1 ...7 8 9 11 12 13 ...24 Kaviar. Wir haben sie noch nicht ganz fertig. Herr Schlechter will sie noch dekorieren. Dann haben Sie ja das Meiste schon mal dort. Dann
kommen Sie schnell nochmal her und um 14:00 Uhr haben Sie dann alles dort.
Das klappt schon.“
Also husch husch husch packe ich alles in das Auto. Zack bumm. Alles tue ich in Windeseile in den Lieferwagen und fahre los, so schnell ich nur
kann. Es ist bereits 13:40 Uhr. Aber trotzdem muss ich mit angemessener
Geschwindigkeit fahren. Nicht dass hinten im Auto auch noch was wegrutscht und durcheinander fliegt. Eigentlich will ich Vollgas geben.
Aber erstens bin ich auf dem Betriebsgelände an eine vorgeschriebene
Geschwindigkeit gebunden und zweitens habe ich ja doch den Inhalt meines Wagens vor meinem geistigen inneren Auge. Also, ich will rennen
wie ein Auto-Rennfahrer, muss aber mit einem sonderbaren Gefühl im
Nacken gleichzeitig auch immer etwas abbremsen.
Dann kommt mir in der Tat gerade ein großer LKW entgegen. Ich muss stehen bleiben und ihn erst vorbeilassen. Dann komme ich am Gebäude
der Wirtschaftsleute an. Die Tür steht schon offen.
Ich mache auch gleich hinten die Wagentüren auf, stelle den Service- Wagen raus und gehe dann in das Wirtschaftsgebäude hinein.
Da kommt Frau Mondena in einem wiesen-grünen Kostüm und mit
Stöckelschuhen wie eine total hysterische Furie über eine Wendeltreppe herunter stampfend gepoltert als ob gleich die Welt untergeht.
Sie schreit mich an als ob wir beim Militär wären: „Wo bleiben Sie denn?
Wo bleiben Sie denn so lange? Sind Sie denn ganz und gar verrückt? Was bilden Sie sich überhaupt ein? Mit Ihnen hat man doch wirklich nur
Ärger. Ich verstehe nicht, wie Sie hier arbeiten können. Wir sind ein wichtiges Unternehmen. Gerade habe ich angerufen und gefragt wo Sie
sind.“
Dann schreit sie plötzlich nicht mehr, sondern brüllt mich mit vollster
Lautstärke an, als wäre sie Hitler: „Da hat mir Frau Bereit gesagt, dass Sie die Lachsbrötchen und die Russischen Eier mit dem Kaviar vergessen
haben!!!!!! Jetzt müssen Sie nochmal zurückfahren und sie schnell holen!!!!!! Wie wollen Sie das noch schaffen? Die Herren sind gleich da.
Los!!!!!! Es muss alles da die Treppe hinauf. Stellen Sie die Tabletts auf den Tisch und die Getränke auf den Boden!!!!!! Ich stell dann alles auf
den Tisch. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich das noch schaffen soll! Jetzt habe ich wegen Ihnen auch noch so einen Stress!!!! Die Herren sind
gleich da. Hauen Sie ab!!!! Ich kann Sie nicht mehr sehen!“
Beinahe hätte ich gesagt, dass sie in der Küche die Lachsbrötchen und die Russischen Eier mit dem Kaviar noch gar nicht fertig hatten als ich
los fuhr. Und dass ich sie auch überhaupt nicht mehr sehen kann, weil
sie ein Riesenrindvieh ist. Dann habe ich es mir aber gerade noch recht- zeitig verkniffen, weil ich meine Arbeitsstelle nicht auf einen Schlag
verlieren wollte. Und weil ich mich innerlich fragte, was dieser ganze
Zinnober mit diesen lackierten Affen überhaupt soll.
Hingegen gab ich mein Bestes und machte diesen ganzen Stress mit, so gut ich nur konnte. Ich fuhr also so schnell wie möglich zurück und
wollte wie im Flug die Lachsbrötchen und die Russischen Eier mit dem
Kaviar unbedingt noch vor 14:00 Uhr auch dort haben wo sie ja schon längst hin sollten. Das sah ich ja alles ein.
Doch als ich bei der Kantinenküche eintraf, sagte Frau Bereit sofort zu
mir: „Das ist heute eine richtige Katastrophe mit Ihnen. Gerade hat Frau
Mondena schon wieder angerufen und sich über Sie beschwert. Sie sagte, dass Sie es auch an die Chefabteilung weitergeben will. Das ist sehr
schlecht für uns, weil wir, die Kantine hier, ein eigenes Subunternehmen
sind. Wir können uns einen solchen Ärger einfach nicht leisten. Fahren
Sie jetzt schnell mit den Lachsbrötchen und den Russischen Eiern mit dem Kaviar hin und seien Sie so freundlich wie möglich zu ihr!!
