„Warum sollte es das?“, fragte er verständnislos.
„Immerhin wolltest du dich ein wenig entspannen“, zitierte sie ihn.
„Ganz schön frech“, kommentierte er ihre Äußerung. Sarah grinste und sprang ins Becken. Zwanzig Minuten später lagen sie im Whirlpool.
„Das war eine echt gute Idee“, seufzte Sarah wohlig. „Ich glaube, ich war seit einer Ewigkeit nicht mehr schwimmen.“
Luca betrachtete sie schweigend, wie sie ihm mit geschlossenen Augen gegenüberlag. Ein wenig bedauerte er, dass sie einen Badeanzug trug, auch wenn er ihr hervorragend stand. Ein Bikini wäre ihm trotzdem lieber gewesen. Und soweit er das beurteilen konnte, war auch nicht der kleinste Bauchansatz zu sehen. Also sprach nichts gegen einen Bikini.
Sarah öffnete die Augen.
„Was überlegst du?“, fragte sie ein wenig schläfrig.
Luca, der sich ertappt fühlte, antwortete schnell: „Ich dachte, ich gehe uns mal etwas zu trinken holen.“
Sarah nickte. „Das ist eine sehr gute Idee. Ich werde im Ruhebereich auf dich warten.“
Wenig später kam Luca mit zwei Gläsern auf sie zu. Er reichte ihr eins und ließ sich auf der Liege neben ihr nieder.
„Erzähl mir was über dich“, forderte er sie auf und stützte sich auf einen Ellenbogen.
Sarah blickte ihn an. „Ich bin Krankenschwester“, entgegnete sie ernst.
„Und eine verdammt hübsche“, ergänzte Luca. Der Blick in ihre dunklen Augen verwirrte ihn. Ihre vollen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Luca stellte fest, dass er sie gerne küssen würde. Er räusperte sich. „Erzähl mir etwas, das ich noch nicht weiß“, sagte er und setzte sich auf, um einen Schluck Wasser zu trinken.
Sarah legte den Kopf schief und überlegte einen Moment.
„Ich liebe Katzen. Ich mag Bruno nicht sonderlich, aber sein Auto ist einsame spitze.“
Luca schmunzelte. „Das war zwar nicht das, was ich hören wollte, aber besser als gar nichts.“
„Und du? Was magst du?“ Sarah setzte sich ebenfalls auf und ergriff in einer spontanen Geste seine Hand.
„Motorräder“, erwiderte er und verschlang seine Finger mit ihren.
„Erzähl mit etwas, das ich noch nicht weiß“, konterte sie und spürte wieder diese wohlige Wärme.
„Ich liebe spontane Frauen. Ich mag Bruno nicht, aber sein Auto ist einsame spitze.“
Sie blickten sich an und prusteten gleichzeitig los.
Dann unterhielten sie sich über allgemeine Themen, warum Sarah Krankenschwester geworden war, über Melli und Martin, bevor sie ins Kino gingen.
Sarah blickte sich erstaunt um. Hinter ihr war eine Trennscheibe aus Glas und dahinter saßen die Leute, die nur ins Kino wollten, nicht auch noch ins Schwimmbad. Das hieß, auf der einen Seite der Trennwand waren die Leute normal angezogen mit Jeans und T-Shirt und auf der anderen Seite saßen die in Bademantel, Badehose, Badeanzug. Sie überlegte, wie das Ganze wohl von oben aussehen musste und grinste. Das gab bestimmt ein tolles Bild. Sie merkte, wie Luca den Arm um sie legte, kuschelte sich an ihn und genoß den Film und seine Nähe.
„Hat es dir gefallen?“, fragte Luca und ließ sich wieder auf der Liege nieder. Draußen wurde es langsam dunkel. In den Thermen hatte man das Licht angeschaltet. Die Pflanzen, die es wohl in jedem Erlebnisbad gab, wurden von verschiedenen Seiten angestrahlt und schufen so eine behagliche Atmosphäre. Aus versteckten Lautsprechern tönte leise sanfte Musik.
Sarah nickte aufgeregt. „Das war klasse. Ich weiß gar nicht, warum es nicht mehr Bäder wie dieses gibt. Es ist einfach unglaublich, im Bademantel im Kino zu sitzen.“
Luca betrachtete sie. Ihr Gesicht leuchtete vor Begeisterung und das indirekte Licht verfing sich in ihren dichten dunklen Wimpern.
