Unwillig erhob sich der Masseur aus seinem Fernsehsessel, da gerade die Sportschau lief. Als begeisterter Fußballfan verpasste er möglichst keine Sendung. So öffnete Harry missmutig die Wohnungstür. Seine Miene hellte sich jedoch sofort auf, als er sah, wer draußen im Flur stand.
„Conny!", rief er freudig aus. „Wolltest du nicht übers Wochenende zu deinem Vater?"
„Ich bin früher zurückgefahren", erwiderte sie lächelnd. „Darf ich reinkommen?"
„Selbstverständlich.“ Nach den Kuppelversuchen seiner Mutter hatte er befürchtet, dass Constance ihn auf Abstand halten würde. Aber sie schien kein Problem damit zu haben. Das freute ihn. So führte er sie erleichtert ins Wohnzimmer.
„Anscheinend störe ich", sagte sie mit Blick auf den Bildschirm. „Ich kann auch später wiederkommen!?"
„Nicht nötig", versicherte er ihr rasch. Mit der Fernbedienung schaltete er das Gerät aus. „Möchtest du dich nicht setzen? Was darf ich dir anbieten? Vielleicht ein Bier?"
„Im Moment nicht", lehnte sie ab und setzte sich aufs Sofa. Als sie die Beine übereinander schlug, rutschte ihr kurzer Rock noch ein wenig höher. Aber sie schien das gar nicht zu bemerken. Unterdessen konnte Harry den Blick nicht von ihr wenden. Constance sah heute besonders reizvoll aus.
„Dein Besuch überrascht mich", gestand er, wobei er unruhig auf der Sesselkante hockte. „Kann ich was für dich tun?"
„Wenn du mich so fragst ..." Bequem lehnte sie sich zurück. „Heute Morgen bin ich lange ausgeritten – wahrscheinlich zu lange. Seitdem sind meine Schultern völlig verspannt. Ich brauche dringend eine Massage, aber wo findet man auf dem Lande einen guten Masseur!? Noch dazu an einem Samstag. Deshalb dachte ich, dass du vielleicht ..."
Ungläubig schaute Harry sie an. Constance hatte sich noch nie von ihm massieren lassen.
„Soll ich wirklich?"
„Nur, wenn es dir keine Umstände macht. Sonst muss ich eben bis Montag warten. So schlimm ist das auch nicht. Wahrscheinlich hast du schon was vor. Wenn du noch ausgehen möchtest ..."
„Nein, nein", erwiderte Harry hastig. „Heute wollte ich sowieso zu Hause bleiben. Ich tue alles, damit du dich besser fühlst." Eilig erhob er sich. „Ich hole schnell das Öl von nebenan. Du könntest inzwischen ablegen!?"
„Du bist ein Schatz, Harry.“
Beschwingt lief er hinaus und holte frische Handtücher und ein Fläschchen Massageöl aus dem Badezimmer.
Erwartungsvoll kehrte er in den Wohnraum zurück. Kaum war er jedoch eingetreten, blieb er abrupt stehen. Er hatte angenommen, dass Constance allenfalls ihre Bluse ausziehen würde. Stattdessen lag sie bis auf einen winzigen schwarzen Slip entkleidet bäuchlings auf dem Sofa. Seine Cousine bot einen derart verführerischen Anblick, dass er schlucken musste. Sein Mund schien plötzlich völlig ausgetrocknet zu sein.
„Können wir?", fragte sie über ihre Schulter hinweg. „Oder hast du es dir anders überlegt?"
„Nein, nein“, antwortete er hastig. „Soll ich gleich anfangen?“
„Ich bitte darum", erwiderte sie und schloss die Augen.
Daraufhin kniete Harry sich neben das Sofa und gab etwas von dem Öl in seine Hände. Zögernd begann er mit der Massage. Er konnte es kaum zu glauben, dass Constance hier vor ihm lag. Bisher hatte es kaum Frauen in seinem Leben gegeben. Das bekümmerte ihn jedoch nicht. Für eine andere hätte er ohnehin nicht das empfinden können, was er für Constance fühlte. Schon von Kindesbeinen an vergötterte er seine Cousine. Sie war klug, vielseitig und geschickt, warmherzig und ungemein sexy. Er hatte ihr sogar verziehen, als sie vor Jahren plötzlich heimlich geheiratet hatte. Damals war er sofort hilfreich zur Stelle gewesen, als diese Ehe nach kurzer Dauer gescheitert war. Trotzdem hatte er niemals gewagt, Constance seine Gefühle zu offenbaren. Erst mit der Zeit wurde der Wunsch in ihm übermächtig, sie mit Haut und Haaren zu besitzen. Er wollte sie nicht mehr mit anderen Männern teilen. Dieses unerträgliche Gefühl der Eifersucht, wenn sie einem Mann Aufmerksamkeit schenkte, wollte er nie wieder spüren müssen. Warum nur war es so schwierig, einer Frau klarzumachen, dass man nur den Wunsch hegte, sie glücklich zu machen?
