Doch der Mann, der sie so beherzt aufgefangen hatte, hielt noch ihre Hand fest und lachte sie an, dass sie einfach einschlug, und gemeinsam gingen sie zu dem Café.
Hoffentlich haben Hans und die elegante Dame nicht auch noch diesen Gedanken, und ich muss ihm dann nochmals begegnen, dachte Eva weiter darüber nach.
Als sie jedoch das Café betraten, waren nur wenige Besucher da, meistens ältere Damen, die mit ihren Freundinnen einen vergnüglichen Kaffeeklatsch verbrachten.
Schließlich fanden sie einen netten Platz mit einem herrlichen Blick auf die Gartenanlagen und auf die Fontäne. Dann stellte sich der Mann vor.
„Mein Name ist Jan Schwarz, ich bin Journalist und ich bin noch nicht lange in Freiburg.“
„Sind Sie hier aus der Gegend oder auch wie ich, erst hierher gezogen?“, fragte er ein bisschen zu neugierig, für Eva, nach.
„Ich bin auch nicht von hier gebürtig, aber ich arbeite am Theater und bin Schauspielerin“, erzählte Eva.
„Ach, Schauspielerin, das ist ja interessant!“, entgegnete der Journalist.
„Wielange sind Sie schon am Theater engagiert?“, war gleich seine nächste Frage, wobei er sich aber sofort für seine Neugierde entschuldigte.
„Wissen Sie, das ist eine Berufskrankheit, wir Journalisten wollen immer gleich alles wissen“, entschuldigte er sich nochmals.
„Alles, wollen Sie wissen, so, so!“, schmunzelte Eva und stellte sich ihrerseits auch mit ihrem Namen, Eva Warnstede, vor, denn irgendwie war ihr der Mann, den sie auf circa 40 Jahre schätzte, sehr sympathisch.
Auch Jan Schwarz musterte Eva von der Seite und ihre blonden Locken, die ihr einfach immer wieder ins Gesicht fielen, obwohl sie sie sofort wieder zurückschob, gefielen ihm ebenso, wie auch die junge Frau selbst.
Ihre schräg geschnittenen Augen, die manchmal blau, aber auch manchmal grün schimmerten, musterten ihn auch unaufhörlich.
Eva hatte eine schlanke, sportliche Gestalt, die durchtrainiert war. Das sah man sofort. Sie ging auch auf ihren Ballettunterricht zurück, den sie von Jugend an ausführte und sich auch immer noch gönnte.
Dann kam auch endlich die Bedienung an ihren Platz, und beide bestellten eine Schwarzwälder Kirschtorte und einen Cappuccino.
Doch dann schlief das Gespräch zwischen den beiden ein bisschen ein, denn sie widmeten sich genussvoll der Schwarzwälder Kirschtorte, die einfach köstlich schmeckte.
„Das ist sicherlich die Spezialität des Hauses, die Schwarzwälder Kirschtorte“, sagte Eva etwas schleppend, um die Unterhaltung wieder in Gang zu bringen.
„Ja, die Schwarzwälder Kirschtorte ist wirklich einmalig und schmeckt sowieso nur im Schwarzwald so gut, wahrscheinlich liegt es am Schwarzwälder Kirschwässerle“, entgegnete Jan Schwarz und schmunzelte vor sich hin.
„Was wird denn zurzeit am Theater gespielt?“, wollte er schließlich wieder von ihr wissen.
Eva liebte ihren Beruf sehr, und da sie noch nicht lange in Freiburg engagiert war, erklärte sie ihm alles, was mit dem Theater zusammenhing.
„Da werde ich sicherlich wohl dem Theater mal einen Besuch abstatten müssen, vor allem dann, wenn Sie spielen, freute sich der junge Mann, Eva wieder zu sehen.
„Morgen wird der neue Intendant vorgestellt“, hörte sich Eva plötzlich sagen.
Ansonsten war sie nicht so gesprächig, was das Theater betraf, aber irgendwie hatte sie Vertrauen zu diesem Mann gewonnen.
„Ach, ein neuer Intendant kommt auch!“, meinte er daraufhin.
„Wir wissen noch nicht, wer es ist, aber ich bin schon mal gespannt. Bisher hatten wir eine Frau, die wechselte aber jetzt nach Düsseldorf an das dortige Theater und somit war die Stelle wieder vakant.“
„Das hört sich alles sehr interessant an.“
„Ich muss aber jetzt gehen“, erzählte Eva, „ich habe noch Probe. Zurzeit bin ich für ‚Kabale und Liebe‘ engagiert.“
„Ist dieses Stück immer noch auf dem Theaterplan, das haben wir ja schon in der Schule aufgeführt?“, entgegnete Schwarz.