Schmieren Sie ihr Seife um den Bart!“
Da dachte ich mir nur noch „Um Gottes willen. Was ist das für eine blöde, falsche, verlogene, bescheuerte Kuh, diese Frau Bereit mit ihren
Hasenzähnen und mit ihrer Periode.“ Ich fühlte nur noch Ekel und
Abscheu. Sagen konnte ich dann in diesem Augenblick nichts mehr. Ich hätte einen Streit mit ihr anfangen können, doch war ich mir dann
schließlich in diesem Moment dafür auch zu schade. So habe ich sie aus
Hilflosigkeit und Verzweiflung heraus nicht einmal zur Rede gestellt. Ich hatte einfach Angst um meinen Arbeitsplatz.
Ich nahm die Tabletts mit den Lachsbrötchen und mit den Russischen
Eiern mit dem Kaviar und brachte sie hin. Eile konnte ich nach diesem
Schock nicht mehr so richtig erbringen.
Irgendwie war mir alles egal. Als ich beim Gebäude der Wirtschaftsabtei- lung ankam, waren die wichtigen Herren schon alle oben und hielten
bereits die vollen Sektgläser in den Händen.
Als ich mit den dekorierten, silberfarbenen Tabletts mit den Lachsbröt- chen und den Russischen Eiern mit dem Kaviar die Treppe hinaufkam,
schauten mich die Herren staunend lächelnd, begrüßend und freundlich
an: „Ach, da kommt ja noch was Gutes. Das ist nochmal eine schöne
Überraschung. Was bringen Sie uns denn da noch Schönes? Sie haben aber leckere Sachen.“ sagte einer.
„Ja, das richtig Gute kommt erst jetzt. Lachsbrötchen und Russische Eier
mit Kaviar. Den Sekt hat Ihnen ja freundlicherweise Frau Mondena schon eingeschenkt.“ sagte ich.
Die alte Giftspritze hat dann ganz schaas-freundlich getan und mich vor den Herren auch sogar angelächelt. „Dankeschön. Danke. Vielen Dank.“
bekam ich dann noch zu hören und verabschiedete mich winkend und lächelnd bei den Herren.
„Auf Wiedersehen.“ sagte ich und ging die Treppe wieder runter. Ganz langsam fuhr ich dann zur Kantine zurück, damit ich ja nicht zu früh
dort ankam, denn ich wollte heute eigentlich mit diesen Vogelscheuchen gar nichts mehr zu tun haben. Froh war ich an diesem Tag als der Feier-
abend kam.
Auf dem Nachhauseweg habe ich in der S-Bahn überlegt, warum so eine bayrische Mist-Gurke Mondena heißt und dachte, dass sie wohl mit
einem Italiener oder Spanier verheiratet sein wird, oder dass sie den
Namen schon von früher her so hat. Mir tut dieser Italiener oder Spani- er, der mit so einer Deutschen verheiratet ist, jedenfalls sehr leid, weil
was hat er denn da für eine hysterische Furie, für eine ´tedesca furiosa` in seinem Bett, die wegen ein paar Lachsbrötchen und ein paar Russischen
Eiern mit Kaviar so ein Affen-Theater macht und sich für Hitler hält.
Na ja, aber in den nächsten Tagen war in der Kantine die Luft sehr dick. Die Frau Bereit wusste nicht mehr so recht, wie sie sich mir gegenüber noch verhalten soll. Und bald darauf traf mich dort schon das nächste Unglück. Ein Kaffeeautomat funktionierte überhaupt nicht mehr. Ich hatte alles mit ihm versucht aber er wollte einfach nicht mehr. Also musste ich zur Frau Bereit gehen und es ihr sagen, dass dieser Kaffeeau- tomat nicht mehr ging. Dann ging sie theoretisch mit mir sämtliche Möglichkeiten durch, die in Frage kommen könnten, warum der Kaffee- automat nicht mehr anspringen wollte. Jedoch keine einzige war zutref- fend. Ich hatte alles mit ihm versucht, aber er ging nicht mehr. Dann sagte die Frau Bereit, dass sie selber zu dem Gebäude geht und sich diesen Kaffeeautomaten ansieht.
Als sie dann zurückkam, ging sie auf mich zu mit ihren Hasenzähnen, so als wolle sie mich nun für komplett blöd hinstellen. Ihre ganze Körper- haltung war arrogant bis dort hinaus und in ebensolchem Ton sagte sie:
„Der Automat läuft jetzt wieder. Da ist ein Hebel drinnen, der immer umgeschaltet sein muss. Ich weiß auch nicht, wer den ausgeschaltet hat.
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