Claudia Martini - Morgen wirst Du frei sein

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"Als ich zu mir kam, lag ich auf dem Küchenboden. Vor mir, nicht einen Meter entfernt, meine Mutter. Ihr rechtes Auge war halb geschlossen, das linke glotzte mich an. Das Gesicht wirkte so verrutscht wie der Bademantel, der den Blick auf ein geblümtes Nachthemd und das faltige Dekolletee freigab. Die Haut zerknülltes Wachspapier, die Haare wie vom Sturm zerwühlt.
Ich schaute weg.
Ein Messer lag unter dem Tisch. Ich erkannte es, es steckte für gewöhnlich in dem hölzernen Messerblock an der Spüle. Es war jenes, das mein Vater verwendet hatte, um Gulasch zu schneiden.
Es hatte braune Flecken.
Ich hatte niemals eine Leiche gesehen. Jetzt hatte ich zweifellos eine vor mir.
Ich drehte den Kopf und sah das Blut. Nicht viel, aber deutlich erkennbar auf dem weißen Frottee.
Ich hatte keine Ahnung, was passiert war.
Ich erinnerte mich nicht an einen Streit zwischen uns, nur an die Nachrichten. Es ging um den Euro, um die Krise in Griechenland, um eskalierende Demonstrationen in Spanien. Die Kanzlerin rief zu Besonnenheit und Sparsamkeit auf. Die Versuche Irans, ein Atomkraftwerk zu bauen, waren ebenfalls ein Thema. Der Wetterbericht fehlte bereits in meiner Erinnerung.
Meine Mutter brühte sich an kühlen Abenden Kräutertee. Aber was wollte ich in der Küche?
Ich schauderte, konnte mich aber nicht abwenden. So blieb ich unbeweglich dort auf dem Fliesenboden, fror, begann zu zittern, dann zu weinen.
Ich fühlte zu viel, um mit diesem Aufruhr in meinem Inneren umgehen zu können. Einsamkeit. Verzweiflung. Schuld. Angst. Doch als ich meine Mutter da liegen sah, still und stumm, stellte sich ein weiteres Gefühl ein.
Erleichterung.
Und das löste Panik aus."

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»Wie spät ist es?« Ich brachte kaum einen Ton heraus, räusperte mich.

»Kurz nach acht Uhr. Ein wunderschöner sonniger Tag. Es soll warm werden, 25 Grad. Wir sollten uns mal den Garten ansehen, was meinst du? Der Herbst kommt, und man sollte sich allmählich überlegen, was alles zu tun ist. Hast du Zeit?«

Ich antwortete nicht. Ich war sprachlos.

Während wir frühstückten, fragte sie mich über mein Studium aus. »Warum studiert man als Deutscher Deutsch? Ich meine, was hat man davon, später mal? Als was arbeitet man? Willst du Lehrer werden?«

Ich nahm einen Schluck Kaffee. Dieselbe Diskussion hatte ich nach dem Abitur mit meiner Mutter geführt, ebenfalls beim Frühstück. »Ich möchte als Lektor in einem Verlag tätig sein«, antwortete ich.

»Was tut ein Lektor?« Sie sah mich über den Tisch interessiert an. Meine Mutter war damals aufgestanden, hatte ihre Tasse und ihren Teller genommen und im Vorbeigehen auf mich hinuntergebellt, dass solche Hirngespinste überhaupt nicht infrage kämen. Ich hätte Lehrer zu werden, Beamter mit Pensionsanspruch und privater Krankenversicherung, Ende der Debatte.

»Er arbeitet ein Verlagsprogramm aus, sucht passende Schriftsteller, kauft ausländische Bücher ein und lässt sie übersetzen, liest Exposees und Manuskripte, verhandelt mit Autoren und Agenten und so weiter.«

»Klingt interessant. Ich meine, es geht ja für einen Verlag nicht nur um Literatur, stimmt´s? Es geht ja auch darum, Geld zu verdienen.«

Ich nickte. »Genau das. Meist wird Letzteres höher priorisiert, je nach Einfluss des Managements. Nur wenige Verlage können oder wollen es sich leisten, Kunst zu produzieren.«

»Hast du denn schon Erfahrung in einem Verlag gesammelt?«

»Ich habe zwei Praktika gemacht. Eines noch während der Schulzeit und eines unmittelbar nach dem Abitur. Ich würde gern ein weiteres machen, ein längeres, möglichst im Ausland, aber ...« Ich bremste mich.

»Aber deine Mutter hat gemeint, du sollst lieber fertig werden mit dem Studium und keine Zeit verschwenden.«

»Genau«, flüsterte ich.

»Blödsinn. Was bringt die ganze Theorie, wenn du keine Ahnung hast, wie es in einer Firma zugeht? Ausmalen kann man sich viel. Man muss es erleben!«

Ich nickte. Meine Mutter hatte meine Pläne Flausen genannt. Als Staatsdiener bräuchte ich kein Praktikum. Staatsdiener. Ich hatte höhnisch gelacht und für meine Unverschämtheit einen ermüdenden Monolog über Undankbarkeit über mich ergehen lassen müssen. Ich lernte daraus und verschwieg, dass ich nicht ‚auf Lehramt‘ studierte, nicht daran dachte, eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen.

