Dann rief auch noch die Flohmarktlady an, die ihren wahren Namen einfach nicht preisgeben wollte.
„Sie wollten doch neue Informationen zu diesem Keltenring haben!“, bemerkte die Lady und Jan Schwarz nickte nur, obwohl dies die Lady ja nicht sehen konnte.
Kirsch stolperte am nächsten Morgen schweren Herzens in das Kommissariat. Denn eigentlich war Kirsch jetzt über seinen Entschluss, die Leiche der jungen Frau nach Wiesenbach mitzunehmen, auch nicht mehr so glücklich.
„Was hat mich denn da geritten?“, sagte er wieder laut vor sich hin, so wie es manchmal seine Art war.
Helen und Eugen erwarteten ihn schon im Büro. Helen hatte wieder Kaffee gekocht, den er so gern mochte. Eugen hatte Brezeln und Croissants aus der Bäckerei Hutter mitgebracht, und so begann dieser Morgen schon ganz annehmbar.
Nachher gehe ich gleich noch beim Bürgermeister vorbei, dachte Kirsch. Schließlich musste er ihn ja über den neuesten Fall informieren, obwohl Kirsch eigentlich zuerst den Polizeipräsidenten Hubtreu aufsuchen sollte.
Plötzlich klopfte es ganz stark an der Tür zu Kirschs Zimmer, und hereinmarschierte Bella Weigand zusammen mit ihrem Seppi.
Kirsch fühlte sich nach seinem Urlaub im Kommissariat wieder ganz wie zu Hause. Allerdings hatte er sich ja nur zwei Wochen Urlaub gegönnt.
„Wie geht es Ihnen, Frau Weigand, was macht die Bühne?“, fragte Kirsch schon gleich bei der alten Dame nach, die schließlich mal eine stadtbekannte Schauspielerin war.
„Ich wollte nur schauen, wie es Ihnen geht, haben Sie sich gut erholt an der Ostsee?“
Bella Weigand war ansonsten nicht sehr neugierig, aber einen Besuch bei Kirsch und Eugen ließ sich die alte Dame nicht entgehen. Und Seppi hüpfte wieder an Eugen hoch, denn die beiden mochten sich sehr.
„Komm, Seppi, an Eugen sollst du nicht so hochspringen und ich sehe, im Kommissariat wird wieder eifrig gearbeitet, da rauchen schon die Köpfe!“, meinte sie schmunzelnd zu den beiden, die sich dann auch eilig von ihr verabschiedeten.
„Eugen, komm mit, wir gehen zum Bürgermeister! Ich muss ihn doch informieren und außerdem müssen wir auch die Presse verständigen, und das läuft über den Bürgermeister am besten.“
Kirsch war jetzt ganz in seinem Element und nicht mehr zu halten.
Also trabten die beiden, Kirsch und Eugen, zum Bürgermeister, der schon erstaunt war, dass da plötzlich Kirsch und Eugen mit hochroten Köpfen auftauchten.
„Was gibt es denn, Herr Kirsch?“, fragte der Bürgermeister gleich nach, denn ihm schwante schon nichts Gutes.
Da Kirsch hier so plötzlich auftauchte, befürchtete der Bürgermeister schon wieder Unheil. Gerade wollte er auch zusammen mit dem Polizeipräsidenten Golfspielen gehen, und da tauchte wie aus dem Nichts dieser Kirsch auf.
So ganz hatte Bürgermeister Wohlgemuth den letzten Fall mit der schwarzen Katze nicht weggesteckt. Schließlich hatte Kirsch ihn, den Bürgermeister von Wiesenbach, einfach in eine Arrestzelle gesperrt. Das konnte er ihm nicht vergessen.
Doch nach diesen trüben Gedanken wandte er sich wieder Kirsch zu, denn eigentlich hatte er nur vor, ihn abzuwimmeln.
Bevor er überhaupt ein Wort an Kirsch richten konnte, hatte dieser schon auf einem Stuhl Platz genommen. Dabei wurde Kirsch immer unruhiger, denn er kannte ja die Impulsivität des Bürgermeisters.
„Hören Sie, Herr Bürgermeister, als ich gestern mit meiner Frau Moni im Schwarzwald, beim ‚Balzer Herrgott‘, den kennen Sie sicherlich auch, spazieren ging, habe ich eine Leiche entdeckt.“
Der Bürgermeister schaute Kirsch nur mit seinen grauen Augen ziemlich starr und streng an.
Was erzählt Kirsch da, dachte er, Kirsch hat eine Leiche am ‚Balzer Herrgott‘ entdeckt, und langte sich dabei an die Stirn.
„Habe ich das richtig gehört, Sie haben eine Leiche entdeckt?“, fing der Bürgermeister leicht knurrend zu fragen an.
