Helmut Lauschke - Der Arzt Björn Baródin
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Auch der Professor war ergriffen und dankte dem Patienten für den großartigen Vortrag. Dann erwähnte er den großen Komponisten Franz Schubert, der sich mit jungen Jahren in einem Wiener “Freudenhaus” die Syphilis akquiriert hatte und unter der zu jener Zeit gängigen Quecksilberbehandlung einen Glatzkopf durch den vollständigen Haarausfall zugezogen hatte. Der junge Schubert hatte sehr unter der Erkrankung und den Begleiterscheinungen der Syphilisbehandlung gelitten. Er hatte sich von der Gesellschaft zurückgezogen und lebte völlig vereinsamt. Dennoch hatte er bis zu seinem Tod, der ihn mit 31 Jahren griff, über 900 Werke geschaffen, von denen er selbst die meisten seiner großen Orchesterwerke nicht mehr gehört hatte.
Anders war die Exploration mit dem Schriftsteller. Hier ging es mehr durcheinander im Sinne von Dichtung und Wahrheit. Auch dieser 45-jährige Patient war Junggeselle, der allerdings mehrere Liebschaften hinter sich hatte. Wann und wo er sich die Syphilis “aufgelesen” hatte, das konnte er nicht sagen. Als Verdacht führte er eine frühere Liebschaft an. Es handelte sich um eine junge Frau, deren Alter er nicht sicher angeben konnte, mit der er einige Monate zusammengelebt, sich wegen finanzieller Probleme dann getrennt hatte, weil ihm das Geld fehlte, das er überwiegend mit kleinen Artikeln in einer lokalen Zeitung verdiente, um so sein Leben in einer engen Mansarde zu führen. Diese Frau, die er als Serviererin in einer Nachtbar kennengelernt hatte, war der regelmäßigen Arbeit nicht zugetan. Sie hatte dann auch ihre Stelle verloren, wobei als Grund für die Entlassung ihr unfreundliches Verhalten gegenüber zwei Kunden angeführt wurde, die nach Beendigung ihrer Arbeit gegen drei Uhr nachts sie von der Bar abholen wollten, um mit ihr zu schlafen. Das hatte sie abgelehnt, worauf sich die beiden Kunden beim Barbesitzer über ihr ablehnendes Verhalten beschwert hätten. So war sie ohne Arbeit und ohne Einkommen, was er als freiberuflicher Schriftsteller mit dem kleinen Einkommen, das eine Regelmäßigkeit nicht kannte, nicht verkraften konnte. Der Professor fragte ihn, ob er denn Bücher geschrieben habe, von deren Tantiemen er leben könne. Der Patient antwortete auf die existentielle Frage, dass er zwei Bücher, einen Liebesroman und eine Sammlung von Kurzgeschichten, bei denen es sich vorwiegend um Reiseberichte durch Nord- und Südamerika handelt, geschrieben habe. Beide Bücher, denen er viel Zeit und Reisekosten zugestanden habe, hätten es jedoch nicht bis zur ‘Hitliste der Bestseller’ geschafft, so dass er bei der ohnehin geringen Autorenvergütung davon nicht leben könne, eher von diesen Einkünften sterben würde, wenn er sich nicht durch das Artikelschreiben ein Einkommen verschaffte, das ihn am Leben halte.
Mit dem Starrblick als Folge der am Hirn arbeitenden, beziehungsweise “schraubenden” Geißeln und dem traurig sichtbaren Hoffnungschwund fragte der Patient den Professor, wie lange er noch in der Klinik bleiben müsse, da er einen größeren Roman, einen Roman über die Gesellschaft der Bundesrepublik schreiben wolle, dessen Konzept er bereits erstellt habe. Als der Professor den Schriftsteller im Patienten fragte, ob er etwas aus dem Konzept berichten könne, da machte sich die “eingeschraubte” Geißel im fortgeschrittenen Stadium der Hirnsyphilis bemerkbar. Denn das Konzept war im Kurzvortrag des Patienten weder gefestigt noch in sich geschlossen. Es ging mit den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland, in der sich ein beachtlicher Wohlstand in den sechziger Jahren angesammelt hatte, doch recht durcheinander. Die Menschen in seinem Konzept waren jene draußen vor der Tür, die als Spätheimkehrer aus russischer Gefangenschaft, beziehungsweise jene, die das sibirische Arbeitslager überlebt hatten, die abgemagert und krank zurückkehrten und ihr Zuhause nicht mehr wiedererkannten, weil ihre Frauen mit anderen Männern zusammenlebten, mitunter mit den anderen Männern verheiratet waren und von ihnen Kinder in die Welt gebracht hatten. Dann waren es die erfolglosen Berufsversager im kapitalistisch aufgezogenen, rigoros-freien Wettbewerb (wer nicht mithält und die Normen nicht schafft, der hat das Nachsehen und verliert seinen “Job”). Dann sprach der Schriftsteller von den in Berlin-West demonstrierenden Studenten und dem Studentenführer Rudi Dutschke gegen den Besuch des persischen Schahs Pahlevi und schließlich von der “Kaste” der über den Schreibtischen thronenden und pensionsberechtigten Beamten mit der verordneten und gewissenhaft eingehaltenen Gleichgültigkeit, ihrem schleichenden Drang nach der gehobenen Bequemlichkeit in der beamteten Sicherheit und dem nicht Einhalt zu bietenden Hang zur Faulheit, denen sich zwillingshaft die permanent schwelende Angst vor dem Entscheidungsrisiko hinzugesellte, weil eine Entscheidung, wenn sie aus menschlichen Gründen zu treffen war und über die tägliche Trägheitsroutine hinausging, mit einem Mehreinsatz verbunden war, der mehr Verständnis, mehr Intelligenz und ein Mindestmaß an Mut erfordert. Die Scheu vor dem Letzteren mit der fehlenden Intelligenz war selbst dann noch da, wenn das Risiko im Abwägen zur Nützlichkeit und Hilfe für den Bittsteller sehr klein war, so klein war, dass ein ausgewachsener Mensch mit einem ausgewachsenen Verstand da nicht von einem Risiko sprechen würde, wenn er noch alle Vernunftstassen im Schrank hat.
