1 ...7 8 9 11 12 13 ...32 »Hm, damit liegst du vermutlich nicht verkehrt, wobei noch nicht eindeutig klar ist, ob sie die Oberfläche überhaupt erreicht.«
»Du hast recht, das ist einer der Unsicherheitsfaktoren und ich frage mich gerade, ob wir zu diesem Zeitpunkt bereits schlafende Hunde wecken sollten?«
Pedro Diaz lachte laut, sodass die übrigen Kollegen, die im kleinen Saal des IGN derzeit Dienst taten, verwundert zu ihm hinüberschauten und die Köpfe schüttelten. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, flüsterte er Alvarez zu: »Es gibt für uns doch nur 2 Möglichkeiten. Entweder wir sind die Helden oder die Deppen der Nation.«
»Toll, wie du meiner ernsthaften Frage ausgewichen bist. Bekomme ich wenigstens noch eine vernünftige Antwort?« Diaz sah den Kollegen mit ernster Miene an.
»Die Chance das der Teide ausbricht, liegt für mich derzeit bei 50:50.«
»Okay und was wollen wir jetzt machen?«
Pedro überlegte kurz, ehe er lächelnd meinte: »Wozu sind eigentlich Vorgesetzte da?«
»Du meinst, ich soll die Chefin informieren.«
Sein Kollege klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. »Früher oder später musst du das sowieso. Also hole sie aus dem Bett und dann darf sie selbst entscheiden, wie es weitergeht.«
»Manchmal hast du richtig tolle Ideen, Pedro.«
»Ich habe immer super Vorschläge. Das weißt du doch«, konterte der Katalane gut gelaunt.
»Nicht gleich übertreiben«, erwiderte Hugo Alvarez kopfschüttelnd und drohte ihm schmunzelnd mit dem rechten Zeigefinger. Anschließend nahm er sein Handy vom Schreibtisch, um die Leiterin anzurufen.
10.00 Uhr, Santa Cruz
Die Gerüchteküche schwappte durch die Straßen und Gassen der Inselhauptstadt, nachdem die Verwaltung offiziell bekannt gegeben hatte, dass die Besteigung des Teide bis auf Weiteres untersagt war. Als Begründung wurde mitgeteilt, dass die Wetterverhältnisse einen ungefährlichen Aufstieg derzeit nicht zuließen. Besonders ärgerlich war das Verbot für diejenigen Wanderer, die eine Genehmigung für die Gipfelbesteigung erhalten hatten und die nun hinfällig war.
Natürlich war es nicht das erste Mal, dass der Vulkan selbst oder sogar der gesamte Nationalpark, der große Teile der Las Canadas umfasste, für den Publikumsverkehr gesperrt wurde. Das lag größtenteils an den vorherrschenden Wetterbedingungen, beispielsweise Schneefall und Sturm innerhalb der Caldera. Allerdings herrschte seit einigen Tagen auf Teneriffa Traumwetter, bei 25°C und Windstille.
Über das Warum der Maßnahme machten sich die Kriminalisten des Teams von Hauptkommissar Carlos Sanchez Garcia keinerlei Gedanken. Sie hatten es gerade mit einer Mordserie zu tun, dessen letztes Opfer vor Kurzem auf der Insel entdeckt wurde.
Der Leiter eröffnete in diesem Augenblick die Teamberatung: »Guten Morgen, allerseits. Vorab möchte ich euch mitteilen, dass die Kollegen von der Policia Nacional Filipa Pérez und Enrique Gómez ab sofort zu unserem Team gehören.« Er nickte den neuen Mitgliedern freundlich zu, ehe er fortfuhr: »Den Beiden haben wir es vor allem zu verdanken, dass uns jetzt ein detailliertes Phantombild des mutmaßlichen Verdächtigen vorliegt.« Rasch verteilte er das Bild unter den Anwesenden.
Schweigend betrachteten die Polizisten die Aufnahme, bis schließlich Luisa Navarro meinte: »Der Täter scheint wesentlich jünger, als die Opfer zu sein.«
Manuela Torres nickte. »Du hast recht, ich tippe auf Mitte 50. Ansonsten wirkt er auf mich sehr gepflegt, wie der nette Onkel von nebenan, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann.«
Luis Alonso erwiderte kurz angebunden: »Ja, mehr Schein, als sein.«
Carlos sah seinen Stellvertreter rasch von der Seite an, ehe er an die Runde gewandt meinte: »Der Verdächtige auf diesem Phantombild wurde inklusive einer detaillierten Personenbeschreibung bereits zur Fahndung ausgeschrieben. Aber das ist ja noch längst nicht alles.« Er blickte mit nachdenklicher Miene die neuen Kollegen direkt an, ehe er anwies: »Eure Aufgabe wird es sein, schnellstmöglich Fahndungsplakate an sämtliche Hotels, Vermieter von Ferienwohnungen, Taxis, Mietwagenfirmen und die beiden Flughäfen zu verteilen und gleichzeitig natürlich Befragungen durchzuführen. Vielleicht geht uns der Täter ja auf diese Weise schnell ins Netz.« Das sollte wohl optimistisch klingen, allerdings drückte sein Gesichtsausdruck etwas anderes aus.