Im Stillen dachte er nur, jetzt fliegen dem Kirsch schon die Leichen an seinem letzten Urlaubstag zu. Was das nur wieder bedeutet? Gibt denn dieser Kirsch nie Ruhe?
Wohlgemuths Ader auf der Stirn schwoll immer stärker an und sie wurde plötzlich blutrot.
Kirsch wurde es fast schwarz vor seinen Augen, als er den Bürgermeister mit seiner blutrot angeschwollenen Ader nur mit einem Auge, so von unten nach oben, anblickte.
Hoffentlich kriegt er nicht noch einen Schlaganfall, und ich bin auch noch an seinem Tod schuld, dachte Kirsch und fing etwas beruhigend auf den Bürgermeister einzureden.
„Regen Sie sich bitte nicht auf!“, brachte er aber nur noch kurz hervor.
Doch das war zu viel für den Bürgermeister. Er musste sich erst mal auf seinen Stuhl setzen und ein Glas Wasser trinken.
„Was haben Sie dann mit der Leiche gemacht?“, fragte Wohlgemuth leise nach.
„Ja, hierher nach Wiesenbach gebracht, das war doch richtig. Doktor Dorer soll sie obduzieren“, fing Kirsch wieder zu sprechen an.
Doch das war nun wieder für den Bürgermeister zu viel.
„Sind Sie denn ganz verrückt geworden, was haben wir in Wiesenbach mit der Leiche vom ‚Balzer Herrgott‘ zu tun, das können doch die Freiburger Kommissare erledigen, das ist doch nicht Ihre Aufgabe!“, schrie der Bürgermeister entsetzt hervor.
Das wäre ja geradeso, als würde ich einfach Akten vom Freiburger Bürgermeister mit nach Hause nehmen, um sie hier zu erledigen und seine Arbeiten zu machen“, entgegnete der Bürgermeister mit hysterischer Stimme.
„Wie käme ich denn überhaupt auf einen solchen Gedanken? Doch die Leiche ist jetzt Ihre Sache und ich will damit nichts zu tun haben, haben wir uns verstanden!“
„Machen Sie Ihre Pressekonferenzen gefälligst in Freiburg, aber nicht hier in Wiesenbach, wo jetzt alles so schön läuft. Die Touristen kommen in unseren Anemonenpark und bestaunen das Denkmal von Anna Metzger und auch das Heimatmuseum wird gerne aufgesucht.“
„Und jetzt kommen Sie, und bringen wieder eine Leiche mit, damit das ganze Dilemma wieder von vorne beginnt.“
„Ich muss Sie jetzt bitten, zu gehen, denn ich habe noch eine dringende Verabredung, übrigens mit Ihrem Polizeipräsidenten, und dem werde ich von Ihrer Einmischung und Entführung einer Leiche nach Wiesenbach berichten, darauf können Sie Gift nehmen!“
Kirsch stand auf und Eugen wäre fast über den Stuhl von Kirsch gestolpert, weil dieser so abrupt aufgestanden war und dabei sein Stuhl umfiel.
„Gut, Herr Bürgermeister, ich habe Sie verstanden, aber ich werde zusammen mit den Freiburger Kollegen den Fall lösen.“
„Das bin ich schon der jungen Frau schuldig, schließlich habe ich sie ja auch gefunden, auch wenn sie schon tot war.“
„Komm, Eugen, wir gehen!“
Beide stolperten aus dem Bürgermeisteramt heraus und gingen ohne irgendein Wort miteinander zu reden, sprachlos und mit hängenden Schultern ins Kommissariat zurück.
Dort angekommen, wurden sie schon von Helen erwartet, die schon Nachrichten hatte.
„Doktor Dorer hat angerufen und Sie möchten doch bei ihm vorbeikommen“, richtete Helen Kirsch aus.
„Komm, Eugen, machen wir uns auf den Weg, mal schauen, was Doktor Dorer uns zu sagen hat!“
Viel war es allerdings nicht, was der Doktor mitteilte.
„Sie wurde mit einem Schal erdrosselt, wie ich es schon gestern mitgeteilt habe. Es gibt auch noch Fasern an ihrem Hals, und ich habe diese unter einem Mikroskop untersucht. Es sind ganz spezielle Fasern in dunkler und gelber Farbe“, meinte Doktor Dorer.
„Ansonsten sind auch nur noch zwei Hämatome am Oberarm zu sehen, wo die junge Frau gepackt oder festgehalten wurde. Es kann auch sein, dass die Hämatome entstanden sind, als sie schon tot war und man sie an diesen Ort gebracht hat. Ich glaube nicht, dass sie an diesem Ort, dort wo wir sie gefunden haben, umgebracht wurde. Viel eher denke ich, dass es noch in der Stadt passiert ist, denn dafür spricht auch ihr ganzes Outfit, mit den Schuhen und ihrem Kostüm und auch der Todeszeitpunkt.“
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