„Wir haben Conchitas Unterlagen auf dem Präsidium, wir wollen sie Ihnen überlassen, wenn wir sie komplett ausgewertet haben.“ Senor Gutierrez fragte Lupita:
„Seit wann ist Conchita denn in Amsterdam gewesen?“ und Lupita antwortete, dass sie vor vier Monaten abgereist wäre. Ich sagte den beiden Alten dass ich für sie im Mövenpick Hotel Essen ein Doppelzimmer reservieren wollte und rief gleich dort an. Das Hotel war der alte Handelshof mit dem Schriftzug „Essen die Einkaufsstadt“ auf dem Dach, ich wollte Conchitas Eltern gleich dorthin bringen, damit sie sich frisch machen konnten.
Wir verabschiedeten uns von Lupita und sagten ihr:
„Komm doch mit zum Baldeneysee, wenn wir am nächsten Tag dorthin fahren.“ Wir fuhren zum Hotel und lieferten Senora und Senor Gutierrez dort ab, Camilla und ich liefen noch mit zur Rezeption und machten dort alles klar, wir sagten den beiden:
„Wir holen Sie in zwei Stunden wieder ab, seien sie am Abend unsere Gäste!“ Werner wartete draußen im Wagen und passte auf, dass wir nicht aufgeschrieben wurden. Natürlich kämen Camilla, Werner und seine Elke mit zu uns, Camilla schon allein deshalb, damit wir eine Dolmetscherin hatten, wenn wir uns mit den beiden Alten unterhielten. Wir fuhren für die folgenden zwei Stunden zu uns und tranken mit Gaby etwas, sie hatte ein Essen für die beiden Gäste vorbereitet, unsere Kinder hatten wir zu den Nachbarn verfrachtet, ich hatte für ausreichend Bier, Wein und Schnaps gesorgt und freute mich auf den Abend mit Conchitas Eltern. Camilla und ich holten sie um 19.30 h am Hotel ab und Camilla fragte sie, ob im Hotel alles zu ihrer Zufriedenheit wäre, sie antworteten:
„Wir sind glücklich, so umsorgt zu werden, das Hotel genügt höchsten Ansprüchen.“ Wir fuhren zu uns und ich stellte den beiden Gaby und Elke vor, sie zeigten sich angenehm berührt, meine und Werners Frau kennen zu lernen.
„Haben Sie Kinder?“, fragte Senora Gutierrez und Gaby antwortete, dass wir zwei Jungen im Alter von sechzehn und fünfzehn hätten, die aber gerade bei den Nachbarn wären. Gaby bat uns alle an den Esstisch und ich fragte, was die beiden trinken wollten, Camilla und Werner nahmen Bier, das wusste ich und Gaby und Elke nähmen Rotwein, ich sagte, dass ich Bier, Wein und Schnaps da hätte und Senor Gutierrez wollte gerne ein deutsches Bier trinken, obwohl er fand, dass auch das mexikanische Bier gut schmeckte, Senora Gutierrez nahm ein Glas Rotwein, ich hielt mich ein wenig zurück und trank im Laufe des Abends zwei Glas Bier, ich musste Conchitas Eltern ja wieder zum Hotel fahren. Gaby hatte hervorragend gekocht, es gab eine kräftige Rindfleischsuppe vorweg, anschließend einen Rinderbraten mit Rotkohl und Klößen und zum Nachtisch Tiramisu, unser Besuch zollte Gaby höchstes Lob, es schmeckte aber auch wirklich ganz ausgezeichnet. Zum Abschluss bot ich jedem einen Grappa an, Senor Gutierrez nahm einen und die Senora ließ sich, nach anfänglichem Zögern, auch ein Gläschen geben, sie nippte zunächst daran, trank das Gläschen aber anschließend ganz leer. Gegen 22.30 h machten wir Schluss und ich fuhr Camilla nach Rellinghausen zu sich nach Hause und die beiden Alten zu ihrem Hotel, Werner und Elke nahmen den Bus nach Huttrop. Ich sagte Conchitas Eltern:
„Ich will Sie am nächsten Morgen um 10.00 h abholen, wir wollen mit ihnen eine kleine Besichtigungstour unternehmen.“ Die beiden gingen still und gefasst ins Hotel, und ich fuhr wieder nach Hause, wo ich Gaby beim Aufräumen half, sie meinte:
„Die beiden sind zwei sehr nette Zeitgenossen, ich mag sie sehr und ich freue mich schon darauf, mit ihnen an den Baldeneysee zu fahren.“
Am nächsten Morgen holten Gaby und ich zuerst Elke und Werner in Huttrop ab und wir fuhren anschließend nach Rellinghausen zu Camilla, ich stellte den Wagen in das Bahnhofsparkhaus und ging mit Camilla gegenüber in das Mövenpick Hotel. Wir liefen zum Zimmer von Senora und Senor Gutierrez hoch und klopften an die Tür. Conchitas Mutter öffnete uns und wir wünschten einen guten Morgen, und die beiden Alten erwiderten den Gruß , Senora Gutierrez wollte wissen:
„Muss ich einen Mantel mitnehmen?“, aber ich winkte ab, Camilla übersetzte, dass für den ganzen Tag schönes Wetter gemeldet wäre, und es warm würde, sie sollte alle warme Kleidung im Hotel lassen.
