Maxi Hill - Die Würde

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Als der angolanische Vertragsarbeiter Amadou in den Vor-Wendejahren auf Betty trifft, begehrt er sie aus reinem Heimweh, weil sie seiner Schwester Nsamba ähnelt. Für Betty, die Altenpflegerin, ist Amadou nur eine der willkommenen Abwechslungen zu ihrem freudlosen Job. Im Widerstreit der Kulturen trennen sich ihre Wege, bis Betty schwanger wird, und nicht weiß, von wem… Zu allem Übel hat Betty auch noch ein Problem mit der Heimbewohnerin Irma, deren Kinder gerade aus Angola zurückgekehrt sind, mit dem Versprechen an die Eltern, deren Sohn Amadou in der DDR zu unterstützen. Bald wird Piet und Toni Hein klar, dass mit Irmas wie mit Amadous Würde sträflich umgegangen wird.
In der Wendezeit treten erstmals auf ostdeutschem Boden Kräfte in Erscheinung, die Amadous Schicksal fatal besiegeln, aber auch solche, die Irma verzweifeln lassen …Zum Glück gibt es auch mutige Menschen, wie den Journalisten Volker Brandt, die etwas bewirken können…

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Wieder einmal hat er das Gefühl, von etwas Wichtigem ausgeschlossen zu sein, abgeschnitten, ausgegrenzt. Kälte überzieht seine Haut. Immer tiefer gräbt er sich in die Jacke, doch so verkrampft beginnt er noch mehr zu frieren.

Hier herrscht nicht nur ein eisiges Klima, hier herrscht das Gegenteil von allem, was er erwartet hat: das Gegenteil von Überfluss, von Reichtum und Freundschaft. Ja, auch Freundschaften hatte er erwartet, doch die jungen Leute sind skeptisch und die alten begaffen ihn wie ein Tier aus dem Zoo. Wenn er je mit den Menschen von hier zusammen gewesen war, so hatten sie ihn entweder wie ein Kind behandelt oder wie einen Aussätzigen.

Das mit den Menschen ist eine komplizierte Geschichte. Wie macht man das? Wie kommt man mit denen zusammen? Wie oft hat er schon mit Eduardo darüber gesprochen. Unzählige Male.

Seit dieser Minute bewegt ihn nur noch ein Gedanke und der macht ihn verrückt: Er muss diese fremde Nsamba treffen, muss mit ihr reden. Einmal wenigstens. Der wehende Rock und der wippende Haarschopf waren so rasch, wie sie aufgetaucht waren, wieder in der Menge der heimwärts Hastenden verschwunden. Allein, wie so oft, steht er da, verloren, und er denkt nach, wie er immer nachdenkt, ohne zu einem Schluss zu kommen.

Er war ausgezogen in die Fremde, um ein besseres Leben zu führen, ohne Krieg, ohne das ganze Elend um ihn herum. Hier herrscht ein anderes Elend, das Elend der Fremdheit, des Ausgeschlossenseins. Darüber helfen auch seine Freunde nicht hinweg. Einmal Mama Mabeles liebenden Blick, einmal an Vater Agostinhos Schulter anlehnen können, einmal Nsamba streicheln. Ach Nsamba!

Amadou bläst heißen Atem von sich. Diese hier wird nicht anders sein, als alle hier, denkt er, weil die alten Bilder in seinem Kopf drängen, die ihn kränken.

Eines Tages, er hatte sich Fisch und Pommes Frites an einer Imbissbude bestellt, da raunte jemand, er habe wohl keine Kinderstube genossen, nur weil er seine blitzsauberen Finger zum Essen benutzte. Wie war es doch schön zu Hause, wenn der Fisch über dem Feuer im Hof brutzelte und der Reis im Kessel brodelte. Und dann — alle aßen sie gemeinsam mit bloßen Händen aus einem Kessel, nahmen sich Fisch vom selben Grill. Nicht, dass sie keinen Hausstand hätten wie die Leute in den musseques, den Elendsvierteln . Es war das Ritual, ihr Ritual, das ihm umso wertvoller erscheint, je länger er diesem entsagen muss.

Der hell erleuchtete Bus kommt. Er setzt sich in eine freie Reihe, allein, wie er es inzwischen gelernt hat. Keiner soll seinetwegen aufstehen und einen anderen Platz einnehmen. Im Gegenlicht sieht er sein Spiegelbild und all die anderen Gesichter der Fahrgäste verschwimmen im kleinen Schmerz des Heimwehs. Er sieht Mutter Mabele, Vater Agostinho, Schwester Nsamba, Bruder Maka und die Zwillinge Ngunza und Nzua. Nur die kleine Avò sieht er nicht — kein Gesicht spiegelt diese gütige Greisin. Trotzdem. Er lacht allen zu, seine weißen Zähne blitzen aus der langsam einsetzenden Dämmerung zurück.

Warum dauert die Dämmerung hier so lange? Warum ist es so kalt? Warum hat man uns hierher geholt? Warum hat man gesagt, man kann hier viel lernen? Warum hat der Schöpfer Schwarze und Weiße geschaffen? Warum versteht er die Bücher noch so wenig?