Sie legte sich neben ihn und schloss die Augen. „Das war das beste Date, das ich je hatte.“
Luca stützte sich auf einen Ellenbogen und lachte auf. „Du bist leicht zu beeindrucken.“
Sarah öffnete die Augen ein wenig und blickte ihn an. „Glaub ja nicht, dass es immer so einfach ist. Ich bin durchaus anspruchsvoll.“
Luca schaute in ihre halb geöffneten Augen. „Du bist wunderschön.“
Sarah spürte nur Sekunden später seine vollen Lippen auf ihren. In ihrem Körper breitete sich ein wohliger Schauer aus. Als er mit seiner Zunge sanft ihre Lippen öffnete, schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn fester an sich. Der Kuss war weich und verspielt. Noch nie hatte ein Kuss solche Gefühle in ihr ausgelöst. Sie fühlte sich schwindelig und gleichzeitig empfand sie eine Geborgenheit wie nie zuvor. Es war, als würde eine Stimme in ihrem Inneren Hier gehörst du hin sagen . Mit aller Deutlichkeit wurde ihr bewusst, dass sie Sven nie geliebt hatte.
Fast war sie enttäuscht, als Luca sich wieder von ihr löste. „Wow“, keuchte sie.
Er hielt ihr Kinn fest, fuhr mit seinem Daumen zärtlich ihren Wangenknochen nach und hauchte ihr noch einen leichten Kuss auf den Mund, bevor er sich wieder neben sie legte.
„Da stimme ich dir voll und ganz zu“, entgegnete er mit rauer Stimme. Er atmete tief ein. Auch ihn hatten die Empfindungen überrollt. Natürlich hatte er schon vorher Frauen geküsst und nicht grade wenige. Aber das, was er bei diesem Kuss gespürt hatte, kannte er nicht. Einerseits hatte er das Gefühl, es reiße ihm den Boden unter den Füßen weg, andererseits stand er so fest wie noch nie. Ihm war gleichzeitig heiß und kalt, sein Herz setzte aus, nur um kurz darauf wieder wie verrückt zu schlagen.
Sarah beugte sich über ihn. „Dann lass es uns wiederholen.“ Sie berührte mit ihren Lippen leicht seinen Mund, registrierte, wie er langsam die Augen schloss und sich ganz dem Gefühl ergab. Während sie ihn küsste, griff sie mit ihrer freien Hand nach seiner und verschränkte ihre Finger mit den seinen. Sie liebte seine Hände. Sie zog scharf die Luft ein, als sie seine andere Hand auf ihrem Rücken spürte. Mit sanftem Druck zog er sie näher zu sich.
„Luca“, hauchte sie in sein Ohr. „Hier ist der total falsche Ort dafür.“
Zögerlich richtete sie sich auf. Er blickte sie mit dunklen Augen an und entgegnete: „Wir tun nichts, was verboten wäre.“
„Noch nicht.“ Sie setzte sich komplett auf. „Aber ich garantiere gleich für nichts mehr. So kenne ich mich nicht. Normalerweise küsse ich nicht einfach einen Mann.“
Luca ließ ein leises Lachen hören. „Das solltest du aber. Du kannst es sehr gut.“
Sarah, der langsam die ganze Tragweiter ihres Benehmens bewusst wurde, wandte sich verlegen ab. „Lass uns fahren. Es ist spät und ich muss morgen früh raus.“
Luca blickte sie an und nickte dann.
Sarah packte ihre Sachen zusammen. Dabei seufzte sie leise. Irgendwie hatte sie das Gefühl, alles verdorben zu haben. Es hatte sich doch toll angefühlt. Nein, nicht nur toll, es hatte sich richtig angefühlt. Und genau das war ihr Problem. Sie wollte nicht noch mal verletzt werden. Sven hatte ihr sehr wehgetan. Wenn Luca nur ein kurzes Abenteuer mit ihr wollte, würde er ihr mehr wehtun als Sven das getan hatte. Das wollte sie nicht noch einmal durchmachen. Diesmal war nicht mal Melli in der Nähe, um sie aufzufangen.
„Fertig?“, hörte sie ihn fragen.
Sarah atmete durch und richtete sich auf. „Fertig.“
Luca lächelte sie an und nahm ihr die Tasche aus der Hand. Dann ergriff er ihre Hand und gemeinsam gingen sie zu den Umkleiden.
„Luca, es tut mir leid“, sagte Sarah, als sie vor dem Haus hielten.
„Was tut dir leid?“, fragte Luca verständnislos.
„Die Sache im Schwimmbad. Dass ich so schnell aufbrechen wollte, aber ich habe einfach angst gekriegt.“
Luca strich mit seiner Hand über ihre Wange. „Mach dir keine Gedanken. Ich habe unser Date sehr genossen.“
Dann stieg er aus und öffnete ihr die Autotür. Er brachte sie bis vor ihre Wohnungstür. Dort gab er ihr einen sanften Kuss auf den Mund.
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