Durchführen von Übungen
Weiß der Leser, in welcher Weise er unannehmbarem Verhalten anderer Personen begegnen kann bzw. wie er Konflikte löst, so erfolgt als Nächstes eine Anwendung von Wissenselementen in schriftlichen Übungen.
Anwendung von Methoden in der Praxis
Dienen die Übungen dazu, ein wenig mit den Methoden vertraut zu werden, so sollte anschließend das Wagnis ihrer Umsetzung in die Praxis unternommen werden. Zur gewissenhaften Vorbereitung bzw. Strukturierung derartiger Praxisanwendungen stehen zum Ende der entsprechenden Kapitel Empfehlungen zur Vorgehensweise zur Verfügung.
Wenngleich das Buch dazu verhelfen möchte, partnerschaftliche Methoden des Umgangs mit unannehmbarem Verhalten anzuwenden, ist damit nicht zugleich eine Garantie gegeben, dass eine derartige Anwendung erfolgreich sein wird. Zugleich gilt, dass dieses Trainingsprogramm eine Beziehungsberatung wie Eltern- oder Paarberatung nicht ersetzen kann, sollten Beziehungen zerrüttet sein.
Allgemeine Aussagen
Das Lernprogramm lässt sich vollständig oder auch nur teilweise durchführen. So kann eine Person nur Interesse an den theoretischen Ausführungen haben, Übungen ohne Anwendungen machen oder nur ein bestimmtes Konfliktlösungs- und Konfliktvermeidungsverhalten verändern wollen.
Sollte eine Person die Absicht haben, das gesamte Programm zu absolvieren, dann ist es ratsam, sich an den hier vorgestellten Ablauf zu halten:
- Zunächst sollten Kenntnisse hinsichtlich der Beeinflussung bedürfnisbeeinträchtigenden Verhaltens erworben und das Wissen angewendet werden.
- Sie sollten dann übergehen zur Beantwortung der Frage, wie mit einer misslungenen Beeinflussung bedürfnisbeeinträchtigenden Verhaltens weiter umzugehen ist (Lösung von Bedürfniskonflikten).
- Anschließend sollten Sie sich dem Thema zuwenden, wie mit einem wertbeeinträchtigenden Verhalten zu verfahren ist (Lösung von Wertkonflikten).
- Sie sollten sich dann damit auseinandersetzen, wie Sie mit Konflikten, die Dritte miteinander haben, umgehen können.
- Stand bisher im Mittelpunkt, wie Sie auf unannehmbares Verhalten von Dritten reagieren können, so schließt sich nun die Beschäftigung mit der Frage an, was Sie unternehmen können, wenn Dritte sich Ihnen gegenüber über ein Verhalten von Ihnen beschweren.
Es wird hier bewusst darauf verzichtet, Zeitkorridore für die Verwendung der Beschäftigung mit den einzelnen Lernblöcken vorzugeben, da Personen sich darin unterscheiden, in welcher Geschwindigkeit sie lernen, welches Vorwissen sie mitbringen hinsichtlich des Lernprogramms und welchen zeitlichen Aufwand sie willens und fähig sind, auf sich zu nehmen. Zugleich lassen sich Gelegenheiten zur Anwendung von partnerschaftlichen Methoden häufig nicht genau vorhersehen.
Nichtsdestotrotz wird zum einen geraten, sich nicht nur sporadisch mit dem Lernprogramm zu beschäftigen, sondern kontinuierlich. Die Bildung von präzisen Absichten kann hierbei eine Hilfestellung sein (vgl. 5.)). Daneben sollte zum anderen eine einzelne Methode erst einmal eine Zeitlang ausprobiert werden, bevor man sich einer neuen Methode zuwendet.
Das Lernprogramm kann alleine oder mit einer anderen Person, z. B. dem Lebenspartner, durchgeführt werden. Letzteres ist zu empfehlen, da dann die Motivation zu dessen Durchführung gesteigert wird (vgl. 5.)).
Lernstufen
Wenn Sie das hier dargestellte Lernprogramm durcharbeiten, so durchlaufen Sie einen Veränderungsprozess, der auch dann noch anhält, wenn das Lernprogramm abgeschlossen ist:
- Ausgangspunkt des Lernprozesses ist Ihr augenblickliches Problemlösungsverhalten, das normalerweise gewohnheitsmäßig und unreflektiert bei Konflikten oder bei unannehmbarem Verhalten Dritter zur Anwendung kommt.
