Bobs Geschäfte wurden immer riskanter. Steuerhinterziehung. Schwarzgeld. Korruptionsaffären. Seine Rücksichtslosigkeit machte unüberlegter Dummheit Platz.
Von seiner Einfalt geblendet, legte er eine Gruppe von Kaufleuten unverschämt aufs Kreuz. Vergaß Waren zu deklarieren, geforderte Steuergelder abzuliefern. Er fälschte Papiere, vertraute seinem Scharfsinn, schlug alle Vorsichtsregeln in den Wind, warf alle Prinzipien über Bord, geriet eines Tages in eine Falle der Miliz.
Julio eilte in letzter Minute zu Hilfe. Lenkte mit einer gestellten Blitzaktion die Verfolger kurzfristig ab. Bob konnte durch einen Olympiareifen Sprung über den Kanal seine Rennmaschine erreichen. In mörderischem Tempo raste er seinen Verfolgern davon. Die Narbe an seinem linken Knöchel zeugte von diesem Abenteuer. Ein Schuss aus der Waffe eines beherzten Polizisten hatte ihn nur gestreift. Blut lief in seinen Schuh. Grelle Blitze durchzuckten ihn, ein stechender Schmerz. Er musste weiter, fuhr er um sein Leben.
Wirre Gedanken stoben ihm damals durch den Kopf. Wo sollte er hin? Die einzige Möglichkeit. Der Privatflughafen der Familie Torres und einiger anderer Bosse. Erneut gab er Vollgas, brauste in mörderischem Tempo dem rettenden Hafen entgegen. Julios Privatmaschine stand startbereit auf der Rollbahn. Etwaige Notsituationen waren schon früher durchgesprochen worden. Nun funktionierte alles bestens. Bob riss seine Maschine herum. Schlitterte, überschlug sich. Stand im nächsten Augenblick wieder auf den Beinen und stürzte auf den Sportjet zu, der mit rotierenden Propellern auf den gehetzten Passagier wartete. Er hievte sich neben den Piloten ins Cockpit. Keinen Augenblick zu früh. Der Pilot zog das Flugzeug steil hoch, über das angrenzende Waldstück hinweg. Unter ihnen auf der Rollbahn blinkten die Blaulichter der Polizei.
Julio hatte ihm das Leben gerettet. Er war in Sicherheit. Für den Augenblick zumindest.
Der Vater war bereits verständigt von den ungesetzlichen Aktionen seines Sohnes. Bob betrat das Büro. Vor ihm saß ein leichenblasser Mann, rang nach Luft, gestikulierte wild mit den Armen, versucht seiner Verzweiflung Ausdruck zu geben. Plötzlich stürzte er vornüber. Blieb regungslos auf dem Teppich liegen.
Der Arzt diagnostizierte Gehirnschlag. Die Aufregung und Enttäuschung über den verlorenen Sohn hatten den alten Mann zu einem stummen, verzweifelten Menschen gemacht. Gehetzte Augen versuchten vergeblich, den Besuchern zu übermitteln, wie gerne er sein Testament geändert hätte. Wie sehr ihm eine Enterbung des unverschämten Draufgängers am Herzen gelegen wäre. Bob war wohl der Einzige, der die drängenden Blicke seines Gönners zu deuten vermochte. Doch Bob schwieg. Spielte den gebrochenen Sohn und genoss den Gedanken an das künftige Erbe. Er versorgte den Vater mit allen erdenklichen Wohltaten, um in den Augen seiner neuen Familie das Gesicht nicht zu verlieren. Es war ihm klar, den ersten Fehler hatte er bereits begangen. Es war ratsam, sich keinen weiteren zu erlauben.
Schweißgebadet lag er neben Britt. Seine lebhafte Phantasie hatte ihm einen bösen Streich gespielt. Nie mehr wollte er an diese schaurige Nacht zurückdenken. Nie mehr in eine solche Situation geraten. Warum hatte ihm die Erinnerung gerade heute so übel mitgespielt? Eine Warnung? Er hatte doch sein Leben bestens in den Griff bekommen. Die „Familie“ hatte verziehen. Nicht nur das, sie verhalf ihm zu einem neuen Start in Europa. Er musste funktionieren wie ein Präzisionsuhrwerk, exakt, genau, brillant.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.