Maxi Hill - Die Würde

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Als der angolanische Vertragsarbeiter Amadou in den Vor-Wendejahren auf Betty trifft, begehrt er sie aus reinem Heimweh, weil sie seiner Schwester Nsamba ähnelt. Für Betty, die Altenpflegerin, ist Amadou nur eine der willkommenen Abwechslungen zu ihrem freudlosen Job. Im Widerstreit der Kulturen trennen sich ihre Wege, bis Betty schwanger wird, und nicht weiß, von wem… Zu allem Übel hat Betty auch noch ein Problem mit der Heimbewohnerin Irma, deren Kinder gerade aus Angola zurückgekehrt sind, mit dem Versprechen an die Eltern, deren Sohn Amadou in der DDR zu unterstützen. Bald wird Piet und Toni Hein klar, dass mit Irmas wie mit Amadous Würde sträflich umgegangen wird.
In der Wendezeit treten erstmals auf ostdeutschem Boden Kräfte in Erscheinung, die Amadous Schicksal fatal besiegeln, aber auch solche, die Irma verzweifeln lassen …Zum Glück gibt es auch mutige Menschen, wie den Journalisten Volker Brandt, die etwas bewirken können…

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Sie gibt sich einen Ruck aus der Starre ihrer ungeliebten Gedanken. Liebevoll streicht sie über eines der Bündel aus Decken, Textilien und Schuhen. Später werden noch die Lebensmittel dazukommen. Sie weiß, so Geschundenen wie Ntumba im bairro kann sie den Schmerz nicht nehmen. Der frühe Tod ihres Sohnes Enkembe, der Hunger und die Kälte der Nacht, der Mangel an sauberem Wasser, all das kann sie nicht wettmachen, aber für eine Weile konnte sie deren größte Not lindern helfen.

Etwas fährt durch ihre Glieder. Das blanke Metall des elektrischen Backgerätes, das mit Muttern und Nieten versehen ist, sieht aus wie das Teufelszeug in angolanischer Erde, das diesem unschuldigen Kind erst das Bein, dann das Leben gekostet hat. Das Zimmer vor ihren Augen verschwimmt, das letzte Bild des kraftlosen Jungen kehrt zurück. Sie beherrscht es nicht, einem Schütteln zu entgehen. Außerstande, das Gerät noch einmal zu prüfen, treibt es sie hinaus auf den Balkon, von dem sie Hunderte Male über die Hütten der Hoffnungslosen bis hinüber zu «ihrem» bairro geschaut hat. Das Getöse von der Straße nimmt sie nicht wahr, die Luft ist so klar, doch sie kann kaum etwas erkennen. Das erste, was sich stets einstellt bei diesen Gedanken, sind ihre feuchten Augen und ihr Zorn auf die Mächtigen dieser Welt, die den Kindern die Kindheit nehmen und den Müttern die Hoffnung. Keiner verdient den Tod durch eines Anderen Hand. Jedem steht ein würdevolles Leben zu. Toni weiß, es ist sentimental, über das eine Kind so stark zu trauern. Zu viele Kinder sind es, die in diesem Land keine Chance auf ein Leben in Würde haben. Wie so oft verfällt sie in eine traurige Mattigkeit, und wie so oft wird diese erst vergehen, wenn sie einen sehr guten Gedanken geboren hat.

Sie kneift ihre Augenlider zusammen. Die Hochebene liegt in starkem Licht, jenem Licht, das sie so sehr an die Namib erinnert. Dort schien es so friedlich und war doch lebensfeindlich.

Was wird sie zu Hause erwarten?

Wie aus dem Nichts kommt ihr der Gedanke, an den sie sich jetzt klammert. Vielleicht dieser Amadou, vielleicht ein anderer, zu Hause will sie denen helfen, die aus dem Elend kommen und im fremden Land ihr Glück versuchen. Es wäre auch in Mabeles Sinn.

Die ganzen Jahre über waren sie sich nicht begegnet, wie sollten sie auch. Sie hatte ja nur noch Augen für die Flüchtlinge im bairro. Wer dort leben muss, ist vergessen von der Welt. Und — wie Toni erleben musste — sogar vergessen von denen, die sich der Solidarität rühmen. Auch wenn sie selbst zu helfen versucht hatte — kleinlaut, aber mit volltönendem Herzen — ändern konnte sie deren Leben nicht. Ihr Herz war so voller Hoffnung, ihr Wille so ungebrochen, beides hat nicht viel bewirkt. Herz und Wille allein sind untauglich für Veränderung. Wer verändern will, muss beständig streiten.

Mabele und Agostinho Nginga wohnen nicht in einem der Elendsviertel. Sie wohnen in einem ansehnlichen Haus in einem Stadtteil, wo es kleine, gepflegte Gärten gibt, wo Obstbäume wachsen, wo Blumen und Kakteen wuchern und wo Kohlpflanzen aus der fruchtbaren Erde sprießen. So bescheiden die Menschen hier auch leben, um sie braucht man kaum Sorge zu haben.

Toni erinnert sich noch genau: Während des Besuches bei Luciano standen Agosthino und Mabele plötzlich hinter der niedrigen Mauer, die Lucianos Grundstück von dem der Ngingas trennt. Mit Abstand betrachtet ist es möglich, Luciano hatte dieses Zusammentreffen für seine Nachbarn arrangiert. In Mabeles hübschem Garten stand ein ähnlicher «Wunderbaum», wie Luciano einen opfern wollte, sobald Piets und Tonis Heimreisetermin endgültig feststehen würde.

