Du und ich? Oder doch nur ich!
Trishs Leben ging bergab. Ihre Eltern hatten ihr wenige Tage nachdem Liam und sie zusammen im Bett waren eröffnet, das ihr Vater einen neuen Job hatte und sie nun umziehen würden. Auf die Frage, wohin es des ginge, meinte ihre Mutter, das es nach Dresden ging. Dresden? - Was sollte sie denn in Dresden. Sie hatte ihre Freunde hier. In Dresden musste sie ja noch mal komplett von vorne anfangen. Und es wären Stunden, wenn sie Sally besuchen wolle. Aber es gab kein zurück. In wenigen Wochen ging es los.
Liam ignorierte Trish … bis zu dem Tag, an dem die Prüfungen waren! Trish saß nach der bestandenen Prüfung noch in der Cafeteria und schlürfte an einem Milchshake, als sich Liam auf den Stuhl ihr gegenübersetzte.
„Hallo“, sagte er knapp und wartete. Trish sah kurz hoch und widmete sich dann wieder der klebrigen Masse in ihrem Glas.
„Können wir reden?“
„Hmm … Ich wusste nicht, dass wir noch miteinander reden. Hast ja schließlich einige Zeit nichts von dir hören lassen.“
„Trish bitte. Werde nicht herablassend. Es tut mir auch leid, aber ich hatte zu tun. Wie war die Prüfung?“
„Interessiert dich das wirklich?“
„Ja na hör mal. Ich bin doch dein Freund.“
„Bist du das? Davon habe ich in der letzten Zeit aber nicht viel gemerkt“, antwortete sie und widmete sich wieder ihrem Milchshake. Trish kam das ganze Gespräch irgendwie blöd vor. Die Fragerei und das Verhalten von Liam waren alles andere als angenehm.
„Naja … Ähm …“
„Also gut. Ich höre! Was hast du denn mit mir zu reden?“
„Trish hör zu. Wir haben da einen Fehler gemacht. Das mit uns … du weißt schon … das war keine gute Idee. Wir hätten nicht …“, stammelte Liam und Trish sah ihn fragend an. Was wollte Liam ihr denn mit seinem Gestammel sagen?
„Naja. Es tut mir leid … sei mir nicht böse, aber ich bin jetzt mit Lisa zusammen und ich habe ihr erzählt, das du und ich - du weißt schon …“
Oh nein! Bitte nicht!
„Was? Du hast ihr erzählt, das du und ich miteinander … du hast dieser Tratschkuh … oh mein Gott. Du weißt, was das bedeutet?“
Kaum hatte sie ausgesprochen fing das Gelächter an und Sprüche, wie Wie viel hat, sie dir geboten, damit du sie flachlegst? drangen zu ihr rüber. Wahrscheinlich denkt diese dumme Flansche noch das Liam in sie verknallt ist! Ja, das hatte sie wirklich gedacht. Wurde aber wieder mal eines Besseren belehrt.
„Wie konnte ich nur so naiv sein. Bin ja schön blöd.“ Mit einem kehligen Lachen und Tränen in den Augen stand sie auf und drehte sich noch mal um.
„Ich dachte wir wären Freunde. Vielleicht hatte ich mir mehr ausgemalt, als ich mich in dich verliebte …“ Liam blieb der Mund offen stehen. Trish war in ihn verknallt?
„Aber da habe ich mich wohl ziemlich getäuscht. Und nun bin ich schon wieder die kleine, dicke, blöde naive Kuh, die ich vorher schon war. Danke Liam.“
„Trish lass uns doch vernünftig reden … ich wusste doch nicht …“
„Hör zu Liam. Vielleicht hätte ich es dir sagen sollen, dass ich verknallt in dich bin. Aber vielleicht hättest du es auch merken müssen. Ich weiß es nicht. Nur eines weiß ich mit Sicherheit. Ich will nie wieder was mit dir zu tun haben - nie wieder.“
„Das wird nicht funktionieren. Und das weißt du. Du kannst mir nicht aus dem Weg gehen, da wir weiterhin die gleiche Schule besuchen werden.“
„Täusch dich da mal nicht“, gab sie ihm zur Antwort und verschwand. Mit erhobenem Kopf verließ sie die Schule und ließ Liam stehen.
„Sally wie konnte ich nur so blöd sein und mir wirklich Hoffnungen machen, ich komm mir vor wie der letzte Vollidiot“, klagte Trish am Nachmittag unter Tränen ihrer Freundin.
„Ich kann dir nicht helfen. Aber da musst du durch, ob du willst oder nicht. Du wirst ihn jeden Tag sehen müssen.“
„Nein werde ich nicht.“
„Willst du die Ausbildung stecken, oder was?“, lachte Sally.
