Luca ließ resigniert die Schultern hängen. „Gar nicht. Du wirst mich wohl entlassen müssen.“
„Ich bin doch nicht bescheuert und schmeiße meinen Top-Verkäufer raus. Tja, Mausi“, wandte er sich an Mandy, „dann muss ich wohl leider dich entlassen.“
Mandy lachte laut auf. „Ja, genau. Du weißt auch, dass Luca nur ein Top-Verkäufer ist, weil die Mädels auf unseren Sunnyboy stehen. Nicht, weil er besondere Talente hätte.“
„Und ich dachte, du wärst der festen Überzeugung, ich hätte besondere Talente“, flirtete er verschmitzt.
Ralf und Luca lachten. So entging beiden der Blick, den Mandy Luca zuwarf. Und der besagte eindeutig, dass sie seinen `Talenten` gegenüber nicht unempfänglich war.
„Schluß jetzt mit dem Geplänkel. Ich hole Luca einen Kaffee und er sortiert die neuen Motorradjacken und Helme ein, die heute Morgen gekommen sind.“ Mandy drehte sich auf dem Absatz um und verschwand im hinteren Teil des Ladens.
Ralf klopfte Luca noch mal auf die Schulter und ließ ihn dann ebenfalls mit den Kisten alleine.
Luca holte ein Teppichmesser, schnitt die Kartons auf und kontrollierte die Inhalte. Dabei pfiff er vor sich hin, bis Mandy mit einer dampfenden Tasse vor ihm stand. Dankbar unterbrach Luca seine Tätigkeit und nahm die tiefschwarze Flüssigkeit entgegen.
„Gott sei Dank“, sagte er nach dem ersten Schluck und schloss genussvoll die Augen. „Dein Kaffee ist echt der verdammt beste, den ich je getrunken habe. Schon alleine deswegen würde ich deinen Rausschmiss sehr bedauern.“
„Also, Sunnyboy, wenn mein eigener Mann mich schon vor die Tür setzen will, um dich nicht zu verlieren, dann doch auch bitteschön mit Grund. Ich sehe dich in einer halben Stunde im Lager.“
Luca starrte Mandy entsetzt über den Rand der Tasse an. Bis diese plötzlich auflachte. „Du solltest mal dein Gesicht sehen.“
Erleichtert atmete Luca auf. Einen Moment hatte er Mandy wirklich geglaubt. Dabei war sie mindestens zwanzig Jahre älter als er und, so weit er wusste, glücklich verheiratet.
„Vorsicht“, entgegnete er, um ihr nicht die Genugtuung des letzten Wortes zu lassen, „sonst nehme ich dich irgendwann noch beim Wort.“
Ihr gemurmeltes `Schön wäre es` hörte er bereits nicht mehr.
Der Tag im Motorradladen verlief wie immer. Kichernde, rotwangige Teenager und hübsche junge Frauen ließen sich von Luca beraten. Seit er für sie arbeitete, war ihr Umsatz um zehn Prozent gestiegen. Allerdings fiel Mandy auf, dass heute etwas anders war. Obwohl Luca charmant wie immer zu der Kundschaft war, schien er doch einen gewissen Abstand zu halten, der vorher nicht da gewesen war. Als eine groß gewachsene Brünette Luca eindeutige Avancen machte und er sie nett aber bestimmt abwies, war sie sich sicher, dass etwas nicht stimmte. Luca war in ihren Augen noch nie ein Kostverächter gewesen, worüber sie sich mehr als einmal geärgert hatte. Schließlich war sie auch nicht grade hässlich mit ihren naturblonden Haaren, die sie modisch kurz trug und den blauen Augen. Bisher hatte sie Luca immer so eingeschätzt, dass er auch vor der Frau des Chefs nicht haltmachte, wenn sie ihm nur eindeutige Zeichen geben würde. Anscheinend hatte sie zu lange gewartet. Mandy beschloss, das Ganze weiter zu beobachten.
Sichtlich nervös betrachtete Sarah sich das bestimmt tausendste Mal im Spiegel. Sie hatte sich für eine enge schwarze Hose und eine rote Bluse entschieden. Dazu trug sie dezentes Make-up und hochhakige Pumps. In solchen Momenten fehlte ihr ihre beste Freundin aus Hannover. Melanie würde ihr auf ihre eigene humorvolle Art die Nervosität nehmen. Er ist mit Sicherheit nicht wie Sven, würde sie sagen. Und er sieht wesentlich besser aus.
