„Ich habe die Leiche gefunden und ich bin Kommissar und wir können uns da auch bei den Ermittlungen austauschen“, erwiderte Kirsch, denn die Leiche, die er zusammen mit Moni am ‚Balzer Herrgott‘ gefunden hatte, wollte er nicht so schnell wieder hergeben.
„Wollen Sie wirklich die Leiche nach Wiesenbach überführen lassen?“, fragte Kommissar Schnebel doch etwas ungläubig nach, denn das hatte er noch nie erlebt, dass Leichen bei einem Morddezernat so begehrt sind.
„Jetzt warten wir noch Doktor Dorer ab, den ich auch herbestellt habe, wie auch meine beiden Assistenten, Helen und Eugen, dann wissen wir vielleicht noch etwas mehr.“
Und kaum hatte Kirsch den Namen, Doktor Dorer, auch schon ausgesprochen, kam dieser angehetzt und lief mit seinem Köfferchen den Weg entlang. Von Weitem sah man ihm schon an, dass er nicht gerade über den Leichenfund erfreut war.
„Habt ihr denn in Freiburg keine Pathologen, muss ich jetzt aus Wiesenbach hierher kommen?“, rief er den beiden Kommissaren ärgerlich zu, die sich nur stumm ansahen und gar nicht reagierten.
„Doktor Dorer, Sie sind doch so bewandert mit der Obduktion von Leichen“, antwortete Kirsch schmunzelnd.
Der Doktor würdigte ihn gar keines Blickes, denn er wusste nur zu gut, dass er bei Kirschs Sturheit einfach nicht weiter kam.
„Da sind ja nur Sie daran schuld, weil Sie mir die Leichen nur so am Fließband liefern“, erwiderte der Doktor, der sich aber schon der Leiche zuwandte, und dabei eine fremde Person entdeckte, die sich an der Leiche zu schaffen machte.
„Wer ist denn das, was machen Sie denn an der Leiche?“, schnaubte der Doktor ein bisschen, was eigentlich sonst nicht seine Art war.
Aber jetzt, mitten an einem Sonntag, zu einer Leiche gerufen zu werden, das gefiel ihm gar nicht, wo er doch gerade so schön an seiner Briefmarkensammlung saß und die neuen Briefmarken bewunderte, die er auf einer Auktion ersteigert hatte.
Das wäre jetzt viel schöner, die Briefmarken zu bewundern, als sich dieser Leiche anzunehmen und sie womöglich noch zu sezieren, dachte Dorer.
„Kirsch sitzt mir jetzt schon im Nacken, ich sehe es ihm ja direkt an, dass er schon gleich wissen will, wie die junge Frau ermordet wurde?“, murmelte Doktor Dorer vor sich hin und schaute zu Kirsch.
Doch Kirsch beachtete ihn nicht weiter.
„Ich bin Susanne Bauer, die Freiburger Pathologin“, antwortete die junge Frau, die sich gerade noch über die Leiche gebeugt hatte, als sie so schnöde von Doktor Dorer angesprochen wurde.
„Sie, Sie sind Pathologin, ja weshalb ruft man dann noch mich?“, wandte sich der Doktor ziemlich ärgerlich wieder an Kirsch.
„Wenn wir so eine patente Pathologin aus Freiburg haben, weshalb brauchen Sie dann noch mich?“, wollte er gleich vom Kommissar wissen.
Kommissar Schnebel zuckte nur mit seinen Augen und wollte sich aus dem kleinen Geplänkel zwischen Kirsch und Doktor Dorer zurückziehen.
Auch die Freiburger Pathologin guckte nur perplex von einem zum anderen.
Kirsch war es dann doch etwas leid, dass er den Doktor am Sonntagnachmittag gerufen hatte, aber er hielt halt große Stücke auf Doktor Dorer, und das sagte er ihm auch gleich, sodass dieser dann wieder etwas besänftigt war.
„Können wir jetzt etwas über den Zustand der Leiche erfahren?“, schlug Kommissar Schnebel vor, denn er war schon etwas genervt von Kirsch und dem Doktor.
„Ich kann auch bestätigen, dass die junge Frau mit einem Tuch oder Strick, auf jeden Fall mit einem fasrigen Gegenstand ermordet wurde. Ansonsten kann ich nichts entdecken, allerdings hat sie auch ein paar Hämatome an den Oberarmen. Sicherlich wurde sie an diesen gepackt und festgehalten. Sie hat sich sehr stark gegen das Halstuch oder den Strick gewehrt, das können wir an ihren Fingernägeln entdecken, die ganz blutunterlaufen sind und sie sind auch teilweise abgebrochen“, bemerkte Doktor Dorer.