Filipa Pérez meldete sich zaghaft zu Wort.
»Bitte.«
»Das schaffen wir aber nicht alleine, Carlos.«
Der Angesprochene schmunzelte. »Keine Sorge, ihr bekommt ausreichend Verstärkung von der Policia Nacional. Ich habe mich vorhin mit dem Polizeipräsidenten unterhalten und er wird uns 15 Beamte speziell für diese Aufgabe zur Verfügung stellen. Ihr seid vor allem für die Organisation und die Koordination der Maßnahme verantwortlich. Ich möchte spätestens jeden Morgen einen Zwischenbericht auf meinem Schreibtisch haben. Bekommt ihr das hin?«
Pérez und Gómez nickten sofort und Enrique meinte lächelnd: »Kein Problem, Boss.«
»Gut. Wie sieht es bei dir aus, Luis? Hat dir das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) bereits Unterlagen geschickt?«
Sein Stellvertreter bestätigte: »Ja, mir wurden heute Morgen insgesamt 6 GB Daten per Mail zugesandt.«
»Oh, das klingt nach sehr viel!«
»Was du nicht sagst«, erwiderte er spöttisch. »Um ehrlich zu sein, alleine schaffe ich es nicht, diese Masse an Informationen innerhalb eines kurzen Zeitraumes durchzusehen.«
Carlos lächelte. »Keine Sorge, Luisa wird dir tatkräftig unter die Arme greifen und außerdem treffen heute Abend zwei Kollegen vom BKA mit einem Linienflug bei uns ein.«
»Oh, das klingt gut. Du hast dich also bereits mit dem Boss darüber unterhalten?« Alonso sah zufrieden aus.
»Natürlich. Wo du vermutlich mit dem Morgenkaffee in der Hand erst langsam wach wurdest, saß ich bei unserem Chef schon längst auf dem Schoß.«
Alle lachten laut los und wer weiß, was für Bilder gerade in ihren Köpfen entstanden. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, fragte Luis skeptisch: »Können die Deutschen wenigstens ein wenig spanisch, denn meine Deutschkenntnisse sind arg schlecht oder eher nicht vorhanden.«
»Keine Sorge, sie sprechen neben Englisch, auch unsere Sprache fließend.«
»Das klingt gut. Dann brauche ich ja den Google-Translater nicht zu nutzen«, erklärte er spitzbübisch.
»Kannst du uns schon etwas zu den Informationen des BKA sagen.«
Luis nickte: »Na klar, die Deutschen haben freundlicherweise eine kurze Zusammenfassung mitgeschickt.«
»Bringt sie uns irgendwie voran?«
»Nicht wirklich, aber zumindest gibt es eine Gemeinsamkeit bei sämtlichen Opfern. Sie stammen alle aus Ostdeutschland, allerdings nicht aus der gleichen Stadt.«
Manuela Torres hob kurz die Hand, ehe sie meinte: »Wann lebten sie denn allesamt im östlichen Teil von Deutschland?«
»Da muss man sehr weit zurückgehen.«
»Geht es vielleicht ein wenig genauer, Luis?«, fragte die Forensikerin spöttisch.
»Ende 1989.«
»Das heißt, sie haben alle in der DDR gelebt und nachdem die Grenze geöffnet wurde, sind einige nach Westdeutschland übergesiedelt.«
»Genau, das erfolgte bis Mitte der 1990er Jahre.«
»Aber zumindest ein Teil wohnte weiter in Ostdeutschland.«
»Ja, das stimmt. Das BKA vermutet deshalb, das sich Täter und Opfer noch aus DDR Zeiten kannten.«
Erregt mischte sich Luisa Navarro in die Diskussion ein: »Es muss damals etwas vorgefallen sein, das sämtliche Protagonisten auf tragische Weise miteinander verbunden hat.«
Alonso nickte. »Ja, davon gehen die deutschen Ermittler derzeit aus.«
»Das heißt, wenn wir dieses Ereignis zeitlich eingrenzen können, dann finden wir auch den Täter.«
»Ja, das ist allerdings leichter gesagt, als getan«, schränkte der erfahrene Kriminalist achselzuckend ein, »denn ansonsten hätte ich keine 6 GB an Daten erhalten.«
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