- Das Lernprogramm vermittelt Ihnen Kenntnis über geeignetes und nicht geeignetes Problemlösungsverhalten. Mit diesem Wissen können Sie dann nicht mehr Ihr bisheriges Verhalten unbefangen ausüben: Sie wissen, dass sich bestimmte gewohnheitsmäßig ausgeführte Verhaltensweisen auf die Lösung von Problemen negativ auswirken. Zugleich verfügen Sie aber noch nicht über neues Verhalten. Hieraus resultiert eine gewisse Verunsicherung.
- Im Lernprogramm werden Sie angehalten, neues Verhalten auf Verhaltensprobleme anzuwenden. Das führt dann dazu, dass Sie dieses Verhalten zunächst als künstlich erleben und sich unwohl fühlen, da es von Ihrem bisherigen, über viele Jahre ausgeführten Verhalten abweicht.
- Wenden Sie jedoch das neue Problemverhalten sehr häufig an, dann findet allmählich ein Erlebenswechsel statt: Das Verhalten wird nicht mehr als künstlich, sondern ganz natürlich angesehen.
(4) Handlungsbezogener Rahmen
Das Lernprogramm lässt sich in einen handlungsbezogenen Rahmen einfügen. Hierauf soll nun (skizzenhaft) verwiesen werden. Derartige Überlegungen nehmen dabei ihren Ausgang von dem Sachverhalt, dass Handeln auf der Grundlage bestimmter Faktoren erfolgt: Ausgangspunkt zur Ausführung einer Handlung ist zunächst das Vorliegen eines Wunsches. Dessen Stärke hängt dabei von dem Ausmaß einer erwarteten Bedürfnisbefriedigung ab.
Beispiel:
Sie lieben Geselligkeit und ein entspanntes Liegen am Strand in Ihrer Freizeit. Sie wünschen sich deshalb einen Urlaub auf Mallorca, weil Sie der Ansicht sind, dass dieser Ort für Sie optimal ist, um Ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Sind Sie sodann auf Mallorca, so kann die tatsächliche Bedürfnisbefriedigung der erwarteten entsprechen oder aber nicht. Im letzten Fall sind Sie dann enttäuscht und werden demnächst nicht wieder Mallorca besuchen.
Das Vorliegen eines Wunsches reicht nicht aus, soll es zu einer Handlung kommen. Vielmehr müssen Sie in der Lage sein, diesen Wunsch auch verwirklichen zu können . Ein derartiges Können wird beeinflusst von Ihren Fähigkeiten (Möglichkeiten) und der zugrunde liegenden äußeren Herausforderung (Aufgabenschwierigkeit). Eine bestimmte Einschätzung Ihres Könnens spiegelt sich dann in einem bestimmten Ausmaß der Erwartung (hoch, niedrig) wider, dass ein Handeln auch erfolgreich sein wird.
Beispiel:
Ob Sie den Wunsch, einen Urlaub auf Mallorca zu verbringen, auch verwirklichen können, ist u. a. abhängig davon, ob Sie die entsprechenden Reisekosten (Flug, Unterbringung etc.) aufbringen können. Hierüber entscheidet dann Ihr verfügbares Freizeitbudget.
Sind Sie Hartz IV-Empfänger, so dürfte es schwerfallen, den Reisewunsch zu erfüllen, hingegen sollte es für Sie ein Leichtes sein, einen Urlaub auf Mallorca zu verbringen, wenn Sie über ein hohes Einkommen verfügen. Andererseits kann es für Sie möglich sein, sich einen Mallorca-Urlaub zu leisten, nicht jedoch eine Weltreise.
Ist ein starker Wunsch vorhanden und sind Sie der Meinung, dass er sich verwirklichen lässt, so beginnen Sie mit Handlungen zur Wunscherfüllung.
Beispiel:
So werden Sie sich Reiseprospekte besorgen, ein für Sie günstiges Angebot auswählen und über ein Touristikunternehmen eine Buchung durchführen.
Dieses Schema zur Erklärung der Ausführung oder Unterlassung einer Handlung kann nun auch angewandt werden auf die Durchführung des vorliegenden Lernprogramms:
Ihre Bereitschaft, partnerschaftliches Konfliktverhalten im Alltag anzuwenden, setzt zunächst einmal voraus, dass Sie über ein entsprechendes Wissen hinsichtlich von Möglichkeiten der Konfliktlösung und -vermeidung verfügen. Dem dienen dann die entsprechenden theoretischen Ausführungen in dieser Arbeit.
Daneben sollen Wissenselemente eingeübt werden. Beides führt zu einer bestimmten Fähigkeit, Verhaltensprobleme zu lösen.
Der Fähigkeitseinschätzung, Verhaltensprobleme zu lösen, steht dann mit einer bestimmten Anwendung im Alltag eine bestimmte Aufgabenschwierigkeit gegenüber:
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