Helmut Lauschke - Der Arzt Björn Baródin

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Vom Werdegang und der Persönlichkeit eines Arztes in seiner vielseitigen Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Seele und äußerer Wirklichkeit. Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Auf die Zunahme der Streepsychosen hat die Psychiatrie im besonderen Maße einzugehen.

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Der Professor hatte bei seiner Beschreibung die Hand aus der Kitteltasche gezogen und zog mit beiden Händen in der Luft einen großen Kreis von der Spannweite seiner Arme, wobei er mit den erhobenen Armen vor der ersten Sitzreihe entlang schritt. Mit diesem Luftkreis machte er das Ausmaß der Verlorenheit deutlich, weil da substantiell nur die Leere war, die da zu greifen war und von den verzehrten Spätheimkehrern schmerzhaft begriffen wurde. Der Professor blieb nun mit den horizontalen Nachdenkfalten auf seiner Stirn am rechten Ende vor der untersten Sitzreihe stehen. “Herr Freytag”, sprach er den dort sitzenden, schon älteren Studenten an, “können Sie zum Phänomen der Verlorenheit, das ja ein Phänomen der tiefsten menschlichen Erschütterung ist, etwas sagen. Ich meine, gibt es nicht schon Beispiele in der Literatur, wo dieses Phänomen in der ergreifendsten Weise dargestellt wird?” Der Student Freytag sah den Professor eher unbeholfen als mitteilsam an. Da versuchte der Professor ihn aus der Klemme des Irritiertseins oder der literarischen Unkenntnis herauszuhelfen. Auch als er dem Studenten eine Brücke zurück zur Schule baute, indem er sagte, er solle sich an die Deutschlektüre in der Oberstufe des Gymnasiums erinnern, fiel dem Studenten Freytag die doch erschütternde Lektüre von Borcherts “Draußen vor der Tür” nicht ein.

Dieses Nichteinfallen des bedeutenden frühen deutschen Nachkriegswerkes erschütterte den Professor, der die rechte Seite der Sitzreihe verließ, fast im Eiltempo zur linken Seite herüber schritt und, als wollte er sich selbst über die elementare, studentische Unkenntnis hinwegtrösten, sich vor die Studentin Handke stellte und zum Studenten, der in der zweiten Reihe hinter und über ihr saß, sagte: “Aber Sie, Herr Kenther, Sie haben das großartige Werk doch schon auf dem Gymnasium gelesen.” Als der Student Kenther den Kopf nickte und ein leises “Ja” hinterher schickte, war der Professor zufrieden, entspannte seine Stirn und sagte mit fester Stimme: “Wer kennt das großartige Werk mit seiner unerhörten menschlichen Tragik nicht!” Sichtlich erleichtert blieb der Professor nun weniger als einen Meter vor der Studentin Handke stehen und schaute nun dem Studenten Kenther erwartungsvoll ins Gesicht. Dabei schauten ihn die Augen des Professors so erwartungsvoll an, wie sie vorher die Studentin Handke angeschaut hatten. “Herr Kenther, können Sie noch ein Beispiel aus der Literatur nennen, wo auf das Phänomen der Verlorenheit in erschütternder Weise eingegangen wird?” Der Student Kenther nannte Solschenizyns “Archipel Gulag”, und der Professor nickte zustimmend.

“Es war in der Tat so”, fuhr der Professor fort, “dass viele Spätheimkehrer gebrochen vor den Türen ihrer Frauen und Familien sowie jener Frauen standen, die ihnen die Ehe und das Warten auf ihre Rückkehr versprochen hatten. Nun standen diese Männer vor den Türen und warteten, dass ihnen die Türen geöffnet wurden. Wenn ihnen der Einlass in die Wohnung nach den vielen Jahren der sibirischen Fremde gewährt wurde, kannten sich viele dieser Männer wie der Frauen nicht mehr aus. Sie sahen sich erstaunt und fremd geworden in die Gesichter. Das nicht nur, weil die Gesichter der Männer und der Frauen, ob sie miteinander verheiratet oder verlobt waren, älter geworden und die Gesichter der Heimkehrer ausgemergelt, verzehrt oder verwundet waren, sondern weil in den Jahren der Trennung grundlegende Veränderungen stattgefunden hatten, die zum großen Teil nicht mehr umkehrbarbar, also irreversibel waren. Das war der Fall, wenn die Frauen, die nicht immer ihre Männer an den Fronten des fürchterlichen Krieges für vermisst, verloren oder tot geglaubt hatten, mit anderen Männern zusammenlebten, zum Teil mit den jüngeren Männern eine erste oder zweite Ehe eingegangen waren, von denen sie dann auch Kinder in die Welt gebracht hatten. So erkannten viele Männer ihre Frauen und viele Frauen ihre heimgekehrten Männer in der erschreckenden und abstoßenden Magerkeit mit den ernst gewordenen, verzehrten Gesichtern und den traurig und verloren blickenden Augen nicht wieder. Das Nichtwiedererkennen ging bei vielen Frauen in das Nicht-mehr-Anerkennen über, so dass für viele Spätheimkehrer das erste Türerlebnis in der Heimat zum tragisch-fürchterlichen Schlüsselerlebnis der frühen Nachkriegsjahre wurde. Wenn es auch Versuche der Verständigung und seelisch-körperlichen Annäherung gab, sie scheiterten in vielen Fällen, weil eben aus dem Nichtwiedererkennen das Nicht-mehr-Anerkennen geworden war, wo das Fremdgewordene sich in eine Fremdartigkeit gesteigert hatte, wo zwischen Mann und Frau, schließlich quer durch die Familien der Riss ging, der sich nicht schließen ließ, dass jeder Versuch einer Annäherung auf Widerstand stieß, und das mehr bei den Frauen als bei den heimgekehrten Männern. Es gab kein Zurecht- und kein Zusammenfinden mehr. Das hatten Krieg, Gefangenschaft und die Jahre der Zwangsarbeit in einem der sibirischen Arbeitslager geraubt, zerstört, endgültig zunichte gemacht.

