Er legte seine Hand auf Cales Brust und eine Flut von Bildern durchströmte sein Bewusstsein, die er nicht fassen konnte. Dann war alles vorbei und der Kardinal saß schon wieder hinter seinem Tisch, als der andere zurückkam.
„Caleb, Sie können ihre Existenz rechtfertigen, wenn Sie ab jetzt keine Fehler mehr machen und die letzten Heiligtümer finden, die noch verschwunden sind. Finden Sie vor allem die Monstranz, die Phiole, sie ist wichtig, das wissen Sie, und sollte so schnell wie möglich wieder in den Besitz des Vatikans gelangen. Sie ist gefährlich und könnte in den falschen Händen der Menschheit erheblichen Schaden zufügen.“
Auch in den Händen der Kirche war dieses Artefakt eine Gefahr. Es gab kaum einen, der mit ihrer enormen Macht umzugehen wusste, aber Caleb schwieg.
Es war, als stünde er plötzlich wieder auf der Straße. Er wusste nicht mehr, wie er das Büro und das Gebäude verlassen hatte. Menschen eilten an ihm vorbei, in alle Richtungen. Er nahm es wie durch einen Schleier wahr. Die Realität war verschoben, er wandelte zwischen den Ebenen, es war gefährlich sich zwischen den Ebenen zu bewegen. Er musste nach Hause.
Niemand war da, als er die Stadtvilla betrat, alles war still, keine Bewegung im Haus zu spüren. Caleb schloss die Tür und ging hinauf in den ersten Stock um sich im Badezimmer das Gesicht mit eiskaltem Wasser zu waschen. Die Tropfen liefen an seinen Schläfen hinunter. Als er in den Spiegel starrte, sah er seine funkelnden Augen. Er war blass und zitterte, er war einem Zusammenbruch nahe, was geschah mit ihm? Er verlor sich. Caleb taumelte in sein Zimmer ohne in der Lage zu sein das Licht des Badezimmers auszuschalten. Er legte sich auf sein Bett und schloss die Augen.
Darla stand vor ihm, sie war so schön, so unglaublich schön, er wollte sie haben, sie besitzen. Das Lächeln dieses Mädchens hatte ihn schon beim ersten Mal verzaubert. Sie war der Grund, warum er in das Dorf zurückgekehrt war, was er sonst niemals tat, er kehrte nicht zurück, drehte sich nicht um. Er hätte sie sich nehmen können so wie er sich andere nahm, aber er wollte, dass sie ihm freiwillig folgte.
„ Herr, mein Vater bittet Euch heute Abend unser Gast zu sein.“ Sie hatte den Blick gesenkt, als sie zu ihm sprach. Ihre Stimme war so rein und klar wie das Wasser eines Baches und sie hatte keine Ahnung, dass er anders war. Er schaute auf sie herab und nahm ihr Kinn sanft in seine Hand um ihren Blick zu heben, sie sollte ihn ansehen. Er wusste, dass er einen gewissen Reiz auf Frauen ausübte. Er war jung und gut aussehend, groß, muskulös und von der Sonne gebräunt, sein Haar war kurz und seine Augen von einem klaren grün.
„ Sag deinem Vater, dass es mir eine Ehre ist, seine Einladung anzunehmen.“ Er lächelte.
Sie nickte beschämt und machte einen kleinen Knicks, dann rannte sie davon.
Es war schnell bekannt geworden, dass ein tapferer und ehrenwerter Krieger im Dorf war, Gabriel hatte dafür gesorgt und nun folgte die Einladung des Dorfoberhauptes, Darlas Vater.
Er betrat die Hütte, in der ein behagliches Feuer brannte und es wärmte seine durch unzählige Kämpfe geschundenen Glieder. Der Winter stand vor der Tür und brachte Kälte und Feuchtigkeit mit sich, längst verheilte Wunden schmerzten wieder.
Es war ein angenehmer Abend. Gute Speisen und verdünnter Wein wurden serviert und zur Unterhaltung spielte Darla auf einer kleinen Harfe und sang dazu. Lediglich die prüfenden, skeptischen Blicke ihrer Mutter störten seinen Frieden, er wusste, was sie war.
