- Aber sie ist nur vorläufig frei, fahre ich fort. Wenn es den Polizisten einfällt, können sie Vicky jederzeit wieder festnehmen. Und ihre Aufenthaltsgenehmigung kann sie vergessen, solange der Mord nicht geklärt ist, das steht fest.
Sie stellt die Mate-Kalebasse zur Seite, stützt die Arme auf die Knie und richtet ihren Blick über die Berge nach Norden.
- Es ist nicht einfach, arm zu sein, Señor Schill, sagt sie leise, und noch weniger einfach ist es, arm und Bolivianer zu sein. Aber eine arme Bolivianerin zu sein, eine Frau, Sie können es mir glauben, das kann einen manchmal fertig machen. Das Schlimme daran ist, dass es in Bolivien noch härter für uns ist als im Ausland. Deshalb gibt es hier so viele von uns, in diesem Land. Meine Nichte...
- Ach so, Vicky ist Ihre Nichte? unterbreche ich sie überrascht.
Sie macht eine knappe, bestätigende Kopfbewegung, ohne ihre Blickrichtung zu verändern.
- Meine Nichte, fährt sie fort, hat eine Ausbildung, sie ist Krankenschwester. Aber bei uns, sagt sie und deutet mit dem Kinn nach Norden, Richtung Bolivien, bei uns hat sie keine Anstellung gefunden. In Argentinien dagegen gibt es Arbeit für Krankenschwestern, und deshalb braucht sie diese Aufenthaltsgenehmigung, damit sie eine Arbeitsgenehmigung bekommt. Sie soll hier bleiben, in Córdoba. Verstehen Sie? Ich will nicht, dass sie nach Buenos Aires geht, dort kommt man als mittellose junge Bolivianerin schnell unter die Räder.
Der Holzklotz wird mir langsam unbequem, und so stehe ich auf, stelle mich zwischen Martita und Bolivien und lege nach. Kein Mörder, keine Aufenthaltsgenehmigung, mache ich ihr erneut deutlich. Sie seufzt, wie nur eine arme, tüchtige Frau seufzen kann, die viel Kummer erlebt hat und sich trotz allem nicht unterkriegen lassen will.
- Ich weiß nichts, sagt sie, doch ich kann Ihnen verraten, wen Sie fragen können. Aber Vicky ist dann hier nicht mehr sicher und Sie müssen mir versprechen, dass Sie etwas für sie finden.
Ich stimme zu und denke Gott im Himmel, was soll daraus werden? An solchen Weiterungen ist mir ehrlich nicht sehr gelegen. Und was wird mit Ihnen? frage ich. Sie zuckt mit den Achseln und meint, es ist schon gut so, ich glaube, Pedro kann Ihnen weiterhelfen. Danke, sage ich und lege ihr die Hand auf den Oberarm. Sie schüttelt abwehrend den Kopf und greift zur Hacke.
Audienz beendet, Schill. Lass uns gehen!
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