So wurde für viele Spätheimkehrer das Klopfen und Klingeln an der Tür der Heimat, weil sie an die Heimat geglaubt hatten, zum endgültigen Absturz in den dunklen Abgrund der totalen Verlorenheit, die meist irreversibel war und zu schwersten Depressionen und Wahnpsychosen führte oder Anlass zur Selbsttötung nach Verlassen der “fremden” Tür gab, die für sie verschlossen blieb, ob physisch oder seelisch. Da gibt es unter meinen Patienten die erschütternsten Erlebnisse, die im Erlebten, weil es eben in der Tragweite und Tragfähigkeit individuell unterschiedlich erlebt wurde, sich voneinander unterscheiden, im Ergebnis jedoch in die tiefe Absturztragik in den Schlund der totalen Verlorenheit einmünden. Meine Damen und Herren, das tragisch-traurige Erlebnis der Spätheimkehrer vor der verschlossenen Tür, es kann nicht deutlich genug gesagt werden, war wie ein enormer Hammerschlag auf den Kopf, der die Bedeutung der Endgültigkeit hatte, von dem sich viele, die da geklopft und geklingelt hatten, nicht mehr erholten, weil sie das Erlebnis des Geschlossenseins oder der Verschlossenheit, des Fremdgewordenseins, was sie nicht erwartet hatten, mit ihrem Leben nach dem, was sie unter der härtesten Entsagung bereits erlitten hatten, nicht mehr ertragen konnten.”

Bei dieser eindrucksvollen Passage mit ihren tiefreichenden seelischen Dimensionen schritt Professor Kretschmar vor der ersten Sitzreihe hin und her und zeichnete mit den Armen weiter seine großen Luftkreise, in denen nichts weiter als die Leere war, um das Ausmaß der Verlorenheit mit dem großen Schlund zu umkreisen, der für den Verstand, der nach dem sichtbar Messbaren zu greifen versucht, sichtbar nicht zu begreifen war. Der Professor mit den horizontalen Nachdenkfalten auf der Stirn setzte sich auf seinen Stuhl zurück. Von dort schaute er in den überfüllten Hörsaal hoch und setzte die Vorlesung mit der analytischen Nachbetrachtung zu den Ausführungen des von der Hirnsyphilis befallenen Patienten und Schriftstellers zu seinem Romankonzept fort.

“Die Spätheimkehrer, sie allein können schon ein großes Romanwerk füllen, wurden von unserem Schriftsteller als erste in seinem Konzept für den Gesellschaftsroman erwähnt. Welche Menschen hat er noch genannt, die er für wichtig erachtet, dass sie in seinem Roman erscheinen?” Nun rief er den Namen eines Studenten, der in der obersten, der letzten Reihe saß. “Herr Kleinert, welche Menschen hatte unser Schriftsteller noch in sein Konzept aufgenommen?” “Herr Professor”, rief Student Kleinert von oben runter, “es waren die Berufsversager, denen der Schriftsteller das Adjektiv ‘erfolglos’ voransetzte.” Der Professor: “Glauben Sie, dass das Vorsetzen des Adjektivs unnötig ist?” Student Kleinert: “Ich meine schon, denn zum Wesen des Berufsversagers gehört, dass er im Beruf erfolglos ist.” Der Professor: “Das mag auf den ersten Blick so sein. Auf den zweiten Blick, ich meine beim genaueren Hinsehen kann es jedoch anders sein. Da kann es sein, dass es sich beruflich um einen sehr erfolgreichen Menschen handelt, gegen den aus Gründen der Missgunst und des Neides ein Netz der Intrige gesponnen und ausgelegt wird, in dem sich der Beneidete verfängt und so ein Opfer der Intrige wird, weil er mit der Bosheit der hinterhältigen Fallen aufgrund eines arglosen Charakters nicht rechnet, die ihm andere, es handelt sich da meist um opportunistische Speichellecker ohne innovative Eigenleistung gestellt haben. So kann aus einem Menschen, der im Beruf durch überdurchschnittliche Intelligenz und großen Fleiß überaus erfolgreich ist, auch ein “erfolgloser” Berufsversager gemacht werden, wenn beim Letzteren zur hohen kreativen Intelligenz, die zu den erstaunlichen innovativen Erkenntnissen führten, noch ein gerader unverbildeter Charakter dazukommt. Würden Sie dieser Interpretation eines erfolglosen Berufsversagers zustimmen?” Student Kleinert: “Soweit wollte ich beim Berufsversager zunächst nicht gehen, weil es Versager gibt, die weniger durch Intelligenz und Fleiß als mehr durch große Sprüche und latente Faulheit auffallen, was nach meiner Einschätzung für die Mehrzahl der Versager zuftrifft.”

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