überzeugen kann!“ Hechler trat ein und wollte an Jablonski vorbei. Etwas
unschlüssig wollten die Wachen ihren Wachhabenden folgen, da verstellte
Jablonski ihnen den Weg.
„Sie wollen doch nicht im Ernst mit Waffen hier eindringen?“, fragte er den
Unteroffizier scharf und sah ihn drohend in die Augen.
„Natürlich, und Sie werden mich nicht daran hindern!“, entgegnete ihm der
Unteroffizier voller Selbstüberzeugung.
„Einen Schritt weiter und ich rufe den San-OvWa an. Dann geht es hier aber
rund. Wachen haben hier im San-Bereich nichts zu suchen, am allerwenigsten mit
Waffen“, belehrte Jablonski den völlig verdutzten Unteroffizier. Auch die
anderen hielten inne und sahen abwartend auf ihren Vorgesetzten. Tatsächlich
durften die Wachen nur bei unmittelbarer Gefahr den San-Bereich durchsuchen
und das auch nur bei rechtzeitiger Benachrichtigung des San-OvWa´s.
Unschlüssig stand Hechler da und wusste nicht recht, was er machen sollte. Mit
gezügelter Wut musste er passen.
„Wenn Sie etwas Verdächtiges bemerken, melden Sie es mir!“, befahl er
trotzdem, um sich wenigstens ein bisschen das Gefühl der Wichtigkeit zu
erhalten.
„Jetzt wo ich weiß wer Wache hat, bleibt mir wohl auch nichts Anderes übrig“,
antwortete Jablonski feststellend. Hechlers ohnehin düstere Gesicht verfinsterte
sich noch mehr.
„Was wollen Sie damit sagen?“, fragte er und achtete dabei auf seine Wachen,
die eventuelle Frechheiten würden bezeugen können. Scheinbar desinteressiert
betrachteten sie sich ihre Schuhe und schossen imaginäre Steinchen weg.
„Wenn ich davon ausgehe, dass hier jeder ein- und ausgeht, stelle ich ihre
Wachtauglichkeit infrage, Herr Unteroffizier“, erklärte Jablonski ihn recht
sachlich.
„Der Eindringling kam über den Zaun und verschwand in dieser Richtung.“,
rechtfertigte sich Hechler, wobei er zum San- Gebäude zeigte, wo er den
Flüchtenden vermutete. Dann machte er auf der Hacke kehrt und befahl seinen
Wachen, ihm zu folgen. Jablonski schlug die Tür zu und beobachtete vom UvDRaum
aus, wie die Drei in der Dunkelheit verschwanden. Vergnügt über dessen
Machtlosigkeit ging er zum U-Raum zurück. Kaum hatte er die Tür geöffnet, da
schlug ihm der saure, üble Geruch von Erbrochenen entgegen. Die Luft
anhaltend, öffnete Jablonski sämtliche Fenster und schaltete das Licht ein, damit
er sich das Malheur betrachten konnte. Schnarchend, mit weit geöffneten Mund
lag der Leutnant auf der Trage. An seiner Wange klebten die Reste des
Erbrochenen und verteilte sich auf Trage und Fußboden. Penetrant breitete sich
der Geruch aus und reizte die Nase. Mit einen kräftigem Ruck zog Jablonski die
Trage aus der Lache raus, wobei der Leutnant erwachte. Mühsam richtete er sich
auf und besah sich recht hilflos seine angerichtete Schweinerei. Mit
entschuldigenden Beteuerungen versuchte er es gutzumachen. Jablonski aber
hörte gar nicht hin, sondern holte sich Eimer, Scheuertuch und Schrubber, womit
er des Leutnants Erbrochene beseitigte. Mehrmals musste Jablonski schlucken,
um sich nicht selbst zu übergeben. Zu guter Letzt säuberte er so gut es ging den
Offizier und die Trage. Dabei erzählte ihm der Leutnant auch, wie er in diese, für
einen Offizier peinlichen Situation kommen konnte.
„Ich hatte meinen Truppenausweis vergessen und als ich sah, wer Wache hat, bin
ich über den Zaun. Dieser Hechler hätte das ganze doch nur hochgespielt.“
„Mit dem besoffenen Arsch über den Zaun ist auch nicht die feine Art. Man hätte
auf Sie schießen können“, warf Jablonski ihn kopfschüttelnd vor.
„Ja, ja, das verstehe ich ja. Aber stellen Sie sich vor, Väterchen Fleck würde
davon Wind bekommen, wenn ich in der Ausnüchterungszelle gelandet wäre.“
Trotzdem war sich dieser Mann der Gefahr nicht bewusst. Gerade Hechler, der
dafür bekannt war, seine Streifen auf Schritt und Tritt zu verfolgen, hätte ohne
Skrupel das Feuer eröffnet. Jablonski selbst war schon in so eine Situation
geraten. Doch die Wachen erkannten damals ihren Sanitäter, der volltrunken auf
allen Vieren am Zaun entlang kroch und seine Kompanie suchte. Sie erbarmten
sich seiner und brachten ihn zu seinen Kameraden in den San- Bereich, wo er
seinen Rausch ausschlafen konnte.
Nachdem Jablonski die Reinigung beendet hatte und dem Leutnant eine Decke
gebracht hatte, schlug er vor, dass dieser sich erst einmal ausschlief. Beschämt
aber doch erleichtert bedankte sich der Leutnant mit dem Versprechen, es
irgendwann wieder gutzumachen. Jablonski ging wieder zurück in sein UvDZimmer
und sah noch einmal aus dem Fenster. Am Zaun suchten Hechler und
seine Wachsoldaten mit einer Taschenlampe nach verräterischen Spuren.
Sensationslüstern und diensteifrig wie nie zuvor wollte oder konnte er nicht
aufgeben. Genervt und widerwillig ließen die beiden Wachen die Lichtkegel ihrer
Taschenlampen hin und her gleiten. Jablonski schüttelte nur den Kopf und legte
sich zum Schlafen.
Früh um sechs war für ihn die Nacht zu Ende und er machte sich daran den
Leutnant zu wecken. Dieser aber hatte sich bereits durchs Fenster davon gemacht.
Vermutlich aus Angst, von irgendeinen anderen Sanitäter entdeckt zu werden.
Jablonski schloss das Fenster und schob die Trage wieder unter den Schrank. Der
üble Geruch hatte sich mittlerweile verzogen und es war von dem Vorfall keine
Spuren mehr zu sehen.
Der Gefreite Biermann übernahm den UvD-Dienst für Jablonski. In der Dienstzeit
brauchte das UvD- Zimmer ja nicht besetzt sein und Biermann wäre ohnehin
als nächster dran gewesen. Jablonski erzählte dem Oberfeldwebel der Form
halber von Hechlers Vermutungen und auch, dass sich wahrscheinlich jemand am
San-Gebäude aufgehalten hatte. Vorsorglich hatte er auch alles ins UvD-Buch
eingetragen, um einer möglichen Meldung seitens Hechler vorzubeugen. Dann
lief er rüber zu seiner Kompanie. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht der einzige,
der seinen Wachdienst wegen des Fünfundzwanzigers verkürzen durfte. Auch
Hechler war mit von der Partie. Er wirkte müde und hatte Ringe unter den
Augen. Offensichtlich hatte er die halbe Nacht die Kaserne nach dem
vermeintlichen Eindringling durchsucht. Das hinderte ihn jedoch nicht daran auf
den Marsch zu verzichten. Hechler wollte sich und der Welt beweisen was ein
deutscher Soldat leisten kann.
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