„Das Stück ist ja von Friedrich Schiller und wird immer wieder gespielt, weil es zeitlos ist, denn Intrigen und Liebe, eben ‚Kabale und Liebe‘ gab es schon damals und gibt es immer noch“, sagte Eva mit einem Augenzwinkern und lachte.
„Allerdings wird es bei uns jetzt in einer modernen Fassung gespielt und dazu gehören auch noch tänzerische Einlagen“, erklärte Eva dem Journalisten, der aufmerksam zuhörte.
„Ich war einige Jahre im Ausland und dann in Norddeutschland bei der Zeitschrift ‚Augenblick mal‘ beschäftigt, wo ich mich hauptsächlich auch zeitkritischen und gesellschaftlichen Themen gewidmet habe“, berichtete Jan Schwarz.
„Das hört sich ja alles auch sehr interessant an, aber ich muss jetzt doch gehen. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder?“, war alles, was Eva noch herausbrachte, denn der Mann gefiel ihr, und sie hätte ihn gerne wiedergesehen.
„Sicherlich, Freiburg ist ja nicht so groß, da werden wir uns wieder begegnen, auf jeden Fall werde ich zu Ihrer Premiere kommen, wann ist sie denn?“
„Festgesetzt ist sie auf den Herbst, aber sicherlich wird jetzt der neue Intendant oder die neue Intendantin auch noch ein Wörtchen mitreden“, sprach Eva und stand dann aber endgültig auf.
„Schön, Sie getroffen zu haben und auch noch vielen Dank, dass Sie mich nicht umgefahren haben“, ergänzte Jan Schwarz.
„Ich danke Ihnen, dass Sie mich aufgefangen haben.“
Dann verschwand Eva und Jan Schwarz blickte ihr mit seltsam freudigen Augen nach.
Kommissar Kirsch und seine Frau Moni waren nach ihrer Kreuzfahrt, die sie an die Ostsee, nach Kopenhagen, Stockholm, Tallinn und Sankt Petersburg brachte, wieder in ihrem Wiesenbach gelandet. Kirschs letzten Urlaubstag wollten sie aber noch in den heimischen Gefilden, im Schwarzwald, genießen.
Ihr Weg sollte sie diesmal nach dem schönen Ort Furtwangen und nach Gütenbach, zum ‚Balzer Herrgott‘, führen. Kirsch und auch seine Frau Moni lieben einfach die alten Kulturdenkmäler, wie auch den ‚Balzer Herrgott‘. Es ist ein ehemaliges Kreuz, das von einem Baum ganz umhüllt wird, man sieht nur noch das Antlitz des Herrgotts, das von Ästen und Blättern umkränzt wird.
Moni hatte ein kleines Picknick vorbereitet, Schnitzel, Kartoffelsalat und Radieschen eingepackt, und das wollten sie an einem schönen Rastplatz beim Keuz zu sich nehmen. Allerdings ist der Ausblick beim ‚Balzer Herrgott‘ nicht so ergiebig, denn das Denkmal steht mitten im Wald und ganz in der Nähe befindet sich auch noch das Mörderloch, ein Waldstück, das ganz tief, bis in die Ebene eines Tales, hinunterreicht.
Doch vom Mörderloch wollte Moni gar nichts hören, hatte doch ihr Mann, der Kriminalkommissar, immer auch mit schrecklichen Morden und Mördern zu tun. Aber so ein Besuch beim Kulturdenkmal ‚Balzer Herrgott‘ fand auch ihr Gefallen und so fuhren die Kirschs von Wiesenbach nach Gütenbach. Direkt am Wald befand sich ein großer Parkplatz, da stellten sie ihr Auto ab und holten ihre Wanderstöcke und ihre Rucksäcke hervor.
Dann ging es los. Sie warfen noch einen kurzen Blick hinüber zu den Bauernhöfen der Gegend und in die Richtung von Neukirch. Bald kam auch schon der Waldweg und schwarze Tannen säumten ihren Weg. Ganz in der Nähe des ‚Balzer Herrgotts‘ hatten sie einen Rastplatz auserwählt, denn Kirsch verspürte schon wieder etwas Hunger, obwohl sie noch gar nicht solange unterwegs waren. Dort an diesem Rastplatz sollte dann das Picknick eingenommen werden.
Angekommen schnaufte Moni schon ein bisschen. Als sie gerade dabei war, den Tisch zu decken, sah sie, dass etwas unter der danebenstehenden Bank lag. Sie bückte sich und dann hörte Kirsch nur noch einen markerschütternden Schrei. Er zuckte nur so zusammen und ließ sein Messer fallen. Das wäre fast auf die ausgestreckte, blutverkrustete Hand gefallen, die unter der Bank lag, was aber Kirsch noch nicht bemerkte.
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