Sarah lächelte bei der Erinnerung. Melli sah immer nur das Positive. Selbst als Sarah Sven in ihrem Bett mit einer dreißig Jahre älteren Frau erwischt hatte, hatte Melli sie nicht in ihrem Selbstmitleid bestärkt. „Pack deine Sachen und verschwinde endlich nach Frankfurt! Du hast den Job doch nur wegen dieses Nichtsnutzes abgelehnt.“
„Soll ich dich jetzt etwa auch noch verlieren“, hatte Sarah geheult.
„Schätzchen, Menschen wie mich wird man nie los.“ Melli hatte sie fest in den Arm genommen, dann ihr Laptop angeschaltet und die Wohnungsanzeigen ausgedruckt. So war Sarah schließlich in Königstein gelandet.
Netter ruhiger Ort. Und Frankfurt ist gut über die Autobahn zu erreichen.
„Da hattest du recht, Melli“, sagte Sarah zu ihrem Spiegelbild, „aber du hast mich nicht auf meinen Nachbarn vorbereitet.“
In dem Moment klingelte es. Sarah warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und ging dann zur Tür.
Luca pfiff bewundernd durch die Zähne, als er Sarah sah. „Du siehst klasse aus.“
Sie sah in seinen Augen, dass er es auch so meinte und es nicht einfach nur so daher gesagt war, weil es dazugehörte.
„Danke. Das Kompliment kann ich nur zurückgeben.“
Luca trug zu ihrer Erleichterung eine beige Stoffhose und ein dunkelblaues Hemd und nicht seine Motorradkluft. Einen Moment hatte sie befürchtet, sie müsse auf dieses Ding steigen. Er stieg vor ihr die Treppe runter, sodass sie den angenehmen Duft seines Parfums wahrnahm; herb und doch unaufdringlich. Sie gingen zu einem dunkelgrünen MG Roadster und Luca hielt ihr die Tür auf.
„Ist das deiner?“, fragte sie, während sie einstieg.
„Ich habe kein Auto. Den habe ich mir von Bruno geliehen“, erklärte er beim Einsteigen. „Das war er mir schuldig“, fügte er schmunzelnd hinzu.
„Wo fahren wir denn hin?“
„Nach Bad Homburg. Ich hoffe, du hast an einen Bademantel gedacht.“
Sarah nickte. „Habe ich. Obwohl ich wirklich keine Ahnung habe, wofür. Ich dachte, wir gehen ins Kino.“
„Machen wir auch. Wie war dein Tag?“, fragte Luca nach, bevor Sarah etwas entgegnen konnte.
Eine halbe Stunde später fuhr Luca auf einen Parkplatz. Taunustherme las Sarah.
Zweifelnd stieg sie aus, als Luca ihr die Tür öffnete. „Das sieht nicht nach einem Kino aus.“
„Es ist ein Schwimmbad. Und ein Kino“, fügte er hinzu. „Erstmal werden wir uns ein wenig entspannen und dann den Film genießen.“
Sarah, die immer noch nicht verstand, zog die Stirn kraus.
„Vom Schwimmbad aus kannst du direkt ins Kino gehen“, klärte Luca sie auf.
„Im ernst? Oder veräppelst du mich?“
„Keineswegs. Gibt es so was bei euch im Norden nicht?“
„Wenn, dann ist es mir entgangen.“
„Deswegen auch der Bademantel. Nur im Handtuch könnte es auf Dauer doch etwas kalt werden.“
Luca bezahlte den Eintritt für sie beide.
Sarah betrat die Umkleidekabine und zog sich ihren Badeanzug an. Sie zweifelte immer noch an Lucas Aussage. Ein Kino, in dem man in Badeklamotten einen Film ansehen konnte. Sie schüttelte den Kopf. Unfassbar.
Sie schloss grade ihre Sachen in eines der Schließfächer als Luca hinter ihr auftauchte.
„Fertig?“
„Bist du immer so ungeduldig?“, fragte Sarah, schmiss die Tür des Spindes zu und drehte sich um. Für einen Moment ließ sie ihre Augen bewundernd über seinen Körper gleiten. Seine Haut hatte anscheinend von Natur aus einen dunklen Ton. Er hatte breite, muskulöse Schultern und eine schmale Hüfte. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, wie er sich wohl anfühlen würde. Schnell schaute sie wieder hoch.
Luca ergriff ihre Hand und zog sie hinter sich her.
„Wollen wir erst ein paar Bahnen schwimmen oder möchtest du gleich in den warmen Whirlpool?“
Sarah blickte auf seine und ihre Hand herunter. Ihre verschwand komplett in Lucas Hand. In ihrem Körper breitete sich eine wohlige Wärme aus durch diese Berührung. Also besser nicht noch mehr Wärme. Sie schüttelte den Kopf. „Erst schwimmen. Es sei denn, das ist dir zu anstrengend.“
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