fortschritt zu eröffnen, den er sich erhofft hatte.
»Die Philosophen haben die Welt nur … interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern. «
Karl Marx
Auguste Comte
Comte wurde 1798 in der französischen Stadt Montpellier geboren. Seine Eltern waren Royalisten und Katholiken; er aber lehnte die Religion ab und wurde Republikaner. 1817 wurde er Henri de Saint-Simons Assistent, verließ jedoch nach Meinungsverschiedenheiten 1824 seinen Lehrer und begann, u. a. mit Unterstützung John Stuart Mills, mit der Arbeit an seinem Hauptwerk, Die Soziologie: Die positive Philosophie im Auszug .
Comte war psychisch instabil und seine Ehe mit Caroline Massin endete mit einer Scheidung. Seine Liebe zu Clotilde de Vaux blieb platonisch; sie starb 1846. Von nun an widmete sich Comte nur noch dem Schreiben und entwickelte eine positivistische »Religion der Humanität«. 1857 starb er in Paris.
Hauptwerke
1830–1842 Die Soziologie: Die positive Philosophie im Auszug (6 Bände)
1848 Der Positivismus in seinem Wesen und seiner Bedeutung
1851–1854 System der positiven Politik (4 Bände)
DIE UNABHÄNGIGKEITSERKLÄRUNG BEZIEHT SICH NUR AUF DIE HÄLFTE DER MENSCHHEIT
HARRIET MARTINEAU (1802–1876)
IM KONTEXT
SCHWERPUNKT
Feminismus und soziale Ungerechtigkeit
WICHTIGE DATEN
1791Die französische Dramatikerin und Aktivistin Olympe de Gouges veröffentlicht als Reaktion auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin .
1807–1834Im britischen Empire wird die Sklaverei abgeschafft.
1869Harriet Taylor und John Stuart Mill schreiben den Essay Die Unterwerfung der Frauen .
1949Auf Simone de Beauvoirs Werk Das andere Geschlecht folgt die zweite Welle des Feminismus in den 1960er–1980er-Jahren.
1981Die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) wird von 188 Staaten ratifiziert.
Im Jahre 1776 proklamierte die amerikanische Unabhängigkeitserklärung: »Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit.« Rund 60 Jahre später reiste Harriet Martineau durch die USA und zeichnete danach ein völlig anderes Bild der US-amerikanischen Gesellschaft: Es war von einer deutlichen Diskrepanz zwischen den Idealen der Gleichheit und Demokratie und dem wirklichen Leben geprägt.
Bereits zuvor hatte sie sich als Journalistin für politische Ökonomie und soziale Themen einen Namen gemacht. Nun lieferte sie in Theory and Practice of Society in America neben der Beschreibung auch eine Analyse all der Formen sozialer Ungerechtigkeit, die sie in den USA vorfand.
Befreierin der Gesellschaft
Martineau maß den Grad der Zivilisation einer Gesellschaft an den Bedingungen, unter denen ihre Menschen lebten. Theoretische Ideale jedenfalls bildeten, wenn sie nicht für alle galten, keinen Maßstab. Und die vermeintlichen Ideale der US-Gesellschaft, allen voran das der Freiheit, blieben in ihren Augen angesichts der fortbestehenden Sklaverei »der reinste Hohn«.
So widmete sich Harriet Martineau jahrzehntelang dem Kampf gegen die Sklaverei. Gleichzeitig zeigte sie weitere Formen der Ausbeutung und Unterdrückung auf – etwa die ungerechte Behandlung der Industriearbeiter in Großbritannien und nicht zuletzt die Unterdrückung der Frau in der gesamten westlichen Welt.
Martineau wies auf die Verlogenheit einer Gesellschaft hin, die stolz auf ihre Freiheit war und dabei weiterhin die Frauen unterdrückte. Größer konnte der soziale Affront kaum sein – schließlich machten Frauen die Hälfte der Menschheit aus: »Suchte man nach einem Gradmesser für Zivilisation, gäbe es kaum einen besseren als die Lebensbedingungen der Hälfte der Gesellschaft, über die die andere Hälfte ihre Macht ausübt.« Anders als viele Zeitgenossinnen gab sich Martineau nicht damit zufrieden, sich für das Bildungs- und Wahlrecht von Frauen einzusetzen, sondern beschrieb eingehend die Art und Weise, in der die Gesellschaft die Freiheit der Frauen, im häuslichen wie im öffentlichen Leben, beschnitt.
Harriet Martineau war zu Lebzeiten weithin bekannt. Ihr Beitrag zur Entwicklung der Soziologie wurde indes erst jüngst erkannt. Heute gilt sie als erste Frau, die eine methodologische Studie der Gesellschaft unternahm und erstmals eine soziologisch-feministische Perspektive entwarf. 
Der Kontinentalkongressnahm am 4. Juli 1776 den höchst moralischen Regierungsplan an. Waren aber, so fragte Martineau, in einer ungerechten Gesellschaft soziale Tugenden überhaupt möglich?
Harriet Martineau
Harriets progressive Eltern sorgten im englischen Norwich für eine gute Erziehung ihrer Tochter. Früh interessierte sie sich für Politik und Ökonomie und arbeitete ab 1825 erfolgreich als Journalistin. Später zog sie nach London und reiste 1834–1836 durch die USA. Zurück in England, veröffentlichte sie eine dreibändige soziologische Kritik des Landes. Ihre Erfahrungen in den USA bestärkten sie in ihrem Kampf für die Abschaffung der Sklaverei und für die Emanzipation der Frau.
Bereits als Teenager litt Martineau unter Schwerhörigkeit. Dennoch arbeitete und engagierte sie sich bis in die 1860er-Jahre hinein. Inzwischen lebte sie, von schwerer Krankheit gezeichnet, im Lake District und starb dort 1876.
Hauptwerke
1832–1834 Illustrations of Political Economy
1837 Theory and Practice of Society in America (3 Bände)
1837/38 How to Observe Morals and Manners
DER FALL DER BOURGEOISIE UND DER SIEG DES PROLETARIATS SIND GLEICHERMASSEN UNVERMEIDLICH
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