Wütend war er aus ihrer Kammer gestürmt. Peer hatte den Lärm gehört und stand im Flur. Im Vorbeigehen nahm Thore seinen Zauber von Linellas Vater und es geschah, was die Bewohner von Trendhoak vorhergesehen hatte. Als Peer entsetzt erkannte, wer da aus der Schlafkammer seiner Tochter gekommen war und er Linella weinen hörte, fasste er sich mit einem Schmerzensschrei an die Brust und brach ohnmächtig zusammen. Zwei Tage später starb er, ohne vorher noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben. So hatte Linella innerhalb kürzester Zeit die beiden Männer verloren, die sie liebte. Ihren Vater und den großen Gott.
Thore war nicht auf direktem Weg in seinen Palast zurückgekehrt. Er hatte sich erst einmal beruhigen müssen. Fraya war bereits misstrauisch geworden. Zu lange und zu intensiv hatte er diesmal in Osiat gewildert. Sein langes Werben um Linella war auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Er hatte sie näher kennengelernt als alle anderen seiner menschlichen Gespielinnen. Um sie in das von ihm um sie herum aufgebaute Netz treiben zu können, hatte er sich mit ihr, ihrem Denken und Fühlen beschäftigen müssen. Dadurch hatte sie ihm am Ende mehr bedeutet als es je eine andere seiner Geliebten tat. Als sie ihm freudestrahlend eröffnet hatte, dass sie ein Kind von ihm erwartet, hatte er gespürt, dass ihm dieses Kind sehr viel bedeuten würde. Das hatte er wegen Fraya nicht zulassen dürfen. Die große Göttin hatte ihm seine Seitensprünge immer wieder verziehen, weil sie um die Oberflächlichkeit seiner Gefühle für die Menschen wusste. Wenn sie ihn jetzt so aufgebracht erlebt hätte, hätte sie gewusst, dass es diesmal anders gewesen war. Das hätte für Thore ernste Folgen haben können. So hatte es eine ganze Zeit gedauert, bis er seine Gemächer betreten hatte. Fraya hatte dort bereits auf ihn gewartet. Ganz ruhig hatte sie im Dunkeln in einem Sessel gesessen. Sie hatte ihn und seine Gefühlslage deutlich eher gesehen als er sie. Zum Glück für Thore hatte er zu diesem Zeitpunkt seine Tür bereits mit zwar ernster aber unbeteiligter Miene öffnen können. So war Fraya sein wirklicher Gemütszustand verborgen geblieben. „Wenn du noch einmal zu ihr gehst, verlasse ich dich!“, hatte sie ruhig zu ihm gesagt. Doch diese Ruhe in ihrer Stimme war trügerisch. Sie kannten sich lange genug, sodass Thore genau wusste, dass sie vor Wut kochte und ihre Worte bitterernst meinte. „Ich werde sie nie wiedersehen!“, hatte er ebenso ruhig antworten können. Ohne ein weiteres Wort hatte Fraya seine Gemächer verlassen. Leise schloss sich hinter ihr die Tür. Die große Göttin konnte noch so wütend sein, sie schlug nie mit den Türen. Es hatte Monate gedauert, bis er wieder ihre Gemächer betreten durfte.
Thore erwachte in dem Pferdestall aus seiner Erstarrung, als sich Eric in dem Stroh von einer Seite auf die andere wälzte. Mit einer Handbewegung sorgte der große Gott dafür, dass der Junge nicht aus seinem Schlaf erwachte. Er hatte das Wort, das er Fraya gegeben hatte, gehalten. Er war nie wieder nach Trendhoak zurückgekehrt. Erst Erics Fackel an seinem heiligen Baum hatte seine Aufmerksamkeit nach zwölf Jahren wieder auf diesen Ort gerichtet. Mit einem Blick hatte er die Situation erkannt, gewusst, wer dort dem Feuer übergeben wird. Ohne darüber nachzudenken, hatte er sich dazu entschlossen, seinen Sohn nach Oskan zu holen. Erst während seines Ritts zurück nach Amesia waren ihm Bedenken wegen Fraya gekommen. Um seinen Frieden mit der großen Göttin zu bewahren, hatte er sich entschlossen, diesen Jungen nicht in sein Herz hineinzulassen. Er würde ihn zu einem Krieger Oskans ausbilden lassen. Sein Sohn würde dieser Junge niemals sein. Ächzend erhob sich Thore. Er hatte lange bei dem Fohlen gehockt. Lautlos verließ er den Stall wieder.
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