Er bekam Darla und spielte sogar mit dem Gedanken sesshaft zu werden. Die Hochzeit wurde groß gefeiert und er ließ eine Hütte für sie beide bauen, es fehlte ihr an nichts. Als der Frühling jedoch seine Arme um die Natur legte und die Sonne mit Kraft brannte, konnte Gabriel seine wahre Natur nicht mehr unterdrücken. Es zog ihn hinaus aufs Schlachtfeld und so folgte er einem Fürsten in den Krieg der wusste, mit wem er es zu tun hatte und ihn für seine Fähigkeiten großzügig entlohnte.
Die Truppen bestanden aus Wesen, die so waren wie er und sie zogen mordend und raubend durch das Land. Blut tränkte die Erde, mit der sie in Berührung kamen, sie hinterließen Schrecken und Verzweiflung.
Gabriel lernte immer mehr, wer er war, lernte, dass er etwas Anderes war, etwas mit enormen Fähigkeiten und Macht und Kraft. Im Land verbreitete sich die Kunde von den Dunklen Kriegern wie ein Lauffeuer und auch in den angrenzenden Ländern fürchtete man ihre Übergriffe. Boden und Besitz fielen dem Fürsten zu und Gabriel und seinesgleichen konnten ihren Durst nach Blut und Gewalt stillen und hatten teil an der Beute.
Als der Winter mit Schnee und Sturm einbrach, kehrte er zu seiner Frau zurück. Er kehrte in eine Welt zurück, die nicht seine war.
Darla überhäufte ihn mit Liebe und Gabriel konnte sie nicht erwidern. Es fiel ihm so unsagbar schwer sie gut zu behandeln, er war grob und kalt zu ihr, sie ertrug es, ohne zu klagen. Ihre Gefühle für ihn waren so ehrlich, wie er es nie zuvor bei einem Menschen erlebt hatte. Und er liebte sie von ganzem Herzen. Und für sie war er immer noch der ehrenwerte Krieger, der seine Dienste den Großherzogen und Königen anbot.
Der Frühling kam, nach einem langen harten Winter schien er die Welt wach zu küssen. Gabriel verließ seine junge Frau erneut und die Dunklen Krieger wüteten weiter, noch erbarmungsloser als zuvor. Sie waren übermächtig.
Es gruppierte sich eine Gegenwehr aus Wesen des Lichts und so wurden blutige Kämpfe geschlagen und auf beiden Seiten gab es große Verluste ohne, dass eine der beiden einen wirklichen Sieg davon tragen konnte.
Im Spätsommer wurde Gabriel verletzt. Obwohl seine Wunden eigentlich schnell und gut heilten, war diese Verletzung so schwerwiegend, dass er nicht mehr in der Lage war zu kämpfen, er ritt nach Hause. Als er den Weg zum Dorf entlang kam, sah er sie. Darla war gerade auf dem Feld, um bei der Ernte zu helfen. Das Licht der Sonne ließ ihr Haar golden schimmern und ihre Augen leuchteten, als sie ihn erblickte, er spürte ihre aufrichtige Liebe und Ergebenheit. Gabriel hielt sein Pferd an und stieg ab, versuchte sich die Schmerzen nicht anmerken zu lassen und zum ersten Mal war er froh hier zu sein und freute sich auf seine Frau. Sie warf sich ihm in die Arme und er nahm den leichten Duft von Pfirsich wahr. Seine Schmerzen waren jedoch so unbeschreiblich, dass er ihre Worte kaum mehr hörte. Dunkelheit umgab ihn von allen Seiten und er fühlte, wie sich die Realität verschob.
Tage später wachte er aus seiner Bewusstlosigkeit auf. Eine ältere Frau benetzte gerade seine Stirn mit einem feuchten Lappen. Als er klar sah, erkannte er seine Schwiegermutter, die in ihrer Bewegung innehielt und ihm direkt in die Augen schaute. Gabriel merkte, dass er sich verändert hatte. Er war zu schwach es zu unterdrücken und so schloss er einfach nur die Augen, in der Hoffnung sie würde es nicht mitbekommen.
„ Es wäre besser gewesen für uns alle, du hättest es nicht überlebt.“
Er vernahm ihre Stimme, sie klang kalt und hasserfüllt. „Deine Wunden haben sich entzündet und du hast viel Blut verloren, der Ritt hierher war zu lang.“
Er hörte, wie sie sich von ihm entfernte, spürte aber ihren Blick.
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