Sie und er waren elegant gekleidet, sie trug ein auffälliges Sommerkleid und er einen hellen Anzug, sie waren beide fast ein wenig overdressed. Wir liefen langsam zum Bahnhof hinüber und trafen auf Camilla, Gaby, Elke und Werner und auch auf Lupita, die zwischenzeitlich gekommen war, ich hatte überlegt, mit der S-Bahn bis Hügel zu fahren, wir hätten ohnehin nicht alle in meinem Wagen Platz. Camilla berichtete den Alten von unserem Vorhaben und ich löste am Fahrscheinautomaten eine Gruppenkarte, die billiger war als sieben Einzelfahrscheine.
Wir liefen auf den Bahnsteig und stiegen in die bereitstehende S-Bahn. Senora und Senor Gutierrez waren sehr gespannt, was wir mit ihnen vorhätten und als die Bahn losfuhr, hingen beide am Fenster und schauten hinaus. Die Bahn hielt in Essen-Süd und in Essen-Stadtwald, danach erreichten wir Essen-Hügel und stiegen aus. Das wäre aber eine kurze Fahrt gewesen, sagten Conchitas Eltern und ich entgegnete mit Camillas Hilfe, dass wir nur ein paar Schritte zum See hinunterlaufen müssten. Camilla fragte:
„Haben Sie den Namen Alfried Krupp schon einmal gehört?“ und beide nickten und sagten:
„Die Familie Krupp kennt man doch wohl in der ganzen Welt!“
Camilla erzählte, dass die Familie Krupp oberhalb in der Villa Hügel gelebt hätte, „wenn wir später noch Zeit haben, können wir dort vorbeischauen.“ Wir liefen am Parkhaus Hügel vorbei, gingen über die Freiherr-vom-Stein-Straße und bogen zum Regattahaus ein, dort waren wir direkt am Seeufer und ich erzählte, dass der Baldeneysee zwischen 1931 und 1933 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme entstanden war, seine Errichtung stieß bei der Bevölkerung zunächst auf Argwohn, weil man das schöne Ruhrtal schwinden sah, auch die Krupps waren erst gegen die Errichtung des Stausees, als man ihnen aber zusicherte, dass sie von ihrer Villa aus einen schönen Blick auf den See haben würden, stimmten sie zu. Camilla übersetzte fleißig und Senora und Senor Gutierrez nickten und fanden sehr interessant, was sie da zu hören bekamen.
„Der See erinnert uns ein wenig an Xochimilco in Mexico City“, sagten sie, „was auch ein Ausflugsziel für die Städter ist.“ Wir liefen weiter zum Regattahaus, wo wir stehen blieben und ich darüber berichtete, dass ich als Gymnasiast in der Rudermannschaft meiner Schule gewesen wäre, mein Klassenkamerad und ich wären mit unseren Rädern durch die gesamte Stadt bis zum See gefahren. Die Alten waren begeistert von den vielen Booten, die auf dem See fuhren, wir liefen weiter am Seeufer entlang, und Senora Gutierrez gab den Schwänen etwas von den Plätzchen, die sie dabei hatte. Als ich sagte, dass Conchita einmal mit ihrem Freund am Baldeneysee gewesen wäre, fing Conchitas Mutter an zu weinen, ihr Mann nahm sie in den Arm und versuchte, sie zu trösten, war aber selbst kurz vor einem Tränenausbruch. Wir setzten uns auf die Bänke am Ufer und schwiegen eine Zeit lang, bis ich vorschlug:
„Wir können doch im „Cafe Schloss Baldeney“ Kaffee trinken und Kuchen essen gehen.“ Wir liefen also am Ufer weiter und setzten uns auf die Seeterrasse, alle gingen wir noch einmal in das Cafe und suchten uns unseren Kuchen aus, wir bekamen einen Zettel mit einer Nummer darauf, den wir der Bedienung gaben, die uns kurze Zeit später unseren Kuchen und jedem ein Kännchen Kaffee brachte, es war eine friedliche Stimmung auf der Seeterrasse. Plötzlich fing Senor Gutierrez an, Werner und mich zu bereden, doch mit nach Mexiko zu kommen und dort unsere Ermittlungen fortzuführen, wir könnten bei seiner Frau und ihm in Oaxaca wohnen, er wollte alles bezahlen und wenn uns eine Dienstreise nicht bewilligt werden würde, sollten wir Urlaub nehmen, es entstünden uns keine Kosten, unsere Frauen sollten wir auch mitnehmen.
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