„Du hast so zarte, seidige Haut", sagte er bewundernd, während er über ihre Schultern strich.
„Und du hast wundervolle Hände", entgegnete sie und seufzte leise. „Es tut unbeschreiblich gut, sie auf meiner Haut zu spüren." Ungeachtet ihrer spärlichen Bekleidung richtete sie sich etwas auf. „Wie wäre es, wenn du dich nun meiner Vorderseite widmest? Eine Ganzkörpermassage ist genau das, was ich jetzt brauche."
Völlig verblüfft schaute Harry sie an. War das ein Traum? Oder hatte Constance ihn eben tatsächlich aufgefordert, sie dort zu massieren, wo er es sich am meisten wünschte? Vielleicht wollte sie ihn aber nur testen?
„Möchtest du wirklich eine Ganzkörpermassage?", vergewisserte er sich. „Ist das dein Ernst, Conny?"
Wortlos drehte sie sich vollständig herum und legte sich langsam zurück. Unbefangen verschränkte sie die Arme hinter dem Kopf.
„Ich möchte deine Zauberhände überall spüren."
Ihre Stimme klang leise und erwartungsvoll. „Auf meinem ganzen Körper."
„Willst du wirklich, dass ich ...?"
„Worauf wartest du noch?"
Den Blick auf ihr Gesicht gerichtet, streckte Harry vorsichtig die Hand aus. Ganz sachte tastete er über den Leib seiner Cousine, jederzeit bereit, sich sofort wieder zurückzuziehen.
Doch sie seufzte wieder nur leise, während seine Finger sich behutsam Zentimeter für Zentimeter höher bewegten. Sie streichelten die gebräunte Haut bis hinauf zum Halsansatz, wagten sich jedoch nicht weiter vor.
Unversehens fing sie seine Hand ein und legte sie auf ihre linke Brust.
„Conny ...“, krächzte Harry heiser. Auf diesen Moment wartete er schon sein Leben lang. „Oh, Conny ..."
Nun war es endgültig mit seiner Beherrschung vorbei: Mit Händen und Lippen erkundete er den verführerischen Frauenkörper. Harry spürte selbst dann keine Gegenwehr, als er seine Finger in den winzigen Slip schob und den schwarzen Stoff von ihren Hüften streifte.
„Ich will dich so sehr", keuchte Harry, als sie sich ihm leise aufstöhnend entgegenbog. „Mehr als alles auf der Welt."
„Komm endlich zu mir, mein Geliebter", flüsterte sie erregt. „Ich will nicht länger warten."
In Sekundenschnelle entledigte er sich seiner Kleidung und schob sich über seine Cousine. Leidenschaftlich eroberte sein Mund ihre Lippen. Im selben Moment spürte er, dass sie ihre Hüften anhob, um ihm den Weg zu weisen.
„Das war sensationell“, sagte Harry, als sie später entspannt nebeneinander lagen. „Du bist einmalig, Conny."
„Ich weiß", erwiderte sie selbstbewusst. „Dankschreiben aus aller Welt bezeugen das."
„Sag so was nicht. Jetzt gibt es nur noch einen Mann in deinem Leben – und der bin ich."
„Das kommt darauf an ..."
„Worauf?"
„Das wirst du schon bald erfahren." Rasch erhob sie sich. „Jetzt verschwinde ich erst mal ins Bad. Deine Mutter kommt gleich nach Hause."
„Meine Mutter? Woher ...?" Er unterbrach sich, als es läutete. „Kannst du hellsehen?"
„Vielleicht ...“
Barfuß lief sie hinaus.
So stieg Harry hastig in seine Hosen. Auf dem Weg zur Wohnungstür schlüpfte er in sein Hemd.
„Hallo, Mutter", sagte er nach dem Öffnen und zwang ein Lächeln auf sein Gesicht. Viel lieber wäre er mit Constance allein geblieben. „Hast du wieder deinen Schlüssel vergessen?"
„Warum hat das so lange gedauert?" Zielstrebig betrat Elsbeth das Wohnzimmer. Ihr Blick fiel auf die herumliegenden Kleidungsstücke. Mit spitzen Fingern nahm sie einen schwarzen BH von einem Sessel, ehe sie sich setzte. „Anscheinend bist du nicht allein?"
Читать дальше