»Na, wir werden sehen.« Entschlossen erhob sie sich, räumte den Tisch ab und verschwand.

»Übrigens«, rief sie irgendwoher, »bin ich nachher weg. Und du solltest endlich die Wäsche von der Leine nehmen und diese Plastikplane aufräumen.«

Nachmittags war sie zurück, das Fahrrad beladen mit Taschen und Beuteln. Sie lud ab und stellte ihr Rad in den Schuppen. Dann sah sie mich am Fenster stehen.

»Magst du mir nicht helfen?«

Ich ging hinaus, warf mir eine Art Seesack über die Schulter, nahm eine Tasche und trug sie ins Haus.

»Wohin?«, wollte ich wissen.

»Ins Schlafzimmer.«

Während sie auspackte, stand ich in der Tür an den Rahmen gelehnt.

Sie hatte ihre Kleidung geholt. Unterwäsche, Strümpfe, Schlafanzüge, Hosen, Shirts, Blusen, Pullover. Keine Röcke oder Kleider. Sie sortierte alles auf dem Bett und öffnete die Schranktüren. Seufzte.

»Haben wir große Müllsäcke?«, fragte sie über die Schulter.

»Ich denke schon.«

Sie schaute mich an. »Und? Holst du mir welche? Sei so lieb.«

Ich gehorchte.

Als ich zurück war, die blauen Beutel in der Hand, war der Fußboden bedeckt mit Mutters Kleidern.

»Magst du das alles in die Säcke stopfen? Wir können sie bei Gelegenheit zur Rotkreuzstation bringen, da sind Altkleidercontainer. Weißt du, wo?«

Ich nickte, bewegte mich aber nicht.

Sie warf mir einen Seitenblick zu. »Ach, gib her, ich mach das«, winkte sie ab. »Warum hackst du nicht Holz für heute Abend? Es ist doch etwas kühl, wenn man auf dem Sofa sitzt. Und so ein knisterndes Feuer im Ofen ist urgemütlich, findest du nicht?«

Ich verließ das Haus, ging zum Schuppen und starrte auf den vor dessen Wand sauber geschlichteten Holzstapel, auf die Axt, auf den Holzklotz. Mutter hatte Angst vor der Axt gehabt, schon immer. Nach Vaters Tod hatte ich mich um Feuerholz gekümmert.

Ich nahm das Beil, wog es in der Hand. Dann legte ich ein Stück Holz zurecht und spaltete es mit einem Hieb. Wie es diese Frau angeordnet hatte, die in diesem Moment damit beschäftigt war, bei mir einzuziehen.

Die Tage vergingen. Ich gewöhnte mich an die neue Situation, an die Freundlichkeit, mit der ich behandelt wurde, an die Gelassenheit, mit der Thea, wie ich sie nach einigem Zögern nun nannte, das Leben anzugehen schien. Sie plauderte, diskutierte, hinterfragte, erkundigte sich nach meiner Meinung, nach meinen Wünschen und Plänen.

Ich entspannte mich zunehmend.

Sie war einfach da, so, als wäre es niemals anders gewesen. Und sie würde, das war mir rasch klar geworden, nicht mehr verschwinden. Ich wusste nicht einmal, ob ich überhaupt wollte, dass sie mich verließ.

Hin und wieder brach sie mit ihrem Fahrrad auf und blieb einige Stunden weg. Ich hatte mich nie getraut, sie zu fragen, wohin sie fuhr.

Zwei Wochen nachdem sie vor meiner Haustüre gesessen hatte und mit einer Selbstverständlichkeit geblieben war, die mich noch immer verblüffte, folgte ich ihr.

Sie radelte die Straße hinunter bis zur Dorfstraße, bog rechts ab und sofort links in einen Feldweg ein. Ich hielt Abstand. Als sie am Waldrand angekommen war, trat ich in die Pedale. Meine Augen brauchten einen Augenblick, bis sie sich an die Dämmerung im Wald anpassten, dann sah ich Thea wieder.

Sie war mehrere hundert Meter entfernt. Sie bog ab in einen Trampelpfad, den Jäger nutzten, um zu einer Fütterungsstelle für Wild zu gelangen. Ich beschleunigte, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Plötzlich erkannte ich meinen Fehler. Sie hatte angehalten, sich umgedreht, schaute mir entgegen.

Ich blieb stehen, verlegen.

»Und? Jetzt?«, fragte sie.

Ich wusste keine Antwort.

»Fahr nach Hause!«

Ich zögerte, öffnete den Mund, um etwas zu sagen.

»Sofort!«

Ich nickte, drehte mein Fahrrad um und kurbelte davon. Ich schämte mich.

Am Abend saß ich in der Küche, die Uhr im Blick, und wartete auf sie. Ich machte mir Sorgen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Und Hunger.

Ich schmierte mir ein Brot, aß es im Stehen vor dem Fenster. Draußen wurde es allmählich dunkel. Blaue Stunde hatte meine Großmutter diese pastellfarbene Stimmung genannt.

Ein Geräusch an der Haustüre. Sie war wieder da. Ich seufzte erleichtert. Ich hatte sie nicht kommen sehen, sie musste sich über die Wiese hinter dem Haus genähert haben. Ich wandte mich um.

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