»Die Ausfuhr von Pflanzen ist verboten«, sagte Piet.

»Keine Sorge«, meinte Luciano und verbarg eine diebische Freude hinter den kleinen, faltigen Augen: »Schnittblumen sind erlaubt.«

Er zählte das geschnittene Holz der Yucca-Palme einfach dazu, und man hatte den Anschein, er mache das nicht zum ersten Mal. Die Yucca, das wusste Toni, ist ein rechtes Wunderholz. Wenn man die Stammstücke einige Zeit ins Wasserglas stellte, grünte es unter der Rinde hervor und ein afrikanisches Wunder entfaltete seine lange verborgene Pracht.

Ein warmer Wind ging und Lucianos Nachbarn schauten schweigend herüber. Bei einer kleinen Böe schob Mabele ein Büschel ihres faden Kraushaares aus der Stirn und rief herüber:

»In Deutschland ist der Wind kälter.«

»Oh ja«, rief Piet zurück. »Waren Sie schon einmal da?«

»Mein Sohn Amadou arbeitet dort. Es ist ein gutes Land, reich und friedlich.«

Piet trat näher an die Mauer und reichte den beiden die Hand. Toni beobachtete erst die Gesichter, die Piets Mund folgten, trotzdem sie ihre Körper demütig nach vorn beugten. Dann trat auch sie an die flache Mauer: »Gott sei Dank ist es friedlich. Wo genau ist Ihr Sohn?«

Mabele wollte etwas erwidern, doch sie bekam nicht eines von den vielen Worten heraus, die zu sagen wären. Auf ihrer Stirn perlten kleine glitzernde Tropfen und Agostinho kippte seinen Kopf in Richtung Haus.

Mabele rannte los. Ihr feister Hintern wippte schwer, ihre rissigen Füße verloren die ausgetretenen Pantoffeln. Am Haus auf einem dicken Brett saß eine Greisin, starr, nach vorn gekrümmt, auf einen Stock gestützt. Sie sagte nichts, schaute nicht einmal auf, als Mabele ihr eilig das schützende Tuch auf das schüttere Haar legte.

Piet redete mit Agostinho derweil über die angolanische Erde, die viel fruchtbarer sei als die europäische. Er sprach das Portugiesisch gut, es war sein Handwerkszeug; damit verdiente er hier sein Geld. Dennoch holperten die Worte heute ein wenig, wie oft bei Vokabeln, die er nicht täglich brauchte. Wenn er zu Hause etwas vermissen werde, sagte er lächelnd zu Agostinho, dann sei es das Klima und die Vegetation. Beides würde er, wenn er könne, gerne mitnehmen. Agostinho lachte bei jedem Wort, das Piet sich mühte, korrekt herauszubekommen. Agostinho war ein anderer Typ als Mabele, kein rein negrider Typ, eher eine Mischung aus Portugiese und Afrikaner, wie viele, die in dieser Gegend wohnten. Die Völker hatten sich gemischt — in friedlicher Absicht. Der schmale Rücken seiner Nase verriet es. Sein krauses Haar leuchtete hell, es war nicht zu unterscheiden, ob es bereits ergraut oder ob es schon immer heller war als das seiner Frau. Wahrscheinlich aber war es ergraut, links und rechts zeichneten sich Geheimratsecken ab. Nur die dunkle Haut, die zwar ein wenig aschfarbener war als man es kannte, kennzeichnete Agostinho als einen von hier.

Keuchend kam Mabele mit einem winzigen, abgegriffenen Zettel zurück. Sie zitterte, während sie die Hand nach Piet und Toni ausstreckte.

Die steil nach links gerichtete Handschrift sah krakelig aus. Man spürte das Unbehagen des Schreibers, diese fremden Worte zu Papier bringen zu müssen.

Der Name des ersten Präsidenten in der Postanschrift war mit Abstand betrachtet nichts als lächerlich. Zu Hause waren sie es gewöhnt, aber diesen Menschen hier musste die Stadt, in der ihr Sohn jetzt lebte, unheimlich vorkommen. Unheimlich lang im Namen, unheimlich weit entfernt, unheimlich kalt im Winter. Unheimlich.

»Wir kennen die Stadt sehr gut.« Toni schielte auf Piet. »Seine Mutter und sein Bruder wohnen dort. Es ist eine Kreisstadt, direkt an der polnischen Grenze.«

»Ja, ja, Grenze, davon hat Amadou geschrieben.«

Vor lauter Erregung färbte sich Mabeles Gesicht und man konnte es getrost als ein Zeichen großer Erwartung werten. Welche Erwartung, darüber machten sich in dieser Minute weder Toni noch Piet Gedanken. Sie sahen nur Erleichterung in dem rundlichen, plötzlich mit unzähligen Schweißperlen übersäten Gesicht.

Tonis Atem zittert. Stoßweise saugt sie die schwülwarme Luft in ihre Lungen. Der Druck tief unter ihrer Haut lässt nicht nach. Diesen Amadou kennt sie nicht persönlich, aber sie kennt sich. Seit diesem Tag glaubt sie ganz fest daran, dem jungen Mann zu helfen, sofern er sie um Hilfe bittet. Piet indes meint, Mabeles Sohn sei klug genug gewesen, dem Krieg zu entkommen. Als Vertragsarbeiter in der DDR habe er eine reale Chance auf ein würdiges Leben. Ein Angolaner ist stolz. Er wird keine Hilfe erbitten.

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