Na dann, Alter, viel Glück! Ich beschäftige mich derweil mit der Zähmung eines weißen Hais - das ist sicher einfacher!
*
"Können wir uns setzen, bitte?" fragte Ben.
Sophias Lächeln hielt noch einen Augenblick an, dann verging es, während sie ihn forschend, aber auch leicht irritiert ansah, bevor sie nickte. "Natürlich!"
Sie trennten sich endgültig und setzten sich gegenüber. Während Ben sich seiner Jacke entledigte, gab Sophia einer Kellnerin ein Zeichen. Die junge Frau kam sofort zu ihr. "Einen Pott Kaffee bitte!" erklärte sie, die Kellnerin nickte und verschwand wieder. Dann blickte Sophia über den Tisch. "Ich hoffe, das ist noch richtig!?" Sie lächelte etwas unsicher.
Riley nickte. "Alles wie immer!"
Sophias Lächeln verschwand. "Wirklich? Das schien mir heute Nacht aber nicht so!"
Da! erkannte Ben. Damit ist das Vorgeplänkel vorbei. Eine Minute Märchenstunde, jetzt wieder knallharter Drill. Sie kommt noch immer schnell zur Sache! Fast hätte Ben gegrinst. Das hat dir in vielen Dingen immer sehr gut gefallen! Besonders in körperlichen Belangen! Doch dann riss er sich zusammen. "Ja, nun!" begann er. "Es geht um die Sache mit Derek und Leyla!"
"Ach?" Sophia schien augenblicklich sehr überrascht. "Okay!" Im nächsten Moment wirkte sie beinahe enttäuscht. Doch schon eine Sekunde später hatte sie sich wieder im Griff und nickte. "Das ist im Moment wahrlich ein sehr …!" Sie verzog die Mundwinkel. "…wichtiges Thema!"
Bevor Ben darauf reagierte, sah er seine Exfrau äußerlich ausdrucklos, innerlich aber ziemlich irritiert an.
Sie hat etwas Anderes erwartet! erkannte er. Hatte sie etwas Anderes erwartet? Er war sich nicht sicher. Doch irgendetwas war gewesen, sonst hätte sie auf seine Begründung für dieses Gespräch anders reagiert, zumindest aber nicht so. Doch was mochte das wohl gewesen sein? Was Anderes hätte sie wohl erwarten können? Sicherlich nicht, dass Ben in Selbstmitleid über sein tristes, dröges, ungerechtes und sinnloses Leben aufging. Denn das hatte er zu Beginn ihrer Trennung oft genug getan, bis sie ihm auf ihre beschissen-nette, aber auch eiskalt-unmissverständliche Art zu verstehen gegeben hatte, dass er endlich aufhören sollte, sich wie ein Kleinkind mit voll gepisster Windel zu benehmen und stattdessen wieder wie ein Mann mit Eiern in der Hose. Seither war Ben in ihrer Gegenwart keine noch so kleine Klage über die Lippen gekommen, obwohl sich an seiner himmelschreiend-aussichtslosen Existenz nicht das Geringste geändert hatte. Was also glaubte sie, dass Ben ihr jetzt wohl erzählen wollte? Riley wusste es nicht und das machte ihn für ein paar Augenblicke echt zu schaffen, bevor er sich wieder konzentrieren konnte.
"Ja!" bestätigte Ben schließlich. "Und weil wir beide ja mit ihnen…!" Er wartete, bis Sophia ihn ansah. "… befreundet sind, sollten wir darauf hinarbeiten, dass die Sache schnellstens geklärt wird!" …und wir alle wieder unserem normalen Leben nachgehen können! hätte er gern noch hinzugefügt, doch verkniff er sich das.
"Das klingt mir aber sehr danach, dass du das einfach nur ganz schnell hinter dich bringen willst!?" meinte Sophia mit ernster Miene.
Woher weiß sie das? Ich habe es mir doch verkniffen! Aber so schnell hatte er sein Pulver noch nicht verschossen. "Wenn du meinst!" erklärte er wenig erfreut. "Aber so ist es nicht! Ganz im Gegenteil!" Er sah zu seiner Zufriedenheit, dass Sophia etwas überrascht war. "Eigentlich ist das alles doch einfach nur sehr traurig, oder?" Er bekam keine Reaktion von seiner Exfrau, dennoch hörte sie ihm aufmerksam zu. "Die beiden lieben sich doch! Du weißt das, ich weiß das!" Er schüttelte den Kopf. "Und die beiden wissen das auch! Leider hat es einer von ihnen…!" Er sah Sophia mit einem Blick an, der ihr sagen sollte: Die dumme, schwache Leyla! Doch er erhielt erneut keine Reaktion. "…für einen Moment vergessen! Okay…!" Er wiegte seinen Kopf mehrmals hin und her. "…es war sicherlich ein denkbar schlechter Moment, aber…trotz allem doch nur ein einmaliger Augenblick der Schwäche!"