„Ich denke, sie ist schon einige Stunden tot, aber den genauen Todeszeitpunkt kann ich Ihnen jetzt auf die Schnelle nicht sagen“, entgegnete der Doktor noch.
„Sie ist sehr modern angezogen und auch stark geschminkt im Gesicht. Ihre hochhackigen Schuhe passen gar nicht in diese Gegend und auch ihr Kostüm nicht. Es sieht zu elegant aus für einen Spaziergang im Wald“, brachte noch die junge Pathologin aus Freiburg vor.
Kirsch und der Freiburger Kommissar Schnebel einigten sich dann darauf, dass die Leiche nach Wiesenbach überführt wird, aber der Freiburger Kommissar wollte weiterhin in die Ermittlungen einbezogen werden.
„Es ist gut möglich, dass die junge Frau aus Freiburg stammt, sie ist sehr elegant angezogen, sie könnte direkt aus einer gesellschaftlichen Veranstaltung kommen“, informierte der Freiburger Kommissar Kirsch.
„Ja glauben Sie, bei uns in Wiesenbach gibt es keine gesellschaftlichen Veranstaltungen?“, schnaubte Kirsch.
Kommissar Schnebel bemerkte, dass er schon wieder in ein Fettnäpfchen getreten war, und versuchte Kirsch zu beruhigen.
„Sicherlich gibt es bei Ihnen auch gesellschaftliche Veranstaltungen, aber in Freiburg sind es sicherlich mehr“, meinte der Kommissar und schaute augenzwinkernd zu Kirsch.
„Wir sind jetzt auch mit einem Mordfall an einer jungen Studentin beschäftigt, sodass ich Ihnen gerne diesen Fall mit der jungen Dame überlasse“, bemerkte der Kommissar weiter.
„Ob diese Tat eventuell mit der Tat an der Studentin zusammenhängt, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber wir müssen alles in Erwägung ziehen“, sprach Schnebel weiter und Kirsch nickte dazu, blickte aber betrübt zum Kollegen.
Auf einmal fiel ihm auch noch seine Frau Moni ein, die irgendwo draußen, allein auf dem Parkplatz, auf ihn wartete.
Helen und Eugen verdonnerte er dazu, nach seiner Frau zu sehen, damit sie nicht so alleine auf dem Parkplatz ausharren musste, bis der Kommissar schließlich eintreffen würde.
„Wir nehmen die Leiche mit und wir arbeiten zusammen, das ist mir sehr recht“, antwortete Kirsch, der jetzt schnell zu seiner Moni wollte, die sicherlich gar nicht erfreut war, so mutterseelenallein an diesem Mörderloch zu verweilen.
„Wir sind ja schnell von Wiesenbach in Freiburg und umgekehrt, jeweils eine halbe Stunde, mehr benötigen wir nicht, vorausgesetzt die Autobahn ist frei und es gibt keine Baustellen“, entgegnete Kirsch und lächelte vor sich hin.
„Morgen früh werde ich gleich unseren Bürgermeister Wohlgemuth informieren, und wir werden eine Pressekonferenz abhalten. Zunächst müssen Fotos von der Leiche in allen Zeitungen erscheinen“, meinte Kirsch, „und wenn es notwendig werden würde, kommen wir auch nach Freiburg. Wir haben eine gute Pressestelle in Wiesenbach, und die wird sich auch mit Ihrer Pressestelle in Verbindung setzen.“
Alle Informationen der Spusi sollten schnellstens nach Wiesenbach gelangen, forderte Kirsch, und so wurde dann auch die Leiche nach Wiesenbach überführt. Doktor Dorer sandte Kirsch noch einen Blick bei seinem Abgang zu, der für Kirsch gar nichts Gutes verheißen sollte.
Nach kurzer Zeit kam Kirsch dann auch auf den Parkplatz, wo Moni immer noch im Auto ausharrte, bestens betreut von Helen und Eugen.
Alle drei warfen Kirsch auch nur wieder einen sehr bezeichnenden Blick zu, der soviel heißen sollte, was hast du dir da nur wieder aufgehalst, und selbst Eugen und Helen hatten diesmal für Kirsch nicht mal einen mitleidsvollen Blick übrig.
So fuhren dann Kirsch und Moni sowie Helen und Eugen nach Wiesenbach zurück, Doktor Dorer fuhr ihnen hinterher.
Moni war gar nicht glücklich, dass sich Kirsch in diesen Mordfall und in diese Leiche so verbissen hatte und unbedingt die Leiche nach Wiesenbach mitnehmen wollte.
Sie setzte Kirsch dann auch im Auto noch mit Worten zu, die dieser gar nicht hören wollte.
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