Der Professor hörte sich die Ausführungen aufmerksam an, ohne den Schriftsteller zu unterbrechen. Als der am Ende seines nicht uninteressanten, wenn auch durcheinander gewürfelten Konzepts angekommen war, ging der Professor auf seine Frage nach der Dauer des Klinikaufenthaltes ein. “Das hängt vom Erfolg der Behandlung ab”, sagte er und blickte dem Patienten ins Gesicht, der nun nervös auf dem Stuhl hin und her rutschte, weil er offensichtlich seine Zweifel hatte, dass mit einem baldigen Erfolg zu rechnen sei. Der Professor merkte seine Zweifel und beruhigte ihn: “Der Erfolg wird sich einstellen, nur müssen Sie sich in Geduld fassen.” Während der ganzen Dauer der Exploration sah der Patient nicht in die gefüllten Bankreihen, die sich nach hinten im Hörsaal erhöhten. Stattdessen hielt er den Blick auf den Professor gerichtet, der aufgrund seiner beruflichen Routine nicht nur den Starrblick des hirnsyphilitischen Patienten mit der Sachkenntnis um das Problem entgegennahm, sondern auf die verständnisvolle und sehr freundliche Weise erwiderte. Mit dieser Feststellung von Behandlungserfolg und Patientengeduld entließ der Professor den “angeschlagenden” Schriftsteller. Ein Krankenpfleger, dem die Berufsjahre im Umgang mit psychiatrischen Patienten die grauen Haare auf dem Kopf beschert hatten, half dem Patienten beim Aufstehen vom Stuhl und führte ihn aus dem Hörsaal, ohne dass der Patient einen Blick auf die Studenten des letzten Semesters im Studium der Medizin nahm.
Nun gab Professor Kretschmar eine analytische Nachbetrachtung zum vom Patienten vorgetragenen Romankonzept über die bundesrepublikanische Nachkriegsgesellschaft der frühen sechziger Jahre. “Was hat der Patient in seinem Konzept festgehalten?”, fragte der Professor, der sich von seinem Stuhl erhoben und vor die unterste Sitzreihe gestellt hatte. Da die Studenten noch schwiegen, veränderte der Professor seine Fragestellung: “Von welchen Menschen soll der Roman handeln? Von welchen Menschen sprach der Schriftsteller bei der Vorstellung seines Romankonzepts?” Der Professor ging mit der linken Hand in der Kitteltasche vor der ersten Sitzreihe entlang, blieb vor der Studentin, die am linken Ende der Sitzreihe saß, stehen und schaute ihr aus einem Kurzabstand von einem Meter erwartungsvoll mit gespannter Geduld ins Gesicht. Die Erwartung war seinen weit geöffneten Augen, die gespannte Geduld seiner hohen, in Horizontalfalten gelegten Stirn abzulesen. Die Studentin schaute den Professor an, worauf er mit dem erlesenen Namensgedächtnis die Studentin mit ihrem Namen ansprach und seine Frage wiederholte: “Fräulein Handke, von welchen Menschen sprach der Schriftsteller bei der Vorstellung seines Romankonzepts?” Die Studentin behielt ihren Blick auf das Gesicht des Professors gerichtet, hielt seinem erwartungsvollen Augenausdruck und seiner stirnig abzulesenden, gespannten Geduld stand. “Da sind die Spätheimkehrer”, setzte die Studentin an, “wobei den Spätheimkehrern aus den sibirischen Arbeitslagern in ihren heruntergekommenen physischen Zuständen und der seelischen Zermürbtheit eine besondere Bedeutung zukommt.” “Das haben Sie richtig erkannt, Fräulein Handke”, bemerkte der Professor und fügte dem Satz hinzu: “Diese Menschen, die spät aus Sibirien zurückkehrten, waren körperlich und seelisch zerbrochen, sie kamen mit schweren körperlichen Schäden zurück, wenn von der allgemeinen Abmagerung abgesehen wird, wie sie bei den meisten Heimkehrern in erschreckender Weise zu beobachten war, die aus russischer Gefangenschaft zurückkehrten. Bei diesen Menschen war auch die Seele im permanenten “Hunger”-Zustand, im Zustand der hoffnungslosen Verworfenheit, einer totalen Verlorenheit. Die seelische Verlorenheit war so total, dass diese Menschen auch die Angst verloren hatten und seelisch stumpf geworden sind. Man konnte sie mit nichts mehr erschüttern. Viele hatten den Glauben ans Leben verloren. Sie konnten es nicht glauben, dass sie aus den sibirischen Arbeitslagern lebend herausgekommen waren. Noch weniger konnten sie glauben, dass sie in der Heimat angekommen waren, deren Boden für sie nach den vielen Jahren der Lagerhaft unsicher, ja fremd geworden war.”
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