Sophia schien erneut nicht reagieren zu wollen, doch dann nickte sie mehrmals. "Das klingt…logisch!" meinte sie.
"Genau!" Ben fühlte sich in seinem Gedankengang bestätigt. Hey, stellte er fest, ich kann das auch! Ich manipuliere gerade meine Exfrau! Geil! Ben, der Psycho-Guru! "Allerdings hat Derek das noch nicht so ganz geschnallt und er ist daher - wie soll ich sagen? - noch ein wenig aufgebracht. Deshalb macht er Sachen, die er eigentlich nicht tun sollte! So, wie gestern Abend zum Beispiel!"
Sophias Augenbrauen sanken augenblicklich herab. "Wieso? Was war denn gestern Abend?"
Ich weiß tatsächlich etwas, dass sie nicht weiß! Fast hätte Ben gegrinst. "Derek war gestern Abend zuhause, um sich Klamotten für einen Hotelaufenthalt zu holen!" erklärte er mit ernster Miene. "Leyla war auch da und sie schien ihm sehr nachdenklich und weinerlich. Er wollte sie trösten und ist dabei ein wenig...!" Riley verzog die Mundwinkel. "…übers Ziel hinausgeschossen!"
"Was hat er getan?" fragte Sophia, offensichtlich Schlimmes ahnend.
"Er wollte sie länger in den Armen behalten und…!" Okay, das stimmt jetzt vielleicht nicht ganz! "…wohl auch küssen!"
"Oh Mann!" Sophia atmete hörbar ein und verdrehte ihre Augen.
Hey, verdammt, was soll es? Er liebt Leyla, da ist das doch wohl verständlich, oder? Ben spürte, dass er etwas die Geduld verlor und sich Ärger in ihm breitmachte. Schließlich hat er nicht versucht, sie zu irgendetwas zu zwingen! "Ja, aber glaub mir!" erwiderte er sofort. "Es war doch nur, weil er dachte, Leyla würde Hilfe brauchen!" Ben lächelte. "Er hat es nur gut gemeint!" Doch als Sophias Blick ernst blieb, lenkte er ein. "Na ja, zumindest hatte er nichts Böses im Sinn!"
Für einen Augenblick entstand Stille, die Ben nutzte, um einen ersten, großen Schluck aus dem Kaffeepott zu machen, den ihm die junge Bedienung vor einer Minute an den Tisch gebracht hatte.
Sophia saß in dieser Zeit eher unbeweglich da und schien tief in Gedanken versunken. Schließlich schob sie einmal kurz ihre Lippen nach vorn, bevor sie hörbar einatmete. "Also gut! Bist du fertig?" fragte sie und ihr Blick wurde zunehmend düsterer.
Ben nickte und überlegte, was jetzt von ihrer Seite wohl kommen mochte. Hatte sie womöglich so etwas wie ein Ass im Ärmel? Er spürte, wie Unbehagen in ihm aufkam.
"Dann will ich dir mal die Dinge aus meiner Sicht erklären!" Sie atmete nochmals tief durch. "Dass Derek gestern bei Leyla war, wusste ich bereits!"
Was? Aber…? Ben spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss. Oh verdammt, natürlich, Leyla…!
"Allerdings wollte ich erst hören, was er zu dir darüber gesagt hat!"
"Wieso?" raunte Riley mit säuerlich verzogenen Mundwinkeln. "Was hat Leyla denn erzählt?"
"Eigentlich genau das Gleiche!" Sophia lächelte kurz. "Derek kam, packte Sachen zusammen, sah sie in der Küche sitzen, und ja, sie hat geweint…!" Sophia nickte. "Daraufhin hat sie zugelassen, dass er sie in seine Arme schloss, doch als sie das nicht mehr wollte, hat er sich gesträubt, woraufhin sie Panik bekam und ihm eine Ohrfeige verpasst hat!"
Eine Ohrfeige? Schatz, du solltest mal seine Wange sehen! Deine Freundin hat einen echt knackigen Schwinger! Moment, was heißt hier Schatz ? Ben war verwirrt. "Genau!" bestätigte Riley aber nur. "Aber Derek wollte ihr keine Angst einjagen. Und es tut ihm wahnsinnig leid, dass es dazu gekommen ist!"
"Das habe ich Leyla auch gesagt!" erwiderte Sophia. "Und sie sieht das genauso. Sie unterstellt ihm nichts, doch war es die falsche Reaktion zum falschen Zeitpunkt!"
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