„Du hast das nicht verstanden. Als ich vorhin in der Aula stand und sagte Täusch dich nicht meinte ich damit nicht, dass ich ihm aus dem Weg gehen werde. Nein! Ich wusste, dass ich ihn nie wieder sehen werde.“
„Ich versteh nur noch Bahnhof. Was willst du denn damit sagen?“
„Wir werden umziehen. In eine andere Stadt. Dresden, um genau zu sein. Ich habe da schon einen Schulplatz. Meine Ausbildung mache ich in Dresden.“
Sally traute ihren Ohren nicht. Trish die Freundin, die sie schon seit einer Ewigkeit kannte, zog weg und ließ sie alleine. Was sollte sie nun machen? Trish war ihre einzige Freundin. Tränen stiegen ihr in die Augen.
„Warum hast du es mir nicht gesagt?“
„Ich weiß es nicht. Es kam alles so plötzlich und dann die Sache mit Liam.“
„Also ist es wahr! Ich meine … dass ihr zusammen in der Kiste wart.“
„Ja es stimmt! Aber das ist Vergangenheit. Ich sehe nur noch nach vorne, und falls ich irgendwann zurückkommen werde, wird er sein blaues Wunder erleben.“
„Was hast du vor?“
Sie lachte und meinte nur „Wart´s ab.“
Das Leben musste weitergehen. Trish ging Liam die restlichen Wochen aus dem Weg. Sie würdigte ihn keines Blickes, obwohl sie es spüren konnte, wenn er dicht hinter ihr vorbei lief. Allein sein Geruch brachte Trish zum Schmelzen. Wie gern hätte sie ihn noch mal berührt, aber er hatte sie verletzt. Und dafür gab es keine Entschuldigung. Liam versuchte zwar immer ein Gespräch mit ihr zu beginnen, doch Trish blockte ab. Er rief sie an, doch Trish blieb hart. Sie hatte ihn aus ihrem Leben gestrichen. Nun wusste Liam, dass Sex Freundschaften zerstörte. Vielleicht war er schuldiger als er sich eingestehen wollte. Doch nun konnte er nichts mehr daran ändern. Einige Wochen später - das Schuljahr näherte sich dem Ende und der Umzug war perfekt, fing für Trish ein neues Leben an - ohne Liam. Trishs Vater war schon nach Dresden vorausgefahren, um sich um das neue Haus und den neuen Job zu kümmern. Trish, ihre Mutter und ihr Bruder blieben noch, um das alte Haus zu vermieten und all die anderen Dinge zu erledigen. Und Trish wollte sich unbedingt noch von Sally und den anderen verabschieden.
„Du wirst mir fehlen“, schluchzte Sally in Trishs Armen und auch ihr kullerten ein paar Tränen über die Wangen.
„Ich werde mich melden … egal wann und wo. Niemals werde ich dich im Stich lassen. Versprochen.“ Damit stieg sie ins Auto und fuhr ein letztes Mal die Straße hinunter, die jahrelang ihr Schulweg war. Auf der sie mit ihrer Freundin Radrennen veranstaltet hatte. Ich komme wieder, als neue Trish. Irgendwann werde ich wieder hier sein,- sagte sie sich im Inneren und lächelte.
Noch Monate später saß Trish in ihrem neuen Zimmer und hörte sich Kuschelsongs über verletzte Liebe und Trennungen an. Aber ihre Sehnsüchte wurden dadurch nur noch schlimmer und immer wieder überlegte sie sich ob sie wirklich das Richtige getan hatte einfach aufzugeben. Da waren sie wieder die Momente, in denen sie hoffnungslos weinte. Doch im anderen Moment sagte sie sich wieder das es das richtige war.
Einige Wochen, nachdem das neue Schuljahr begonnen hatte, kam der erste Brief von Trish an.
Liebe Sally,
Wie geht es dir? Mir geht es gut. Ich habe in der neuen Schule schon viele Bekanntschaften gemacht. Meine neue Sitznachbarin hat viel Ähnlichkeit mit dir, anbei schicke ich dir mal ein Foto von uns …
„Stimmt. Die sieht aus wie ich. Mager und blass!“
Sally musste lächeln und wischte sich die Tränen von der Wange. Das war der erste Brief seit Wochen, den sie von Trish erhielt. Es schien ihr gut zu gehen. In der nächsten Zeit kamen immer wieder Briefe von ihr, aber nie wieder ein Bild. Sally wusste nun nicht, wie Trish nach all den Monaten aussah. Ob sie sich verändert hatte oder immer noch die gleiche Trish war, die sie kannte. Aber immer schrieb sie, dass es ihr gut ginge. Und so verging die Zeit, in denen sie sich nur Briefe schrieben. Sally versuchte zwar immer wieder ein Treffen zu arrangieren, aber Trish fand nie die Zeit, sich mit ihr zu treffen. Immer wieder kamen neue Ausreden bis Sally es aufgab und den Kontakt abbrach. Monatelang gab es kein Lebenszeichen. Bis zu dem Tag, an dem Sally einen Brief in ihrem Kasten fand. Absender: Trish Moore
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