Feren überlegte. Lange sagte er überhaupt nichts. Segur wartete geduldig. Der Freund nahm sich Zeit, um eine Sache gründlich zu durchdenken. Dann war Feren zu einer Entscheidung gekommen: „Sevas bringt nichts.“
Segur sah das anders: „Wieso? Die Tolegos werden entweder Sevas oder Burg Amrun als Lehen erhalten. Was spricht dagegen, dass Mehan vorläufig mit den Kindern in Sevas bleibt?“
„Sie sind dort nicht sicher. Stell Dir vor, Hanok kümmert sich beim Umzug um den Geleitschutz. Ich werde ihm meinen Sohn kein zweites Mal ausliefern!“ Feren sah Segur direkt an: „Was willst Du auf einer Burg? Steine bewachen?“
„Manches Mal denke ich, Steine bewachen ist nicht so schlecht. Jeden Abend in einem warmen Bett schlafen – wir werden nicht jünger, Feren. Mehan würde es schätzen...“
Feren schüttelte unwillig den Kopf: „Unsinn. Hier im Süden gibt es nichts mehr zu tun! Wir werden eine neue Truppe finden. Eine, in der Hanok nicht die Finger drinnen hat!“
„Und wo willst Du die finden?“ fragte Segur neugierig.
„Wir gehen zum König. Wenn es noch gute Kommandos gibt, dann dort!“
Segur lachte erleichtert auf: „Du hast völlig recht! Wir reiten mit unserer gesamten Truppe nach Mandrilar. Zur Krönung werden alle maßgeblichen Leute in der Hauptstadt sein. Es wäre gelacht, wenn uns keiner haben wollte!“
In der letzten Nacht vor seiner Abreise fand Mauro keinen Schlaf. Zu viele Dinge gingen ihm im Kopf herum. Bereits getroffene Entscheidungen, über die er nachgrübelte und bevorstehende, für die er noch keine Lösung hatte. Es gab so viel zu bedenken, dass es ihm gar nicht so schwer fiel, Sigrun aus seinem Bewusstsein zu verbannen. Erleichtert stellte er fest, dass er in den letzten Tagen kaum noch an sie gedacht hatte.
„Ihr seid müde und könnt nicht schlafen, mein Herr“, sagte Zeldis und strich ihm sanft über die Brust. „Soll ich Euch einen Schlaftrunk bereiten?“
„Lasst nur. So vieles ist in der letzten Zeit geschehen. Ich muss das alles erst einmal verdauen.“
„Ihr habt unendlich viel geleistet“, schmeichelte die Konkubine.
„Das ist es nicht einmal so sehr. Das ganze letzte Jahr fühlte ich mich gehetzt, machtlos ausgeliefert dem Rad des Schicksals. Seit einiger Zeit jedoch besitze ich eine Ruhe und Klarheit, wie ich sie davor nicht kannte. Beinahe fühlt es sich an, als wäre ich von einem Getriebenen zu einem Handelnden geworden.“
Zeldis wusste, was er meinte. Sie hatte die Veränderung miterlebt. Er war durch die Tiefen des Schmerzes hindurch getaucht und auf der anderen Seite gestärkt herausgekommen. Nun verfügte er über eine innere Kraft und eine Distanz zu den Dingen, die ihn in die Lage versetzte, viel klarer zu sehen und sicherer zu entscheiden. „Manchmal braucht es großen Schmerz, um eine notwendige Veränderung anzustoßen.“
„Der Feuergott hat das größte Opfer von mir verlangt, dass ein Mensch bringen kann: meine Liebe. Es scheint, als musste ich sie opfern, um zu dem zu werden, was ich sein soll: ein unabhängiger König, nur dem Wohl des Landes verpflichtet.“
"Was ist ein König, der nicht liebt?“
„Vielleicht fordert das Land meine gesamte Liebesfähigkeit, so dass daneben für eine Geliebte kein Platz mehr ist?“
„Mir mag es recht sein, solange Ihr die Dienste Eurer Konkubine schätzt. Ich begleite Euch gerne nach Mandrilar, wenn Ihr es mir gestattet."
Mauro schüttelte den Kopf. Er konnte sich nicht vorstellen, Zeldis ständig an seiner Seite zu haben. Die Lücke, die Sigrun hinterlassen hatte, vermochte sie nicht zu füllen. Auch konnte er sie in Mandrilar nicht gebrauchen, denn dort erwartete ihn Yerion. So wies er ihr Ansinnen zurück: „Nein, das möchte ich nicht. Ihr gehört hierher, auf diese Burg. Wollt Ihr hier auf mich warten, bis ich wiederkehre?“
Am nächsten Morgen rief Mauro alle anwesenden Fürsten und Heerführer ein letztes Mal zusammen und ernannte feierlich Uluk von Xalmeida zum Condir der Südtruppen. Das war allgemein erwartet worden, denn nach Hanoks Scheitern gab es keinen anderen Anwärter auf dieses Amt. Die Anwesenden spendeten wohlwollend Beifall. Uluk hatte sich die Beförderung redlich verdient.
Mauro ging sogar noch ein Stück weiter: „Während meiner Abwesenheit lege ich die Verantwortung für diese Burg ihn Condir Uluks Hände. Er soll bis auf weiteres darüber wachen. Seiner Obhut übergebe ich auch meine Konkubine Zeldis.“
Diese Lösung gefiel allen Beteiligten. Die Stadt Alicando lag mitten in Uluks Verantwortungsgebiet. Er hatte ohnedies keine eigene Burg. Auf der den Xalmeidas versprochen Nordburg würde auf Anordnung des Clanchefs Uluks Vorgänger Balkir residieren.
Zeldis war froh, dass ihr die Schmach der Entlassung erspart blieb. Als Konkubine des Königs genoss sie einen ansehnlichen Status, der auch ihrer Sippe zu Gute kam. Schon hatte ihr Vetter Narghey in Malfar seine Sachen gepackt, um in seine Heimat zurückzukehren. Andere würden folgen. Nun, da Mauro sich zum Clanchef der Alicandos erklärt und eine der Ihren als Konkubine erwählt hatte, gab es für die Überlebenden des Alicando-Clans keinen Grund mehr, sich zu verstecken.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.