Er will sie lesen, um alles zu wissen, was man von den Menschen wissen muss. Wenn man sie gelesen hat, versteht man die Menschwerdung, hatte Günther gesagt. Günther ist einer, der sich nicht zu schade ist, am Tisch der Schwarzen in der Kantine zu essen. Als sie einmal über die Rassen sprachen, hatte er sogar abgewinkt und gesagt:

»Vergiss es. Alle Menschen gehören derselben Art an, dem Jetztmenschen, dem Homo sapiens sapiens . Kein Gott, nein, der Mensch zergliedert den Menschen in edle und weniger edle Rassen. Der Mensch verantwortet den Rassenwahn und er schürt ihn des Erhebens wegen.«

Die verschiedenen Rassen interessieren Amadou nicht so brennend wie jene Dinge, die bei den Rassen gleich sind. Wörter wie Gene, Zellen, Chromosomen schwirren durch seinen Kopf. Er weiß, es hat etwas mit menschlichem Erbgut zu tun, doch es bleiben Menschen, trotz ungleicher Gene. Viel weiß er noch nicht, er ist neugierig und will es lernen. Das konnte er zu Hause nicht, dort fehlten ihm diese Bücher. Wenn er es genau bedenkt, ist das mit den Büchern ein phantastisches Ding. In jedem Dorf, so sagt Günther, gibt es eine kleine Bibliothek, wo die Menschen Bücher ausleihen können, kostenlos. Er muss die Zeit nutzen, er will schließlich klug und reich nach Hause zurück kommen.

»Ich komme zurück und ich komme als Amadou Rico«, murmelt sein weicher Mund in der Sprache seiner Väter. Ein Kind dreht sich nach ihm um, staunt, nimmt rasch den Kopf zurück in Fahrtrichtung, um immer wieder nach hinten zu schielen, heimlich. Ängstlich?

Er betrachtet sein eigenes Gesicht im Widerschein der dunklen Scheibe. Alles in Ordnung. Er betrachtet seine Hände, die schwer arbeiten müssen, schwerer als man es ihm versprochen hatte. Drei Schichten im Wechsel. Wenn er dieser Nsamba gegenübertreten will, müssen die Hände gepflegt sein. Nicht eckig und nicht dreckig dürfen die Nägel sein, wenn man einer so hellen Frau die Hand reicht. Seine Nägel sind nicht gepflegt, noch nicht — oder nicht mehr.

Langsam entsteht ein Plan in seinem Kopf, wie er es anstellen will, doch etwas widerstrebt ihm. Oscare. Oscare würde wissen, wo man diese Frau aufspüren kann. Doch dieser Oscare mag Amadou nicht, und Amadou mag Oscare nicht. Warum? Was geht es jemand an!

Angola – Monate zuvor

Die Luft ist noch kühl, der Tag noch jung. Nach dem Wetter braucht sie nicht zu schauen, es wird werden wie immer zu dieser Zeit auf diesem Kontinent, warm und trocken. Toni Hein geht prüfend durch die Wohnung in diesem Haus, wo die meisten deutschen Entwicklungshelfer wohnen. Ihre Augen sind klar, beinahe zufrieden. Der kleine Hausrat liegt ausgebreitet vor ihr, nützliche Dinge, die sie in den letzten Jahren Stück für Stück von zu Hause mitgebracht hatte, weil sie in diesem Land nicht zu beschaffen waren. Bald braucht sie all das nicht mehr. Bald wird es guten Freunden hilfreich sein, jenen Angolanern, die diesem misslichen Leben nicht einfach adieu sagen können, wie sie es jetzt kann. Die meisten Angolaner bleiben ihrer Heimat treu, trotzen dem Krieg und warten, bis der Brudermord in den unsäglichen Verirrungen dieses fremd gesteuerten Krieges endlich aufhört.

Weil Piet hier ist, ist auch sie hier; und weil es hier einen Beitrag zu leisten gilt, die Menschenwürde weltweit erhalten zu helfen. Die große Chance der Menschheit auf Einigkeit, auf Gleichheit, auf Brüderlichkeit, woran die Leute hier glauben, das war etwas, woran auch sie glaubte, wie die Christen an ihren Gott glauben. Erst hier wichen ihre Augen ab von der glühenden Hoffnung auf eine gerechtere Welt, um der grauen Wahrheit ins Auge zu blicken. Die Welt ist nicht gerecht, solange sich einer über den anderen erhebt, solange die Wahrung der Würde des Einzelnen von dessen Besitz, von dessen Hautfarbe, von dessen Religion abhängt, solange der Wohlstand des einen aus dem Elend des anderen entspringt.

Ein flaues Gefühl überkommt sie, wenn sie an die Heimreise denkt. Nicht, dass sie ihr schwer fällt, nicht dass sie ins Ungewisse reist.

Ihre Sicherheit ist nirgendwo so sicher wie in der Heimat, sagt Piet sehr gern. Natürlich gibt sie ihm Recht, vor allem, wenn donnernde Salven der schießwütigen Möchtegern-Krieger die Luft erzittern lassen.

Aber Tonis Vertrauen in die Heimat ist verletzt. Wogegen wird sie das aufwiegen können?

»Was nutzt all der Glauben an eine gerechte Welt, wenn die Menschheit die Würde der Menschen nicht achtet?«

Sie stemmt ihre Arme in die Hüften und atmet tief durch. Klar war sie bereit gewesen, dieses Opfer zu bringen. Klar wurde sie enttäuscht. Klar war sie einmal stolz darauf, auf der ehrbaren Seite zu stehen. Warum wurde ihre Einsicht so enttäuscht. Warum schnappen ausgerechnet hier im ärmsten Winkel der Welt listige Devisenbeschaffer nach deutschen Wohlstandsikonen?

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