»Nein, das nicht.«
»Aber?«, brauste Sarah auf.
»Er hält das für einen Mord unter Ganoven. Dieser Ryan ist bei der Polizei kein Unbekannter. Bisher hat man ihm allerdings nie etwas nachweisen können. Doch seine Verbindung zu anderen zwielichtigen Gestalten war bekannt.«
»Also unternimmt er nichts?«
Andrew hob die Schultern, ließ sie wieder fallen.
»Ich denke, er wird den Fall schnell zu den Akten legen. Als Margret ihm dann noch erzählte, dass sie in Dublin von ihm bestohlen worden ist, hat er nur gegrinst. Seine Vermutung geht dahin, dass Ryan wohl dem Falschen in die Tasche gegriffen hat oder aber seine Spielschulden nicht bezahlen konnte. Ein Mord unter seinesgleichen, meinte Brown.«
Sarah war fassungslos. Dass das Rechtssystem nicht optimal war, das wusste sie. Doch in London war zumindest immer der Schein aufrecht gehalten worden, während dieser Beamte für jedes Verbrechen eine Erklärung aus dem Hut zauberte, die dazu führte, dass die Untersuchung eingestellt wurde.
»Also läuft hier ein Mörder rum und die Polizei schläft«, stellte sie tonlos fest, drehte sich um und ging in ihr Zimmer.
Es war dunkel in dem Raum, in dem John Berkley sich mit seinen Auftraggebern traf. Nachdem er festgestellt hatte, dass die Ware, die er illegal nach England schaffen sollte, zum größten Teil wirklich unbrauchbar war, hatte er auf einem Treffen bestanden.
Seine Wut hatte er an Sally, seinem Hausmädchen, ausgelassen, und die Leiche des Mädchens anschließend auf einer Müllkippe entsorgt. Danach hatte er eine Nachricht an seine Geschäftspartner verfasst und sie ihnen zukommen lassen, was nicht ganz ohne Risiko war. Normalerweise wurde nur er kontaktiert und er sollte nur in Notfällen selber den Kontakt suchen, und als solchen empfand er die Situation. Die anderen drei Teilnehmer, die er weder persönlich noch vom Namen her kannte, standen etwas mehr als fünf Schritte entfernt, Kapuzen bedeckten die Gesichter, so dass er nur ihre Schemen erahnen konnte. Manchmal fand Berkley ihre übertriebene Vorsicht lächerlich. Manchmal dachte er, man könne nicht vorsichtig genug sein. Was man nicht wusste, konnte man nicht ausplaudern.
»Sie wollten uns sprechen?«, eröffnete einer der Drei das Gespräch. »Es ist, sagen wir mal, nicht sehr vorteilhaft, ja sogar gefährlich, wenn Sie uns kontaktieren. Ich hoffe, Sie haben einen guten Grund.«
»Den habe ich«, polterte der Schiffseigner. »Die letzte Ware, die mir geschickt wurde, ist unbrauchbar!«
»Was meinen Sie damit?«, fragte die mittlere Gestalt.
»Unbrauchbar! Ganz einfach. Was soll ich mit einer Ware, die bereits defekt ist? Meine Kunden erwarten sie in einem einwandfreien Zustand, damit sie mit ihr Geld verdienen können. Aber so, wie die Ware aussieht, legen sie noch drauf! Die Kosten für den Transport, die Versicherung. Und dann wollen Sie auch noch Geld. Doch dafür zahlen meine Kunden nicht. Das heißt, weder Sie noch ich sehen einen Shilling! Ich werde sogar noch Verlust machen!«
Die Gestalt zur Rechten schaltete sich ein.
»Wie kann das sein? Mir wurde versichert, es ist erstklassige Ware!«
Sie wandte sich an die Gestalt, die in der Mitte der Drei stand.
»Da müssen Sie sich drum kümmern! Mr. Berkley hat Recht. Wenn die Ware, wie er sagt, Ausschuss ist, muss sie ersetzt werden. Und das schnell!«
Er wandte sich an John.
»Wann läuft ihr Schiff aus?«
»Es ist bereits weg, dieses Mal ist es zu spät. Ich habe die Ware persönlich geprüft. Nur ein Drittel ist brauchbar, den Rest lasse ich unterwegs verschwinden. Aber der Verlust ist enorm, nicht nur an Geld und Ware, sondern auch das Vertrauen unserer Kunden ist damit erschüttert.«
»Sie haben Recht, das darf und wird nicht wieder geschehen. Aber leider ist unser Prüfer für die Ware nicht mehr aktiv.« Ein Blick zu der mittleren Person war nur zu erahnen, die daraufhin den Kopf senkte. »Ob wir dafür Ersatz finden, ist zur Zeit fraglich, also müssen wir uns anders behelfen. Teilen Sie unseren Kunden mit, dass die nächste Lieferung einwandfrei sein wird und als Entschuldigung nur die Hälfte kosten wird, nach Abzug Ihrer Unkosten.«
Berkley nickte. »In etwa drei Wochen brauche ich die Ware«, ergänzte er.
»Wir haben ein Problem«, begann die rechte Gestalt das Gespräch danach und wandte sich an die mittlere. »Sie müssen in zwei Wochen adäquaten Ersatz finden. Und zwar auf Ihre Kosten.«
Die vermummte Gestalt zuckte zusammen, nickte aber nur.
»Ich kümmere mich darum. Was genau wird gebraucht?«
»Wenn ich die Ladungsliste richtig im Kopf habe, zehn große und fünfzehn kleine Einheiten, dazu noch vier oder fünf in sehr klein.«
»Das wird knapp«, kam die Erwiderung.
»Das ist mir egal! Ich brauche sie! WIR brauchen sie. Und wenn wir ganz Irland auf den Kopf stellen müssen! Aber es gibt ein anderes Problem, Mr. Berkley.«
Der Reeder zuckte zusammen, ahnte, was kommen würde.
»Sie meinen den Toten, den man gefunden hat …«, begann er, wurde aber abgewürgt.
»Ja, genau den meine ich. Mir ist klar, dass Sie handeln mussten, als die Gefahr bestand, dass er auspacken würde. Aber die Ausführung war mehr als dilettantisch. Die Leiche hätte niemals gefunden werden dürfen. Nicht auszudenken, was hätte geschehen können.«
»Es tut mir leid, aber meine Männer …«
»Reden Sie sich nicht heraus«, fuhr ihn die rechte Gestalt an. »Und ausgerechnet die O´Learys mussten ihn finden! Wir werden zwar noch geschützt, aber auf Dauer kann es geschehen, dass es nicht mehr funktionieren wird.«
Berkley schwitzte. Sie waren eine Gemeinschaft, in der einer auf den anderen angewiesen war. Fiel einer um, würde er die anderen mitreißen. Und ihm wurde bewusst, dass er im Moment als das schwache Glied angesehen wurde. Was das bedeutete, war ihm klar.
»Noch einmal, es tut mir leid. Ich übernehme dafür die Verantwortung. Und es wird nicht wieder geschehen.«
»Das hoffen wir für Sie, Mr. Berkley.« Der Sprecher näherte sich ihm ein wenig, senkte seine Stimme. »Im Gegensatz zu Ihnen wissen wir, wie man eine Leiche verschwinden lassen kann.«
Damit drehte er sich um und verließ mit den anderen beiden den Raum. Zurück blieb der Reeder, der das Zittern seiner Hände kaum unter Kontrolle hatte. Die Drohung war ernst gemeint und er wusste, dass man ihm einen weiteren Fehler nicht verzeihen würde.
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